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80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 13

Auf der Seite „Lisa Tetzner und Kurt Kläber / Held“ finden Sie die Auflösung der Fragen des vorhergehenden literarischen Rätsels und können nachsehen, ob Sie ein Buch oder eine CD gewonnen haben.

In unserem aktuellen Rätsel stellen wir diesmal eine österreichische Autorin vor. In Wien geboren, feiert sie in Berlin ihre ersten literarischen Erfolge. In ihre Heimatstadt zurückgekehrt, verarbeitet sie in ihrem Romanerstling die Berliner Erfahrungen …

Die Quizfragen:

  • Wie heißt die Autorin?
  • Wie lauter der Name jenes Schriftstellers, der die gesuchte Autorin dem Zsolnay Verlag empfiehlt?
  • „Loni in der Kleinstadt“, dieser Titel löst heute, fast 80 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Romans, Assoziationen in Richtung Jugendbuch aus. Um dieses Missverständnis von vornherein auszuschließen, wurden bei de Neuauflage des Buches 2011 ein anderer Titel gewählt. Wie lautet dieser?

Die richtige Lösung ist fast immer rasch im Internet zu recherchieren. Die Antwort auf eine unter Umständen schwierig zu beantwortende Frage findet sich immer im Text des Rätsels.

Antworten bitte an: Literaturblog Duftender Doppelpunkt

Unter allen richtigen Einsendungen werden wieder einige Bücher verlost.

Erinnerung: Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftenden Doppelpunkt.

Einsendeschluss: Dienstag, 30. 07. 2013 um 12:00 Uhr.

Alle bisherigen Fragen, Antworten und die das Quiz begleitenden Beiträge finden Sie auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933.

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DAS LITERARISCHE RÄTSEL

Ihr Vater arbeitet als Schnurrbartbindenfabrikant, Parfümeriewaren- und Friseurbedarfsartikelhändler in Wien. Sie besucht die Volks- und Bürgerschule und erlebt bis zum überraschenden Tod ihrer Mutter, sie ist zu diesem Zeitpunkt elf Jahre alt, eine glückliche und behütete Kindheit. Ihr zweiter Roman, „Loni in der Kleinstadt“ vermittelt eine Ahnung über das Danach. Er ist wie vieles aus ihrer Feder stark autobiografisch geprägt und wird 1935 bei Zsolnay veröffentlicht: „Damals hatte sich Loni schon daran gewöhnt, daß sich alle Leute heimlich verschworen hatten, nie mehr nett mit Loni zu sein. ‚Das Kind darf nicht verwöhnt werden‘, hört Loni und sie versteht, daß es ein Vorwurf gegen die tote Mutter ist, denn in einen anderen Satz heißt es: ‚Das Kind ist leider viel zu sehr verwöhnt worden …‘“

Vorerst absolviert sie eine Ausbildung als Kontoristin und nimmt Schauspielunterricht. 1921, sie ist 17 Jahre jung, gibt sie als ihren Beruf „Theaterelevin“ an.

1922 stirbt ihr Vater an den Folgen eines schweren Nierenleidens, das er sich als Soldat im Ersten Weltkrieg zugezogen hat.

Loni erinnert sich auch in diesem Zusammenhang: „Ich war immer so schrecklich allein, auch solange Vater noch gelebt hat. Er war ja immer so krank in den letzten Jahren. […] Jahrelang hat Vater mit mir nur über seine Schmerzen und über seine Medikamente gesprochen.“

Ende der 1920er Jahre verlässt sie voller Hoffnung Wien und wendet sich auf der Suche nach einer Fixanstellung am Theater nach Berlin. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise sind auch im Deutschen Reich stark spürbar. Um überleben zu können, arbeitet sie in einer Konditorei als Verkäuferin und Küchenhilfe.

