Archiv für Januar 2013

80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 1

Mittwoch, 30. Januar 2013

Den ersten Teil des Literaturquizes der „Duftenden Doppelpunkte“ anlässlich der Bücherverbrennung von 1933 widmen wir einer Kinder- und Jugendbuchautorin.

Es folgen im Abstand von jeweils 14 Tagen weitere 22 AutorInnen. Auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933“ finden Sie immer den Link zur gerade aktuellen Quizfrage.

Diesmal möchten wir von Ihnen wissen:

  • Wie heißt die gesuchte Autorin?
  • Unter welchem Pseudonym hat sie publiziert?
  • Wie lautet der Titel ihres Debütromanes?

Bitte senden Sie Ihre Antworten per Mail an: info@literaturblog-duftender-doppelpunkt.at

Einsendeschluss: 12. Februar 2013, 12.00 Uhr

Dank der Buchspenden von bisher über dreißig Verlagen können Sie diesmal folgende Bücher gewinnen:

Alle Beiträge zum Thema Bücherverbrennung / Exilliteratur im „Duftenden Doppelpunkt“ finden Sie in der Kategorie Exil.
In Petra Öllingers Bibliothek finden Sie eine Liste mit über 200 AutorInnen, Hinweise auf Sekundärliteratur und weiterführende Links.

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Wer verbirgt sich hinter den folgenden Informationen?

1905 in Salzburg geboren, verlässt sie schon früh ihr Elternhaus und lebt als Übersetzerin in Innsbruck. 1925 folgt Sie ihrer Schwester nach Berlin. Den Lebensunterhalt verdient sie sich als Stenotypistin, Buchhändlerin und Journalistin.

Im legendären Malik-Verlag ihres Schwagers Wieland Herzfelde – der Verlag wurde nach einem Roman von Else Lasker-Schüler, „Der Malik“, benannt – lernt sie ihren Mann, einen in Prag geborenen Schriftsteller, kennen.

Ihren Debütroman veröffentlicht sie 1931 unter einem Pseudonym, mit dem sie auf zwei, für die Berliner ArbeiterInnenschaft bedeutungsvolle Orte Bezug nimmt. Der dabei gewählte Vorname verleitet dazu, einen Mann als Autor zu vermuten.

Der Roman beruht auf den Erlebnissen des Sinti Mädchens Erna Lauenburger. Er schildert die Freundschaft zweier Kinder im Berlin der 1920er Jahre. Eine Geschichte über Solidarität, die Infragestellung konservativ-autoritärer Familienverhältnisse und über Mädchen, die sich durchzusetzen verstehen.

Erna wird 1943 als „Zigeunermischling“ nach Auschwitz deportiert und ermordet. Von den elf namentlich erwähnten Sinti, die in dem Buch vorkommen, überlebt nur eines der Kinder die Jahre bis 1945.

„Angesichts unserer vom Kriege bedrohten Welt, angesichts der Todesgefahr, die über unseren Kindern schwebt, haben wir, die wir mit dem künstlerischen Wort Denken und Fühlen von Millionen beeinflussen können, eine besonders große Verantwortung. Es gilt, um eine Ordnung des Friedens und der Menschlichkeit zu kämpfen. In Wort und Tat. Auch mit humanistischen, künstlerisch wertvollen Kinderbüchern.“

Die Autorin ist 28, als ihr zwei Jahre zuvor im Malik-Verlag erschienener „Erstling“ im Zuge der „Aktion wider den undeutschen Geist“, neben den Werken von mehr als hundert anderen AutorInnen am 10. Mai 1933 am Opernplatz in Berlin, dem heutigen Bebelplatz, in Flammen aufgeht.

Schon zuvor, gleich nach dem Reichstagsbrand Ende Februar 1933, flüchtet sie mit ihrem Mann nach Prag. Er arbeitete dort als Chefredakteur der „Arbeiter Illustrierten Zeitung“ (AIZ), in der auch sie Erzählungen veröffentlicht und die Kinderseite gestaltet.

Als die Deutsche Wehrmacht im März 1939 die Hauptstadt des Tschechoslowakischen Republik besetzt, führt sie ihre Flucht gemeinsam mit ihrem Mann weiter nach Frankreich. Wenige Monate später, die beiden befinden sich anlässlich eines Schriftstellerkongresses in den USA, beginnt mit dem Überfall des Deutschen Reichs auf Polen am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg. An eine Rückkehr nach Europa ist vorerst nicht mehr zu denken.

Nach dem Ende des Krieges kehrt sie mit ihrem Mann nach Prag zurück. Er vertritt die Tschechoslowakei in den nächsten Jahren in Washington, Stockholm und in Peking auf dem „diplomatischen Parkett“.

