Erich Zwirner – Gedenkveranstaltung

Der Todestag des Schriftstellers und Industriearbeiters Erich Zwirner jährt sich zum zehnten Mal.

Gedenkveranstaltung

Wann: 13. November 2013 um 19 Uhr
Wo: Kunsthaus Mürzzuschlag.

Programm:

Ottwald John liest aus den Werk Erich Zwirners
Musik:
Reinhard und Erich Zwirner jun.
Film: Ausschnitte aus der ORF-Sendung „Arbeitswelt in der Literatur – Literatur in der Arbeitswelt“.
Gesprächsrunde: Freunde und Weggefährten erinnern sich an Erich Zwirner.

Kartenpreis: 6,- € / 4,- €
für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist der Eintritt frei

Warum man sich an Erich Zwirner wieder erinnern soll, hat nicht nur mit seiner „kritischen Einstellung“ zu tun, sondern auch damit, dass er Arbeiter war und er diese, seine Welt, in der er lebte, beschrieb. Was er beschrieb, war die Arbeitsrealität in einer „Verstaatlichten Eisen und Stahl Industrie“, und die passt mit den verklärt zurückblickenden Augen auf die Wirtschaftswunderzeit in der er aktiv im Arbeitsprozess stand nicht überein. Sie war geprägt von Schwerarbeit, Schichtarbeit, Werkswohnungen und aus zu niedrigen Löhnen, um unbeschwert leben zu können. Genau so wie heute.

Durch die subjektiven Erlebnisse und Schilderungen von Erich Zwirner werden auch gesamtgesellschaftliche Strukturen sichtbar gemacht mit denen man nachweisen kann, dass diese nicht mit den Aussagen der damaligen Berufspolitiker, die ihre Politik als etwas Erfolgreiches verkaufen wollten und wollen, übereinstimmt. Rückblickend kann man nicht nur mit Hilfe der literarischen Aufzeichnungen von Erich Zwirner – der ein Mitglied der Sozialdemokratischen Partei war – auch aufzeigen, dass sich die politisch Verantwortlichen eingestehen müssten, dass sie sozialpolitisch versagt haben. Und der „schreibende Spinner“, wie Erich Zwirner bezeichnet wurde, auf das ein Interview von Barbara Magg mit Erich Zwirner hinweist, bleibt als Realist mit seiner Literatur zurück. Das erscheint mir als einer der Hauptgründe, warum er aus der Sicht der herrschenden Politiker vergessen werden sollte.

Für eine realistische Einschätzung der Lebensweise von Arbeitern in den Industriebetrieben brauchen wir die Literaten der Arbeitswelt aus dieser Zeit, ob es nun den Berufspolitikern, wie sie sich auch nennen, gefällt – oder auch nicht.

„Der englische Arbeiter, der kaum lesen und noch weniger schreiben kann, weiß dennoch sehr gut, was sein eigenes Interesse und das der ganzen Nation ist …“, schrieb Friedrich Engels, 1847.

Wir hatten das Glück in Mürzzuschlag-Hönigsberg einen Arbeiter zu haben, der schreibend und ohne „höhere Bildung“ seine Interessen formulieren konnte, denn das hat seine Arbeit mit sich gebracht – darum war er auch so unverfälscht realistisch. Das sollten wir schätzen und nutzen, in dem wir wieder auf seine Literatur zurückgreifen und aus seinen erlebten Geschichten lernen.
Denn diese Arbeitswelt gibt es noch immer.

Erich Zwirner war Mitglied des Vereins „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“. Dieser Verein verstand sich als Vertreter der „Arbeiter“ im weitesten Sinne und Erich fühlte sich diesem verbunden. Der Verein „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt Steiermark“ versteht oder verstand sich als eine Vertretung für „Arbeiter“, aber nicht im Sinne einer gewerkschaftsnahen Politik.

Im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt Steiermark fanden sich Hausfrauen, Pensionisten, Lehrer, ein Bibliothekar, Arbeitslose und einige Studenten zu gemeinsamer Arbeit zusammen, um zu schreiben und um voneinander zu lernen.

Die literarischen Aufzeichnungen, aus der „Werkstatt Arbeitswelt“ wurden nicht nur auf Vorgänge in Betrieben, Werkstätten, Büros usw. eingeengt, es wurde auch der Versuch unternommen, alle im Umfeld der dort tätigen Menschen mit einzubeziehen. Sie tragen Unterdrückung und Not in gleicher Weise mit, schrieb Friedrich G. Kürbisch, der ein Mitglied der steirischen Werkstatt Literatur der Arbeitswelt war, in einem Werkstattbrief 1984.

Erich Zwirner bleibt uns in Erinnerung, als ein ewiger suchender und lernender Arbeiter, der durch sein Schreiben nicht nur sein Leben, sondern auch die Zeit seines Daseins in der Arbeitswelt, in Gestalt seiner Schriften, seiner Generation wie auch der nächsten weitergeben wollte.

Literatur:
Kürbisch, Friedrich G.: Brief, 1984. (Versuch einer Standortbestimmung – Arbeiterdichtung. Verlag, Sozialistische Bildungszentrale, Wien 1972.)
Magg, Barbara: „schreiben“ „lernen“ „schritte setzen“: Schreiben als eine Form der Identitätsfindung des Lernens im außerinstitutionellen Bereich der Erwachsenenbildung. Diplomarbeit, Graz, Mai 1991

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