Sie lernt die Berliner Kabarettszene kennen und gründet 1931 mit einer Reihe von jungen engagierten KünstlerInnen das politisch-literarische Kabarett „Die Brücke“. Anfang Mai kommt es zur Premiere. Ihr Auftritt bzw. das Programm wird von der Berliner Presse durchwegs positiv beurteilt. Als im Sommer die BesucherInnen ausbleiben, muss das Kabarett allerdings schließen.

Langsam stellen sich die ersten literarischen Erfolge ein. Gedichte und Kurzgeschichten werden im „Berliner Tageblatt“, im Berliner Magazin „Tempo“ und im „Prager Tagblatt“ abgedruckt.

Ab dem Winter 1931 hält sie sich wahrscheinlich wieder in Wien auf. Sie ist zu diesem Zeitpunk als Folge ihres Lebens in großer Armut bereits lungenkrank.
Um die Jahreswende 1931/1932 beginnt sie einen Roman, in dem sie ihre Berliner Erfahrungen verarbeitet. Robert Neumann, außer „Mit fremden Federn“ stehen alle seine Werke 1933 auf der „Schwarzen Liste“ und werden verbrannt, empfiehlt sie dem Zsolnay Verlag: Das Werk erscheint 1933 und trägt den Titel „Herz über Bord“. Die Wiener Presse reagiert auf ihren Romanerstling hingerissen.

Noch in diesem Jahr geht sie mit ihrem Lebensgefährten, dem Schriftsteller, Journalisten und Kabarettautor Ernst Spitz, er wird 1940 im KZ Buchenwald „auf der Flucht erschossen“, nach Prag und später nach Paris. Aus Prag schreibt sie an Ida Schreiber, der Prokuristin des Zsolnay Verlages, unter anderem Folgendes:

„Bis vor 2 Wochen habe ich mich [in] der süßen Illusion hingegeben, daß die Novemberabrechnung sogar einen Überschuß ergeben könnte und hatte, Sie werden lachen, die [hochstaplerierte] Idee mir einen Wintermantel zu kaufen.“

1934 gelangen sie und Ernst Spitz nach Paris. In einem Brief aus dem Sommer dieses Jahres teilt sie Ida Schreiber mit, sie hoffe, “daß trotz großen Geldmangels, beruflichen Sorgen und trotzdem ich nach allen Unglücksfällen mich schrecklich müde und erholungsbedürftig fühle, diese Stadt mich ein wenig aufpulvern wird und meine Feder beflügeln …!“.

Anfang 1935 zwingen sie ihr schlechter Gesundheitszustand und die ständigen Geldsorgen zur Rückkehr nach Wien. Allerdings stellt sich für sie die wirtschaftliche Situation in ihrer Heimatstadt um nichts besser dar als in Paris.

Sie lebt von den Tantiemen für ihre beiden Romane und gelegentlichen Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften. Felix Costa vom Zsolnay Verlag bemüht sich um Unterstützung für die Autorin. Unter anderem wendet er sich an die Chefredakteure verschiedener Wiener Tageszeitungen mit der Bitte, ihre Manuskripte “mit besonderem Interesse zu prüfen“. Er schreibt weiter, “wenn wir alle zusammenhelfen, dass sie hie und da etwas verdient, könnte damit ein wirklich begabter und der Hilfe würdiger Mensch gerettet werden …“.

Durch eine vom Zsolnay Verlag initiierte Spendensammlung kommt sie in den Genuss eines Kuraufenthaltes in Meran.