Die Erkenntnis, dass es nach den Jahren des Faschismus unmöglich ist, als deutschsprachige/r SchriftstellerIn in der Tschechoslowakei zu wirken, ist einer der Gründe, der das Ehepaar 1953 wieder nach Berlin führt.

Über all die Jahre bleibt sie ihrem Metier treu und schreibt eine Vielzahl von Kinder- und Jugendbüchern.

„Als einen der anziehendsten und liebenswertesten Charakterzüge am Menschen schätze ich die Kindlichkeit. Ich liebe sie bei Erwachsenen, und ich liebe sie bei jenen, die sie im höchsten Maß besitzen: bei den Kindern. Deshalb wählte ich gerade sie zu meinen Lesern. Ich wollte ihren Gefühlen, ihren naiven und ernsten Erlebnissen, ihren Wünschen und Wunschträumen, denen sie selbst noch nicht Ausdruck verleihen können, Form geben. Ich wollte ihnen ein wahres Bild des Lebens vermitteln und sie lehren, für die beste Sache der Welt, für den Fortschritt, Partei zu ergreifen. Meinen Entschluß, für Kinder und Jugendliche – für unsere Zukunft zu schreiben, habe ich nie bereut.“

Nach dem Tod ihres Mannes 1955 widmet sie sich neben dem eigenen Schaffen auch der Herausgabe seiner Werke.

Sie stirbt 1966 und findet neben ihrem Mann auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde die letzte Ruhe.

2005 wird ihr Romanerstling anlässlich ihres 100. Geburtstages wieder neu aufgelegt.

Zurzeit sind alle ihre Bücher, beispielsweise „Das Eismeer ruft“ oder „Das eiserne Büffelchen“ vergriffen und nur antiquarisch erhältlich.

Vier MigrantInnenschicksale

Dienstag, 29. Januar 2013

Verschollen?

Die Lebensgeschichte von Maria Leitner steht für das Leben vieler Schriftstellerinnen in der Zeit des Nationalsozialismus.

Sie wird 1889 in einer deutschsprachigen Familie in Ungarn geboren. Ab 1913 arbeitet sie als Journalistin in Budapest. Nach dem 1. Weltkrieg bzw. dem Ende der Ungarischen Räterepublik emigriert sie über Wien nach Berlin.

Ab 1925 durchquert sie drei Jahre lang den amerikanischen Kontinent. Bei ihrer literarischen Arbeit verlässt sie sich nicht auf den Blick von außen. Sie sammelt vielmehr in den unterschiedlichsten beruflichen Tätigkeiten, beispielsweise als Dienstmädchen und Zigarettendreherin, ihre Erfahrungen vor Ort.

Maria Leitner, Reportagen aus Amerika. Eine Frauenreise durch die Welt der Arbeit in den 1920er Jahren. Promedia Verlag, Wien. 256 Seiten. 24.- Euro.

Auf der „Schwarzen Liste“ der NationalsozialistInnen befindlich, muss sie 1933 untertauchen und kommt als Emigrantin über Prag nach Paris. Erst ab 1936 erhält sie wieder Aufträge, unter anderem bereist sie inkognito Deutschland und berichtet, wie sich das Land zum Krieg rüstet.

1940, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Paris, wird sie von den französischen Behörden im Lager Camp de Gurs interniert. Ihr gelingt die Flucht nach Marseille, wo sie in extrem ärmlichen Verhältnissen im Untergrund lebt. Ihre Versuche, ein Visum für die Vereinigten Staaten zu erlangen, scheitern. Im Frühjahr 1942 wird sie ein letztes Mal, verzweifelt und krank, im Büro des American Rescue Committee in Marseille gesehen. Danach verliert sich ihre Spur.

Erst 2009/2010 kann Julia Killet im Rahmen ihrer Dissertation das Ende der „verschollenen“ Schriftstellerin klären. Sie stößt auf behördliche Dokumente, die ihren Tod infolge völliger Erschöpfung für den 14. März 1942 attestieren.

Vom Verfemten zum Vorzeigeobjekt

Ernst Glaeser (1902 – 1963) wählt einen anderen Weg. Anfang der 30er Jahre ist er ein international bekannter Autor. Der Roman „Jahrgang 1902“ mit seiner pazifistischen Tendenz trägt dazu bei, dass er sich gemeinsam mit Heinrich Mann und Erich Kästner im zweiten Feuerspruch wiederfindet. In ihm wird er der Dekadenz und des moralischen Verfalls geziehen und seine Bücher landen im Feuer.

