Bücher spenden, Gutes tun! Mit Ihrer Bücherspende unterstützen Sie die Leseförderprojekte des "Wiener Bücherschmaus".

Nähere Infos: Wiener Bücherschmaus



Rauer Vorfrühling der Frauenfreiheit

Nikola Müller und Isabel Rohner leisten mit der von ihnen initiierten „Edition Hedwig Dohm“ eine engagierte Arbeit. Endlich werden die einzelnen Werkmosaiksteinchen einer der wichtigsten „Frauenbewegerinnen“ des 19. /Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Gesamtbild zusammengefügt.


Den Auftakt zu dieser kommentierten Gesamtausgabe bildete im Frühjahr 2006 „Hedwig Dohm – gesammelte Texte“, siehe an.schläge vom November 2006. Das zweite Steinchen bildet der (Brief-) Roman „Sibilla Dalmar“ (1896). Die Hauptfigur erzählt in Briefen an ihre Mutter über ihr Leben in der höheren Berliner und Münchner Gesellschaft. Die Tage sind ausgefüllt mit Gesellschaften, Gedanken um die passende Kleidung, das korrekte moralische Verhalten. Unter dieser dekatenten Oberfläche keimen jedoch in ihr jedoch Zweifel am Sinn eines solchen abgehobenen Lebens.

Sibilla Dalmar weiß im Grunde um ihr geistiges Potenzial. Sie liest Nietzsche, führt angeregte Gespräche mit einem sozialistischen Journalisten, will den Armen helfen, und doch: „Eine gewisse Leere gähnt in mir.“ Der Sprung aus diesem Korsett will ihr nicht gelingen, zu stark sind noch die gesellschaftlichen Hindernisse. Sie schreibt, dass sie zwischen zwei Kulturen eingeklemmt ist, hier jene der „spinnenden, strickenden Hausfrauen“, dort jene der freien Geschlechter, „die nach mir kommen werden. In dem rauen Vorfrühling der Frauenfreiheit gehen wir armen Schneeglöckchen zugrunde“. Als armes Schneeglöckchen fühlt sich zuweilen auch die Leserin. Auch dann, wenn frau bei der Lektüre im Hinterkopf behält, dass der Text in seinem zeitlichen Kontext zu betrachten und dass er ist nicht! autobiographisch zu verstehen ist: Die Briefe sind großteils banal, langweilig und verführen zum Seitenüberspringen. Um so mehr, da Hedwig Dohms Sprachwitz und scharfe geistvolle Formulierungen bis auf wenige Stellen fehlen. Nur hie und da blitzt ihr Esprit hervor, wenn sich zum Beispiel die „feine“ Gesellschaft in einer Diskussion über die moderne Malerei erhitzt. Zwar nicht erhitzt, aber hoffnungsfroh harrt die Leserin der nächsten Texte in der Edition Hedwig Dohm“.

Hedwig Dohm – Sibilla Dalmar. Herausgegeben von Nikola Müller und Isabel Rohner, trafo Verlag Berlin, 2006. 308 Seiten, Euro 24,80 (D)

Petra Öllinger
Erschienen in an.schläge – das feministische Magazin, Juni 2007

Buchcover-Sibilla Dalmar

Beiträge vor einem Jahr:
Frauensachbuch

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

   Beim Absenden eines Kommentars werden Name, eMail-Adresse, Datum, Uhrzeit und Kommentartext gespeichert. Mehr Informationen dazu stehen in der Datenschutzerklärung. Mit dem Abschicken eines Kommentars erkläre ich mich mit der Speicherung meiner Daten durch diese Website einverstanden.