1933 – ein Jahr der Entscheidung

1933 zählt das Deutsche Reich 65.362.115 EinwohnerInnen. Anfang des Jahres sind knapp über 6 Millionen Menschen arbeitslos.

Durch das Abklingen der Weltwirtschaftskrise, vor allem aber durch die vom NS Regime betriebene militärische Aufrüstung, geht die Arbeitslosigkeit in den folgenden Monaten und Jahren stark zurück.

Vorerst trifft Franz von Pappen (1879 – 1969), der Vorgänger des amtierenden Reichskanzlers Kurt von Schleicher (1882 – 1934), am 4. Jänner 1933 mit Adolf Hitler (1889 – 1945) zusammen und einigt sich mit ihm auf dessen Kanzlerschaft. Dieses Treffen gilt als die „Geburtsstunde des Dritten Reiches“.

Sowohl Pappen als auch Schleicher sind der Meinung, Hitler für ihre Zwecke benutzen zu können. Ersterer äußert sich angeblich folgendermaßen: „In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, dass er quietscht!“

Aus: Wilfried von Bredow/Thomas Noetzel: Politische Urteilskraft. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, S. 18.

Reichskanzler Kurt von Schleicher, er wird 1934 in Zusammenhang mit der Niederschlagung des sogenannten Röhm-Putsches von der SS ermordet, erklärt am 28. Jänner 1933 nach einem Gespräch mit dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847 – 1934) den Rücktritt seiner Regierung und empfiehlt die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler.

Der „böhmische Gefreite“ wird Reichskanzler

Am 30. Jänner 1933 vereidigt Hindenburg Adolf Hitler (1889 – 1945) als Reichskanzler und beauftragt ihn mit der Bildung einer Koalitionsregierung.

Die Koalition besteht aus Mitgliedern der NSDAP, der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und einer Reihe von unabhängigen nationalkonservativen Politikern. Sie verfügt im Reichstag über keine Mehrheit. Am 1. Februar 1933 löst Hindenburg den Reichstag daher auf. Neuwahlen werden für den 5. März festgesetzt.

Hitler verliest, praktisch als Auftakt des Wahlkampfes, noch in der Nacht des 1. Februar den Aufruf der Reichsregierung an das Deutsche Volk. Er leitet seine Rede mit folgenden Worten ein:

„Über 14 Jahre sind vergangen seit dem unseligen Tage, da, von inneren und äußeren Versprechungen verblendet, das deutsche Volk der höchsten Güter unserer Vergangenheit, des Reiches, seiner Ehre und seiner Freiheit vergaß und dabei alles verlor. Seit diesen Tagen des Verrates hat der Allmächtige unserem Volk seinen Segen entzogen. Zwietracht und Haß hielten ihren Einzug. In tiefster Bekümmernis sehen Millionen bester deutscher Männer und Frauen aus allen Lebensständen die Einheit der Nation dahinsinken und sich auflösen in ein Gewirr politisch-egoistischer Meinungen, wirtschaftlicher Interessen und weltanschaulicher Gegensätze.“

Aus: „Aufruf der Reichsregierung vom 31. Januar 1933“, abgedruckt in Hans-Adolf Jacobsen und Werner Jochmann (Hg.) „Ausgewählte Dokumente zur Geschichte des Nationalsozialismus, 1933-1945.“ Bd. 2, Bielefeld, 1961.

In einer Rede vor Generälen der Reichswehr kündigt Hitler bereits am 3. Februar 1933 die Eroberung von neuem Lebensraum im Osten und dessen rücksichtslose Germanisierung an. (Ian Kershaw: „Der Weg ins Inferno”, „Die Zeit“ vom 1. Juni 2011)

Terror und Reichstagsbrand

Dem nationalsozialistischen Terror, der sich nach der Machtübertragung der Regierungsgewalt an die NSDAP entfaltet, sind in den ersten Monaten vor allem die Mitglieder der Kommunistischen Partei (KPD), der Sozialdemokratischen Partei (SPD), der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) und Menschen jüdischen Glaubens ausgesetzt.

Im Rahmen eines Geheimtreffens am 20. Februar 1933 zwischen Hitler und über zwanzig Industriellen, darunter Friedrich Flick (1883 – 1972) und Gustav Krupp v. Bohlen u. Halbach (1870 – 1950), wird der NSDAP ein Wahlkampffonds von 3 Millionen Reichsmark zugesagt.

50.000 SS-/SA-und Stahlhelm-Mitglieder werden am 22. Februar 1933 von Hermann Göring in seiner Funktion als Reichskommissar für das preußische Innenministerium zu bewaffneten „Hilfspolizisten“ ernannt. Die anderen Bundesländer folgen dem preußischen Beispiel zügig.

