Archiv für März 2011

31. „ÖSTERREICHISCHER BIBLIOTHEKARTAG“

Donnerstag, 31. März 2011

Die neue Bibliothek – Anspruch und Wirklichkeit

18. – 21. Oktober 2011 in Innsbruck

Der Österreichische Bibliothekartag ist der größte bibliothekarische Fachkongress Österreichs. Er wird von der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB) und dem Büchereiverband Österreichs (BVÖ) mit insgesamt über 4.000 Mitgliedern veranstaltet und findet alle zwei Jahre statt.
Der Kongress richtet sich an Angehörige wissenschaftlicher und öffentlicher Bibliotheken, an Studierende des Bibliotheks- und Informationsmanagements aber auch an InformationsvermittlerInnen an Regierungsstellen und in der Privatwirtschaft.

Call for Papers – Einsendeschluss 15. Mai 2011

Geschlechtersensible Sprache

In Zusammenhang mit dem „Österreichischen Bibliothekartag“ und seinem für 2011 gewählten Thema: „Die neue Bibliothek – Anspruch und Wirklichkeit“ soll an das auch in Bibliotheken nur zu oft vernachlässigte Erfordernis eines geschlechtersensiblen Sprachgebrauchs erinnert werden.

Einige Gedanken und eine kontroversielle Diskussion zum Thema „geschlechtergerechte Sprache“ sind hier im „Duftenden Doppelpunkt im Beitrag „Publizistenpreis der deutschen Bibliotheken“ zu finden.

Im Abschnitt „Kritik am Bibliothekssystem“ werden im Beitrag „Frauenbibliotheken, Lesbenbibliotheken, Genderbibliotheken“ im Bibliotheksportal die Probleme bei der Erschließung der Literatur aufgrund des Fehlens bzw. der Nichtverwendung eines auf geschlechtersensiblen Grundlagen erstellten Schlagwortkatalogs bzw. einer ebensolchen Schlagwortnormdatei angesprochen.

Sprache als ein gesellschaftliches und damit historisches Produkt bildet gesellschaftliche Strukturen ab. Die geschriebene Geschichte ist eine patriarchalisch geprägte Geschichte. Mit einem langen Beharrungseffekt zeigt sich das in der Sprache.

AK BIBLIOTHEK DIGITAL

Donnerstag, 24. März 2011

e-Books

Die „AK Bibliothek digital“ ist eine Verbundlösung der Arbeiterkammern Burgenland, Kärnten, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien.

Die „AK Bibliothek digital“ bietet ein jederzeit über das Internet zugängliches Informations- und Unterhaltungsangebot – unabhängig vom Wohnort, von den Öffnungszeiten der einzelnen AK Bibliotheken und unabhängig davon, ob jemand Mitglied in der AK ist oder nicht.

„AK Bibliothek digital“ hält für ihre LeserInnen rund 7.000 Bücher bereit. Das Spektrum reicht von sozialwissenschaftlicher Fachliteratur über Belletristik bis hin zu Kinder- und Kochbüchern oder Reiseführern, die sich mittels Computer, iPad, eReader oder Smartphone lesen lassen.

Die Verleihdauer beträgt zwei Wochen und ist derzeit auf fünf Medien pro LeserIn beschränkt.

Loginseite der „Digitalen Bibliothek“.

Registrieren

Die Nutzung der „AK Bibliothek digital“ setzt eine einmalige Registrierung voraus. Diese Registrierung erfolgt online. Sie erhalten im Anschluss daran ein Infomail mit Ihren Zugangsdaten.

Wenn Sie schon eine gültige Lesekarte (beispielsweise der AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften) besitzen, füllen Sie das Formular mit Ihren persönlichen Daten aus und geben Sie im Feld „Lesenummer“ den Strichcode Ihrer Lesekarte mit anschließendem Geburtsdatum (JJJJMMTT) ohne Leerzeichen ein.

Wenn Sie noch keine Lesekarte besitzen, können Sie sich ohne Lesenummer registrieren und die eBooks für einen Zeitraum von 14 Tagen nutzen. Sie können während dieser Zeit, aber auch später, eine Lesekarte vor Ort in der Bibliothek der AK Wien (mit Meldezettel und Lichtbildausweis) kostenlos erhalten.

