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Zum siebzigsten Todestag von Richard Zach

Die AutorInnen der TARANTEL wollen das schmale Werk Richard Zachs dem Vergessen entreißen.

Den Beginn der Erinnerungsveranstaltungen macht Werner Lang mit Texten von Richard Zach.

Wann: 10. Jänner 2013 um 19 Uhr
Wo: Werkl im Goethehof, Schüttaustraße 1, 1220 Wien

Richard Zach 1919-1943

Richard Zach kam am 23. März 1919 in Graz als zweiter Sohn einer Arbeiterfamilie zur Welt.

Sein Vater Rupert war als Fassbinder in der Brauerei Puntigam in Graz beschäftigt. Seine Mutter Wilhelmine arbeitete neben Haushalt und Familie an den Wochenenden als Aushilfe in einem Gasthaus.

1931 musste die Familie Zach ihre enge Wohnung verlassen und in eine Kellerwohnung umziehen.
Richard Zachs Mutter starb 1932. In dem Gedicht „Aus meiner Jugend“ schildert er die neuen Wohnverhältnisse, die die Mutter, neben unermüdlichem Arbeiten, in den Tod trieben:

Dann klebte auf den Scheiben eine braune Kruste.
Die Füße ohne Körper glitten schnell vorbei.
Wir kauerten am Ofen, eingetaucht in Blei.
Bei Güssen sickerte aus Bodenfugen das Wasser.
Ein Kanalschacht lief darunter.
Da wurden wir dann wieder etwas munter,
wenn wir die vollen Eimer aus der Stube trugen.
Die Straßenköter schauten durch das Fenster zu.
Sonst ließ die fromme Mitwelt uns in Ruh`.

Nach dem Tod der Mutter wurde er von seinem Bruder getrennt und kam in die Obhut von Verwandten.

Zwischen Februar 1934 und der Okkupation Österreichs

Von 1934 bis 1938 besuchte Richard Zach die Bundeslehrerbildungsanstalt in Graz.
Die Februarereignisse 1934 waren für ihn ein einschneidendes gesellschaftspolitisches Ereignis. Über die Vernichtung der Arbeiterbewegung unterrichtet uns sein in dieser Zeit entstandenes Gedicht, „Poem“. Dessen Inhalt ist durch die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der damaligen Zeit geprägt. Es steht stellvertretend für die Niederlage der österreichischen Arbeiterbewegung.

Um diese Zeit trat Richard Zach aktiv in das politische Geschehen ein und half bei der Gründung einer Widerstandsgruppe.
Als er die Matura mit Auszeichnung bestand, war die politisch-kulturelle antifaschistische Tätigkeit der halblegalen Jugendorganisation „Jung-Freiheitsbund“ schon voll im Gang. Und Richard Zach war aktiv daran beteiligt.

Im Herbst 1937 wurde für das Studium der Theorie und Praxis des „Wissenschaftlichen Sozialismus“ ein geheimer Marxistischer Arbeitskreises gegründet.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Aufbau antifaschistischer Gruppen in Graz und der Steiermark verstärkt.

In der Deutschen Wehrmacht – 2. Weltkrieg

Im Herbst 1938 rückte Richard Zach zum deutschen Heer ein. 1939 musste er als Kanonier und Chauffeur mit seinem Regiment am „Polenfeldzug“ der Nationalsozialisten teilnehmen.

Nach seiner Rückkehr entzog er sich dem Militärdienst, indem er von 1939 bis 1940 einen Spitalsaufenthalt erzwang.
In dieser Zeit verfasste er Aufsätze und Schriften und erörterte mit seinen Besuchern politische Fragen. Danach ging die Widerstandsgruppe um Zach dazu über, nach außen zu wirken, Schmieraktionen zu unternehmen und Flugzettel zu verbreiten.

Richard Zach erreichte mit verschiedensten Aktionen am 21. Januar 1941 die Dienstuntauglichkeit. Er wurde aus der Wehrmacht entlassen und am 1. Februar 1941 wieder als Lehrer in Graz eingesetzt.