Glaeser geht 1933, über eine Zwischenstation in Prag, ins Schweizer Exil. Vorerst schreibt er noch in Zürich den Roman „Der letzte Zivilist“, in dem er sich differenziert mit der schrittweisen Okkupation der „Köpfe“ durch die NS-Ideologie in Deutschland auseinandersetzt. 1939 lässt er sich ins faschistische Deutschland repatriieren.

Dort wird der früher verfemte Autor zu einem Vorzeigeobjekt der NationalsozialistInnen. Er darf, meist schreibt er unter dem Pseudonym Ernst Töpfer, wieder veröffentlichen – im 2. Weltkrieg arbeitet er journalistisch für die Wehrmacht.

Endstation Martinique

Kurt Kersten (1891 – 1962) und Robert Breuer = Lucien Friedlaender (1878 – 1943), zwei deutsche Journalisten und Publizisten, haben vorerst Glück. Sie gelangen wenige Stunden vor der offiziellen Kapitulation Frankreichs am 22. Juni 1940 im Hafen von Biarritz auf ein Schiff und erreichen gemeinsam mit einigen Hundert Flüchtlingen die marokkanische Hafenstadt Casablanca. Dort warten und hoffen sie auf ein Visum für die USA. Thomas Mann, zu diesem Zeitpunkt schon in den USA im Exil, verbürgt sich für die beiden. Allein, die Zeit vergeht, die Vichy-Regierung festigt ihre Regime in Nordafrika, und das erlösende Telegramm, das das US-Konsulat zum Ausstellen der Visa berechtigt, trifft nicht ein. Als es Kersten und Breuer endlich gelingt, sich einzuschiffen, verschlägt es sie nach Martinique. Von dort hoffen sie, weiter in die USA zu gelangen. Für Robert Breuer bedeutet Martinique das Ende seines Weges. Er stirbt in der Nacht zum 30. April 1943 völlig entkräftet an den Folgen der Malaria. Über seine letzten Stunden berichtet Kurt Kersten rückblickend:

„Da sah ich voller Schrecken einen alten ausgezehrten Mann mit fahlem, eingefallenem Gesicht, die abgemagerten Arme lagen wie dürre Stöcke auf der Decke des Feldbettes. Aus den einst leuchtend hellblauen Augen war jeder Glanz verschwunden, die aus dem bleichen, schon wächsernen Antlitz herausspringende Nase schien allein noch zu leben. […] Der Arzt sagte: ‚Wir haben keine Medikamente und auch nicht einmal die richtige Ernährung für unsern Freund, die Krankheit ist auch schon so weit fortgeschritten, daß man gar nicht mehr viel für ihn tun kann.‘ – ‚Welche Krankheit?‘ – Ein mitleidiger Blick traf mich, als sähe man mir nicht selber die Folgen des Hungers an: ‚Welche Krankheit?! Hunger!‘“

Aus: Frankfurter Hefte: Heft 3, März 1953, zitiert nach Wikipedia.

Kurt Kersten harrt in ständiger Gefahr, nach Frankreich zurückgeschickt und der Gestapo ausgeliefert zu werden, auf Martinique aus. Erst 1946 erreicht er völlig unterernährt die USA und sieht seine Frau seit 1940 das erste Mal wieder.

Den Schneeball zertreten

Wenn wir uns heute jener Menschen erinnern, deren Schaffen 1933 in Flammen aufging, die ins Exil gezwungen wurden und von denen viele die Befreiung vom Faschismus nicht mehr erlebten, erschließt sich uns nicht nur wunderbare und vielschichtige Literatur. Wir tragen damit auch dazu bei, dass die Erinnerung an die Namen und das Werk nahezu einer ganzen AutorInnengeneration für die Zukunft bewahrt wird.

Der Blick in die Geschichte bietet uns die Chance, aus der Vergangenheit, Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.

„Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muß den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat.“

Aus: Erich Kästner „Über das Verbrennen von Büchern“, Ansprache auf der Hamburger PEN-Tagung am 10. Mai 1958.

Brillis Wort zum Montag

Montag, 28. Januar 2013

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brilli mit grauer Baskenmütze

Gefriertolerant

Es gibt Lebewesen, die sind gefriertolerant. Gletscherflöhe zum Beispiel. Oder bestimmte Gallmücken. Oder Hauskaspar I.
Gletscherflöhe fühlen sich bei Temperaturen zwischen -10 und -15 Grad wohl. Gallmücken leben fröhlich bis zu -50 Grad. Das Wohlbefinden von Hauskaspar I liegt irgendwo dazwischen.

Im Wetterbericht wurden für die kommenden Tage eisige Temperaturen vorausgesagt. Zwischen -5 und -15 Grad.
„Lächerlich!“, winkt Hauskaspar I ab und zieht sich drei Paar Socken an.