Anmeldung

Um ein eBook ausleihen zu können, müssen Sie sich mit den zugesendeten Benutzerdaten im Bereich für bereits registrierte LeserInnen anmelden.

Suchen und Ausleihen

Für die Ausleihe können Sie zwischen zwei Optionen wählen: Entweder Sie lesen das Buch online am Bildschirm oder Sie laden es auf den eigenen Computer herunter.

Voraussetzung für die Ausleihe ist, dass auf Ihrem Computer das Programm „Digital Editions“ von Adobe installiert ist.

Lesen

Während der Verleihfrist (zwei Wochen) können Sie das Buch lesen und ausdrucken. Für ein komfortableres Lesevergnügen können die eBooks auf spezielle Lesegeräte (eBook-Reader, Tablet-PC …) heruntergeladen werden.

Bücher zurückgeben

Die Nutzung der eBooks ist zeitlich befristet. Nach zwei Wochen werden die eBook-Dateien unleserlich. Sollten Sie das Buch zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu Ende gelesen haben, können Sie das Buch einfach wieder ausleihen.

Infos über die genauen Nutzungsbedingungen und darüber, was Sie tun müssen, um eine dauerhafte Leseberechtigung zu erlangen, erhalten Sie bei Ihrer jeweiligen Arbeiterkammerbibliothek:

AK-Bücherei Burgenland
AK-Bibliotheken Kärnten
AK-Bibliothek Salzburg
AK-Bibliothek Steiermark
Ak-Büchereien Tirol
AK-Bibliotheken Vorarlberg
AK-Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften

Weiterführende Infos

AK-Wien – Informationen zur AK Bibliothek digital, dem großen österreichischen Portal für eBooks.

derStandard.at – AK-Bibliotheken starten größte E-Book-Bibliothek Österreichs.

Futurezone: AK Bibliotheken starten E-Book-Verleih.

Buchkultur im Exil

Freitag, 18. März 2011

Das NS-Regime hat in der deutschsprachigen Buchkultur einen zerstörerischen Kahlschlag betrieben. Unzählige rassistisch oder politisch Verfolgte aus der Buchbranche waren zur Flucht gezwungen und bauten sich eine professionelle Existenz in Südamerika oder Palästina, London oder New York auf. Viele konnten sich im Gastland etablieren und manche, wie Martin Flinker, H. P. Kraus oder George Weidenfeld, spielten als Buchhändler, Antiquar oder Verleger nach 1945 eine international bedeutende Rolle in der Welt des Buches.

Mit der Publikation „Verleger, Buchhändler und Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933″ setzt Prof. Ernst Fischer den aus Deutschland und Österreich vertriebenen VerlegerInnen, BuchhändlerInnen und Antiquare/Antiquarinnen ein Denkmal.

Ernst Fischer – Verleger, Buchhändler und Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933. Ein biographisches Handbuch. Elbingen: Verband Deutscher Antiquare, 2011. 432 S.; geb.; m. Abb.; € 68,-.

Rezension

Eine Rezension des Buches von Prof. Murray Hall auf der Site des Literaturhauses Wien.

Buchpräsentation

Prof. Ernst Fischer präsentiert im Literaturhaus die über 800 Lebenswege und Fluchtgeschichten aus dem 2011 erschienen biographischen Handbuch.

Begrüßung: Eberhard Köstler, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Antiquare e.V.
Veranstaltung in Kooperation mit der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich.

Wann: Dienstag, 22. März 2011 um 19 Uhr
Wo: Literaturhaus Wien, Seidengasse 13, 1070 Wien

Ausstellung

Das Literaturhaus Wien zeigt bis 22. April 2011 Bücher, Verlagsprospekte, Lebensdokumente, Fotos und Korrespondenzen aus der Sammlung Ernst Fischer und aus eigenen Beständen.

Bücherverbrennung – Exilliteratur

Siehe auch die Zusamenstellung „Bücherverbrennung – Exilliteratur“ in Petra Öllingers Wohnpage. Sie finden dort eine Reihe von weiterführenden Links und Hinweisen auf mehr als 180 AutorInnen.

