Bücher spenden, Gutes tun! Mit Ihrer Bücherspende unterstützen Sie die Leseförderprojekte des "Wiener Bücherschmaus".

Nähere Infos: Wiener Bücherschmaus

Workshop – Essen im Bilderbuch …

18. Oktober 2017 von eag

… als Inszenierung fürs Anderssein – Workshop

Wann: Dienstag, 24. Oktober 2017, 19:00 Uhr
Wo: Wiener Bücherschmaus, Garberg. 13/Ecke Mittelg./Oskar-Werner-Platz, 1060 Wien
TN-Gebühr: € 18,00 – Anmeldung UNBEDINGT erforderlich.
Tel.: 0677/612 659 11 oder E-Mail: Wiener Bücherschmaus

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt! Und wenn nicht?

Essen bietet weit über seine physiologische/materielle Funktion hinaus Möglichkeiten, die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Tischsitten und der Umgang mit Nahrungsmittel sind eine Form der literarischen Darstellung menschlicher und tierischer Figuren. Sozial erwünschtes Essverhalten nicht (mehr) zu erfüllen, ist aber auch Ausdruck für Ablösung aus der Herkunftsfamilie. Anhand ausgewählter Bilderbücher für Kinder zwischen 4-8 Jahren probieren wir verschiedene kulinarische Übungen aus und betrachten Erzählanlässe zum Thema Eigenständigkeit.

Die Veranstaltung richtet sich an alle interessierte Erwachsene.

Leitung: Petra Öllinger, Psychologin, Autorin, Schreibcoach, Vorlesepatin, Absolventin des STUBE-Aufbaukurses für Kinder- und Jugendliteratur.

Beiträge vor einem Jahr:
Überall und nirgends

Erfolg in Studium und Karriere – Fit durch Selbstcoaching

16. Oktober 2017 von eag

Ein Navi für Studierende und junge HochschulabsolventInnen

Noch ein Ratgeber für den erfolgreichen Weg durch den Universitätsalltag und das Erklimmen der beruflichen Karriereleiter?
„Wir plädieren für ein kräftiges ‚Gewiss!‘“ Diesen Worten von Co-Herausgeberin und Co-Autorin Natascha Miljković ist zuzustimmen.
Das Buch bietet eine ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis. Vier Hauptkapitel (Kompetenzen, Studium, Kontakte, Karriere) mit vielen Übungen (200!) sind in kompakte Themenhäppchen gegliedert und helfen – geschlechtergerecht formuliert – beim Navigieren durchs studentische Leben. Man muss sich nicht von Anfang bis Ende durchs Buch arbeiten, sondern kann auch beim jeweiligen eigenen, aktuellem „Brennpunkt“ andocken. Das Layout bietet hier eine gute Orientierung: Übungskästchen sind mit einem Stift, Kästchen mit Tipps mit einem Turnschuh markiert. Die Kästchen umfassen Inhalte, die in anderen Karriereratgebern oft übersehen werden, zum Beispiel ein Security-Check für das technische Equipment, das Thema Freiwilligenarbeit, die häufig unterschätzte Möglichkeit, auch als „unfertige/r“ Studierende/r Expertise bei Tagungen zu zeigen.

Sympathisch, wie die AutorInnen Mut machen zur Authentizität und die LeserInnen nicht mit 08/15-Tipps traktieren: René Merten zum Beispiel zeigt, dass ein abgebrochenes Studium nicht automatisch persönliches/fachliches Versagen bedeutet, sondern durchaus eine Bereicherung fürs Berufsleben bietet; gleichzeitig räumt er auf mit dem Vorurteil, Karriere und Erfolg seien dasselbe. Die beiden weiteren Co-Autorinnen Regina Fenzl und Katrin Miglar brechen eine Lanze fürs (wissenschaftliche) Schreiben mit vielen (praktikablen) Anregungen abseits vom Elfenbeinturm.
Auch wenn an einigen Stellen die Fülle an Inhalten ein bisschen zu einer, um Natascha Miljković zu zitieren – „kreativen Wurst an Gedankengängen“ – zu werden droht (dem Kapitel „Karriere“ hätte z. B. ein Weniger an thematischem Hin und Her gut getan): Gesamtgesehen bietet das Buch mit seinen weiterführenden Literaturhinweisen, praktische Übungen und zahlreiche Tipps ein Füllhorn, aus denen StudienanfängerInnen und junge AbsolventIn wertvolle Unterstützung und Anregungen beziehen können.

