Archiv für die Kategorie 'Politik & Zeitgeschichte'

Francis Nenik – Tagebuch eines Hilflosen

Mittwoch, 5. April 2017

„27.3.2017: … Amerika ist in Schläglage geraten.“

Die Leipziger Buchmesse ist vorbei. So, das soll in diesem Beitrag auch schon die einzige Stelle sein, an der auf dieses Ereignis hingewiesen wird. In Leipzig gibt es schließlich auch Literatur abseits des Messegeschehens.
Einer der diese Literatur mit Mitteln vorantreibt, dass mancher/manchem aus der schreibenden und verlegerischen Zunft die Grausbirnen aufsteigen, ist Francis Nenik. Viele seiner Texte veröffentlicht er unter einer Creative Common-Lizenz. Warum die Grausbirnen? Die finanziellen Einnahmen streben gegen Null. Die LeserInnen bekommen vom Autor noch dazu den Tipp, mit seinem Text zu machen, was sie oder er will. Geistiges Eigentum? Ha! Ist er noch bei Verstand, der Autor? Wo doch Publikumsverlage einen sicheren PR-Lektorat-Abseits-des-Mainstreams-Literatur-Hafen und adäquate Honorierung der Schreibenden usw. usf. etc. pp. verheißen.
Moment!
Beim Blick auf Fiktion, ein Projekt, das sich der Digitalisierung der Literatur widmet, gerät dieser vermeintlich sichere Hafen ins Schwanken, genau genommen geraten die darin ankernden Schiffe ganz schön ins Schaukeln.
Welch eine Nonchalance, mit der Francis Nenik hier gemeinsam mit anderen AutorInnen die Texte von der Ankerkette der Verlage lässt. Siehe dazu Francis Neniks Beitrag „Sich frei publizieren“.

Und jetzt heißt es rudern für diesen Beitrag hier, der von seiner ursprünglichen Intention abzudriften droht.
Also: Kurs ändern in Richtung „Tagebuch eines Hilflosen“ von Francis Nenik. Am 20. Jänner 2017 wurde Donald Trump als 45. Präsident der USA angelobt. Seitdem veröffentlicht der Autor täglich online eine Prosaminiatur zu/über ihn, ins Englische übersetzt von Paul Noske. Bevor eine/n ob Trumps Herumfuhrwerkerei das Gefühl der Hilflosigkeit wegschwappt, sind Franics Neniks Eintragungen ein Rettungsboot, das mit Poesie und einer Prise Witz vor dem Ertinken bewahrt. Oder dabei hilft, sich aus der eigenen geistigen „Schläglage“ zu befreien.

In Erinnerung: Herta Reich

Montag, 15. Juni 2015

Zwei Tage Zeit: Herta Reich und die Spuren jüdischen Lebens in Mürzzuschlag. Herausgegeben von Heimo Gruber und Heimo Halbrainer im CLIO Verlag.

1998 erschien die erste Auflage von Zwei Tage Zeit mit der Fluchtgeschichte Herta Reichs und historischen Beiträgen zum Kladovo- Transport, dem sich Herta Reich nach ihrer gewaltsamen Vertreibung anschließen konnte, sowie zu den Lebensbedingungen von Jüdinnen und Juden in Mürzzuschlag bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung 1938. Der Erscheinungszeitpunkt des Buches fiel mit dem 60. Jahrestag des Novemberpogroms zusammen – in Graz wurde damals der Grundstein zum Neuaufbau der zerstörten Synagoge gelegt und fast zeitgleich hat die Bundesregierung die Historikerkommission der Republik Österreich eingesetzt. Im Bemühen, wiedergutzumachen, was nicht wiedergutzumachen ist, wurden damit auf regionaler und staatlicher Ebene sehr späte Zeichen im Umgang mit den Folgen nationalsozialistischer Geschichte gesetzt.

Mit ebensolcher Verspätung hat auf lokaler Ebene in Mürzzuschlag die Erinnerung an die vor Ort ausgeübte Gewalt gegen hier ansässige jüdische Familien begonnen. Nicht zuletzt war es Herta Reich selbst, die mit der Niederschrift ihrer Vertreibungsgeschichte diesen Prozess in Gang gesetzt und ihm eine Grundlage gegeben hat. Dank ihres hohen erreichten Lebensalters konnte sie noch von Israel aus beobachten, wie diese Initiative in ihrer früheren Heimat aufgegriffen wurde.
Seither sind sechzehn Jahre vergangen. Herta Reich ist 2012 verstorben und zur bleibenden Erinnerung an sie hat sich das örtliche Gymnasium den Namen Herta Reich-Gymnasium und Realgymnasium Mürzzuschlag gegeben. Nicht nur dieser Akt des Gedenkens war für uns Anlass und Ansporn, eine erweiterte Neuauflage von Zwei Tage Zeit herauszugeben. Es ist auch der Umstand, dass geschichtliche Erinnerung ein ständiger und offener Prozess ist, den jede Generation von Neuem in Angriff nehmen muss. Keine Gesellschaft ist davor gefeit, hinter einen bereits erreichten Stand historischen Bewusstseins zurückzufallen. Das Versprechen des NIEMALS VERGESSEN, das die der Nazibarbarei Entronnenen nach der Befreiung 1945 abgelegt haben, hat bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Unsere historische Verantwortung wahrzunehmen, sind wir nicht nur den Opfern nationalsozialistischer Gewalt und Verfolgung schuldig, sondern auch der Zukunft unserer Gesellschaft im Sinne einer humanen, demokratischen und sozialen Entwicklung.

