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Als die Esel Tango tanzten …

9. Januar 2017 von eag

Anregung zum Fabulieren

Wer denkt bei „Seinen Senf dazugeben“ an Rehe mit Flügeln? Wem kommt bei „Bekannt sein wie ein bunter Hund“ ein Pferd mit rosa Hut in den Sinn? Und wie sieht es aus bei „Auf heißen Kohlen sitzen“? Na? Vielleicht ein blaues Telefon?

Lustvoll und bunt macht die Illustratorin und Buchkünstlerin Stefanie Harjes den Anforderungen des Mainstream-Bilderbuchmarktes (lineare Erzählstruktur, „schöne“ Bilder, kindgemäß, „Ist das eh pädagogisch wertvoll?“ …) einen Strich durch die Rechnung.

Auf je einer Doppelseite widmet sie sich – ohne Text! – einer Redewendung und ihrem Gegenteil: Wer seinen Senf nicht dazugibt, hält hinter dem Busch; zum bunten Hund gesellt sich das Mauerblümchen; statt auf Kohlen zu sitzen, fühlt man sich pudelwohl. Und die titelgebenden Esel tanzen entweder nach jemandes Pfeife oder sind stur wie ein – Esel.

Bei jedem der zwölf Sprichwörter öffnet Stefanie Harjes ein Potpourri an Assoziationen, das schon beim Inhaltsverzeichnis beginnt: Statt Seitenzahlen finden sich Ausschnitte aus den jeweiligen Bildern. Der Reiz der Illustrationen liegt einerseits in der Vielfalt an Techniken: Blei-, Farb- und Filzstift, Kugelschreiber, Öl- und Acrylfarben u.v.m. Andererseits löst die Gestaltung der Seiten beim Betrachten einen Ideensturm aus: Bildausschnitte, verschiedene Papiersorten, Fingerabdrücke, Stoffteile fügen sich collagenartig zusammen. Eindeutige Erklärungen gibt es nicht; dafür Freiraum und Leerstellen fürs eigene (Weiter-)Fabulieren.

Petra Öllinger

Stefanie Harjes (Text & Illustration): Als die Esel Tango tanzten …
Mit einem Nachwort der Kinderphilosophin Kristina Calvert.
Mixtvision, München 2016
Gebunden, mit Leinenrücken, durchgängig farbig illustriert
32 Seiten, € 15,40.- (Ö). Ab 3 J.
Über Stefanie Harjes

© Cover: Mixtvision Verlag / Illustratorin

Frohe Weihnachten und alles Gute im Neuen Jahr

22. Dezember 2016 von eag

… wünschen die Duftenden Doppelpunkte.

Frohe Weihnachten Postkarte mit Schneeballschlacht

Von der Nase hängt ein Zapfen,
Blau und Rot sind beide Ohren.
Kalte Zeh´n in dünnen Schlapfen,
Fingerspitzen abgefroren.
Doch die Augen, Rot vom Wind
strahlen wohlgewärmt Behagen
weil sie voll von Freude sind!
Dank den Weihnachtsfeiertagen!

Vielen Dank für diese Zeilen an Alfred Cipera – langjähriger schreibender Doppelpunkt-Besucher

Beiträge vor einem Jahr:
Herr Leopold bekommt gewaltigen Ärger

Literatur am Montag – Alles glitzert, glänzet, leuchtet

9. Dezember 2016 von eag

NachbarInnen und FreundInnen des „Wiener Bücherschmaus“ lesen Winterlich-Weihnachtliches.

Winterzwerge Alice Wang und Barbara Haider begleiten die AutorInnen musikalisch mit Harfe und Gemshorn.

Wann: Montag, 12. Dezember 2016 – 19.00 Uhr
Wo: „Wiener Bücherschmaus“, Garberg. 13/Ecke Mittelg./Oskar-Werner-Platz, 1060 Wien

Auf einen gemeinsamen erquicklichen Winterabend freut sich das Team vom „Wiener Bücherschmaus“.

Der Eintritt ist frei – Spenden für das Leseförderprojekt „Bücher auf Rädern“ erbeten.