Petra Öllinger

Natascha Miljkovi? & René Merten (HgIn.): Erfolg in Studium und Karriere – Fit durch Selbstcoaching
Verlag Barbara Budrich, Opladen & Toronto, 2017
Taschenbuch, 268 Seiten, € 20,60 (Ö)
Über Natascha Miljković
Über René Merten

Am Donnerstag, 19. Oktober 2017 um 19:00 Uhr finden im „Wiener Bücherschmaus“ – Verein für Leseförderung und Buchkultur die Buchpräsentation und Mini-Workshops statt. Die genauen Informationen finden Sie hier.

© Cover: Barbara Budrich / UTB Verlag

Fit im Studium

13. Oktober 2017 von eag

Buchvorstellung und Mini-Workshop

Selbstentfaltung ohne Optimierungszwang – Finde deinen eigenen Weg

Auf den Weg in den nächsten Studien-, Lebens- oder Berufsabschnitt?
Wie gelingt Deine persönliche Veränderung?
Wie hörst Du dabei auf Dich selbst?
Wie nutzt Du Dein Netzwerk?

Das erfährst Du an diesem Abend anhand praktischer Inputs aus dem Werk – druckfrisch!

Wann: Donnerstag, 19. Oktober 2017, 19:00 Uhr
Wo: Buchhandlung „Wiener Bücherschmaus“, Garbergasse 13, Eingang Oskar-Werner-Platz, 1060 Wien

Mit René Merten (Co-Herausgeber und Autor) und Petra Öllinger („Wiener Bücherschmaus“, „Duftender Doppelpunkt“)

Teilnahmegebühr: 8,00 Euro / Person
Begrenzte TeilnehmerInnenzahl. Anmeldung unbedingt erforderlich!
T. 0677/ 612 659 11, E-Mail

© Cover: UTB Verlag

Literatur am Montag – mit Musik von wALTEREGOn

12. Oktober 2017 von eag

Die Band “wALTEREGOn” spielt Funkpop mit cleveren deutschsprachigen Texten.

Der Gründer der Band, Sänger und Songschreiber Kurt T. Bauer interessiert sich besonders für die versteckten Sehnsüchte und Wünsche, die hinter einer bürgerlichen Fassade stecken. Und daher kommt auch der Name der Band: In jedem Walter-Egon (nicht unbedingt der hipste aller Vornamen 😉 steckt auch ein Alter-Ego, das rauskommen will! Diese Idee spiegelt sich auch in den Texten wider, die öfter von den kleinen Unglücken handeln, die so passieren, wenn irgendeine Art von Coming-out stattfindet – oft mit einer Prise Schelmenhaftigkeit, denn sich selbst zu ernst zu nehmen, ist einer der größten Fehler. Im Bücherschmaus treten (nahezu „unplugged“) auf: Kurt T. (Gesang, Gitarre), Xaver Rohracher (Gitarre), Michael Schagerl (Bass), Gabriel Kiesenhofer (Cajon, Percussion).

Und hier das von Kurt T. zusammengestellte Menü: „Man nehme: Ca. 20 Blätter von gut abgelegenen Büchern, ziehe diese liebevoll durch den Kakao, und bringe sie sodann in trockene Tücher. Für die Sauce köchle man vollreife Melodien mit kräftigen Grooves, bis das Ganze einen hitverdächtigen Charakter annimmt. In einer speziellen Form des gesellschaftlichen Auflaufs lege man die Blätter nun schichtweise übereinander, immer mit etwas Sauce dazwischen und überbacke das Ganze noch mit etwas Humor und Romantik. Fertig ist der wALTEREGOn@Bücherschmaus.“

Wann: Montag, 16. Oktober 2017
Uhrzeit: ACHTUNG Beginn um 19:30 Uhr
Wo: Buchhandlung und Verein für Leseförderung „Wiener Bücherschmaus“, Garberg. 13/Ecke Mittelg./Oskar-Werner-Platz, 1060 Wien

Der Eintritt ist frei – Spenden für die Leseförderprojekte des Wiener Bücherschmaus erbeten.