„Wenn es Goebbels gelingt, unsere Namen von den deutschen Tafeln zu löschen, sind wir tot. Gespenster in der Diaspora, in der wasserarmen Provinz. Schon die nächste Generation wird nichts mehr von uns wissen.“

René Schickele, Tagebuch-Eintrag vom 11. Dezember 1933 (während des Exils in Frankreich).

Leipziger Buchmesse 2011

Mittwoch, 16. März 2011

Leipziger Buchmesse und Leipzig liest vom 17. bis 20. März

Gastland der Leipziger Buchmesse ist in diesem Jahr Serbien.

Insgesamt werden an der Leipziger Buchmesse 2.150 AusstellerInnen aus 35 Ländern teilnehmen, davon 171 Verlage aus Österreich. An die 160.000 BesucherInnen werden erwartet.

Dem österreichischen Publizisten, Schriftsteller und Übersetzer Dr. Martin Pollack wird der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für das Jahr 2011 zuerkannt. Die Preisverleihung an Martin Pollack findet anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse am 16. März 2011 im Gewandhaus zu Leipzig statt.
Tags darauf wird der Preis der Leipziger Buchmesse 2011 vergeben.

Am Stand der IG Autorinnen und Autoren stellen 135 österreichische Verlage aus. Das Literaturradio-Projekt „literadio“ überträgt einen Großteil des Programms live.

Der Folder mit dem Programm von „literadio“ auf der Leipziger Buchmesse.

20 österreichische Verlage sind am Gemeinschaftsstand des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels vertreten. Das „Wiener Kaffeehaus“ lädt im Rahmen von 30 Veranstaltungen zum Kennnenlernen österreichischer Verlage und LiteratInnen ein.

„Leipzig liest“ feiert seinen 20. Geburtstag! Vier Tage lang gehen über 2.000 Veranstaltungen mit mehr als 1.500 AutorInnen an rund 300 Veranstaltungsorten über die Bühne.

8. März Internationale Frauentag

Dienstag, 8. März 2011

Anlässlich des 100. Internationalen Frauentages weisen wir, zusätzlich zu den drei aktuellen Beiträgen „E-Cards zum Internationalen Frauentag“, „100 Jahre Internationaler Frauentag“ und der „Literaturliste“, auf eine kleine Auswahl frauenspezifischer Artikel hin, die in den letzten Jahren im Literaturblog „Duftender Doppelpunkt“ veröffentlichten wurden.

„Brot und Rosen“ ist der Titel eines Liedes aus dem Jahre 1912. Es entstand bei einem Streik von 14.000 Textilarbeiterinnen für bessere Löhne und gegen Kinderarbeit in Lawrence, USA.
Der Slogan Brot und Rosen wurde zum Leitspruch nicht nur der amerikanischen Frauenbewegung. In ihm werden beide Komponenten eines schönen, menschenwürdigen Lebens vereint. Brot als Grundlage, um nicht in Armut leben zu müssen und Rosen als der Ausdruck für das Schöne. Kleine Kulturgeschichte der Rose.

Frauen in Bewegung 1918-1938: Die Webpräsentation von Ariadne, der frauenspezifischen Informations- und Dokumentationsstelle an der Österreichischen Nationalbibliothek. Ein Informationssystem und Webportal zur Vermittlung frauenpolitischer und frauenbewegter Aktivitäten der Ersten Republik und des ständestaatlichen Regimes.

Frauengeschichte. Die Site frauenwissen.at von Irmgard Neubauer bietet eine Fülle von interessanten Informationen. Sie finden dort beispielsweise Infos über die Amazonen, das Frauenleben im Mittelalter, die Beginen, Frauenleben in der Neuzeit, Special: die Hexen. Ein weiterer Bereich widmet sich dem Thema Frauendarstellungen an Hausmauern, als Skulpturen, Frauengrabsteine, Gedenktafeln, Straßennamen, Ortsschilder. Literaturempfehlungen, Verweise auf andere Sites und eine Sammlung von Frauenzitaten runden die Infos zum Thema Frauengeschichte ab.

Frauen wählet! Erst seit 1919 dürfen alle Frauen in Österreich wählen… Das Thema Frauenwahlrecht wird in der virtuellen Ausstellung „Frauen wählet!“ an Hand von zeitgenössische Fotos, Plakaten, Flugblättern, Illustrationen und Zeitungsausschnitte aus den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek aufbereitet.

ofra – online archiv frauenpolitik: Ausgewählte Dokumente (Fotos, Briefe, Plakate und Reden) zur österreichischen Frauenpolitik aus den Beständen des Johanna Dohnal Archivs und des Kreisky Archivs werden erstmals online präsentiert.