In einem Brief berichtet sie Frau Schreiber: „Es gibt Augenblicke, in denen ich wirklich glücklich bin, wirklich glücklich. […] Ich kann mir selbst zusehen wie ich gesünder und ‚normaler‘ werde. Heute Nacht bin ich voll Erstaunen aufgewacht weil ich im Schlafe spürte, daß mir beim Umdrehen die Knochen nicht mehr weh tun. Es ist gar nicht mehr so leicht meine Rippen zu zählen. Ich habe bisher kg. 3,50 zugenommen. Das ist enorm viel in der kurzen Zeit. Allerdings bekomme ich Arseninjektionen und man stopft in mich hinein was gut und teuer ist. 2 Liter Milch im Tag, 1 Liter Cacao, Schlagsahne, Torten, Crème, Mayonnaise, … es ist unfassbar welche Unmengen mein Magen aufnehmen kann. […] Ich möchte Ihnen gerne sagen, wie sehr ich Ihnen danke, aber es klingt dumm und pathetisch.“

Ihr letzter Roman wird unter dem Titel „Junge Bürokraft übernimmt auch andere Arbeit“ zwischen Dezember 1936 und Januar 1937 in 37 Fortsetzungen im „Wiener Tag“ veröffentlicht.

Fast hätten sich die Befürchtungen René Schickeles, die er seinem Tagebuch 1933 im französischen Exil anvertraut, für die Wiener Autorin bewahrheitet: „Wenn es Goebbels gelingt, unsere Namen von den deutschen Tafeln zu löschen, sind wir tot. Gespenster in der Diaspora, in der wasserarmen Provinz. Schon die nächste Generation wird nichts mehr von uns wissen.“

Mit der Besetzung Österreichs im März 1938 hat sie keine Möglichkeit mehr zu veröffentlichen.

Verarmt und lungenkrank bietet sich ihr auch keine Möglichkeit auf Emigration. Sie wird am 27. Mai 1942 mit 981 weiten österreichischen Jüdinnen und Juden deportiert und wird am 1. Juni 1942 im weißrussischen Vernichtungslager Maly Trostinec ermordet.

Hilde Spiel schreibt über sie Jahrzehnte nach dem Ende des Dritten Reiches: „… ein rührendes Mädchen, das mit seinem zarten Roman ‚Herz über Bord‘ zum ersten Mal in dem fatalen Jahr 1933 hervortrat. Ihre Lebensgeschichte bliebe im Dunkeln, und sie wäre vom Erdboden weggewischt, als hätte es sie nie gegeben, würde ihrer hier nicht Erwähnung getan.“ Hilde Spiel, Die zeitgenössische Literatur Österreichs, 1976.

Dass die Autorin wieder außerhalb von Flohmärkten und Antiquariaten entdeckt werden kann, ist vor allem der Literaturwissenschafterin Anke Heimberg sowie Britta Jürgs mit ihrem Aviva-Verlag zu danken.

Seit wenigen Jahren erinnert im zweiten Wiener Gemeindebezirk, der Leopoldstadt, sowohl ein Gedenkstein in der Heinestraße 4 als auch ein Platz im Bereich Klanggasse / Castellezgasse, der ihren Namen trägt, an die Autorin.

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„Sommerliche Zusatzrunde“: Sie machen FreundInnen, Bekannte oder KollegInnen auf das Quiz aufmerksam? Dann haben Sie, sobald jemand aus diesem Kreis bis zum 15. August an einer der Quizrunden teilnimmt, die Chance die zehnbändige Sonderedition „Die Bibliothek der verbotenen Bücher“ zu gewinnen. Dem bzw. der neuen TeilnehmerIn bietet sich wiederum die Möglichkeit „Paradies in schwerer Zeit. Künstler und Denker im Exil in Pacific Palisades“ zu erhalten.
Alle näheren Infos finden Sie auf der Seite „80 Jahre Bücherverbrennung – sommerliche Zusatzrunde“.

Beiträge vor einem Jahr:
Literatur-Quiz – neunter Teil

Ein Kommentar zu “80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 13”

  1. Recherchemeisterin schreibt:

    Guten Abend,

    diese Woche bin ich mal was später dran als sonst.
    Dieser Satz hier „Die Antwort auf eine unter Umständen schwierig zu beantwortenden Fragen findet sich immer im Text des Rätsels.“ erklärt mir nun, was mir beim letzten Rätsel so richtig auffiel – sehr nett. Danke.

    Herzliche Grüße
    Heike Baller

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