WEGEN DES BEGRENZTEN PLATZANGEBOTES ERSUCHEN WIR UM RESERVIERUNG: Kontakt

Frau Wolle und die 7 Nadeln

8. Dezember 2016 von eag

Zur Erquickung in der Vorweihnachtszeit: Der „Wiener Bücherschmaus“ lädt zum Werknachmittag mit Märchen und Musik.

StricklieselWann: Samstag, 10. Dezember 2016, 15.00 bis 17.00 Uhr
Wo: „Wiener Bücherschmaus“, 1060 Wien, Garbergasse 13, Eingang Oskar-Werner-Platz/Mittelgasse

Die Gäste stricken, häkeln und sticken bei Lebkuchen und Tee. Petra Öllinger & Alice Wang begleiten die handwerkenden Damen und Herren mit Märchen, Harfe und Gemshorn. Bringen Sie Ihre Handarbeit(en) mit und verbringen Sie einen gemütlichen Nachmittag im „Wiener Bücherschmaus“.

Bitte um Anmeldung E-Mail oder telefonisch unter 0677/612 659 11.

Der Besuch ist kostenlos. Spenden für die Bücherschmaus-Leseförderprojekte erbeten.

Petra und der Wolf

10. November 2016 von eag

Wir feiern die Fantasie

Petra und der Wolf So lautet das Motto des Vorlesefestes, das am 18. November 2016 in ganz Österreich an verschiedenen Orten stattfindet.

Mit „Petra und der Wolf“ – ein musikalisches Märchen, sehr frei erzählt nach Sergei Prokofjew – lädt der „Wiener Bücherschmaus“ kleine Menschen ab 4 Jahren ein, mitzufeiern.

Es sind dabei:
Petra Öllinger, einer der Doppelpunkte: Erzählerin
Alice Wang: Piano, Cajon
sowie der Großvater, der Wolf, die Ente, der Vogel, die Katze, eine Gruppe von Jägern

Datum: Freitag, 18. November 2016
Uhrzeit: 15.00 Uhr
Ort: „Wiener Bücherschmaus“, 1060 Wien, Garbergasse 13/Eingang am Oskar-Werner-Platz

Der Besuch ist kostenlos.

Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich.
E-Mail-Anmeldung zu Petra und der Wolf
Tel.: 0677/612 659 11

Eine Veranstaltung im Rahmen vonVorlesefest Logo

Beiträge vor einem Jahr:
Herr Leopold bekommt gewaltigen Ärger

ALFRED HRDLICKA – ALLE KUNST GEHT VOM FLEISCHE AUS!

6. November 2016 von wela

AUSSTELLUNG: HRDLICKA, WEGNER, NEMEC: FOTOS, BILDER, DRUCKGRAFIK

HRDLICKA2016_d Alfred HRDLICKA: Druckgrafische Mappen
Thomas NEMEC (Wien): Zeichnungen und Grafiken
Frank WEGNER (Berlin): Alfred Hrdlicka, Letzte Fotos

Eröffnung: 18.11.2016, 19.30 Uhr Eröffnungsworte: Mag. Reinhold STURM

Dauer: 19.11.-09.12.2016 Öffnungszeiten: Di.-Fr. 17:00-20:00 Uhr

Wo: Projektraum MAG3, Schiffamtsgasse 17, A 1020 Wien.
Erreichbar über U2 Taborstraße ODER U4 Schottenring / Ausgang U2 Herminengasse, FON: +43 676 3409218.

WEITERE VERANSTALTUNGEN:

25.11.2016, 18.30 Uhr: „Der Radikale Realismus in der Kunst Alfred Hrdlickas und das Politische in der Kunst“ Impulsreferat : Mag. Reinhold STURM

02.12.2016, 18.30 Uhr: „Zu Alfred Hrdlickas politischen Texten“ Impulsreferat: Prof. Dr. Philipp MAURER

9.12.2016, 18.30 Uhr: Abschlussveranstaltung: Musik Marwan ABADO

Diese Veranstaltungsreihe bietet eine erstmalige Ausstellung von Frank Wegners Fotos aus den letzten Lebensjahren Alfred Hrdlickas.

Frank WEGNER, Berlin, war der letzte von Hrdlicka autorisierte Fotograf, welcher die künstlerische Tätigkeit und private Situationen fotografierte.