Der erste Teil des Buches umfasst die Erinnerungen von Herta Reich, in welchen sie über Alltägliches und über heute fast Vergessenes bzw. Verdrängtes spricht. Sie berichtet über ihr glückliches Leben in der kleinen obersteirischen Industriestadt Mürzzuschlag und dem jähen Ende dieses Glücks. „Zwei Tage Zeit, um zwanzig Jahre meines jungen Lebens zurückzulassen“, sollte sie 50 Jahre später jenen Zeitpunkt nennen, an dem sie gezwungen wurde, Mürzzuschlag zu verlassen, da sie Jüdin war. Herta Reich schildert ihre Flucht aus Österreich, das seit dem 12. März 1938 ein Teil des nationalsozialistischen Deutschen Reiches war, die Erniedrigungen, denen sie und andere ausgeliefert waren, und sie schildert das Schicksal eines illegalen jüdischen Flüchtlingstransportes, der später den Namen Kladovo- Transport bekommen sollte.
Ihre Erinnerungen zeichnen ein erschütterndes und berührendes Bild ihrer sechs Jahre dauernden Flucht vor den Nationalsozialisten, die 1944 mit der Ankunft in Palästina endete.

Die Geschichte der „gescheiterten Flucht“ des Kladovo- Transportes (so auch der Buchtitel ihres 1993 erschienenen Buches) zeichnen Gabriele Anderl und Walter Manoschek in ihrem Beitrag nach und ordnen so die außergewöhnliche Flucht und das Überleben von Herta Reich in die Geschichte der illegalen Einwanderung nach Palästina ein. Während Herta Reich und eine kleine Gruppe polnischer Juden nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien 1941 entkommen konnten, wurden alle anderen zu diesem Zeitpunkt noch in Jugoslawien befindlichen Flüchtlinge des Kladovo- Transportes ermordet. Dabei spielten zwei Österreicher – der Wehrmachtsgeneral Franz Böhme und der SS-Untersturmführer Herbert Andorfer eine führende Rolle.

Im Beitrag „Plötzlich waren sie alle weg“ werden die Erinnerungen von Herta Reich als Ausgangspunkt genommen, um das jüdische Leben in Mürzzuschlag im 19. und 20. Jahrhundert nachzuzeichnen. Neben einem bescheidenen jüdischen Leben ist in Mürzzuschlag – wie in vielen anderen Orten Österreichs auch – ein Aspekt durch all die Jahre hin wahrnehmbar: der Antisemitismus. Dieser reichte vom „Fremdenverkehrs-Antisemitismus“ über die öffentlichen Aufforderungen, nicht bei Juden einzukaufen, bis hin zur Beraubung ihrer Geschäfte – der .Arisierung“ – und der Vertreibung der wenigen 1938 noch hier wohnhaften jüdischen Familien. Das Ehepaar Haas konnte sich nicht mehr retten und wurde in Mali Trostinec ermordet.

In der biografischen Skizze .Herta Reich und ihre Familie“ wird ein Bogen von der Herkunft der Familie Eisler bis zum Leben Herta Reichs und ihrer Nachkommen in Israel gespannt.
Und in einem abschließenden Beitrag werden die Bemühungen in Mürzzuschlag geschildert, ein bleibendes Zeichen der Erinnerung zu setzen, die letztlich in der Namensgebung des Herta Reich-Gymnasiums und Realgymnasiums ihren Ausdruck gefunden haben.

Ein Glossar jüdischer und hebräischer Begriffe sowie eine Zeittafel ergänzen dieses Buch.

Wir widmen dieses Buch in Dankbarkeit dem Andenken Herta Reichs. Indem sie sich ihren schmerzhaften Erinnerungen gestellt hat, gab sie uns die Möglichkeit, uns mit den monströsen Seiten unserer Geschichte auseinanderzusetzen. Ihr Beispiel, ihre Persönlichkeit und ihre Menschlichkeit dürfen nie in Vergessenheit geraten.

Herta Reich und die Spuren jüdischen Lebens in Mürzzuschlag. Herausgeber: Heimo Gruber und Heimo Halbrainer, 212 Seiten, € 15,–, CLIO Verlag Graz 2014.

Zum 70. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung vom Nazismus

Mittwoch, 6. Mai 2015

„Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert. […] Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“1

Einladung zur Veranstaltungsreihe und Ausstellung im Projektraum MAG3, Schiffamtsgasse 17, 1020 Wien.

Video- und Sprachinstallation von Gue Schmidt.

Eröffnung: Freitag, 8. Mai 2015, 19:30 Uhr

Zum Projekt: Burghart Schmidt

Dauer der Ausstellung: 9. – 29. Mai 2015
Öffnungszeiten: Di. – Fr., 17:30 – 21:00 Uhr.

In diesem Zusammenhang ein Hör-Hinweis: Kunstradio auf Ö1 am Sonntag, 10. Mai 2015 um 23:03 Uhr.

Nach siebzig Jahren: europäische Politik im Schatten Hitlers
Vortrag: Friedrich Tomberg (Berlin) Mittwoch, 13. Mai 2015, 19:30 Uhr.