PREKARIAT: Bundesvernetzung von Frauen in Kunst und Kultur. Ein Reader und viele weiterführende Infos zum Thema Prekariat.

Prostitution – Sexarbeit – Menschenhandel: Weltweit sind rund 2,5 Millionen Menschen von Menschenhandel betroffen. 80% davon sind Frauen. Mit Menschenhandel werden jährlich 27 Milliarden Euro verdient. Mehr als mit Drogen oder Waffen. Der Beitrag bietet eine Umfangreiche Zusammenstellung von weiterführenden Infos zu den Themen Prostitution, Sexarbeit und Menschenhandel

Publizistenpreis der deutschen Bibliotheken 2011. Über die Notwendigkeit von geschlechtergerechten Ausschreibungen. „Publizistenpreis“. Gibt es in Deutschland keine Journalistinnen? Ach ja, sie sind, so sie nicht bereits ihrer natürlichen Bestimmung nachkommen und sich zu Hause unter anderem um den Nachwuchs kümmern, sicher mitgemeint …
In der Ausschreibung des Publizistenpreises ist der weibliche Teil der schreibenden Zunft dann immerhin unter „Journalisten/innen“ zu finden. – Das Wort „Journalisten/innen“ erinnert allerdings ein wenig an einen Appendix: die schreibende Frau als intellektueller Wurmfortsatz des männlich determinierten deutschsprachigen Journalismus.

SEXARBEIT: Ergänzend zum Beitrag „Prostitution – Sexarbeit – Menschenhandel“ und den dortigen Hinweisen auf Datenbanken / Literatur / Dokumente und Hilfs- bzw. Selbsthilfeorganisation sowie gewerkschaftlichen Vertretungen der SexarbeiterInnen finden Sie hier eine kleine zusätzliche Literaturliste.

„Soweit in den Texten personenbezogene Begriffe verwendet werden, möchten wir ausdrücklich darauf hinweisen, dass diesen keine geschlechtsspezifische Bedeutung zukommt, wir aber aus Gründen der Textökonomie und Lesefreundlichkeit nur die männliche Schreibweise angeführt haben.“ Damit niemand mehr zu obenstehender Begründung für die ausschließliche Verwendung der männlichen Form in Texten greifen muss, gibt es das folgende Angebot: Sprachleitfaden Geschlechtergerechter Sprachgebrauch

Unbekannte ArbeiterInnenliteratur

Freitag, 4. März 2011

Erich Zwirner, 22.09.1928 – 17.04.2003

Erich Zwirner wurde in Mürzzuschlag geboren. Lebte in der eigens für das Stahlwerk “Schoeller – Bleckmann“ angelegten Arbeitersiedlung Hönigsberg. Arbeitete in diesem Stahlwerk in verschiedensten Bereichen, als Walzer, Oberbau- und Platzarbeiter, Kesselwärter und zum Schluss, bis zu seiner Pensionierung, als Umspannwärter. Beschrieb diese Bereiche und seine Arbeit in zahlreichen Prosatexten mit größtenteils autobiographischen Zügen. Verstarb am 17. April 2003 in Mürzzuschlag.

Erich Zwirner war Mitglied im „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ und wurde für sein literarisches Schaffen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Der folgende Text „Als der Nebel sich hob“ stammt aus: Erwin Zwirner: Im Schatten der Zeit. Erzählungen. 1992, merbod–Verlag, Wiener Neustadt.

„Im Schatten der Zeit“ ist leider heute nur mehr antiquarisch erhältlich. Ebenfalls vergriffen sind die Werkstatthefte der „Steirischen Werkstatt – Literatur der Arbeitswelt“, in denen Erwin Zwirner immer wieder publiziert hat.

Als der Nebel sich hob

Als der Nebel sich hob … standen sie in einer eiskalten, luftleeren Mondlandschaft.