Wegen des begrenzten Platzangebotes wird um Reservierung ersucht:
Tel.: 0677/612 659 11
E-Mail: Wiener Bücherschmaus

© Foto: wALTEREGOn

Buchengasse 100 – Lesung

13. September 2017 von eag

Eine Veranstaltung im Rahmen von „Literatur am Montag“ des „Wiener Bücherschmaus“

Oswalda Tonka wurde in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in eine Wiener Arbeiterfamilie hineingeboren. Aufgewachsen in der Buchengasse 100 im 10. Gemeindebezirk war ihr Leben von früher Kindheit an von Ausbeutung und Elend begleitet. Früh erkannte sie die Notwendigkeit, sich gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu engagieren.

Gitta Tonka, ihre Tochter und pensionierte Volksschuldirektorin aus Favoriten wird an diesem Abend aus der im Promedia Verlag veröffentlichten „Buchengasse 100″ lesen. Sie „… hat aus den autobiographischen Manuskripten ihrer Mutter ein Buch gemacht. Entstanden ist ein lebendiges Zeitdokument, erzählt aus der Perspektive einer temperamentvollen jungen Frau, die den Widrigkeiten der Zeit die Stirn bot.“

Wann: Montag, 18. September 2017
Uhrzeit: 19:00 Uhr
Wo: Buchhandlung des Vereins für Leseförderung „Wiener Bücherschmaus“, Garberg. 13/Ecke Mittelg./Oskar-Werner-Platz, 1060 Wien

Der Eintritt ist frei – Spenden für die Bücherschmaus-Leseförderprojekte erbeten.

Wegen des begrenzten Platzangebotes wird um Reservierung gebeten:
Tel.: 0677/612 659 11
E-Mail: Wiener Bücherschmaus

© Buchcover – Promedia Verlag

3. Nie-mehr-Schule-Aktionstag

12. September 2017 von eag

Am 15.9.17, dem Internationalen Tag der Bildungsfreiheit

BILDUNG OHNE SCHULE – GEHT DAS?

Die derzeitigen Bildungsverantwortlichen in Österreich – und nicht nur da – sehen keine, und wenn, dann nur eingeschränkte Möglichkeiten, diese ohne Schulbesuch zu erlangen. Was für Ausbildung womöglich noch zutrifft, ist für Bildung so jedenfalls nicht gültig. Der freischaffende Philosoph Bertrand Stern bringt es mit den Worten „Die Verknüpfung von Bildung und Schule stellt eine unzulässige Kausalität dar“ auf den Punkt. André Stern wiederum ist der beste Beweis dafür, dass aus einem nichts werden muss – wie uns das Schulsystem vorgaukelt –, sondern dass jeder Mensch immer schon ist. Die Vielfalt seiner Berufe ist beredtes Zeugnis dafür.

Am 15.9.2017 kommen zwischen 10 und 19 Uhr auf der Facebook-Seite von „Nie-mehr-Schule – Bewegung für ein Recht auf Bildung“ verschiedene Menschen zu Wort, die sich Gedanken oder sogar selbst auf den Weg des „Frei-Sich-Bildens“ gemacht haben. So sind da neben den oben genannten auch Erwin Wagenhofer, der Schöpfer des Filmes Alphabeth“, die Freilerner-Eltern Sigrid und Richard Lamprecht, die Psychologin Franziska Klinkigt und der Initiator der Bewegung Michael Karjalainen-Dräger zu sehen bzw. zu hören. Ebenso werden Fragen rund um ein Lernen ohne Schule beantwortet.
Weitere Informationen zum Aktionstag, zur Initiative bzw. zur gleichnamigen monatlichen Sendereihe im freien Wiener Radio Orange gibt es auf der Homepage zu finden.

© Foto: Reetta Karjalainen, 2015

Beiträge vor einem Jahr:
Literatur nach 1945 - Walter Buchebner

Wo bleibt das Meer?