„Am 8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht in Karlshorst bei Berlin vor der Sowjetunion. Am Tag davor, am 7. Mai war dies schon im Westen, in Reims, vor den Alliierten geschehen. In Asien und im Pazifik war das Grauen allerdings noch nicht zu seinem Ende gekommen. Dort endete der Krieg erst am 2. September 1945, nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagaski (06.08. und 09.08.). Eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte ging hiermit zu Ende.

Der Krieg, weitestgehend entfesselt durch das Deutsche Reich unter Adolf Hitler und seinen Nationalsozialisten, hatte unter den wichtigsten kriegführenden Ländern allein in Europa, wie Deutschland, UdSSR, Polen, Jugoslawien, Frankreich, Großbritannien und den USA, 34,5 Millionen Menschen das Leben gekostet. Etwa 11 Mill. Menschen wurden in Konzentrationslagern, Vernichtungslagern und Zuchthäusern ermordet. Im Weltgesamt war der Tod von 68,8 Mill. Menschenleben zu beklagen.

Das Projekt zeichnet, anhand von vier sprachlich parallel verlaufenden Ebenen einer Zeittafel zur deutsch-österreichischen Geschichte, beginnend mit 1933 der Machtergreifung Hitlers in Deutschland, endend mit 1945, diesen Vorgang akustisch nach. Die vier Ebenen, bestehend aus Politik, Wirtschaft, Soziale Situation und Kulturpolitik, greifen ineinander oder überlappen sich akustisch und verweisen hiermit auf die totale Verflechtung von Ökonomie, Politik und Ideologie.“

Via projektraum MAG3

1 Aus dem Epilog von: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui von Bert Brecht.

Wozu brauchen wir Arbeiterliteratur?

Freitag, 24. April 2015

Erinnerung an den Gewerkschaftler Walter Köpping

© Werner Lang

Was vermag die Literatur? Welche Rolle spielt die Kunst im Leben des Menschen? Hat Kunst etwas mit Politik zu tun? Mit anderen Worten: Ist eine Arbeiterliteratur notwendig, kann sie eine Wirkung ausüben? (Walter Köpping, Gewerkschaftliche Monatshefte 6, 1974, S. 329).

Walter Köpping geht von diesen Fragen in seinem Beitrag „Der gesellschaftspolitische Stellenwert der Arbeiterliteratur“ aus. Er kommt zu dem Schluss, dass Arbeiterliteratur Wirkung haben kann, wenn sie sich der Realität stellt und so zur Veränderung der Lebenswirklichkeit beizutragen sucht.

Arbeiterliteratur kann als Tendenzdichtung im guten Sinne des Wortes, so wie sie Walter Köpping beschrieben hat, aufgefasst werden. Er schreibt:

„Sie ist nichts für ruhige Abende, nichts für Literaturgenießer. Sie ist als eine Literatur in Abgrenzung und Gegensatz zu dem, was als Literatur im Allgemeinen gilt zu verstehen. Und im Allgemeinen wird sie noch immer als Projekt der Fantasie, als rein geistiger Vorgang, eine Literatur mit Betonung der sprachlichen Form bis hin zu Wortartistik verstanden.

-Literatur als Werk eines Einzelnen, des außergewöhnlichen Individuums
-Literatur, die auf das Individuum (Leser) zielt
-Literatur ohne politische Dimension, ohne Einbeziehung sozialer Fragen oder Probleme der Arbeitswelt.“
(S. 331).

Genauso, wie sich die bürgerliche Literaturauffassung unwesentlich verändert hat, hat sich auch die Realität der Arbeitswelt seit 1974 nur unwesentlich verändert, weil noch immer gilt, dass Millionen von Menschen täglich Lohnarbeit, daher fremdbestimmte Arbeit leisten. Der Lohnarbeiter ist sozusagen der Handwerker, dem sein Werkzeug weggenommen wurde und daher in Abhängigkeit geriet.

Zur Ausbeutung ist mit den Worten von Theodor Prager zu sagen, „dass im Kapitalismus die Kapitalisten sämtliche Produktionsmittel besitzen. Die Arbeiter besitzen nichts als ihre Arbeitskraft; das zwingt sie, diese zu verkaufen, wodurch ihre Arbeitskraft zur Ware wird.
Und die Ware Arbeitskraft hat die einzigartige Eigenschaft, mehr Werte zu erzeugen, als sie selbst wert ist. Diesen ‚Mehrwert‘ eignet sich der Kapitalist kraft seiner Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel an. Das ist das Wesen der Ausbeutung.“
Theodor Prager, „Das Märchen vom Lohn, der nicht steigen darf“, 1951.

Von seiner Stellung in der Produktion ausgehend, wird der Lohnarbeiter zum Getriebenen im kapitalistischen System. Aber wo es Getriebene gibt, gibt es auch die Antreiber, die versachlicht der „Wirtschaft“ zugeschrieben werden. Marx nannte das „Entfremdung“.

Elmar Treptow schreibt: „Statt von Versachlichung können wir, heute üblich, auch von ‚Sachzwängen‘ sprechen, wenn damit gemeint ist, dass die Integration der Arbeitskräfte in den Prozess des Kapitalwachstums nicht durch die direkte körperliche Gewalt von Personen, sondern durch die Abhängigkeit von Sachen und Funktionen erzwungen wird.“ (Elmar Treptow, „Die widersprüchliche Gerechtigkeit im Kapitalismus“, Weidler Buchverlag, 2012, S. 303.)

Nicht nur, aber auch aus dem oben zitierten, sind die arbeiteten Menschen von Unfällen und von Berufskrankheiten bedroht.
Aus all dem resultieren in der Arbeitswelt vielfältige soziale Konflikte und Kämpfe.

