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Kunst und Menschenrechte – Sarajewo

Vor 65 Jahren, am 10. Dezember 1948, hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 217 A (III) die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Die Gesellschaft zur Verbreitung von Ton-, Bild- und Denkkunst, webbrain hat deshalb im August zur Einreichung von neuen Kurztexten aufgerufen, die den Zusammenhang von Kunst und Menschenrechten thematisieren. Aus den bis 15. September eingelangten Einreichungen hat eine Jury fünf ausgewählt, die während der Abschlussveranstaltung Menschenrechte Heute – und weiter? am 23. Oktober 2013 vorgestellt wurden.

Einen dieser Texte, Döllersheim – das unbekannte Mysterium, konnten Sie im „Duftenden Doppelpunkt“ bereits nachlesen.
Heute veröffentlichen wir einen weiteren Beitrag.

Sarajewo – von Sonja Henisch

Ordentlich aufgeräumt hat man sie wieder,
die Stadt.
Grüne Wege säumen die Miljacka,
fast bis dorthin,
wo die alte Burg einst thronte.
Hinter Baumkronen versteckt
lugen die Ruinen hervor.
Malerisch fast -
man kann doch in alles
Ästhetik hinein projizieren.
Aufgeräumt ist das Bazarviertel,
voll mit Touristen,
die fein verzierte Granathüllen kaufen,
als ließe sich das, was geschah,
je transformieren.
Aufgeräumt ist sie, die Stadt,
die während des Krieges durch einen Tunnel
versorgt wurde,
um die Bewohner nicht verhungern zu lassen.
Sauber und aufgeräumt
und schön zum Flanieren
ist Sarajewo,
wäre es nicht rundum
von Tausenden weißen Gräbern
geziert.

Sonja Henisch ist Mitglied der IG Autorinnne Autoren, Pressereferentin des Kulturvereins Klopfzeichen und Mitglied bei Kunst:Projekte.

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