So oder ähnlich würde ein Lyriker die Situation der Stahlarbeiter beschreiben. Ein Märchenerzähler nach Jahren im Atombunker der Regierung aber so: Es war einmal eine mächtige Eisen- und Stahlindustrie in unserem Lande, in der die Arbeiter bis zum Jahre 1979 fast glücklich und zufrieden ihr Brot verdienten. Ihre Regierung und ihre Gewerkschaft sagten ihnen täglich, dass sie auf einer Insel der Seligen lebten. Und sie glaubten es. Der Nebel, der über dem Lande lag, störte sie nicht weiter. Im Gegenteil. Er schützte sie sogar vor ein paar mahnenden Stimmen, deren Laute in dieser Watte versanken.

Genau so aber übersahen sie die unheimlichen Gestalten, die nur in Grauzonen lebten und immer besser gediehen, ohne etwas zu leisten. Eines Tages aber kam ein Sturm auf und wehte den Nebel fort. Als die Arbeiter daraufhin ihre Köpfe hoben und zum ersten Mal ihre Umgebung klar sahen, kroch eine schreckliche Kälte ihre Rücken hoch und setzte sich zwischen ihren Schultern fest.

Als die Nacht sich davonschlich, ließ sie einen düsteren, grauen Morgen zurück. Wolken hingen so tief vom Himmel, als wollten sie sich auf die Rauchfänge der Werke setzen. Der Lärm der Maschinen und Walzgerüste aber hörte sich leiser an als sonst. Bis er auf einmal ganz verstummte.

Kurze Zeit später kommen die Arbeiter aus dem Werkstor und sammelten sich auf dem Parkplatz. Die roten, gelben und blauen Schutzhelme bilden ein buntes Muster. Sie formieren sich zu einer dreireihigen Schlange und marschieren zwischen Bahndamm und Fluß der Stadt zu.

Karl hat sich mehr am Ende der Kolonne eingereiht. Er ist niedergeschlagen und verbittert. Er ist 1925 geboren. „Wieder marschieren“, denkt er sich. „Immer wenn marschiert wird, ist das Land krank. Immer hat es zuerst mit Wirtschaftskrisen und dann mit Kriegen zu tun. Und jede Straße endet in Armut, Not, mit verwüsteten Ländern und auf riesigen Schlachtfeldern. Er beobachtete seine Kollegen. Er hat den Eindruck von einer gesichtslosen Masse. Abweichende, nichtssagende, hassende Gedankensplitter glaubt er zu fühlen. Nur überlagert von der Angst des Arbeitsplatzverlustes. Keine Spur von Solidarität oder einem festen Ziel.

Er schiebt sich seinen Helm aus der Stirn. Er weiß auch nicht, was er täte, wenn er seine Arbeit verlieren würde. Denn die Arbeit zu verlieren heißt, sich selbst zu verlieren. Hieße für ihn Armut und ausgestoßen sein. Hieße nicht fähig sein, seine Kinder zu versorgen und ihnen eine Kindheit ohne Not zu bieten. Als Versager dazustehen. Und so wird jeder gegen jeden kämpfen. Das Wort „Solidarität“ wird zum Schimpfwort werden. Die Gewerkschaft wandert auf einem schmalen Grad und muss aufpassen, nicht zum Diener einer kapitalistischen Finanzpolitik zu werden.

„Belsazar!“ Die Schrift an der Wand,. Vor ihm geht Kurt. Ein lustiger, hübscher Bursche. Er ist ein Lebenskünstler. Immer auf der Butterseite. Ihm, Karl, ist er ein bisschen zu glatt. Er hält ihn für eine Wetterfahne, die sich immer nach dem Winde dreht. Karl hat Kurts Worte noch in seinen Ohren.

„Gehören sowieso 200 hinausgeschmissen. Die Krankenstandschinder und Blaumacher. Und die Zettelpicker.“ Und, und, und. Aber Karl hat noch nie gesehen, dass Kurt sich einen Hax`n ausgerissen hätte bei der Arbeit. Oder, wenn er an Fritz, der zwei Reihen hinter ihm geht, denkt. Ein guter Arbeiter, aber ohne Rückgrat.