Walter Köpping schreibt: „Millionen von Menschen (Lohnarbeiter und aus der Lohnarbeit Rausgefallene) leben unter schwierigen materiellen Bedingungen. – Löhne, Renten, soziale Absicherung und Bildungsstand sind zu gering. Stichworte: ausländische Arbeitnehmer, prekär Beschäftigte, Konkurrenzkampf usw. (S. 323).

Depressionen in modernen Industrienationen werden oft in einem Zusammenhang mit den rasanten Veränderungen von Gesellschaft und Wirtschaft und dem damit einhergehenden vermehrten Stress gesehen. Es ist anerkannt, dass dabei Faktoren wie Arbeitsplatzunsicherheit, wachsende Anforderungen an Mobilität und Flexibilität, Auflösung vertrauter Strukturen, Leistungsdruck und innerbetrieblicher Konkurrenzkampf eine zunehmende Rolle spielen. Diesen Erschöpfungszustand, der im Rahmen von Überlastungen am Arbeitsplatz entsteht, ist allgemein bekannt. Diese Probleme aber findet man in der herkömmlichen, der ‚echten‘ Literatur nicht oder werden nur nebenher erwähnt.

Kunst und Literatur für Lohnarbeiter aber sollte die Realitäten des Lebens widerspiegeln. Zum Leben der Menschen gehört nun einmal die Arbeit.
Wenn Arbeiterliteratur dazu beiträgt, fest im Bewusstsein der Menschen zu verankern, dass die Arbeit, wenn sie auf Lohnarbeit reduziert ist, die Ausbeutung, Nöte und Gefährdungen, die die Arbeitsbedingungen – die auf Konkurrenzkampf untereinander ausgerichtet ist – größtenteils hervorbringt, kann Sie als notwendige Literatur für die Humanisierung der Gesellschaft betrachtet werden. Sie kann dadurch eine wesentliche Ergänzung der Literatur sein. Man sollte nicht geringschätzig auf diese Literatur und den Autoren herabsehen, weil sie ‚anders‘ ist,
schreibt Walter Köpping (S. 332).

Köpping weist auch darauf hin, dass diese Literatur Bundesgenossen, politische Verstärker, die Gewerkschaftsbewegung braucht, auch im Zusammenwirken mit der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, um den gesellschaftlichen Stellenwert zu heben. (S. 333)

Weiters meint er, dass der gesellschaftliche Stellenwert der Arbeiterliteratur sich nicht objektiv festlegen lässt. „Das hängt davon ab, was ein Mensch unter Gesellschaftspolitik versteht, ob er eine konservative, eine progressive oder gar revolutionäre Grundhaltung hat. Und es hängt nicht weniger davon ab, ob der Mensch sich mit Dichtung beschäftigt oder ob er darauf verzichtet, so bleibt lediglich eine subjektive Bewertung.“ (S. 334)

„Gewiss aber vermag diese Literatur mehr, als ihre Kritiker vorgeben. Sie erhebt keinen Absolutheitsanspruch, es kann nicht darum gehen, künftig nur noch politische Literatur zu produzieren. Die Arbeiterliteratur ist als Bereicherung, als wesentliche Ergänzung unserer Literatur zu verstehen, sie kann dazu beitragen, soziale Missstände bewusst zu machen. Es geht dabei um Bewusstseinsveränderung auf doppelte Weise: Änderung des Bewusstseins der Arbeitnehmer und zugleich Veränderung im öffentlichen Bewusstsein. Arbeiterliteratur macht die Probleme der Arbeitswelt sichtbar begreifbar.“ (S. 335)

Von der Arbeiterliteratur kommen wesentliche Anstöße zu gesellschaftlichen Veränderungen, sie ist ein Beitrag zur Humanisierung der Arbeitswelt.
Walter Köpping fasst zum Schluss seines Artikels das Wesentliche noch einmal zusammen in dem er schreibt: „Arbeiterliteratur ist authentische Literatur. Berufsschriftsteller erfinden in der Regel Personen und Handlungen. Der Arbeiterschriftsteller empfindet Arbeit, Arbeitswelt und deren Mühsale. Berufsschriftsteller suchen oft lange nach einem Stoff, einem Thema. Für Berufsschriftsteller ist Schreiben vielfach Flucht aus der realen Welt. Für Arbeiterschriftsteller ist das Schreiben eine Auseinandersetzung mit der realen Welt.“ (Walter Köpping, S. 337)

Köpping Walter, „Gewerkschaftliche Monatshefte“ 6, 1974, S. 329, S. 332, 331, 333, 334, 335, 337.

Prager Theodor, Grad des Bachelor of Commerce, Doctor der Philosophy, (Economics), „Das Märchen vom Lohn, der nicht steigen darf“, Stern Verlag, 1951.

Treptow Elmar, Professor der Philosophie,“Die widersprüchliche Gerechtigkeit im Kapitalismus“ Weidler Buchverlag, 2012, S. 303.

Internationaler-Roma-Tag am 8. April

Mittwoch, 8. April 2015

Am 8. April feiern die Roma ihren internationalen Tag. An diesem Datum fand 1971 der erste Welt-Roma-Kongress in London statt. Es ist dies auch der Tag an dem des Porrajmos (Romanes, dt.: das Verschlingen), wie der Holocaust von den Roma genannt wird, gedacht wird.

