Archiv für die Kategorie 'Brillis Wort zum Montag'

Brillis Wort zum Montag

Montag, 5. Mai 2014

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brill mit rosa Halstuch

Gacks – Teil 1

Uuuuund: Knie beugen. Einsammeln. Uuuuund: wieder hoch. Wer sein Leben mit einem Vierbeiner teilt, ist meistens topfit. Das fängt schon an beim Gackihaufen aufklauben: mindestens dreimal täglich in die Hocke. Nebenbei trainieren die Zweibeiner beim Verknoten des vollen Gacksackerls ihre Fingerfertigkeit, und beim gleichzeitigen Halten von Gacksackerl, Leine, gelegentlich ergänzt durch Regenschirm oder Einkaufstasche, ihren Sinn für Koordination.
Es muss einmal festgehalten werden: Unsere beiden Hauskaspars sind in punkto Häufchenwegräumen vorbildlich. Sie scheuen sich nicht, im Dunkeln zwischen eng hintereinander parkenden Autos „herumzukriechen“, wenn Zwetschke bei der Abendrunde beschlossen hat, an der finstersten Stelle in der Gasse ihre Würstchen abzulegen. Sie tun sich keinen Zwang an, wenn es darum geht, den Durchfall-Flatschgack in das Sackerl zu bugsieren, weil ich, nun ja, etwas nicht ganz so Feines verspeist habe.
Ich entsinne mich jedoch, dass sie einmal das Sackerl schmissen. Genaugenommen, war es eine Wegräumapparatur aus Karton („Patent Pending Registered Model“), die die beiden auf eine Geduldsprobe stellte. Laut Anleitung musste man die seitlichen Laschen vom „Hundebeutel“! auseinanderklappen, links und rechts neben das Häufchen platzieren und es so in den Papierbeutel schaufeln. Was bereits bei normalgeformten Hinterlassenschaften eines großen Geschicks bedarf, ist bei Häufchen mit weicherer Konsistenz ein Ding der Unmöglichkeit. Die Saugfähigkeit des Materials ist nämlich begrenzt, gelingt es einem nicht, innerhalb kürzester Zeit einen Mistkübel zu finden, beginnt es durch den Karton zu tropfen.

Fortsetzung folgt …

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

Brillis Wort zum Montag

Montag, 28. April 2014

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brill mit rosa Halstuch

Mops

Unsere Hauskaspars fühlen sich wie Möpse. Obwohl sie nicht unter Atemnot leiden, ihnen ihr Fell nicht zu groß ist und sie auch nicht über Speckröllchen verfügen. Im Gegenteil: Sie haben lange Nasen, einen exakt sitzenden Pelz und sind schlank. Zugegeben, hin und wieder geraten sie doch außer Atem, zum Beispiel dann, wenn sie uns hinterherhechten müssen, damit wir auf den herzhaften Biss in Schmuddeliges verzichten oder wenn wir in Schlammfluten unterzugehen drohen. Zugegeben, hin und wieder passt ihnen ihr Pelz nicht, zum Beispiel dann, wenn sie „Das ist ja zum Aus-der-Haut-Fahren!“ rufen. Zugegeben, hin und wieder tauchen an ihnen Fettwülstchen auf, zum Beispiel dann, wenn sie die Hose nicht zubekommen und diesen Umstand mit den Worten „Ich bin zu dick.“ kommentieren.
Zugegeben, hin und wieder zeigen sie tatsächlich erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Mopshund, zum Beispiel dann, wenn sich Sorgenfalten auf ihrer Stirn zeigen, weil Zwetschke plötzlich ihr Frühstück verweigert, weil ich zur Abwechslung meine Klappe halte, auf ein strenges „Hier!“ folge, oder wir beide gleichzeitig durch den Wind oder von der Rolle sind. Das sind jene Momente, in denen sie sich wie Möpse fühlen. Und ich weiß jetzt auch warum. Darum: „Möpse sind wie Philosophen unter den Hunden, sie blicken ein wenig sorgenvoll, aber auch mit viel Humor in die Welt.“ Ich weiß nicht, wer das gesagt hat, jedenfalls ist dieser Aussage nichts hinzuzufügen.