Ein Blick aufs Thermometer. Die Augen von Hauskaspar I leuchten.
Mein Blick aufs Thermometer. Meine Alarmglocken läuten.
-3,5 Grad.

„Brilli! Zwetschke!“, ruft Hauskaspar I und zieht sich die Pudelmütze über die Ohren.

Wir tun so als hätten wir nicht gehört. Unser Spiel ist jedoch längst durchschaut.
„Faules Pack!“ Und hast du nicht gesehen, sind wir angeleint.

Vor dem Haustor – wie kleine Drachen stoßen wir weiße Wölkchen aus – versucht zuerst Zwetschke, Hauskaspar I davon abzuhalten, mit dem Ausflug ernst zu machen: Sie humpelt auf drei Beinen über den Gehsteig. Dieses Spiel ist jedoch längst durchschaut …
Am nächsten Eck versuche ich mein Glück und stemme mich mit meinen vier Beinen in den Boden. Ich habe die Kraft von Hauskaspar I unterschätzt.

Mit den Worten „Zetzts nicht so herum“ setzt unser Zweibeiner unbeirrt den Weg mit uns im Schlepptau fort. Den Weg durch grauen Gatsch.
Hinaus in den Wald.
Hinein in frisch gefallenes, flaumiges Weiß.
Dann sind sie vergessen, die -3,5 Grad. Vergessen die Atemwölkchen. Jubel und Toberei. Es lebe die Gefriertoleranz.
Und wenn wir jetzt noch ein bisschen zusätzliches Fett für die kalte Jahreszeit ansetzen dürften …

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

Literatur im Exil

Montag, 28. Januar 2013

Die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 ist ein Fanal, das viele SchriftstellerInnen und Intellektuelle ins Exil treibt. Insgesamt verlassen das faschistische Deutschland zirka 2.500 AutorInnen und PublizistInnen.

In Petra Öllingers virtueller Bibliothek finden Sie eine Zusammenstellung mit Informationen über mehr als 200 ExilautorInnen, Sekundärliteratur und weiterführende Links.

Der politisch denkende, meist links orientierte Teil der ExilschriftstellerInnen erkennt rasch das Ausmaß der nationalsozialistischen Machtergreifung und schreibt konsequent gegen den Faschismus an.

Das Braunbuch

So erscheint bereits im Juli 1933 in Paris das „Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror“. Unter den Mitarbeitern befinden sich Alexander Abusch (1902 – 1982), Willi Münzenberg (1989 – 1940), Otto Katz (1895 – 1952), Alfred Kantorowicz (1899 – 1979) und Bruno Frei (1897 – 1988). Der Schutzumschlag wird von John Heartfield (1891 – 1968) gestaltet.
Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Brand des Reichstages und der Rolle der NSDAP im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Reichstagsbrandprozess in Berlin, während der zweite Teil sich unter anderem mit der Zerschlagung der ArbeiterInnenorganisationen, den Konzentrationslagern und der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung auseinandersetzt. Es wird in 17 Sprachen übersetzt. Für Deutschland bestimmte Exemplare werden als „Reclamhefte“ ins Land geschmuggelt: unter dem Titel „Hermann und Dorothea“ von Johann Wolfgang von Goethe.

„Die Prüfung“ – Roman über ein deutsches KZ

Oder Willi Bredel (1901 – 1964), er schuf 1933/1934 mit „Die Prüfung“ den ersten, auch international beachteten Roman über ein deutsches Konzentrationslager.
Über die Entstehung von „Die Prüfung“ schreibt Bredel: „In dreizehn Monaten Konzentrationslagerhaft, in Einzelhaft und in Dunkelhaft, in den Nächten, in denen ich ausgepeitscht wurde, in den übrigen Nächten, in denen ich das Schreien, Stöhnen und Wimmern meiner mißhandelten Genossen miterleben mußte, schrieb ich in Gedanken an einem Buch über diese Todesstätte. Weder Papier noch Bleistift hatte ich und wochenlang nicht einmal Licht, aber ich schrieb und schrieb, schrieb vom Wecken bis tief in die Nacht. Einige Kapitel schrieb ich in verschiedenen Varianten und wählte dann die aus, die mir am gelungensten erschienen. Fertige Kapitel und Passagen wiederholte ich mir in Gedanken so oft, bis ich sie beinahe auswendig kannte. Dreizehn Monate schrieb ich so ununterbrochen. Diesen Roman nahm ich, als ich durch das alte Zuchthaustor schritt, als Konterbande im Kopf mit in die Freiheit.“

Aus: „Wie ich Schriftsteller wurde“ – Vorwort. Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Band I, Aufbau Verlag DDR, 3. Auflage 1982, S. 10.

