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Unermüdliche Courage

„In meinem Land wird ‚Kommunist’ als Schimpfwort gebraucht. Aktiver Nazi gewesen zu sein gilt bei vielen Menschen als weniger ehrenrührig.“

Mein Land, das ist Österreich. ‚Kommunist’ war Rosa Puhm. Das Zitat entstammt ihren Lebenserinnerungen „Trennung in Gorki“ – die Erstausgabe war 1990 im Verlag für Gesellschaftskritik erschienen. Geändert hat sich an dieser Haltung seither nichts. Umso wichtiger, dass der Milena Verlag die Erfahrungen einer unverbiegbaren, couragierten Frau neu auflegt. Einer Frau, aufgewachsen in einem sozialdemokratischen Elternhaus, in den Zwanziger-Jahren dem Kommunistischen Jugendverband beigetreten und sich aktiv an politischen Geschehnissen beteiligend. Sie emigrierte nach Gorki, wo sie viele Jahre im Autowerk arbeitete. Trotz aller widrigen Umstände, trotz aller persönlichen Demütigungen, (u.a. wurde ihr Lebensgefährte Dino Maestrelli mit aller Wahrscheinlichkeit exekutiert, in der Folge behaftet mit dem Stigma der Frau eines Volksfeindes, sogar nach ihrer Rückkehr nach Österreich!, hier war ihre Unverbiegbarkeit den konservativen Kreisen der KPÖ ein Dorn im Auge, mit dem Resultat zu einem einfachen Mitglied der Partei „degradiert“ zu werden), hielt sie den Ideen des Kommunismus die Treue. Rosa Puhms Rückblicke sind nie verbittert oder verblendet, vielmehr wird der unerschütterliche Glaube fühlbar, im Rahmen einer Partei zu sozial-politischen Verbesserung beitragen zu können. „Trennung in Gorki“ ist ein sehr lebendiger, berührender Einblick in die österreichische und russische Zeitgeschichte – leider ist sie nur mehr nachzulesen. Lebte Rosa Puhm noch, sie ist 1997 verstorben, ein persönliches Gespräch mit ihr wäre Pflicht!

Petra Öllinger

Buchcover - Trennung in Gorki


Rosa Puhm – Trennung in Gorki. Erinnerungen an eine Zukunft.

Milena Verlag, Wien, 2006. 280 Seiten, € 17,90.

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