Vielleicht doch noch eine kleine Ergänzung. Wie wusste Loriot bereits: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“
Ich ersetze jetzt einmal Mops durch Hauskaspars …

Ja. Das ergibt Sinn.

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

Brillis Wort zum Montag

Montag, 21. April 2014

Brilli befindet sich zurzeit noch auf Osternestsuche und wird am kommenden Montag wieder zur Stelle sein.

Brillis Wort zum Montag

Montag, 14. April 2014

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brill mit rosa Halstuch

Bananenkaiserschmarrngefecht

Einundvierzigtausendsechshundert (Wien). Achtzehntausend (Linz). Fünfizgtausendeinhundert (New York). Wenn die Zweibeiner in diesen Tagen den Sportnachrichten lauschen, bekommen sie eine Menge an Zahlen zu hören. Teilnehmerrekord, Zeitenrekord, Bananenverzehrrekord. Einundvierzigtausendsechshundert Zweibeiner, das macht dreiundachtzigtausendzweihundert Füße oder – auf uns Vierbeiner umgerechnet – einhundertsechsundsechzigtausendvierhundert Pfoten, die zweiundvierzig Komma einsneunfünf Kilometer laufen.
Ich bin immer erstaunt, dass Zweibeiner so lange und so weit schwarteln mögen. Freiwillig. Ohne – zumindest für uns Vierbeiner – ersichtlichen Grund. Sie müssen keine Stöckchen holen (ausgenommen die Staffelläufer).
Ich bin immer erstaunt, wie manierlich sich dabei die Zweibeiner benehmen. Niemand beißt seinem Mitläufer ins Ohr, niemand zwickt einem anderen in die Nase. Auch habe ich noch nicht die Kunde davon vernommen, dass ein Marathonzweibeiner einem anderen die Kaiserschmarrnportion oder die Banane weggefre… weggegessen hätte. Und verlaufen hat sich meines Wissens auch noch niemand.

Gäbe es ein solches Massenereignis für Vierbeiner – das Bild wäre ein anderes. Schon vor dem Start würden Heulen, Bellen und Knurren Städte zum Zittern, Trommelfelle zum Platzen und Nervenstränge zum Zerreißen bringen. Nach dem Start würde ein Teil sofort die Gelegenheit nutzen und abhauen, ein Teil würde in die falsche Richtung laufen. Ein Teil würde zuerst in die richtige Richtung düsen und dann abhauen – oder sich verrennen.

Nur ein Bruchteil würde die Ziellinie erreichen. Zerfranst und zerzaust – vom Gefecht um Bananen und Kaiserschmarrn.

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

Brillis Wort zum Montag

Montag, 7. April 2014

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brill mit rosa Halstuch

Zahlen!

Als wir kamen, war er schon da. Er wird noch da sein, wenn wir schon wieder weg sind. Und er wird auch unsere Hauskaspars überleben: Maxe.
Mit circa drei Metern in der Minute ist er Speedy Gonzales unter seinen Artgenossen.
Sein bester Freund ist ein Hausschuh.
Am liebsten isst er täglich sechs Eisbergsalatblätter, eine Löwenzahnblüte und zwei Stängel der Vogelmiere. In der Vergangenheit machte er sich einmal über Fliesen-Fugen-Masse her, was die zwei Hauskaspars jedoch schnell zu unterbinden wussten.
Er wiegt dreihundertachtzig Gramm, ist fünfzehn Jahre alt und verschnarcht durchschnittlich viereinhalb Monate in einem Kühlschrank. Befindet er sich in der Winterstarre, schlägt sein Herz zweimal in der Minute.
Vor fünf Jahren litt er an einer Lungenentzündung, sodass die Hauskaspars mit ihm einmal wöchentlich einen Spezialisten konsultieren mussten für jeweils zwei Infusionen. Die Fahrzeit betrug eine Stunde hin, eine Stunde retour; dies über zwölf Wochen hindurch.
Vor drei Jahren wurde Maxe Opfer einer Krähenattacke, die er mit zwei Blessuren überstand.
Im Sommer weilt er für sechzehn Wochen auf dem Land. Während dieser Zeit sind Zwetschke und ich vor seinen Schnappattacken gefeit – der derzeitige Stand beläuft sich auf geschätzte siebentausend Zwickversuche in Schwanz, Pfote und Ohr. Wir vermissen ihn dann trotzdem.
Er wohnt in einem fünfundzwanzig Kilo schweren Haus. Darin beträgt seine Wohlfühltemperatur unter der Wärmelampe – Verbrauch zwei Stück pro Jahr – siebenunddreißig Grad.