Die Deutsche Freiheitsbibliothek

Alfred Kantorowicz wiederum gründet ein Jahr nach der Bücherverbrennung in Paris unter dem Namen Deutsche Freiheitsbibliothek eine „Bibliothek der verbrannten Bücher“. Am Eröffnungstag zählt die Freiheitsbibliothek über 11.000 Bücher. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht wird die Bibliothek zerstört.

Nicht immer willkommen

Die strengen Einwanderungsbestimmungen der Zielländer stellen für die meisten EmigrantInnen hohe und manchmal nicht zu überwindende Barrieren dar. Willkommen sind die wenigsten, und eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bzw. eine Arbeitserlaubnis ist die Ausnahme. Meist haben nur Prominente bzw. über persönliche Beziehungen verfügende AutorInnen die Chance, ein Einbürgerungsverfahren erfolgreich zu absolvieren.

Bundesarchiv Bild 183-1987-0928-500, USA, Jüdische Familie im Exil

Bert Brecht, der in der Zeit seines Exils unter anderem in Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland und den USA lebt, schreibt in „An die Nachgeborenen“:

„Gingen wir doch öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.“

Letzte Hoffnung

Shanghai ist der einzige Hafen der Welt, in dem auf der Flucht vor dem nationalsozialistischen Terror eine Einreise ohne Visum möglich ist.
Bis Mitte 1940 muss man von Trient oder Genua aus „nur“ eine wochenlange Schiffspassage auf sich nehmen. Ab dem Kriegseintritt Italiens am 10. Juni 1940 ist nur noch der Weg über die UDSSR mit der Transsibirischen Eisenbahn offen. Nach dem Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 ist auch dieser Fluchtweg geschlossen. Weiterlesen »

Bücherverbrennung

Sonntag, 27. Januar 2013

Die „Aktion wider den undeutschen Geist“, deren Höhepunkt die Bücherverbrennung darstellt, wird von der „Deutschen Studentenschaft“ (DSt) unter Führung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) organisiert. Dabei wird sie von vielen Professoren unterstützt. So wird Professor Dr. phil. et jur. Eugen Lüthgen in Bonn im Angesicht des Feuers Folgendes äußern:

„Wie die Flammen emporlodern, um Gift, um Schmutz und Schund zu zerfressen, so sollen diese Flammen der Läuterung uns Sinnbild sein, alles Undeutsche bis in die Wurzeln hinein zu vernichten …“

Aus: Dieter Sauberzweig: Die Hochschulen im dritten Reich. Die Zeit, vom 10. 03 .1961 Nr. 11.

„Undeutsch“, das sind beispielsweise die Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890 – 1935), Bert Brecht (1898 – 1956), Stefan Zweig (1881 – 1942), Joachim Ringelnatz (1883 – 1934), Joseph Roth (1894 – 1939) oder Magnus Hirschfeld (1868 – 1935), der Gründer des weltweit ersten Instituts für Sexualwissenschaft.

Den studentischen Aktionen teilweise vorauseilend, werden eine Reihe von Bücherverbrennungen bereits nach der Reichstagswahl Anfang März 1933 von SA und SS bzw. Hitler-Jugend (HJ) und dem Bund Deutscher Mädel (BDM) organisiert.

Nachahmungen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ finden im Deutschen Reich bis in den Oktober des Jahres 1933 statt.

12 Thesen, Schandpfähle und Scheiterhaufen

Die Veröffentlichung des Plakats „12 Thesen wider den undeutschen Geist“ vom 12. April steht am Beginn der folgenden Entwicklung.

Am 19. April werden die StudentInnen von der „Deutschen Studenschaft“ aufgerufen, Hochschullehrer zu nennen, die nach dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 aus ihren Ämtern ausscheiden müssen. Das Gesetz ermöglicht, jüdische und politisch missliebige BeamtInnen, aus dem Dienst zu entfernen. Alleine die deutschen Hochschulen verlieren durch dieses Gesetz Tausende Personen aus ihrem Lehrkörper.

Ebenfalls im Vorfeld der Bücherverbrennung kommt es an einigen Universitäten zur Aufstellung von „Schandpfählen“. An ihnen werden die Namen angefeindeter Professoren und einzelne literarische Schriften angeschlagen.

Den Höhepunkt der „Aktion wider den undeutschen Geist“ bildet die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz und in 21 weiteren deutschen Universitätsstädten. Einige Bücherverbrennungen müssen aufgrund starken Regens in den Tagen und Wochen nach dem 10. Mai nachgeholt werden.

