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Wissensräume: Bibliotheken in der Literatur (Sammelband)

CALL FOR PAPERS

Einsendeschluss für die Beitragsvorschläge (Abstract ca. 500 Wörter): 15. Oktober 2011, kurze bio-bibliographische Angaben bitte extra.
Abgabetermin für die vollständigen Beiträge (6.000 bis 8.000 Wörter) ist der 29. Februar 2012.
Der Sammelband wird im Wissenschaftsverlag Ripperger & Kremers im Sommer 2012 erscheinen.

Vorschläge und Beiträge werden erbeten an:

Dr. Mirko Gemmel
mirko.gemmel@hu-berlin.de

Dr. Margrit Vogt
margrit.vogt@hu-berlin.de

„Eine ausgewählte Büchersammlung ist und bleibt der Brautschatz des Geistes und des Gemüthes.“ – Karl Julius Weber, Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen. 6. Band, 8. Ausgabe. Stuttgart: Rieger, 1868. S. 74.

Für den Sammelband können Exposés zu folgenden Schwerpunkten eingereicht werden, wobei weitere relevante Themenvorschläge natürlich willkommen sind:
1. Die Bibliothek als Machtfaktor
2. Topographien des Wissens
3. Funktionen und Ordnung – Bibliothek als ambivalente Wissensordnung
4. Bibliothek als Utopie, Heterotopie oder Gegenwelt
5. Die Bibliothek als Imaginationsraum literarischer Figuren
6. Sonderformen und Wandlungen literarischer Bibliotheken
Auf diese Schwerpunkte aber auch darüber hinausgehende Fragen möchte der Sammelband Antworten geben.


Bibliotheken gelten als Zentren der Wissensverbreitung oder Wissensvereitlung, sind Symbole unserer Kultur und zugleich Orte mit geheimnisvoller Ausstrahlung: Diese Kathedralen des Geistes und Speicher kollektiven Wissens umweht ein Hauch sakraler Feierlichkeit oder auch Unheimlichkeit. Allerdings sind die vielfältigen Aufgaben einer Bibliothek mit der Ordnung, Systematisierung und Aufbewahrung von Wissen nur kurz skizziert. In der Literatur bietet die Gelehrsamkeit der fiktionalen Bibliothek vor allem den Weltfremden, Außenseitern und Heimatlosen eine Zuflucht, die sich hier der eigenen Phantasie und Einsamkeit hingeben oder ihrer Identität versichern. Zugleich begegnet uns die Bibliothek als Spiegel konkreter Machtgefüge zwischen Bibliothekaren, Lesern und Besuchern. So lassen sich gerade literarische Bibliotheken nicht allein als architektonische Kunstwerke zur Bewahrung von Wissen, sondern vorwiegend als Wissenskatalysator, Imaginationsraum und Sozialbiotop lesen.

Der besondere Ort der Bibliothek zieht in der Weltliteratur nicht nur Leser wie Nichtleser, Charmeure und Müßiggänger bis hin zu einsamen Gelehrten oder armen Intellektuellen an, er verkörpert mit seinen divergierenden Systematisierungs- und Ordnungsprinzipien ganz verschiedene Bildungsideale, Machtstrategien und Weltentwürfe. Die literarischen Bibliotheken in den Texten von Jonathan Swift, Jorge Luis Borges, Umberto Eco, Antal Szerb, Robert Musil, Benoît Peeters, W.G. Sebald, Elias Canetti, Richard Brautigan, Paul Auster und anderen Autoren vermitteln zum einen konkrete Wissenskonzepte in ihren speziellen Topographien und zeichnen zum anderen ein gesellschaftskritisches Bild durch ihre besondere Inszenierung der Bibliotheken als Fluchtorte und ambivalente Gegenentwürfe zur Außenwelt. Aktuell wird durch die fortschreitende Digitalisierung der Medien die Zukunft traditioneller Bibliotheken fraglich, das Buch selbst gerät in den Strudel struktureller Veränderungen und wird zunehmend durch elektronische Textformen ersetzt. Wie reflektiert die zeitgenössische Literatur diesen digitalen Wandel, und wie verändern sich in seiner Folge die literarische Darstellung der Bibliothek und das durch sie repräsentierte Wissen?

Quelle: Humanities and Social Sciences

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