Wir haben Maxe von einer achtzigjährigen Dame geerbt.
Griechische Landschildkröten können hundert Jahre alt werden.
Er wird uns alle überleben.

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

Brillis Wort zum Montag

Montag, 31. März 2014

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brill mit rosa Halstuch

Stadt-Land – Teil 3
Stadt-Land – Teil 1
Stadt-Land – Teil 2

Einmal habe ein Bauer mit ihm und seinen Zweibeinern geschimpft, weil Fred am Feldrain seine Nase in ein Mauseloch steckte und darin zu graben begann. Ob der Landwirt auch die Mäuse verbal attackierte? Diese Frage konnte uns Fred nicht beantworten. Als der Bauersmann mit einer Mistgabel drohte und schändliche Worte gebrauchte – Rindviecher, Sauschädeln, Krätzn, Pleampln – suchten sie das Weite.
Stets sei er heilfroh, wenn Anfang September wieder die Koffer gepackt werden und das Rudel die Heimreise in die große Stadt antritt. „Das schlechte Gewissen, das meine Zweibeiner jedes Mal bei der Abreise plagte, weil ich ‚armer Hund‘ nun wieder zu Staub und Asphalt zurückkehren muss, schwindet von Jahr zu Jahr. Warum? Vorletzten Sommer entdeckten wir am Stadtrand einen Badeteich speziell für Vierbeiner – am Land ist das Planschen von uns sogar in der Froschlacke verboten. Letzten Sommer besuchten wir ein innerstädtisches, bestens klimatisiertes Kino, wo Vierbeiner hinein dürfen – am Land wurden wir bei einer dörflichen Freiluftkinoveranstaltung bereits beim Eingang abgewimmelt.“
Zwetschke und ich möchten hier Freds Liste der städtischen Vorzüge erweitern: Besuch von Buchhandlungen und Cafés, in denen die Besucher uns mit freundlichen Worten, Streicheleinheiten und Köstlichkeiten versorgen. Austausch mit Artgenossen, persönlich oder schriftlich am Hydranten.
Geheime Plätze im stadtnahen Grün, die ohne Gängelband inspiziert werden dürfen. Fahrten mit Öffis, wo Bekanntschaften mit großen und kleinen Zweibeinern geschlossen werden.

Fred berichtete gestern, seine Zweibeiner wollen dieses Jahr nur noch einen Monat am Land verbringen.