„I moch meine Orbat und olles andere is mir wurscht“, sagte er bei jeder Gelegenheit, wenn ihn einer um seine Meinung fragt. Oder: „Vom Lesen wird man nur blöd.“

Die meisten sind schon in Ordnung, nur haben sie es sich in den letzten 30 Jahren abgewöhnt, selbst zu denken, und haben statt dessen alle Entscheidungen ihren Vorgesetzten und Betriebsräten überlassen. So scheuen sie sich, berechtigte Kritik zu üben. Sie schimpfen höchstens im Wirtshaus. Wenn ein Direktor kommt und ihnen erzählt, dass die Wirtschaftslage schwierig sei und eben dadurch von ihnen besonders große Opfer gefordert werden, so empfinden sie es zwar hart, aber keiner von ihnen denkt daran, ob das so sein muss. Oder ob es nicht auch andere Wege gibt, um diese Opfer zu vermeiden. Sie begreifen nicht, dass es scheißegal ist, was so einer quatscht, wenn nur die Arbeiter alles ausbaden müssen, was manche „da oben“ vermurksen.

Wenn ich zum Doktor gehe, weil ich krank bin und der sagt mir die Krankheit, kann, oder will mir nicht helfen, so wechsle ich eben den Doktor und gehe zu einem, der mir hilft, sagt sich Karl, wird aber jäh aus seinen Gedanken gerissen, weil er seinem Vordermann auf die Ferse gestiegen ist.

„Pass doch auf, du Idiot, willst wohl schon jetzt meinen Platz einnehmen“, zischte Heinz ihn an. Wahrscheinlich rauft er sich mit den gleichen Gedanken herum.

Karl antwortete: „Sei nicht blöd. Ich habe nur daran gedacht, wer die Idee gehabt haben könnte zu diesem überstürzten Marsch.“

„Das war der Betriebsrat. Viele von uns murrten, dass nichts geschieht, und da die Kommunisten für morgen eine Protestversammlung angekündigt haben, wollen sie eben denen zuvor kommen.“

„Aber das ist doch eine halbe Sache. Wenn schon Protest, dann muss die ganze Region mit. Denn es geht alle an, ob wir ein Industriefriedhof werden oder nicht.“

„Du kennst die Auffassung unserer Führung. Rebellieren bringt keine Arbeit.“

„Also schön still sein“, spottet Karl, „aber die im Schwesterwerk wissen, wo es ihnen wehtut. Und sie sagen es auch ganz laut.“

„Ja, ja! So ist es eben. Da kannst nichts machen, “ Heinz lacht. „Da hast ein Stück kapitalistisches Produkt.“

Er will Karl einen Kaugummi geben.

„Hör auf mit dem Scheißdreck.“ Karl fühlt, wie die Wut in ihm hochsteigt. „Dass du da noch Witze machen kannst, wenn es um unser Überleben geht. Du bewegst dein Maul immer sehr fleißig. Aber leider zum Kaugummifressen.“

„Ach, leck mich. Ich verputz mich weiter nach vorn. Such dir einen anderen zum Streiten.“

Heinz spuckt seinen Kaugummi auf den Bahndamm, schert aus und reiht sich weiter vorne wieder ein.

Karl ärgert sich über seine Ungerechtigkeit. Er weiß, dass Heinz kein schlechter Kerl ist. Er spricht kein Wort mehr, bis sie beim Werk 1 vor der Stadt angekommen sind. Dort vereinigen sie sich mit diesen Kollegen und gehen das letzte Stück bis zum Hauptplatz gemeinsam.

Es spricht zuerst der Nationalratsabgeordnete dieser Region, dann der Bürgermeister der Stadt und schließlich reden zwei Betriebsräte des Werkes. Einem Politiker der Stadtopposition wird das Wort verweigert, was Karl nicht für richtig hält. Aber alle, die sprechen, sagen sinngemäß das gleiche: Weiterführung des Stahlwerkes bis zur Schaffung neuer Arbeitsplätze, Ausbau der Finalproduktion, Weiterführung des Blockwalzwerkes, und wissen doch schon, dass die Werke zwei und drei zum Tode verurteilt sind. Dass dieser Marsch nur eine Warnung vor einer richtigen Demonstration sein soll, sagen sie alle.