Rund 500.000 Roma und Sinti wurden während des Holocaust ermordet.Sie wurden in Vernichtungslagern ermordet und fielen in Zwangsarbeits- und Konzentrationslager Hunger und Krankheiten zum Opfer. Die Überlebenden wurden jahrzehntelang nicht als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung anerkannt und erhielten nur geringe oder überhaupt keine Entschädigungszahlungen.

Beitrag des Ersten Wiener Lesetheaters zum Internationalen Romatag

„Mitten im Sommer haben wir süße Maulbeeren gegessen und gelacht“ – ein Leseabend mit viel Musik.

Rremi Brandner, Emilie Locatin, Andrea Pauli und Susanne Schneider lesen Gedichte und Texte von Elfriede Jelinek, Ilija Jovanovi?, Jovan Nicoli? u.a.
Ivana Ferencova (Romano Centro) spielt und singt mit ihrem internationalen Frauenchor.

Wann: Freitag, 10. April, 19 Uhr
Wo: Haus der Begegnung Floridsdorf, Angererstrasse 14, 1210 Wien
Eintritt frei

Nähere Infos über Roma und Sinti finden Sie beispielsweise im „Duftenden Doppelpunkt“ im Beitrag „Roma und Sinti oder doch ausnahmsweise ‚Zigeuner‘?“

Eva Priester: Der Weltkrieg I – Ende und Anfang

Donnerstag, 28. August 2014

Am Donnerstag, dem 04. September 2014 um 19 Uhr stellen Gerald Grassl und Werner Lang vom Werkkreis Literatur der Arbeitswelt die Broschüre „Der Weltkrieg I – ENDE UND ANFANG“ mit Texten von Eva Priester (1910 – 1982) über den Ersten Weltkrieg (ca. 80 S.; Brosch., Euro 10,-. ISBN 978-3-9503673-0-5) im WERKL IM GOETHEHOF – SELBSTVERWALTETE KRITISCHE FREIRÄUME, Schüttaustraße 1-39/6/R02, 1220 Wien vor.

Der Inhalt der Broschüre ist Eva Priesters zweibändigem Werk „Kurze Geschichte Österreichs“ entnommen.

Neben ihrer Arbeit als Historikerin beschäftigte sie sich mit den Ereignissen des Ersten Weltkriegs auch aus belletristischer Sicht. So widmete sie in ihrem 1955 im Globus Verlag veröffentlichten Buch „Vom Baume der Freiheit“ eine der sechs historischen Erzählungen unter dem Titel „Begegnung im Morgengrauen“ dem Matrosenaufstand von Cattaro.

Eva Beatrice Feinstein, verheiratete Priester wurde am 15. Juli 1910 in St. Petersburg geboren. Es gehörte damals noch zum zaristischen Russland. Ihre Familie, die den Wirren des Bürgerkrieges entgehen wollte, emigrierte 1921 nach Berlin. Wegen ihres politischen Engagements wurde sie Anfang 1933 des Hochverrates bezichtigt und von März 1933 bis Dezember 1933 in Berlin in Untersuchungs- und Schutzhaft gesteckt.
1935 konnte Eva Priester Hitlerdeutschland verlassen und emigrierte nach Prag, wo sie auch mit österreichischen KommunistInnen in Kontakt kam. Sie wurde Mitglied der KPÖ und übersiedelte 1936 nach Wien. Während eines Aufenthaltes in Prag wurde sie 1938 von der Okkupation Österreichs überrascht und konnte nicht mehr nach Wien zurückkehren.
Über das „British Committee for Refugees from Czechoslovakia“, einen Hilfsfonds, den eine englische Zeitung als Reaktion auf das „Münchner Abkommen“ gegründet hatte, erhielt Eva Priester 1939 eine Einreisemöglichkeit nach England.

Eva Priesters -  Grafik von Bruno Furch

Portrait Eva Priesters von Bruno Furch

1943 begann sie im „Britischen Museum“ in London mit der Arbeit an der „Kurzen Geschichte Österreichs“, in der sie sich unter anderem mit den Ereignissen des Ersten Weltkriegs auseinandersetzte und die Eigenständigkeit der österreichischen Nation begründete. Sie schreibt: „Es ist der Versuch, in großen Zügen die merkwürdige und widerspruchsvolle Geschichte unseres Landes darzustellen, und es ist eine Diskussionsgrundlage. Ich bin der festen Überzeugung, dass die österreichische Geschichte, so wie sie heute in den Schulen gelehrt wird und schon vor der Okkupation gelehrt wurde, derart vom Gestrüpp der großdeutschen Darstellung überwachsen ist, dass sie ganz von neuem geschrieben werden muss. Es ist gleichfalls meine Überzeugung, dass eine solche gigantische Arbeit nur von einer großen Zahl von Menschen geleistet werden kann – von einer Kommission von Historikern, einem Sonderausschuss, einer wissenschaftlichen Körperschaft – allerdings nach vollzogener Entnazifizierung.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie 1946 nach Wien zurück und publizierte unter anderem im „Österreichischen Tagebuch“ und in der „Volksstimme“, in der sie auch als stellvertretende Chefredakteurin tätig war.
Ein Schwerpunkt in ihrem Schreiben bildete die kritische Sozialreportage.

Sie starb am 15. August 1982 während eines Kuraufenthaltes in Moskau.

Chronisten, Reporter, Aufklärer – Eva Priester. Ein Kanon des österreichischen Journalismus, Folge 20.