Ende

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

Brillis Wort zum Montag

Montag, 24. März 2014

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brill mit rosa Halstuch

Stadt-Land – Teil 2
Stadt-Land – Teil 1

Aber worüber wollte ich jetzt eigentlich schreiben? Ah ja, erstens darüber, dass wir die Hauskaspars in ihrem Rechtfertigungsdrang bremsen wollen, und zweitens, dass Zwetschke und ich längst um die Wunderbarkeiten des Stadtlebens wissen. Woher und warum also unsere Skepsis gegenüber dem von vielen gelobten Landleben? Uns genügen die Berichte unseres Freundes Fred. Der muss jedes Jahr im Sommer mit seinen Zweibeinern aufs Land. Dort wohnt das gesamte Rudel in einem Haus mit Garten. Wie beneideten wir ihn darum. Den ganzen Tag an der frischen Luft, Freundschaften mit Kuh und Schwein schließen, unter schattigen Bäumen schlummern, mit Gleichgesinnten ohne Aufsicht die Gegend durchstreifen.
Mit dem Neid war Schluss, als Fred uns über seine ländliche Sommerfrische aufklärte. „Meine Zweibeiner meinen es ja gut. Sie glauben, es sei ein Vergnügen, tagein, tagaus dieselben neunhundertsechzig Quadratmeter zu begutachten. Am zweiten Tag wird mir allerdings fad. Ich kenne jeden Grashalm, jeden Vogel, auch die Nacktschnecken sind mir alle! wohlbekannt. Freundschaften mit anderen Vierbeinern zu schließen ist aussichtslos. Im Umkreis von zwei Kilometern wohnt niemand. Und Freundschaft mit Kuh und Schwein? Die sind die meiste Zeit in ihren Ställen eingesperrt. Spazierengehen mit dem Hund aus Spaß? Das sehen die Zweibeiner aus der Umgebung ganz anders. Ich bin sicher, dass sie noch immer mit Fingern auf mich zeigen – hinter meinem Rücken. Übrigens, Kettenhunde sind keine Seltenheit …“
„Gibt’s keine Wälder und Felder zum Toben?“
„Nur an der kurzen Leine, sonst laufe ich Gefahr, dass ein Waidmann mich mit einem Wildschwein verwechselt.“

Fortsetzung folgt …

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

Brillis Wort zum Montag

Montag, 17. März 2014

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brill mit rosa Halstuch

Die Hauskaspars meinten, wenn schon Jubiläum (siehe Beitrag von letzter Woche), dann auch mit neuem Konterfei. Bitte sehr …

Stadt-Land – Teil 1

Wenn unsere Hauskaspars anderen Zweibeinern erzählen, dass wir in einer großen Stadt wohnen, ernten zuerst wir und anschließend die Hauskaspars teils bedauernde, teils verständnislose Blicke. Dann folgen Mitleidsbekundungen in der Art von: „Oh je.“, „Die Armen.“, „Da gibt’s ja nix Grünes.“, „Dann haben die gar keinen richtigen Auslauf?“
Zwetschke und ich schauen den Bedauern und/oder Unverständnis zum Ausdruck Bringenden zerknirscht ins Antlitz – wenn sie sich zu uns herunterbeugen –; Zwetschke mit großen, karamellzuckerlbraunen Augen, ich mit traurig herunterhängenden Stirnfransen (die Ohren runterklappen kann ja schließlich jeder Vierbeiner). Wenn niemand sich auf unsere Augenhöhe begibt und wir deshalb nur auf Schienbeine und Füße starren müssten, macht Zwetschke auf „Mitleiderhaschen“. Will heißen: Sie stellt sich auf die Hinterpfoten, streckt die Vorderpfoten nach oben. Kaum beugt sich der Zweibeiner zu ihr, umklammert sie dessen Hände. Ich muss zugeben, ihre Vorstellung ist einzigartig und kaum zu toppen. Der Zweibeiner ist entzückt. Sogleich nutze ich den Moment und übernehme meinen Part in diesem Spiel: Stirnfransenhängenlassen.
Während wir also unsere Show abziehen, steht ein Hauskaspar verlegen herum und der andere versucht zu erklären, welche Vorteile ein Hundeleben in der Stadt gegenüber dem auf dem Land aufzuweisen hat.
Wir sind wirklich gut bei dieser Darbietung, der Zweibeiner ist davon begeistert und plötzlich sind wir für ihn nicht mehr arme Hundzis aus der Betonwüste, vergessen sind sein Bedauern und sein Unverständnis ob unseres urbanen Umfeldes. Und die Erklärungen des Hauskaspars laufen ins Leere.

Fortsetzung folgt …

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post