Antifaschistische Arbeit und Verhaftung

Im Frühjahr desselben Jahres begann eine groß angelegte Verhaftungswelle, die auch die Gruppe um Richard Zach erfasste. Am 3. Februar wurde als Erste Elfriede Neuhold festgenommen. Für kurze Zeit übernahm Erich Neuhold die Aufgabe seiner älteren Schwester. Daraufhin wurden weiter Flugzettel und die Zeitschrift „Der Rote Stoßtrupp“ hergestellt und verbreitet, auch um die Verhafteten zu entlasten. Neben seiner Arbeit im antifaschistischen Widerstand entwickelte Richard Zach seine literarische Tätigkeit weiter.

Am 31. Oktober 1941 wurde Richard Zach in Graz verhaftet.
15 Monate wird der Dichter und Lehrer im nationalsozialistischen Kerker verbringen.
In Haft versuchte er so bald als möglich, Informationen über den Stand der polizeilichen Ermittlungen gegen seine Gruppe zu sammeln. Nachrichten wurden u. a. über seine, ihn anfangs des Öfteren besuchende Freundin Hermine Kohlhauser aus dem Polizeigefängnis geschmuggelt. Unter anderem versteckte Richard Zach im Gummizug seiner Schmutzwäsche kleine Zettel, die dann aus der Haftanstalt in Wäschepaketen zu seiner Freundin oder zu seinen Verwandten kamen. Nicht wenige Zellengedichte, die auch Kassiber genannt werden, gelangten später auf diese Weise ins Freie.

Als am 17. Dezember 1941 sein Freund Alois Geschwinder in das Polizeigefängnis eingeliefert wurde, wies man ihm die Zelle neben Richard Zach zu. So konnten sie sich über Fragen und Aussagen in den Verhören austauschen. Später gingen sie dazu über, die Informationen durch die Wand zu morsen. Geschwinder hatte einen Bleistift mit in die Zelle geschmuggelt. Er übertrug die Mitteilungen von Richard Zach auf Zeitungsränder. Auf diese Weise wurden einige Zachsche Gedichte zu Papier gebracht.

Seine brieflichen und lyrischen Aufzeichnungen setzte Richard Zach auch im Zuchthaus Berlin Brandenburg fort, in das er am 14. Februar 1942 eingeliefert worden war.
Er wurde mit drei weiteren Wehrmachtsangehörigen als Hauptangeklagter vor einem Militärtribunal in Berlin gestellt.
Die Anklagepunkte waren: „Wehrkraftzersetzung“, „Hochverrat“, Versuch der „Lostrennung eines zum Reich gehörigen Gebietes“ (Österreich).

Todesurteil

Am 18. August 1942 wurde Richard Zach zum Tode verurteilt.
In der gesamten Haftzeit, die er in Berlin verbrachte, verlor Richard Zach nahezu zwanzig Kilo an Körpergewicht. In einem Brief vom 3. September 1942 schrieb er: „… Schlaff, müde, fast täglich, stündlich bin ich matt, weil ich nichts leiste?“Und in einer Äußerung im „Kassiber“ heißt es: „In Berlin ist es ja – abgesehen von allem anderen – ein langsames Verhungern!“
In der Haftzeit zwischen 31. Oktober 1942 und 27. Jänner 1943 entstanden so unter schwierigsten Bedingungen nahezu 800 Gedichte und etwa 100 Seiten Briefe und Notizen, flüchtig in Themenkreisen geordnet, niedergeschrieben und auf Umwegen in Sicherheit gebracht. Dem standen 120 Gedichte vor der Haftzeit gegenüber.
Des Weiteren beschrieb er die räumlichen Verhältnisse in den Zellen, das schwache Licht darin, das den Gefangenen in einen Dämmerzustand versetzte. „Der lampengelben Nacht“, dem „fahle“(n) Flimmern, folgt der graue, leblose Zellentag; und die Verhöre, die meist unter schwerer Folter stattfanden.
„Eingeschachtelt zwischen Mauern, die Stunden durchhungern“(t) (23. 9. 1942)“ … eingeschraubt zwischen Wänden und Todesgewissheit …“ (1. 9. 1942) „… Düster jede Stunde, kein freundlicher Schimmer durch die dicken Scheiben, kein belebender Fleck Helle auf den fahlen Wänden, die Luft fast wie ein zäher Dunst vor den Augen, um die Stirn, hinter der Stirn …“ (2.11. 1942).