Bundesarchiv Bild 183-B0527-0001-776, Berlin, Bücherverbrennung

Dort steht ja Kästner!

Erich Kästner ist Zeuge, wie seine Bücher in Berlin in Flammen aufgehen und hört seinen Namen im zweiten Feuerspruch: „Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.“ Weiterlesen »

Die Vorboten der Bücherverbrennung

Samstag, 26. Januar 2013

Noch bevor die Scheiterhaufen lodern und die massenhafte Verfolgung der AutorInnen beginnt, tritt Heinrich Mann (1871 – 1950), der Autor des Romans „Professor Unrat“, nach Drohungen des NS-Kultusministers Bernhard Rust (1883 – 1945), Mitte Februar 1933 als Präsident der Sektion Dichtung innerhalb der Preußischen Akademie der Künste zurück.

Loyalitätsbekundung für Adolf Hitler

Bereits ein Monat später veröffentlicht Gottfried Benn (1886 – 1956) als kommissarischer Vorsitzender der Sektion und Nachfolger Manns gemeinsam mit Max von Schilling (1868 – 1933) eine Loyalitätsbekundung für Adolf Hitler (1889 – 1945):

„Sind Sie bereit unter Anerkennung der veränderten geschichtlichen Lage weiter Ihre Person der Preußischen Akademie der Künste zur Verfügung zu stellen? Eine Bejahung dieser Frage schließt die öffentliche politische Betätigung gegen die Reichsregierung aus und verpflichtet Sie zu einer loyalen Mitarbeit an den satzungsgemäß der Akademie zufallenden nationalen kulturellen Aufgaben im Sinne der veränderten geschichtlichen Lage.“

Wer nicht unterschreibt, dem droht der Ausschluss. Thomas Mann (1875 – 1955), Ricarda Huch (1864 – 1947), Jakob Wassermann (1873 – 1934) und andere ziehen es vor auszutreten. Franz Werfel (1890 – 1945) und Leonhard Frank (1882 – 1961) gehören zu den Ausgeschlossenen. Zahlreiche AutorInnen, unter ihnen Gerhard Hauptmann (1862 – 1946), unterzeichnen.

Die „Gleichschaltung“ des Literaturbetriebes

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Der „Bund Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller“, er steht der KPD nahe, wird verboten. Die Mitglieder der Gruppe sind massiver Verfolgung ausgesetzt. Zu seinen bekanntesten Mitgliedern gehört zum Beispiel die Kleist-Preisträgerin des Jahres 1925, Anna Seghers (1900 – 1983). Sie wird mit dem Roman „Das siebte Kreuz“ im mexikanischen Exil eine literarische Flamme der Hoffnung entzünden. In dem Buch schildert sie die Flucht von sieben Häftlingen aus dem Konzentrationslager. Sechs von ihnen überleben nicht. Dem siebten gelingt, vor allem durch die Solidarität anderer Menschen die Flucht. Auch Kurt Kläber (1897 – 1959), er schreibt im Exil den Jugendroman „Die rote Zora und ihre Bande“, zählt zur Gruppe der verfolgten SchrifstellerInnen. Da er in der Schweiz keine Arbeitserlaubnis bekommt, veröffentlicht er das Buch 1941 unter dem Pseudonym Kurt Held. Oder Bruno Apitz (1900 – 1979); sein Weg führt ihn ins Zuchthaus und durch mehrere Konzentrationslager. In den 50er Jahren schreibt er das Buch „Nackt unter Wölfen“ – es ist die Geschichte eines dreijährigen Jungen, der durch die Solidarität der Häftlinge das KZ Buchenwald überlebt.

Auch der Deutsche PEN-Club bleibt nicht verschont. Sein Präsident Alfred Kerr (1867 – 1948) wird am 15. Februar gewarnt, die Einziehung seines Passes stehe unmittelbar bevor. Bereits am nächsten Tag flieht er mit seiner Familie über die Tschechoslowakei, die Schweiz und Frankreich nach London. Am 10. Mai 1933 werden seine Bücher auf dem Berliner Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz, verbrannt.

Der Pen-Club wird im Laufe des Aprils von Mitgliedern des „Nationalsozialistischen Kampfbundes für deutsche Kultur“ übernommen. Fortan arbeitet man „im Gleichklang mit der nationalen Erhebung“.

Was nicht verboten ist, wird in der am 1. November 1933 von Joseph Goebbels gegründeten Reichsschrifttumskammer zusammengefasst. Diese wird von der nationalsozialistischen Kulturpolitik als Instrument zur Führung und Überwachung von AutorInnen, von Verlagen und des Buchhandels genutzt. Um Mitglied zu werden, muss ein sogenannter Ariernachweis vorgelegt werden. Die Nichtaufnahme bzw. ein Ausschluss bedeutet Berufsverbot.