Thomas NEMEC wurde schon zu Lebzeiten Hrdlickas als „Schüler“ des Meisters bezeichnet, in Hommage an Hrdlicka wird er Arbeiten der letzten Jahre präsentieren.

Mag. Reinhold STURM erinnert an Alfred Hrdlicka mit „Der Radikale Realismus in der Kunst. Alfred Hrdlickas und das Politische in der Kunst“

Prof. Dr. Philipp MAURER referiert „Zu Alfred Hrdlickas politischen Texten“.

Marwan ABADO, Oud-Spieler und Sänger libanesischer Herkunft, wird der Abschlussveranstaltung eine besondere politische und lyrische Note geben.

Veranstalter: Verein webbrain – Gesellschaft zur Verbreitung von Ton-, Bild- und Denkkunst im virtuellen und im realen Raum

Und wie ist Totsein?

31. Oktober 2016 von eag

Das ist kein Trostspender. Zumindest kein gewöhnlicher.

Cover_Und_wie_ist_Totsein

Totsein kann man nicht üben. Darüber zu sprechen kann das Unfassbare etwas fassbarer und ein kleines bisschen erträglicher machen. Anne Lehners Bilderbuch bietet Erzählanregungen, was danach passieren könnte und zeigt unterschiedliche Vorstellungen, die Menschen von einem „Leben“ nach dem Tod haben: Wird man zu Kompost? Geht man auf Reisen? Wird’s still? Startet eine große Feier? Ist es wie Zuhause?

Beim ersten Blick auf die flächig und meist in den Grundfarben gestalteten längsformatigen Bilder wähnt man sich einem wilden, grafischen Durcheinander gegenüber: ein blaues Känguru, ein gelber Hund oder eine winkende Frau in einer Tasse. Doch dieses vermeintliche „Chaos“ entpuppt sich als wohlgesetztes Arrangement: auf der linken Seite ein Begriff, auf der rechten Seite die bildlichen Assoziationen dazu. Bei der Grafikerin und Illustratorin Anne Lehner sind die Buchstaben nicht nur Buchstaben: Das Wort ZUHAUSE im Kreuzstichmuster zum Beipiel vermittelt Heimeligkeit.

Nebstbei und abseits vom Tod: Die Illustrationen eignen sich vorzüglich als Wimmel- und Suchbilder. Elemente auf der linken „Text“-Seite finden sich, teilweise sehr gefinkelt versteckt, in der dazugehörenden Illustration.

Empfohlen ist das Buch ab 3 Jahren. Trauer und Tod kennen jedoch keine Altersempfehlungen. „Und wie ist Totsein“ kann auch für ältere Kinder und für Erwachsene ein besonderer Trostspender sein.

Petra Öllinger

Anne Lehner (Text & Illustration): Und wie ist Totsein?
Mit einem Nachwort von Mechthild Schroeter-Rupieper
Mixtvision, München 2016
Gebunden, durchgängig farbig illustriert
32 Seiten, € 13,30 (Ö). Ab 3 J.
Ein Einblick in das Schaffen von Anne Lehner

© Cover: Mixtvision Verlag / Illustratorin

Überall und nirgends

18. Oktober 2016 von eag

Erinner-Dinge an Papa und andere Verstorbene

Cover Ueberall und nirgendsBald ist es wieder soweit. Die Zeit um Allerheiligen und Allerseelen ruft in Erinnerung, was allen Lebewesen gemeinsam ist: Sterben und Tod.
Wären wir nicht glücklicher, wenn wir ewig lebten? Dass diese Idee – konsequent zu Ende gedacht – vielleicht nicht gar so verlockend ist, zeigt das Gedicht „Wenn du niemals“. Würde man sich trotzdem auf eine Reise mit der Bahn freuen? Macht es Sinn, das Schwimmdiplom zu bestehen? Eindeutige Antworten gibt es darauf nicht, auch nicht in dem in jeder Hinsicht bemerkenswerten Buch „Überall und nirgends“. Zum Glück.

Verlassensein, Fassungslosigkeit, Unfassbarkeit, Erinnerung; die Trauer um eine/n Verstorbene/n, die Frage nach dem eigenen Tod zeigt sich in einem Koffer von Papa, im leeren Sessel eines Klassenkameraden, in der Feststellung, dass Hochhäuser abgerissen werden, Züge weiterfahren, die Menschen reden und lachen, alles „ohne dich“. Sie zeigt sich aber auch darin, dass man dem verstorbenen Haustyrannen noch eines auswischt.