„Von außen sind sie menschlich anzuschauen,
Sie gleichen innen reißend wilden Tieren.
Sie laufen frei herum, o Grauen!
Sie sind Bürokollegen, kandidieren …
Muß erst ein neuer Weltkrieg sein,
Um uns von dieser Sorte zu befrei’n?“

Aus: „Von außen sind sie …“ (geschrieben 1930) von Robert Lucas (1904 – 1984)

Am 27. Februar 1933 brennt der Reichstag in Berlin. Ob der Brand vom Holländer Marinus van der Lubbe (1909 – 1934) oder von den NationalsozialistInnen gelegt wurde, ist bis heute nicht mit Sicherheit geklärt. Die NSDAP nutzt jedenfalls die Situation sehr geschickt. Bereits einen Tag nach dem Brand setzt sie mit der Reichstagsbrandverordnung die BürgerInnenrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft. Politische GegnerInnen werden ohne Anklage und Beweise in „Schutzhaft„ genommen.

Bundesarchiv Bild 146-1977-148-19A, Berlin, Reichstagsbrand

Bereits am Tag nach dem Brand, mitten im Wahlkampf für den Reichstag, wird die kommunistische Presse verboten, und für zwei Wochen auch die Presse der SPD.

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80 Jahre Bücherverbrennung

Am 10 Mai 1933 lodern im „Deutschen Reich“ die Scheiterhaufen und verschlingen die Werke von Heinrich Heine, Sigmund Freud, Stefan Zweig, Karl Marx, Klaus und Heinrich Mann, Nelly Sachs, Alfred Döblin und mehr als hundert weiteren AutorInnen. „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.” Aus der … Weiterlesen

Literaturquiz – 80 Jahre Bücherverbrennung

Das Quiz wird sich in dreiundzwanzig Teilen über das ganze Jahr 2013 erstrecken. Vierzehntägig fragen wir jeweils nach einer Autorin/einem Autor; nach Menschen, deren Werk 1933 in Flammen aufging, die im KZ und im Zuchthaus litten, ins Exil gezwungen wurden und das NS-Regime oftmals nicht überlebten. Die jeweils aktuellen Fragen finden Sie auf der Seite … Weiterlesen

Schreibworkshop für Migrantinnen

„Freude in meiner Sprache heißt …“ Interkulturelle Schreibwerkstatt für zwei-/mehrsprachige Frauen Donnerstag, 14. März 2013 von 17.00 bis 20.00 Uhr. Mit Petra Öllinger vom Team „Der Duft des Doppelpunktes“ Musik, Bilder, der Traunsee und vieles mehr inspirieren uns zu unseren Texten. Wir schreiben über unseren Lieblingsort, über Mondfrauen und Sonnenmädchen, tanzen mit Worten und befüllen … Weiterlesen

Zeit- und Selbstmanagement für StudentInnen – Seminar

„Das kann ich morgen auch noch erledigen.“, „So wichtig ist das heute nicht, erst noch schnell …“, „Wenn nicht immer diese Störungen wären!“, „Ich würde es ja gerne erledigen, aber …“ Kennen Sie das auch? Zu Semesterbeginn hat man jede Menge Zeit … und so viele Interessen und FreundInnen, um die es sich zu kümmern … Weiterlesen

Plagiatprüfung und Plagiatprävention – Seminar

Für schnellentschlossene StudentInnen und JungwissenschafterInnen – eine Anmeldung ist noch bis morgen, 11. Jänner 2013, möglich. Das Seminar gibt einen Überblick über Plagiate, Plagiatprüfung und Plagiatsvermeidung. • Bist Du ‚Austrias Next Guttenberg’?! – wie man Plagiate vermeidet, • unterschiedliche Definitionen und Kategorisierung von Plagiaten, • Wie funktionieren die Prüfprogramme? – Ähnlichkeitsprozente, warum überlisten nicht klappt! … Weiterlesen

BEST OF DUFTENDER DOPPELPUNKT 2012

Wenn das zehnteilige Literaturquiz, der Twitteratur-Adventkalender und die Weihnachts– bzw. Neujahrsgedichte keine statistische Berücksichtigung finden, wurden 2012 im „Duftenden Doppelpunkt“ folgende 25 Seiten am häufigsten aufgerufen. Kostenlose Hörbücher Internationale Buchhandlungen Bücherverbrennung 1933 Schreibsalon mit den „Duftenden Doppelpunkten“ Brillis Wort zum Montag Internationaler Frauentag: Informationen, Zitate, Aphorismen Digitalisierte histor. Zeitungen u. Zeitschriften aus Österr. Frei verfügbare … Weiterlesen

Nicht nur in Worten, auch in der Tat

Präsentation des Hörbuchs „Nicht nur in Worten, auch in der Tat“. Käthe Sasso erzählt ihre Jugend im Widerstand (supposé Berlin) Wann: Montag, 07. Jänner 2013, 19:00 Uhr Wo: Hauptbücherei, 1070 Urban Loritz-Platz 2a Käthe Sasso im Gespräch mit Rudolf Gelbard Einleitung: Hannah Lessing vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus und Evelyn Steinthaler: … Weiterlesen