1933 – ein Jahr der Entscheidung

Freitag, 25. Januar 2013

1933 zählt das Deutsche Reich 65.362.115 EinwohnerInnen. Anfang des Jahres sind knapp über 6 Millionen Menschen arbeitslos.

Durch das Abklingen der Weltwirtschaftskrise, vor allem aber durch die vom NS Regime betriebene militärische Aufrüstung, geht die Arbeitslosigkeit in den folgenden Monaten und Jahren stark zurück.

Vorerst trifft Franz von Pappen (1879 – 1969), der Vorgänger des amtierenden Reichskanzlers Kurt von Schleicher (1882 – 1934), am 4. Jänner 1933 mit Adolf Hitler (1889 – 1945) zusammen und einigt sich mit ihm auf dessen Kanzlerschaft. Dieses Treffen gilt als die „Geburtsstunde des Dritten Reiches“.

Sowohl Pappen als auch Schleicher sind der Meinung, Hitler für ihre Zwecke benutzen zu können. Ersterer äußert sich angeblich folgendermaßen: „In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, dass er quietscht!“

Aus: Wilfried von Bredow/Thomas Noetzel: Politische Urteilskraft. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, S. 18.

Reichskanzler Kurt von Schleicher, er wird 1934 in Zusammenhang mit der Niederschlagung des sogenannten Röhm-Putsches von der SS ermordet, erklärt am 28. Jänner 1933 nach einem Gespräch mit dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847 – 1934) den Rücktritt seiner Regierung und empfiehlt die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler.

Der „böhmische Gefreite“ wird Reichskanzler

Am 30. Jänner 1933 vereidigt Hindenburg Adolf Hitler (1889 – 1945) als Reichskanzler und beauftragt ihn mit der Bildung einer Koalitionsregierung.

Die Koalition besteht aus Mitgliedern der NSDAP, der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und einer Reihe von unabhängigen nationalkonservativen Politikern. Sie verfügt im Reichstag über keine Mehrheit. Am 1. Februar 1933 löst Hindenburg den Reichstag daher auf. Neuwahlen werden für den 5. März festgesetzt.

Hitler verliest, praktisch als Auftakt des Wahlkampfes, noch in der Nacht des 1. Februar den Aufruf der Reichsregierung an das Deutsche Volk. Er leitet seine Rede mit folgenden Worten ein:

„Über 14 Jahre sind vergangen seit dem unseligen Tage, da, von inneren und äußeren Versprechungen verblendet, das deutsche Volk der höchsten Güter unserer Vergangenheit, des Reiches, seiner Ehre und seiner Freiheit vergaß und dabei alles verlor. Seit diesen Tagen des Verrates hat der Allmächtige unserem Volk seinen Segen entzogen. Zwietracht und Haß hielten ihren Einzug. In tiefster Bekümmernis sehen Millionen bester deutscher Männer und Frauen aus allen Lebensständen die Einheit der Nation dahinsinken und sich auflösen in ein Gewirr politisch-egoistischer Meinungen, wirtschaftlicher Interessen und weltanschaulicher Gegensätze.“

Aus: „Aufruf der Reichsregierung vom 31. Januar 1933“, abgedruckt in Hans-Adolf Jacobsen und Werner Jochmann (Hg.) „Ausgewählte Dokumente zur Geschichte des Nationalsozialismus, 1933-1945.“ Bd. 2, Bielefeld, 1961.

In einer Rede vor Generälen der Reichswehr kündigt Hitler bereits am 3. Februar 1933 die Eroberung von neuem Lebensraum im Osten und dessen rücksichtslose Germanisierung an. (Ian Kershaw: „Der Weg ins Inferno”, „Die Zeit“ vom 1. Juni 2011)

Terror und Reichstagsbrand

Dem nationalsozialistischen Terror, der sich nach der Machtübertragung der Regierungsgewalt an die NSDAP entfaltet, sind in den ersten Monaten vor allem die Mitglieder der Kommunistischen Partei (KPD), der Sozialdemokratischen Partei (SPD), der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) und Menschen jüdischen Glaubens ausgesetzt.

Im Rahmen eines Geheimtreffens am 20. Februar 1933 zwischen Hitler und über zwanzig Industriellen, darunter Friedrich Flick (1883 – 1972) und Gustav Krupp v. Bohlen u. Halbach (1870 – 1950), wird der NSDAP ein Wahlkampffonds von 3 Millionen Reichsmark zugesagt.