„Überall und nirgends“ ist eines der wenigen Bücher für Kinder (empfohlen ist es ab 8 Jahre) und Erwachsene, das den Themen Selbstmord („Aus eigener Kraft“), Hospiz („Hospiz“) und dem Tod von Frühgeborenen („Zu klein“) einen Platz bietet. Es stellt die kluge Frage nach einer Existenz vor dem Leben „War ich schon, bevor’s mich gab?“ („Davorseits“). Es verdeutlicht, dass gutgemeinte Trostworte wie „Für ihn war es am besten.// Kopf hoch, du bist noch jung,/das wird schon wieder“ besser nicht gesagt werden („Besser nicht“). Es bringt eine/n darauf, dass es vielleicht gar nicht so schlecht wäre, als Katze wiedergeboren zu werden („Gepard“).

Das Ende ist nicht ausschließlich schwarz, oder mündet in einer Erdbestattung, oder ist das alleinige Refugium des Sensenmannes. An manchen Orten in der Welt kommen die Geier zu Hilfe („Himmelsbegräbnis“), anderswo werden Sterbende auf einen Berg hinauf getragen („Narayama“) oder die Lebenden feiern mit den Toten („Fiesta de los Muertos“).
Sylvia Weves Illustrationen begleiten Bette Westeras Sprache. Die Bilder lassen unterschiedliche Zeichen- und Malutensilien (Filzstift, Kreide, Tusche, Wasserfarben) und Stile erkennen. Raffiniert die Idee, aus einem Fingerabdruck „Omas Mantel“ zu kreieren wenn der Kleidung der Verstorbenen etwas ganz Wichtiges beigelegt werden muss.
„Bevor wir ihre Sachen zum Altkleiderladen bringen,
stecke ich in Omas Manteltasche rasch ein Stück Papier,
damit die fremde Frau, die irgendwann
den Mantel kauft, auch lesen kann,
er war von Oma. Denn das schreib ich ihr.“

Für „Ohne dich“ zum Beispiel malte Sylvia Weves mit brauner/schwarzer (Wasser-)Farbe eine Stadt. Auf den ersten Blick ähnelt das Bild einer krakeligen Kinderzeichnung, beim genauen Hinschauen jedoch lassen sich viele gekonnt gesetzte Details erkennen. Ein gelungenes Beispiel dafür, dass Illustrationen nicht nur „schmückendes“ Text-Beiwerk sind, sondern eigene Geschichten erzählen.

Ein besonderer Kniff ist die Gestaltung einiger Seiten hinsichtlich ihrer Größe. Nur halb so breit wie das Buchformat korrespondiert das Motiv auf einem Bild mit jenem auf der Folgeseite. Eine Raupe im rechten oberen Eck wird beim Umblättern Teil einer Girlande. Der Vorderkörper eines Geparden wandelt sich zu einer Katze, eine Tasche gibt plötzlich den Blick in einen Koffer frei. Apropos Kniff und speziell:
Die Titel der insgesamt 46 Gedichte finden sich in einem nicht gewöhnlichen Inhaltsverzeichnis.

Rolf Erdorf übersetzte Bette Westeras Gedichte aus dem Niederländischen ins Deutsche. Böse Zungen behaupten zuweilen, das sei keine große Sache, weil die beiden Sprachen eh fast gleich sind. Und die Lyrik, das sei doch Jacke wie Hose. Dem ist aufs Entschiedenste zu widersprechen. Luftig, zart, raffiniert, witzig, traurig – eine Poesie, die berührt und zu Herzen geht, ohne sentimental zu werden.
Verbeugung vor Rolf Erdorf.

Danke für das Wort Erinner-dinge.

Petra Öllinger

Bette Westera (Text) & Sylvia Weve (Illustration): Überall und nirgends
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf.
Buchgestaltung von Hans und Sabine Bocketing.
Susanna Rieder Verlag, München 2016
Halbleinen, gebunden, mit drei Lesebändchen, 112 Seiten, € 26.- (Ö)
Über Bette Westera
Über Sylvia Weve

© Cover: Susanna Rieder Verlag/BuchgestalterIn