„Verinnerlichte Beschädigungen“

Literatur aus der Arbeitswelt

Werner Lang – unter anderem Autor im Literaturblog „Duftender Doppelpunkt“ – setzt sich in seinem Text „Verinnerlichte Beschädigung“ mit der Arbeitswelt von Monteuren der Voest-Alpine in der Sowjetunion der 1980er-Jahre auseinander.

Verinnerlichte Beschädigungen

Thema: Liebe

In den Achtziger-Jahren gingen einige meiner Arbeitsreisen als Monteur – unter anderem – auch in die Sowjetunion. In Bezug auf das gestellte Thema „Geschlechtsverkehr“ kann ich mich im Nachhinein nur mehr an die Baustelle von der Voest-Alpine-Montage in Weißrussland in der Nähe von Shlobin erinnern.

Dort sollte ein riesiges Stahlwerk entstehen. Ob es jemals in Betrieb genommen wurde, habe ich bis heute nicht in Erfahrung gebracht. Mein Arbeitsvertrag lief ein paar Monate vor der Fertigstellung ab und wurde nicht mehr verlängert.

Das ganze Baustellengebiet von der „Voest“ war eingezäunt. Das Eingangstor wurde überwacht. Man konnte nur mit einem Ausweis das Baustellengelände betreten. Mit zur Baustelle gehörte das so genannte Wohngebiet. Dort standen nebeneinander gereiht und aufgetürmt Container. Die Container waren die Schlafstätten der Monteure. In jedem von diesen waren zwei Monteure untergebracht. Sie waren gerade so groß, dass zwei Betten hineinpassten. Toiletten und Waschräume waren extra in anderen Containern untergebracht. Diese waren so zwischen den Schlafcontainern angebracht, dass man sie innerhalb der Containerblöcke erreichen konnte, ohne die gegenseitig anliegenden Containerüberdeckungen zu verlassen. Ein großer Speisesaal mit Werksküche befand sich in einer eigenen Baracke. Sanitätsraum mit Wäscherei lag ein wenig abseits von den Schlafstätten. Zu gewissen Zeiten ordinierte dort auch ein russischer Arzt. Prostituierte durften von den Monteuren in den Wohnbereich von der Baustelle mitgenommen werden. Meistens waren das junge Frauen, einige davon dürften noch minderjährig gewesen sein. Die Monteure hielten sie für Zigeunerinnen. Sie bekamen von den Monteuren zu essen und zu trinken. Das Trinken bestand größtenteils aus Alkohol. Einige von den Prostituierten dürften schon Alkoholikerinnen gewesen sein. Am Abend, also nach Arbeitsschluss, wurden die jungen Mädchen in den Freizeiträumen betrunken gemacht, später in die Container mitgenommen und in den Schlafstätten durchgefickt. Morgens, vor Arbeitsbeginn wurden sie aus den Zimmern geworfen. Am folgenden Abend wiederholte sich das Spiel in anderen Schlafstätten. Tripper war die häufigste Krankheit bei den Monteuren. Der Arzt hatte sich schon darauf eingerichtet. Wenn ein Monteur zu ihm kam und nicht sagte was er hatte, bekam er vom Arzt eine – schon für diese Fälle vorbereitete – Spritze verabreicht, sagte mir einer, der es wissen musste. Doch im Verhältnis der Anzahl von Monteuren auf der Baustelle zu den sogenannten Prostituierten, konnte – mathematisch berechnet – jeder einzelne Monteur nur einmal im Monat zu einem Fick kommen, obwohl „der Strich“ in der Sowjetunion billiger war als in Österreich. Das heißt, es waren nur sehr wenige, aber sehr junge Frauen für den Geschlechtsverkehr in den Arbeiterlagern vorhanden. Sonntags war allgemein arbeitsfrei. Meistens gingen die Monteure in den nächstgelegenen Ort – Shlobin. Der Weg führte an kleinen Siedlungen vorbei. Die Monteure hielten sie für Zigeunersiedlungen. Diese Wohnhäuser standen mitten auf dem vom Fluss Dnjepr versumpften Gebiet. Es waren mehr vereinzelt nebeneinander stehende Holzhäuser. Davor standen immer ein bis zwei ältere Frauen. Wenn Angehörige von der Voest-Baustelle vorbeikamen, hielten sie ihre Röcke hoch und zeigten ihre Geschlechtsteile. Dafür verlangten sie fünfzig Kopeken. Meistens bekamen sie das Geld von den Monteuren nicht, obwohl oder weil ihr Aussehen erbärmlich war.