50.000 SS-/SA-und Stahlhelm-Mitglieder werden am 22. Februar 1933 von Hermann Göring in seiner Funktion als Reichskommissar für das preußische Innenministerium zu bewaffneten „Hilfspolizisten“ ernannt. Die anderen Bundesländer folgen dem preußischen Beispiel zügig.

„Von außen sind sie menschlich anzuschauen,
Sie gleichen innen reißend wilden Tieren.
Sie laufen frei herum, o Grauen!
Sie sind Bürokollegen, kandidieren …
Muß erst ein neuer Weltkrieg sein,
Um uns von dieser Sorte zu befrei’n?“

Aus: „Von außen sind sie …“ (geschrieben 1930) von Robert Lucas (1904 – 1984)

Am 27. Februar 1933 brennt der Reichstag in Berlin. Ob der Brand vom Holländer Marinus van der Lubbe (1909 – 1934) oder von den NationalsozialistInnen gelegt wurde, ist bis heute nicht mit Sicherheit geklärt. Die NSDAP nutzt jedenfalls die Situation sehr geschickt. Bereits einen Tag nach dem Brand setzt sie mit der Reichstagsbrandverordnung die BürgerInnenrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft. Politische GegnerInnen werden ohne Anklage und Beweise in „Schutzhaft„ genommen.

Bundesarchiv Bild 146-1977-148-19A, Berlin, Reichstagsbrand

Bereits am Tag nach dem Brand, mitten im Wahlkampf für den Reichstag, wird die kommunistische Presse verboten, und für zwei Wochen auch die Presse der SPD. Weiterlesen »

80 Jahre Bücherverbrennung

Donnerstag, 24. Januar 2013

Am 10 Mai 1933 lodern im „Deutschen Reich“ die Scheiterhaufen und verschlingen die Werke von Heinrich Heine, Sigmund Freud, Stefan Zweig, Karl Marx, Klaus und Heinrich Mann, Nelly Sachs, Alfred Döblin und mehr als hundert weiteren AutorInnen.

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.” Aus der Tragödie „Almansor“ von Heinrich Heine.

Gespenster aus der Diaspora?

Für zahlreiche, vor allem linke und jüdische SchriftstellerInnen sind die Folgen der Machtübertragung auf die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) von 1933 ausgesprochen bedrohlich. Neben der Vernichtung ihrer ökonomischen Existenz sind sie der Gefahr ausgesetzt, in „Schutzhaft“ genommen, erschlagen, vergast, in den Selbstmord getrieben zu werden.

„Wer läutet draußen an der Tür?
Die Fuchsien blühn so nah.
Pack, Liebste, mir mein Waschzeug ein
Und wein nicht: sie sind da.“

Aus: „Wer läutet draußen an der Tür“ von Theodor Kramer (1897 – 1958).

Die „Glücklicheren“ können durch Flucht ihr „nacktes“ Leben retten, und einige wenige bleiben und verstummen. Über sie schreibt Erich Kästner: „Man ist ein lebender Leichnam.“

Am 11. Dezember 1933 hält René Schickele (1883 – 1940) in seinem Tagebuch Folgendes fest: „Wenn es Goebbels gelingt, unsere Namen von den deutschen Tafeln zu löschen, sind wir tot. Gespenster in der Diaspora, in der wasserarmen Provinz. Schon die nächste Generation wird nichts mehr von uns wissen.“

Warum gedenken?

Zahlreiche AutorInnen haben Exil und Verfolgung nicht überlebt. Nur verhältnismäßig wenigen gelingt es nach dem Ende des 2. Weltkrieges, erfolgreich an ihre Arbeit vor 1933 anzuknüpfen.

René Schickeles Befürchtungen werden für viele LiteratInnen und Intellektuelle, deren Bücher auf den Scheiterhaufen der NationalsozialistInnen zu Asche zerstoben, zur Realität. Sie fallen der Vergessenheit anheim.

Erich Kästner (1879 – 1974) brachte die Bedeutung der Bücherverbrennung 1933 für die Gegenwart in einer Rede zum 25. Jahrestag dieses Ereignisses auf den Punkt.

„Das blutige Rot der Scheiterhaufen ist immergrün. Einen dieser Scheiterhaufen haben wir, mit bloßem Auge, brennen sehen. Ich hatte angesichts des Scheiterhaufens nicht aufgeschrien. Ich hatte nicht mit der Faust gedroht. Ich hatte sie nur in der Tasche geballt. Warum erzähle ich das? […] Weil, immer wenn von der Vergangenheit gesprochen wird, auch von der Zukunft die Rede ist.“

Aus: Erich Kästner „Über das Verbrennen von Büchern“, Ansprache auf der Hamburger PEN-Tagung am 10. Mai 1958.

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