Ende November/Anfang Dezember 1942 war er nochmals als Zeuge in Graz.
Alfred Zach berichtete von einer Gegenüberstellung mit seinem Bruder bei der Grazer Gestapo: „Stelzl und Komplizen hatten meinen Bruder durch Misshandlungen derart zugerichtet, sein Gesicht war zerschlagen, verkrustet von alten Wunden, körperlich völlig heruntergekommen. Er erhielt vier Wochen Dunkelhaft, wurde täglich geprügelt und hat in meiner Anwesenheit durch Stelzl Faustschläge ins Gesicht erhalten.“

Den Menschen verbunden

In seinen Gedichten aus der Einzelzelle spricht er auf vielfältige Weise, nicht nur zu jenen Menschen, denen er sich bis zu seinem Tod verbunden fühlt, sondern zu allen Menschen. Denn in 130 Gedichten von ihm steht der Mensch im Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Sein literarisches und nicht-literarisches Vermächtnis besteht aus etwa 1500 beschriebene Seiten. Richard Zach:“ … der so gern lebte,“ sagte zum Schluss: „Sie sollen uns nicht zittern sehen.“

Für die Freiheit Österreichs

Am 14. Jänner 1943 wurde Richard Zach wieder nach Berlin transportiert.
Am Mittwoch, den 27. Jänner 1943 um 19 Uhr wurde im Zuchthaus Brandenburg das Urteil vollstreckt. „Grüße mir die Welt, grüße mir die Gefährten, die Sonne und den Grashalm und das All!“, schreibt er, als er sich auf seine Hinrichtung vorbereitete, an seine Freundin Herma (Hermine Kohlhauser).

Es wurden insgesamt 2700 Österreicherinnen als Widerstandskämpferinnen zum Tode verurteilt und hingerichtet. Viele andere verloren in den Gefängnissen und Konzentrationslagern ihr Leben. Auf sie berief sich nach der Befreiung das offizielle Österreich im Ringen um den Staatsvertrag.

Zahlen, Daten und frei zitierte Literatur entnommen aus:

  • Richard Zach „Zellengedichte“, freibord 11 und 12, Verleger und Herausgeber: Gerhard Jaschke u. Ingrid Wald, alle: 1180 Wien, Theresiengasse 53.
  • Richard Zach „streut die Asche in den Wind“, ausgewählte Gedichte, herausgegeben und eingeleitet von Christian Hawle. Verlag Hans-Dieter Heinz, Akademischer Verlag Stuttgart 1988.
  • Richard Zach, „Die schönen Worte fallen welk und fremd … Kassibertexte“, herausgegeben, Christian Hawle, Verlag, Bibliothek der Provinz, 1993.
  • Oberkommissar Stelzl Johann: Folterungen bei der Gestapo Graz.

2 Kommentare zu “Zum siebzigsten Todestag von Richard Zach”

  1. Hartlieb Wild schreibt:

    Durch den PROTESTSONGCONTEST 2015 im Wiener Rabenhof bin ich auf Richard Zach aufmerksam geworden und bewundere uneingeschränkt seine literarische Leistung angesichts der Umstände, unter denen sie erbracht wurde.

    Jetzt hat die Gruppe „Geschichten im Ernst“ einige seiner Texte vertont und eine CD heraus gebracht. -> https://www.youtube.com/watch?v=xB-uJOo5iX4
    Tolle Stimmen und Sound, mitreißender Text. Man merkt das Engagement dieser Gruppe mit Herzblut. – Hörenswert, Chapeau!

  2. eag schreibt:

    Lieber Hartlieb!

    Ein wunderbares Beispiel dafür, wie crossmedia (hier in einem sehr weiten Sinn verstanden :-), Brücken zu Unbekanntem schlagen kann.
    Vielen Dank!

    Liebe Grüßde, die DD

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