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GUE SCHMIDT: INSTALLATION ODESSA

Katalogbuchpräsentation wieNICHTS / Rauminstallation ODESSA oder [TREPPE ZUM RUHM] von Gue Schmidt

Gue Schmidt arbeitet seit Beginn der 80er Jahre im Bereich visuell-akustischer Medien, im elektronischen Raum, Installation und Radiokunst, Ausstellungsorganisationen und Performances inner- und außerhalb Europas.

Wo: MAG3 – Schiffamtsgasse 17, 1020 Wien, Tel.: Tel. 0676 3409218
(Erreichbar über U2 Taborstrasse oder U4 Schottenring/ Ausgang U2 Herminengasse)
Wann: bis 08. März 2012.

„Nicht aus dem Schoße der Kunst, sondern aus der Veränderung der Gesellschaft wird das Neue hervorgehen, das den Künstlern noch unausgedrückt vorschwebt…“, aus dem Vorwort zu: Vom Kunstwerk zur Ware, von Hans Heinz Holz (1972)

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LITERATUR GOES SOCIAL MEDIA

Der „Duftende Doppelpunkt“ tut es – und Sie?

Social Media: Ein Überbegriff für Medien, in denen Sie Erfahrungen, Meinungen, Eindrücke und Informationen austauschen können und die die Suche nach Wissen unterstützen.

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    Schreibsalon mit den „Duftenden Doppelpunkten“

    Sie suchen für Ihr literarisches Schreiben einen Rahmen, in dem Sie Anregungen, Austausch mit anderen Schreibenden und individuelle Unterstützung finden?
    Dafür gibt es den einmal monatlich stattfindenden Schreibsalon mit den „Duftenden Doppelpunkten“.

    Das Thema im Februar:
    „An ein stinkend Fleisch macht man gern ein Pfeffer“ oder Über den (Papp-)Teller-Rand schauen.

    Wann: Mittwoch, 15. Februar 2012, 18.00 bis 20.00 Uhr
    Wo: 1060 Wien, Garbergasse 18
    Wie: 7 Minuten von der U3 / U6 Station Westbahnhof. Aufgang „Innere Mariahilferstraße“ – Millergasse: Sie folgen der Millergasse bis zur Kreuzung mit der Mittelgasse und Garbergasse.

    Der Schreibsalon zum Preis einer Kinokarte: 8,- Euro.

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    Lesen weltweit

    „Lesen weltweit“ ist ein Angebot des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung in Kooperation mit der Stiftung Lesen.

    Für folgende Zielgruppen finden Sie auf „LESEN WELTWEIT“ Projekte bzw. Anregungen:

  • Babys
  • Kleinkinder
  • Kinder
  • Jugendliche
  • Erwachsene
  • Familien
  • In einem Nest auf einen Baum sitzenden Kindern wir vorgelesen Auf der Zeichnung sind vier lesende Jugendliche und einige Schlüssel abgebildet

    Creative Commons: Unter der Voraussetzung der namentlichen Nennung der Urheberin ist die Verwendung und Bearbeitung der Bilder gestattet.
    Quelle: Bundesverband Leseförderung. Urheberin: Isabelle Dinter.

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    RUSSISCHE FILME

    Sergei Eisenstein, Sergei Bondarchuk, Elem Klimov, Andrei Tarkowski, Leonid Gaidai …

    Sie sind zu einem Ausflug in die russische bzw. sowjetische Filmgeschichte eingeladen.
    Das russische staatliche Filminstitut Mosfilm, 1920 in der Sowjetunion gegründet, stellt zahlreiche Filme auf der Site Mosfilm bzw. auf einem eigenen Kanal auf YouTube gratis zur Verfügung. Darunter finden sich auch eine Reihe von hervorragenden Literaturverfilmungen.

    Ein Teil dieses cinematograhischen Schatzes wurde mit Untertiteln versehen. Der Großteil mit englischsprachigem, einige wenige mit französischem bzw. ungarischem Text.

    Nachstehend finden Sie eine kleine Filmauswahl:

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    Exil-Literaturpreise „Schreiben zwischen den Kulturen“ 2012

    „Schreiben zwischen den Kulturen“ ist ein Literaturwettbewerb zur Förderung der Literatur von Autoren und Autorinnen, die aus einer anderen Muttersprache kommen und in deutscher Sprache schreiben.

    Teilnahmeberechtigt sind Personen, die seit mindestens einem halben Jahr in Österreich leben. Alle Arbeiten müssen in vierfacher Ausfertigung und in deutscher Sprache eingereicht werden, vom Autor oder der Autorin selbst in deutscher Sprache verfasst und bis zum Zeitpunkt der Einreichung unveröffentlicht sein.
    Alle Dichtungsgattungen sind zugelassen.

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