Erster Weltkrieg – Kinderliteratur – Jugendliteratur

Dienstag, 27. Mai 2014

„Mach, dass unsre Truppen siegen, dass wir wieder schulfrei kriegen.“

Ran an den Feind. [O.A.]

Ran an den Feind. [O.A.]

In diesem Beitrag finden Sie Informationen über die Kinder- und Jugendliteratur während des Ersten Weltkrieges sowie eine Literaturliste mit Büchern, die sich, hauptsächlich aus heutiger Sicht, mit dem Ersten Weltkrieg in kinder- und jugendgerechter Form auseinandersetzen. Darüber hinaus finden Sie weiterführende Links und Hinweise auf Ausstellungen und Veranstaltungen.

Hinweise auf Literatur für ältere Semester bietet das Literaturblog „Duftender Doppelpunkt in folgenden zwei Beiträgen: Bücher von AutorInnen, die ZeitzeugInnen des Ersten Weltkriegs waren, finden Sie neben einer kurzen Einführung zum Thema auf der Seite „Der Erste Weltkrieg in der Literatur“. Literatur von GegenwartsautorInnen wurde für Sie in der Literaturliste „Erste Weltkrieg – belletristische Literatur“ zusammengestellt.

Direkt zur LITERATURLISTE KINDER- UND JUGENDLITERATUR ÜBER DEN ERSTEN WELTKRIEG weiter unten auf dieser Seite springen.

Die zentrale Aufgabe der Kinder- und Jugendliteratur im Ersten Weltkrieg ist die Verherrlichung des Krieges und die Entmenschlichung des Gegners. So findet auch die Losung „Jeder Schuß ein Russ‘! Jeder Tritt ein Brit‘! Jeder Stoß ein Franzos‘!“, entsprechend bebildert, Eingang in die Kinderbücher. Mit Fortdauer des Krieges spiegelt sich dessen Realität – Hunger, Invalidität, Tod und Vernichtung – auch in diesem Bereich der Literatur immer stärker wider.

Die Einstimmung der Kinder und Jugendlichen auf das große Schlachten beginnt allerdings schon Jahre vor dem Ersten Weltkrieg:

Maja und der Soldatentod

So liest sich Waldemar Bonsels „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ aus dem Jahre 1912, anders als die Darstelllung in der gleichnamigen Zeichentrickserie aus den 1970er Jahren, wie ein Lehrbuch des Kadavergehorsams: Majas Vagantentum bleibt eine Episode. Reumütig kehrt sie letztlich in den Bienenstock zurück und unterwirft sich ihrer Königin: „Ich möchte für dich sterben.“ Auf eine solche Protagonistin kann die Geschichte nicht verzichten. Im Kampf gegen die Hornissen muss der Tod trotzdem reiche Ernte einfahren. So wirft sich ein „junger Offizier“ in die Bresche. „Sein kühner Soldatentod hatte allen die wilde Todesbereitschaft ins Herz gesenkt.“

Wenige Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung wird „Die Biene Maja“ zu einem der Lieblingsbücher der Soldaten im Ersten Weltkrieg. Insgesamt verkauft sich das Buch zwei Millionen mal.

Obwohl einige seiner Bücher 1933 von den NationalsozialistInnen verbrannt werden, die „Biene Maja“ ist nicht darunter, arrangiert sich Bonsel rasch mit der Diktatur: Schon zuvor mit antisemitischen Aussagen an die Öffentlichkeit getreten, verbindet er im Vorwort seines 1942 veröffentlichten Romans „Dositos“ die pauschale Ablehnung des Judentums mit einem „Kotau“ vor Adolf Hitler: „Der gewaltige und gewaltsame Anstoß, der durch Adolf Hitler in die Welt getragen worden ist, erschütterte nicht nur das Judentum, sondern zugleich alles, was in der christlichen Kirche am Judentum krankt.“

Bayerisches Fernsehen: Bombay, Capri, Schleißheim. Die Biene Maja und ihr Schöpfer

Bonsels, Waldemar: Die Biene Maja und ihre Abenteuer. DVA, 174 S., € 16,95.

Hanuschek, Sven (Hrg.): Waldemar Bonsels – Karrierestrategien eines Erfolgsschriftstellers. Harrassowitz Verlag, 279 S., € 24,80.

Der Struwwelpeter zieht in den Krieg

Die Propaganda macht auch vor dem 1845 erstmals erschienen, bereits vor dem Ersten Weltkrieg zum Kinderbuchklassiker avancierten „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann nicht halt. Er dient Karl Ewald Olszewski 1915 als Vorlage für seinen „Kriegs-Struwwelpeter“ und ist die Antwort auf die 1914 unter dem Titel „Swollen-headed William“ veröffentlichte englischsprachige Struwwelpeter-Version.
Im „Kriegs-Struwwelpeter“ werden die Kinder durch Vertreter der Kriegsgegner ersetzt. Letztere werden für behauptete Bosheit, Verrat und Niedertracht bestraft. In dem Bilderbuch wird der Struwwelpeter zum russischen „Bombenpeter“, „John Guck-in-die-Luft“ ist ein britischer Marineoffizier und „Zappel-Beppo“ ein Italiener.