11. September 2017 von eag

Sandburgen ergeben sich dem Wind

Sie sind auf keinen Bestseller-Listen zu finden, bei preisgekrönten Büchern sucht man sie zumeist vergeblich, Feuilletons meiden sie und der Weg hinein zwischen zwei eigene Buchdeckel bliebt ihnen oftmals verwehrt: Einzelveröffentlichungen von Kinder- und Jugendgedichten. Zugegeben, es gibt Ausnahmen in der Kinderlyrik wie zum Beispiel „Das kleine Ich bin ich“ von Mira Lobe oder „Der Leuchtturm auf den Hummerklippen“ von James Krüss oder „Und außerdem sind Borsten schön“ von Nadja Budde.
Oder „Wo bleibt das Meer?“ von Ted van Lieshout. Der niederländische Autor, Grafiker, Illustrator zeichnet sich durch eine Vielfalt literarischer/bildnerischer Werke aus: Romane, Gedichte, Hörspiele … Eine Zusammenstellung seiner Gedichte der letzten dreißig Jahre erscheint zum ersten Mal in deutscher Übersetzung (Rolf Erdorf) im Susanna Rieder Verlag. Und zwar als Einzelveröffentlichung!

Wie ist es, wenn man sich auf der Schwelle zum Erwachsenensein befindet? Ted van Lieshout bringt die zwiespältigen Stimmungen auf eben dieser Schwelle in seinen Gedichten nuancenreich aufs Papier. Er zeigt, dass es auch ohne anbiedernde Holzhammermethoden wie liebliche Verkleinerungen, coole Ausdrücke oder Fäkalsprache gelingen kann, Kindern/Jugendlichen anspruchsvolle Lyrik „schmackhaft“ zu machen und zugleich Erwachsene anregt, sich vergangene Kindheitstage zu vergegenwärtigen. Seine Poesie folgt keinem lyrischen Sprachregelwerk, bei dem es ein bestimmtes Versmaß oder strenge Reimformen zu befolgen gilt.
Wie ist es also, wenn einen die Eltern nerven, gleichzeitig sich aber die Sorge breit macht? „Ach, was soll ich nur tun, wenn ich der Erste bin, / der für dich sorgen muss, Mutter, wenn du tot / bist und keiner in der Welt es noch weiß?“ („Mutter“, S. 31)
Wie ist es, wenn man sich seiner selbst noch nicht ganz sicher ist? „Ich schwebe über allem dahin / im Geheimen – denn wie Welt weiß / noch nicht so recht, dass es mich gibt. Ich muss mich manchmal auch noch / an mich gewöhnen, / doch mein Vorsprung ist schon groß. Wer auf dem Fahrrad / an mir vorbei will, muss mit einer Biege / um mich herum. Und eine Biege / ist auch eine Verbeugung.“ („Verbeugung“, S.15)
Wie lässt sie sich aushalten, die Spannung zwischen dem Wunsch nach Unabhängigkeit von und dem Wunsch nach Geborgenheit in der Familie? „So wie Eis aus Wasser ist, aber Wasser nicht aus Eis, / so spüre ich festen Grund unter den Füßen. / Jetzt muss ich hinüber, ehe es taut.“(„Gefrorene Sprechblasen“, S. 51)
Und dieses leidige Warten! „Wo bleibt / das Meer? / Ach, wo bleibt / doch das Meer? … Die Dünen / wollen ins Wasser / gehen und der Abend senkt sich.“

In Brigitte Püls‘ Holzschnitten hinterlässt das Meer und viele seiner Attribute Spuren im Buch. In einfachen Linien kommt eine Angelschnur daher, ein Papageifisch, ein Swimmingpool, im Wasser zeigt sich die Flosse eines Hais; die weiße Silhouette eines Bootes gleitet über Gedichte, die es geschafft haben, ihren Platz zwischen zwei Buchdeckeln zu finden.

Petra Öllinger

Ted van Lieshout (Text), Brigitte Püls (Illustrationen und Buchgestaltung): Wo bleibt das Meer? Gedichte
Aus dem Niederländischen Rolf Erdorf
Susanna Rieder Verlag, München 2017
Gebunden, 64 Seiten, € 15,- (Ö)
Über Ted van Lieshout
Über Brigitte Püls Serge Bloch
Über Rolf Erdorf
Interview mit Rolf Erdorf zum Thema Übersetzen