Als dann ein Betriebsrat die Führung der Vereinigten Stahlwerke mit harten Worten angreift und sie für unfähig erklärt, die Werke zu leiten, hört man auf einmal die Worte wie Verräter, Sauhunde, korrupte Schweine aus der Menge aufbrausen. Auch manche Politiker und Betriebsräte werden beschimpft. Am meisten der Zentralbetriebsrat. Er soll nämlich den Spruch von den Faulen und Unzufriedenen, die den Ernst der Lage nun hoffentlich begriffen hätten, in Umlauf gesetzt haben. Da war aber schon alles zu Ende, und wie eine Gewitterwolke, die von der Sonne aufgefressen wird, oder wie ein Luftballon, der zerplatzt, hat sich die Demonstration, die ja keine sein sollte, aufgelöst.

Literaturliste: Frauentag – Frauengeschichte – Feminismus heute

Donnerstag, 3. März 2011

Die folgende Literaturliste anläßlich des 100. Internationalen Frauentages versteht sich als kleine Anregung zum Schmökern und Reflektieren …

Siehe auch die Beiträge „100 Jahre Internationaler Frauentag“ und „E-Cards zum Internationalen Frauentag“

"Der Tag der Frauen" - Arbeiterzeitung vom 19. März 1911

Arbeiterzeitung vom 19. März 1911.docx

FRAUENTAG

Holenstein, Katrin – Rote Fahnen – lila Tücher. 8. März; zur Geschichte des Internationalen Frauentages in der Schweiz. Eidgen. Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann in Bern, 1993. 123 Seiten.

Niederkofler, Heidi (Hgin.) – Frauentag! Erfindung und Karriere einer Tradition. Neue Ausg. 2010. Verlag Löcker, Wien 2011. ca. 300 Seiten. Erscheint: März 2011.

Scholze, Siegfried – Der internationale Frauentag einst und heute: geschichtlicher Abriß und weltweite Tradition vom Entstehen bis zur Gegenwart. Trafo-Verl., Berlin, 2001. 253 Seiten.

Der internationale Frauentag in Österreich. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung, Wien, 2005. 26 Seiten.

Wolff, Kerstin – Alle Jahre wieder… Der internationale Frauentag – ein Feiertag für die Frauenbewegung, in: Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte, Heft 50 (November 2006), S. 66-71.

Wurms, Renate – Wir wollen Freiheit, Frieden, Recht. Der Internationale Frauentag; zur Geschichte des 8. März. Verl. Marxistische Blätter, Frankfurt am Main, 1983. 56 Seiten.

GESCHICHTE DER FRAUENBEWEGUNG

Ankele Gudrun (Hgin.) – Feminismus. Orange Pr., Freiburg, 2010. 221 Seiten.

Bauer, Karin – Clara Zetkin und die proletarische Frauenbewegung. Oberbaum-Verl., Berlin, 1984. 269 Seiten.

Gehmacher Johanna, Natascha Vittorelli (Hgin.) – Wie Frauenbewegung geschrieben wird. Historiographie, Dokumentation, Stellungnahmen, Bibliographien. Löcker Verlag, Wien, 2009. 455 Seiten

Gerhard, Ute – Frauenbewegung und Feminismus. Eine Geschichte seit 1789. Beck, München, 2009. 128 Seiten.

Holland-Cunz, Barbara – Die alte neue Frauenfrage. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2007. 308 Seiten. (Edition Suhrkamp; 2335 / Neue sozialwissenschaftliche Bibliothek).

Karl, Michaela – Die Geschichte der Frauenbewegung. Reclam jun., Stuttgart, 2011. 263 Seiten.

Karl, Michaela – Streitbare Frauen. Portäts aus drei Jahrhunderten. Residenz-Verl., Salzburg, 2009. 270 Seiten.

Karl, Michaela – „Wir fordern die Hälfte der Welt!“ Der Kampf der englischen Suffragetten um das Frauenstimmrecht. Fischer-Taschenbuch-Verl., Frankfurt am Main, 2009. 367 Seiten.

Karlsson, Irmtraut – Frauen graben, wo sie stehen. Frauengeschichte von unten; Gendermainstreaming in der Praxis. ÖGB-Verl., Wien, 2010. 159 Seiten

Pilz, Erika (Hgin.) – Das Ideal der Mitmenschlichkeit. Frauen und die sozialistische Idee. Königshausen & Neumann, Würzburg, 2005. 308 Seiten.