„‚Ob der Beppo endlich still
Sich bei Tisch verhalten will?
Das verlogne Schaukelspiel
Wird allmählich uns zuviel.
Will er brav zu Tisch sich setzen,
Darf er sich die Lippen netzen
Mit Tiroler rotem Wein,
Und die Trientiner Mahlzeit
Soll der Lohn der Tugend sein.‘
Doch der Beppo höret nicht,
Was man also zu ihm spricht,
Er hetzt und schürt
Und intrigiert,
Er trappelt
Und zappelt
Auf dem Stuhle ganz erpicht,
Bis vorbei das Gleichgewicht.“

Der Struwwelpeter Teil 1: Struwwelpeter und Struwwelpeteriaden
Der Struwwelpeter Teil 2: Struwwelpeters Nachfolger

Helden des Friedens

Selbst in der Zeit des Krieges verstummt die Stimme des Friedens und der Vernunft nicht gänzlich. So veröffentlicht der Wiener Philosoph und Pädagoge Wilhelm Börner 1916 unter dem Titel „Werdet Helden! Ein offener Brief in der Kriegszeit an die deutschen Kinder“ einen pazifistischen Text. Auf 26 Seiten lädt er Kinder und Jugendliche ein, durch Höflichkeit, Aufrichtigkeit und Selbstbeherrschung „Helden des Alltags, der Liebe und des Friedens“ zu werden.

Kato-Mailath-Pokorny, Sonja: WILHELM BÖRNER (1882-1951). Sein Leben an Hand ausgewählter Werke. Diplomarbeit, Wien, 2007.

Ausstellungen und Veranstaltungen

Hurra! Ein Kriegs-Biderbuch von Herbert Rikli

Hurra! Ein Kriegs-Biderbuch von Herbert Rikli

Frankfurt: Das Institut für Kinder- und Jugendbuchforschung an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt zeigt seit 22. April eine Ausstellung: Bilder-, Kinder- und Jugendbücher aus der Zeit des Ersten Weltkriegs (1914-1918).

Die Ausstellung ist im Parterre des Querbaus 2 des IG-Farbengebäudes und auf den Fluren der Bibliothek für Jugendbuchforschung im Erdgeschoss des Querbaus 1 zu sehen.
Bürgervorlesung: Der Erste Weltkrieg – Kindheit, Jugend, literarische Erinnerungskultur. Vom 22. April 2014 bis 15. Juli 2014, dienstags, jeweils 18:00-20:00. IG-Hochhaus Raum 411, Campus Westend, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main

Mönchengladbach: „Nesthäkchen und Trotzkopf im Weltkrieg – Das Kinderbuch erklärt den Krieg“: Museum Schloss Rheydt (Kabinettschauraum Vorburg) Öffnungszeiten Di. bis Fr. 11-17 Uhr; Sa./So. 11-18 Uhr; bis 15. Juni.

Vortrag: Am Samstag, 24. Mai, 15 Uhr, hält Friedrich Stephan in der Ausstellung einen Vortrag: „Mach, dass unsre Truppen siegen, dass wir wieder schulfrei kriegen.“

Speyer: Auch in der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer findet das Thema Kinderliteratur und Krieg seinen Niederschlag: Franz Schmidt bietet am Dienstag, 17. Juni 2014, 19 Uhr einen Vortrag unter dem Titel: Die Biene Maja in der Völkerschlacht – Das Kinderbuch erklärt den Krieg.

Links zum Thema Kinder- und Jugendliteratur im Ersten Weltkrieg

Nesthäkchen und der Weltkrieg. Eine Erzählung für Mädchen

Nesthäkchen und der Weltkrieg. Eine Erzählung für Mädchen von 8-12

Wie Kinder den Weltkrieg erlebten. Professor Hans-Heino Ewers über Kriegskindheit im Spiegel der Kinder- und Jugendliteratur über den Ersten Weltkrieg. SWR2 Journal am Mittag, 22. 4. 2014.

Das Kinderbuch erklärt den Krieg. Einführung in eine Ausstellung aus dem Jahre 2001 in der Villa Spiegelwelt, einem privaten Kinderbuchmuseum von Friedrich Stephan.

Weitere Informationen zum Thema Kinderliteratur und Erster Weltkrieg finden Sie in: Lukasch, Peter: Der muss haben ein Gewehr. Krieg, Militarismus und patriotische Erziehung in Kindermedien vom 18. Jhdt. bis in die Gegenwart. Verlag: Books on Demand; 4. Auflage. Das Kapitel „Der Erste Weltkrieg im Kinder- und Jugendbuch“ kann online gelesen werden.

Eine reiche Auswahl von digitalisierten Kinder- und Jugendbüchern zum Ersten Weltkrieg bietet die Staatsbibliothek zu Berlin.

Institut für Friedenspädagogik Tübingen: Kinder und Jugendbücher zu Krieg und Frieden. Die Liste ist wahlweise nach AutorInnen oder Altersempfehlungen geordnet.

Literaturliste: Jugendbücher über den Esten Weltkrieg

Amreich, Conny: Weil es nicht sein darf. Eine unmögliche Liebe. dtv 2014, 300 S., € 13,40. Ab 14 Jahren.

„Wien im April 1914: Um Rache am Tod seiner Mutter zu üben, nimmt der 16-jährige Oskar Heller eine Stelle als Stallbursche bei der Adelsfamilie von Grayn an. Und das Undenkbare geschieht: Ausgerechnet der freiheitlich gesonnene Oskar, der die Aristokratie mit ihrem Snobismus und für ihn unbegründeten Herrschaftsanspruch hasst, verliebt sich in Alexandra, die Tochter des Hauses – und umgekehrt. Doch beide wissen, dass ihre Liebe keine Chance hat. Dann aber bricht der Krieg aus und alle Karten werden neu gemischt­ …“ Via dtv

Boyne, John: So fern wie nah. Fischer Verlag, 256 Seiten, € 12,99.

