Kurze Erinnerung an Ingeborg Bachmann

Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren. Sie starb am 17. Oktober 1973 in Rom (gelegentliches Pseudonym Ruth Keller). Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20.Jahrhunderts. Ihr zu Ehren wird seit 1977 jährlich der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen. Von 1945 bis 1950 studierte sie Philosophie, Psychologie, … Weiterlesen

LyrikfreundInnen aufgepasst

Heike Baller von der „Kölner Leselust“ ladet im Rahmen der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ ein, ein Gedicht über den April zu schreiben. „Da haben Sie nun alle Freiheit, den Monat als Frühlingsboten oder wetterwendisches Naturereignis zu schildern oder den ihm zugesprochenen Charakter metaphorisch zu verwenden oder was Ihnen sonst noch dazu einfällt.“ Neben des Dichters … Weiterlesen

Ostergedichte

Österliche Wiese mit Henderln und Hasen Die Duftenden Doppelpunkte wünschen Ihnen ein frohes Osterfest!

In diesem Sinne finden Sie hier eine kleine Auswahl humorvoller Ostergedichte von Paula Dehmel, Friedrich Güll, Heinrich Hoffmann, Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Christian Morgenstern, Eduard Mörike, Joachim Ringelnatz und Kurt Tucholsky.

In vielen dieser Gedichte spielt der Osterhase eine tragende Rolle. Erstmals erwähnt wurde er übrigens 1682 von dem Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau in der Abhandlung „De ovis paschalibus – von Oster-Eyern“ .

Osterlied

Paula Dehmel (1863 – 1920)

Has, Has, Osterhas,
Wir möchten nicht mehr warten!
Der Krokus und das Tausendschön,
Vergissmeinnicht und Tulpe stehn
Schon lang in unserm Garten.

Has, Has, Osterhas
Mit deinen bunten Eiern!
Der Star lugt aus dem Kasten raus,
Blühkätzchen sitzen um sein Haus;
Wann kommst du Frühling feiern?

Has, Has, Osterhas,
Ich wünsche mir das Beste!
Ein großes Ei, ein kleines Ei
Und ein lustiges Dideldumdei,
Alles in einem Neste!

Osterhas

Friedrich Güll (1812 – 1879)

Schaut, wer sitzt denn dort im Gras?
Das ist ja der Osterhas`!
Guckt mit seinem langen Ohr
aus dem grünen Nest hervor,
hüpft mit seinem schnellen Bein
über Stock und über Stein.
Kommt, ihr Kinder, kommt und schaut,
schon hat er das Nest gebaut!
Ei so fein von Gras und Heu
und so lind von Moos und Spreu.
Lasst uns schauen, was liegt im Nest
so rund und glatt und fest:
Eier, blau und grün und scheckig,
Eier, rot und gelb und fleckig!
Häslein in dem grünen Wald,
ich hab` dich lieb und dank dir halt,
Häslein mit den langen Ohr,
dank dir tausendmal davor!
Häslein mit dem schnellen Bein,
sollst recht schön bedanket sein!
Nächste Ostern bringt die Mutter
wieder dir ein gutes Futter,
dass du möchtest unsertwegen
wieder soviel Eier legen.

Der erste Ostertag

Heinrich Hoffmann (1885 – 1957)

Fünf Hasen, die saßen beisammen dicht,
Es macht ein jeder ein traurig Gesicht.
Sie jammern und weinen:
Die Sonn‘ will nicht scheinen!
Bei so vielem Regen
Wie kann man da legen
Den Kindern das Ei?
O weih, o weih!
Da sagte der König:
So schweigt doch ein wenig!
Lasst weinen und Sorgen
Wir legen sie morgen!

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Frühlingsgedichte – Frühjahrsgedichte

Ein Frühlingsbote: schneeumgebenes Schneeglöckchen, Blüten noch ungeöffnet Anlässlich des heutigen Frühlingsbeginns können Sie in diesem Beitrag eine kleine Auswahl von Frühlingsgedichten folgender Autoren nachlesen:

Theodor Fontane, Kurt Tucholsky, Christian Morgenstern, Percy Shelley, Rainer Maria Rilke, Georg Trakl, Hoffmann von Fallersleben, Wilhelm Busch, Eduard Mörike, Johann Wolfgang Goethe, Heinrich Heine.

Das Team des „Duftenden Doppelpunktes“ freut sich gemeinsam mit Ihnen auf ein sonniges Frühjahr und hofft, dass sich die folgenden Zeilen aus Erich Mühsams Gedicht „Wollte nicht der Frühling kommen?“ heuer nicht bewahrheiten.