Schmölzer, Hilde – Revolte der Frauen. Porträts aus 200 Jahren Emanzipation. Kitab-Verl., Klagenfurt / Wien, 2008. 395 Seiten.

FRAUENBEWEGUNG HEUTE

Allmendinger, Jutta – Frauen auf dem Sprung. wie junge Frauen heute leben wollen; die BRIGITTE-Studie. Pantheon-Verl., München, 2009. 111 Seiten.

Dohnal, Johanna – Innensichten österreichischer Frauenpolitiken. Innsbrucker Vorlesungen. Studien-Verl., Innsbruck, 2008. 227 S.

Dorn, Thea – Die neue F-Klasse. wie die Zukunft von Frauen gemacht wird. Piper, München, 2006. 343 Seiten.

Gillis, Stacy – Third wave feminism: a critical exploration … . Palgrave Macmillan, Basingstoke, 2004. 267 Seiten

Haug, Frigga – Briefe aus der Ferne. Anforderungen an ein linkes feministisches Projekt heute. Argument, Hamburg, 2010. 317 Seiten.

Lenz, Anne – Feminismen und „Neue politische Generation“. Strategien feministischer Praxis. Westfälisches Dampfboot, Münster, 2009. 151 Seiten.

Lenz, Ilse (Hgin.) – Die neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied; eine Quellensammlung. – 1. Aufl. VS, Verl.für Sozialwiss., Wiesbaden, 2008. 1196 Seiten.

McRobbie, Angela – Top Girls. Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes. Hrsg. von Sabine Hark u. Paula-Irene Villa . VS, Verl. für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2010. 227 Seiten.

Schrupp, Antje – Was wäre wenn? über das Begehren und die Bedingungen weiblicher Freiheit. Helmer, Sulzbach / Taunus, 2009. 182 Seiten.

Schrupp, Antje – Zukunft der Frauenbewegung. Christel Göttert-Verlag, Rüsselsheim, 2008. 78 Seiten

Weiss Alexandra, Simetzberger Verena (Hgin.) – Frauen im 21. Jahrhundert. Situationen, Herausforderungen, Perspektiven ; gesellschafts- und sozialpolitische Aspekte. Innsbruck Univ. Press, Innsbruck, 2010. 146 Seiten.

Walter, Natasha – Living Dolls. Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen. Krüger-Verl., Frankfurt am Main, 2011. 330 Seiten.

Elektronische Zeitschriftenbibliothek

Mittwoch, 2. März 2011

Wissenschaftliche Volltext-Zeitschriften

Die „Elektronische Zeitschriftenbibliothek“ wird im deutschsprachigen Raum von zur Zeit 547 Bibliotheken und Forschungseinrichtungen eingesetzt.
Sie bietet Ihnen die Möglichkeit, sich über die von der jeweiligen Bibliothek lizensierten als auch über die im Internet frei zugängliche elektronische Zeitschriften zu informieren.

In der „Elektronischen Zeitschriftenbibliothek“ kann alphabetisch oder innerhalb von Fächern gesucht werden.

  • Sie umfaßt 52744 Titel, davon 7180 reine Online-Zeitschriften, zu allen Fachgebieten.
  • 27533 Fachzeitschriften sind im Volltext frei zugänglich.
  • Die an der „Elektronischen Zeitschriftenbibliothek“ beteiligten Einrichtungen bieten ihren NutzerInnen zusätzlich den Zugriff auf die Volltexte der von ihnen abonnierten E-Journals.
  • Die Zugriffsmöglichkeiten auf Volltextartikel werden durch verschiedenfarbige Punkte angezeigt:

  • Grün: Der Volltext der Zeitschrift ist frei zugänglich.
  • Gelb: Die Zeitschrift ist für eine Bibliothek lizenziert und für deren NutzerInnen im Volltext zugänglich.
  • Rot: Der Volltext der Zeitschrift ist gegen eine Gebühr nutzbar. Meist sind jedoch Inhaltsverzeichnisse und oftmals auch Abstracts kostenlos verfügbar.
  • Sie können verschiedene Anzeigeoptionen abrufen.

  • Alle Zeitschriften oder nur eine Auswahl, beispielsweise nur frei zugängliche oder lizenzierte Titel
  • Das Angebot einer der über 500 teilnehmenden Einrichtungen