„Als an Alfies fünftem Geburtstag der Erste Weltkrieg ausbricht, verspricht sein Vater, nicht in dem Kampf zu ziehen – und bricht sein Wort am Tag darauf. Vier harte Jahre später geht Alfie heimlich arbeiten, um seine Mutter zu unterstützen. Er ist davon überzeugt, dass er seinen Vater nie wiedersehen wird. Doch dann erfährt Alfie zufällig, dass sein Vater in einer Klinik für traumatisierte Soldaten behandelt wird. Und er beschließt, ihn nach Hause zu holen …“ Via Fischer Verlag

Claudel, Philippe / Delestre, Philippe: Der Krieg ist vorbei: Bilder und Texte zum Frieden in Europa. VAT Verlag André Thiele, 108 Seiten, 19,90 EUR.

Comicartige Aquarelle: „Wie kann man einen Krieg in Bilder fassen, der innerhalb von vier Jahren viele Millionen Menschen das Leben gekostet hat? Der lothringische Zeichner Philippe Delestre hat auf diese Frage seine ganz eigene Antwort gefunden und die Erfahrungen deutscher und französischer Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg in fast naiv anmutenden Aquarellzeichnungen festgehalten. Deren runde Formen und sanfte Farben lassen die Realität des Krieges – die Schützengräben, die Schlachtfelder, die zerstörten Dörfer – ‚noch obszöner, noch widernatürlicher‘ (Philippe Claudel) erscheinen. Zusammen mit ausgewählten Zeitzeugenkommentaren und literarischen Zitaten bilden Delestres Zeichnungen eine mosaikartige Chronik der Jahre 1914-1918.“ Via VAT Verlag

Eickmeyer, Peter: Im Westen nichts Neues nach dem Roman von Erich Maria Remarque. Eine Graphic Novel, Splitter Verlag, 176 Seiten, € 22.00.

„Remarque schildert in seinem Roman die selbst erlebten Grauen der Schlachten in Ypern. Der Grafiker und Künstler Peter Eickmeyer aus Melle schuf mit 60 großformatigen Bildern in dreijähriger Arbeit die Vorlagen in Gouache-Technik. Parallel dazu entwickelte er gemeinsam mit seiner Frau Gaby von Borstel auch das Konzept für das 160-seitige Hard-Cover-Buch (Splitter Verlag). Seine Arbeit wurde vom Remarque-Friedenszentrum unterstützt.“ Via Osnabrückner Zeitung

Frank, Rudolf (1886-1979): Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua, 1931; 1979 unter dem Titel „Der Junge, der seinen Geburtstag vergaß“ neu aufgelegt. Am 01. Juni 2014 veröffentlicht der Verlag Ravensburger eine Neuauflage des Buches.

1931 legt Rudolf Frank das Jugendbuch „Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua“ vor. Der Untertitel „Kriegsroman für die junge Generation“ dient der Verschleierung des eigentlichen Inhalts. Der Roman ist ein Plädoyer für eigenständiges Denken und Zivilcourage und handelt von dem in Polen lebenden Buben Jan. Nach der Zerstörung seines Dorfes freundet er sich mit den deutschen Soldaten an und hilft ihnen durch seine Sprachkenntnisse und seinen Einfallsreichtum. Er soll vom Kaiser ausgezeichnet und in Deutschland eingebürgert werden. Nachdem er die Bedeutung des Krieges zu begreifen beginnt, desertiert er. Weiterlesen »

Der Mann auf dem Balkon.

Montag, 26. Mai 2014

Der Mann auf dem Balkon: Dokumentarfilm von Kurt Brazda (2008; ORF/3sat)

Rudolf Gelbard gehört zu jenen österreichischen Persönlichkeiten, die ihrem Land nach 1945 zu einem Gewissen verhalfen. Das liegt nicht nur daran, dass er von den Gräueltaten des Dritten Reiches aus erster Hand Zeugnis ablegen konnte. Unermüdlich war und ist er nämlich auch im Aufzeigen und Bekämpfen von braunem Gedankengut in Österreich. Im Film führt er uns an jene Schauplätze seiner Kindheit in Wien, wo er die Demütigungen als „Judenbub“ nach dem Hitlereinmarsch erleiden musste. Im Oktober 1942 wird er mit seiner Familie deportiert. Wir begleiten ihn auf einer Fahrt nach Theresienstadt. Dabei zeigt er den Ort einer Kindheit, die von Angst und Hoffnungslosigkeit geprägt uns Nachgeborenen unvorstellbar ist. Von den 15.000 Kindern, die in diesen „Vorhof“ der Vernichtung gebracht wurden, überlebten nur etwa 200, darunter auch er.

Prof. Rudolf Gelbard und die Initiative Aspangbahnhof laden ins Votivkino ein: Der Mann auf dem Balkon. Rudolf Gelbard. KZ-Überlebender – Zeitzeuge – Homo Politicus.

Eine Filmvorführung mit Vortrag und anschliessender Diskussion von und mit Rudolf Gelbard.

Wann: Mittwoch, 28. 5. 2014, 18 Uhr
Wo: Votivkino, Währinger Str. 12, 1090 Wien
Eintritt Frei

Reservierungen bitte an: Initiative Aspangbahnhof

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