© Cover: Susanna Rieder Verlag / Brigitte Püls

Fast wie Freunde

28. August 2017 von eag

„Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie.“

Erich Kästner

Angst haben – das ist uncool, feige, lächerlich. Genau hinschauen – das ist anstrengend, unnötig, aufwühlend. Trotzdem zahlt es sich aus. Speziell, wenn alles in Ordnung zu sein scheint. Die Menschen in der Stadt, in der die Handlung spielt, haben alles, was sie zum Leben brauchen, sie grüßen einander, führen ein sorgloses Leben. Bei genauerem Hinschauen sind sie erkennbar: die traurigen Augen, die gebückte Haltung der Mitmenschen. Schleppt nicht jede/r eine Art schwarzen Sack am Rücken mit sich? In so einer Stadt wohnt Sophie. Sie scheint wie jedes Kind. Oder trägt Sophie ebenfalls eine solche Last und ist deswegen alles so schwer für sie? Die Doktoren können ihr nicht helfen; auch sie wollen nicht genau hinschauen und tragen gleichzeitig ihr persönliches Angstpaket umher. Als Sophie schließlich doch einen Blick wagt, entpuppt sich das schwarze Ding auf ihrem Rücken als ihre Angst. Ihre Versuche, den ungeliebten Gast mit Gewalt loszuwerden, misslingen. Warum also nicht die Angst kennenlernen bei gemeinsamen Unternehmungen wie schwimmen oder auf Bäume klettern? Mal ist die Angst näher bei Sophie, mal ist sie weiter weg. Und eines Tages geht sie fort, um nur mehr hin und wieder bei Sophie vorbeizuschauen, wenn diese sie wirklich braucht.

Sich ein Bild von etwas Unbekanntem, Gefürchteten zu machen ermöglicht erst die Auseinandersetzung damit. Mirjam Zels zeichnet ein sehr charmantes Bild dieses Unbekannten. Nur auf dem ersten Blick wirkt die Angst unheimlich, wenn sie sich mit dünnen Armen an den Hals ihres Menschen klammert, als schwarzer Sack auf dem Rücken hängt. Sophies Gefühl, dass etwas nicht mir ihr stimmt, dass sie anders ist als andere Kinder, wird deutlich in ihrem niedergeschlagenen Blick, in der gebeugten Haltung. Sie kämpft mir ihrer Angst. Die körperliche Anstrengung zeigt sich eindringlich in jenen Momenten, als Sophie mit aller Kraft versucht, das schwarze Etwas von ihrem Rücken zu bekommen, das wie festgeklebt zu sein scheint. Als auch die anderen Menschen sich nach und nach trauen, ihre Angst genauer anzuschauen, entpuppt sich diese als humorvolles, hilfreiches Wesen. Es sitzt auf dem Sozius eines Motorrollers, nimmt Platz in einer Handtasche, schaut aus dem Fenster, spaziert an der Hand eines Kindes. Die Veränderung wird auch an den Häusern sichtbar. Sieht man zu Beginn der Geschichte nur kahle Mauern und geschlossene Fenster, so erwachen die Häuser danach zu Leben: Blumen blühen in Fensterkisten, eine Frau winkt und hängt Wäsche auf, Sessel und ein Tisch stehen auf einer Terrasse.

Ausgangspunkt des Bilderbuches war Mirjam Zels‘ Bachelorarbeit an der Technischen Schule Nürnberg/Fakultät Design, für den sie im Sommersemester 2015 den Fakultätspreis für die beste Bachelorarbeit erhielt. Ein Blick auf ihre Homepage zeigt die Illustrationen in der ursprünglichen Form: dicke Augenbrauen und Nasen verleihen den Gesichtern einen düsteren Ausdruck, die Figuren wirken beinahe unheimlich; die Überarbeitung lässt die Agierenden sympathischer wirken und tut der Aussage der Geschichte keinen Abbruch. Die Angst wird nicht besiegt und abgeschoben, sie wird als Teil des Lebens akzeptiert. Die Menschen und ihre Angst kommen miteinander aus – fast wie Freunde.

Petra Öllinger

Mirjam Zels (Text und Illustrationen): Fast wie Freunde
kunstanst!fter, Mannheim 2017
Gebunden, 44 Seiten, € 22,70 (Ö)
Ab 6 Jahren und für Erwachsene
Über Mirjam Zels

© Cover: kunstanst!fter / Illustratorin