Ja, es waren schöne Tage.
Doch sie haben uns betrogen.
Frost und Sturm und Schnupfenplage
sind schon wieder eingezogen.
Zugeknöpft bis an den Kiefer
flieht der Mensch die Gottesfluren,
wo ein gelblichweißer, tiefer
Schnee versteckt die Frühlingsspuren.
Sturmwind pfeift um nackte Zweige,
und der Rasenplatz ist schlammig.
In mein Los ergeben neige
ich das Auge. Gottverdammich!

FRÜHLING

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
„Er kam, er kam ja immer noch“,
die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuß auf Schuß;
im Garten der alte Apfelbaum
er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh‘,
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du!

Theodor Fontane (1819 – 1898)

DER LENZ

Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,
dann im Kalender und dann in der Luft,
und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde
sich in die frischgewaschene Frühlingskluft.

Ach ja, der Mensch! Was will er nur vom Lenze?
Ist er denn nicht das ganze Jahr in Brunst?
Doch seine Triebe kennen keine Grenze –
dies Uhrwerk hat der liebe Gott verhunzt.

Der Vorgang ist in jedem Jahr derselbe:
man schwelgt, wo man nur züchtig beten sollt,
und man zerdrückt dem Heiligtum das gelbe
geblümte Kleid – ja, hat das Gott gewollt?

Die ganze Fauna treibt es immer wieder:
Da ist ein Spitz und eine Pudelmaid
die feine Dame senkt die Augenlider,
der Arbeitsmann hingegen scheint voll Neid.

Durch rauh Gebrüll läßt sich das Paar nicht stören,
ein Fußtritt trifft den armen Romeo
mich deucht, hier sollten zwei sich nicht gehören…
Und das geht alle, alle Jahre so.

Komm, Mutter, reich mir meine Mandoline,
stell mir den Kaffee auf den Küchentritt.
Schon dröhnt mein Baß: Sabine, bine, bine …
Was will man tun? Man macht es schließlich mit.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

FRÜHLINGSAHNUNG

Rosa Wölkchen überm Wald
Wissen noch vom Abendrot dahinter –
Überwunden ist der Winter,
Frühling kommt nun bald.

Unterm Monde silberweiß,
Zwischen Wipfeln schwarz und kraus
Flügelt eine Fledermaus
Ihren ersten Kreis …

Rosa Wölkchen überm Wald
Wissen noch vom Abendrot dahinter –
Überwunden ist der Winter,
Frühling kommt nun bald.

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

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Literarischer Adventkalender 2013/24

PETRA ÖLLINGER LIEST PETRA ÖLLINGER – JUBLA [audio:https://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/wp-content/uploads/2008/12/petra-oellinger-liest-petra-oellinger-jubla.mp3] Musik: Dope Head Blues von Victoria Spivey Dauer: 4:45 Dateigröße: 2.18 MB PETRA ÖLLINGER: JUBLA „Auch Christbäume wollen Abwechslung. Dein Christbaum gibt gerne etwas dafür her.“ Ich sitze vor Jubla und lese ihm diese Zeilen aus einem Möbelhaus-Katalog vor, wo Schränke, Betten, Tische, Regale und Hauspatschen Namen … Weiterlesen

Literarischer Adventkalender 2013/23

KLABUND: WEIHNACHT Ich bin der Tischler Josef, Meine Frau, die heißet Marie. Wir finden kein’ Arbeit und Herberg’ im kalten Winter allhie. Habens der Herr Wirt vom goldnen Stern nicht ein Unterkunft für mein Weib? Einen halbeten Kreuzer zahlert ich gern, zu betten den schwangren Leib. – Ich hab kein Bett für Bettelleut; doch scherts … Weiterlesen

Literarischer Adventkalender 2013/16

PETER HILLE: DIE WEIHNACHTSFEE Und Frieden auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind. Suchende Sterne ins eilende Haar, Frierende Sterne, schmelzend zergangen Über den wunderfeiernden Wangen, Und die Augen von Liebe so klar. Wie Glocken klar, wie Reif so rein Und so duft und so jung und blühend vor Güte Tau der Frühe … Weiterlesen

Türkische Lyrik 1 – Ein kurzer Überblick

Die türkische Lyrik ruht auf dem Fundament jahrhundertealter Traditionen und genießt zwischen „Bosporus und Ararat“ große Wertschätzung. Anders als im deutschsprachigen Raum; hier müssen viele, nicht nur türkische LyrikerInnen, gegen ein bescheidenes Interesse an ihren Gedichten anschreiben. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage stoßen Übersetzungen aus dem Türkischen zunehmend auf Interesse. Nicht zuletzt aus der sogenannten Gastarbeiterliteratur … Weiterlesen