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Jasper braucht einen Job

Wenn Hunde sich amortisieren

500 (in Worten: fünfhundert) Euro. Das sind die ungefähren Kosten im Jahr für einen mittelgroßen Wuff für das Notwendigste wie Futter, Hundesteuer, Versicherung und jährliche Impfkosten. Nicht inkludiert sind: Leine, Halsband, Maulkorb, Extra-Besuche in der Tierarztpraxis, Extra-Medikamente, Krallenschneiden, Hundefriseur, Leckerlis, Spielsachen, Hundebett etc. pp.

Welcher Hundemensch hegt da nicht das eine oder andere Mal den Wunsch, der Vierbeiner möge sein Brot doch selbst verdienen. Welcher Hundemensch schlägt nicht das eine oder andere Mal die Hände über den Kopf zusammen mit den Worten: „Der Hund kostet uns ein Vermögen!“ – mit jenen Worten, mit denen Mr. Cletus die Geschichte von Jasper eröffnet. Und dieser kostet laut Mr. Cletus 900 (in Worten: neunhundert) Dollar was ungefähr einem Betrag von 750 Euro1 entspricht. Jasper ist ein Dobermann, die Kosten halten sich für seine Größe im Grunde genommen in Grenzen. Trotzdem stellen sich Mrs. und Mr. Cletus die Frage: Jasper oder das Schulgeld für die Kinder. Die Lösung für das Dilemma folgt prompt: Jasper erhält das Angebot, in George Bernard Shaws „Cäsar und Cleopatra“ mitzuspielen. Dank seiner Ähnlichkeit mit dem ägyptischen Gott Anubis und ausgeklügelter Tricks des Regisseurs und der SchülerInnen – Spielsachen und Trockenfutter! – bewältigt Jasper souverän seine Rolle als Cleopatras Hund. Und obwohl er eines Abends in die innige Liebesszene furzt („… Schauspieler, Schauspielerinnen und Bühnenarbeiter brachten ihm köstliche kleine Steaks und von Knoblauch triefende Stampfkartoffeln.“ – kein Wunder, dass seine Verdauung außer Rand und Band gerät), landet das Stück einen großen Erfolg und Jasper wird in der Schülerzeitung „ausführlicher gelobt … als die Königin selbst“. Nach der letzten Aufführung endet sein Künstlerkarriere. Der Hund kostet aber weiterhin ein Vermögen. Er braucht also einen Job. Die Lösung findet Mr. Cletus in einer Illustrierten beim Zahnarzt: „Ich werde die Zollabteilung beim Flughafen anrufen.“ Die haben da nämlich ein Hundeschulungsprogramm …

Ein Durchschnittsfamilienhund macht Karriere als Schauspieler, und die Zweibeiner grübeln darüber nach, ob das seriös genug für ihn sei … – das ist nur ein Beispiel für den (Sprach-)Witz des kanadischen Autors Michael Ondtaatje in dieser grotesken Geschichte. Dessen lakonische Formulierungen steigern die Skurrilität der ganz und gar nicht durchschnittlichen Mensch-Hund-Beziehung.
Bunt-schrill, technisch vielfältig, humorvoll, federleicht bringt der französischen Künstler und Illustrator Serge Bloch (er zeichnet u. a. für die New York Times und die die Süddeutsche Zeitung) die Ereignisse um Jasper und Co. aufs Papier. Er illustrierte das Heft (Fadenknotenheftung und Schutzumschlag) mit Original Flachdruck-Grafiken. Und ein Poster gibt es auch dazu!

Summa summarum: Der Erwerb von „Jasper braucht einen Job“ amortisiert sich ganz schnell sowohl bei text- als auch bildbegeisterten Zweibeinern.

Petra Öllinger. Für Brilli und Zwetschke, ihr bleibt unvergessen!

Michael Ondaatje (Text), Serge Bloch (Illustrationen): Jasper braucht einen Job
Nummer 47 Aus der Reihe „Die Tollen Hefte“, herausgegeben von Rotraut Susanne Berner
Aus dem Englischen von Anna Leube
Edition Büchergilde, Frankfurt/Main 2017
32 Seiten, € 17,50 (Ö)
Über Michael Ondaatje
Über Serge Bloch

© Cover: Edition Büchergilde / Serge Bloch

1: Umgerechnet in US-Dollar, in Kanadischen Dollar wären es ca. 600.- Euro – kostet also auch nicht die Welt …

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