HEILIGE SCHEINE

Einladung zur Buchpräsentation in Lhotzkys Literaturbuffet:

Luksan/ Schlösser/ Szanya: HEILIGE SCHEINE
Marco d‘Aviano, Engelbert Dollfuß und der österreichische Katholizismus

Wann?
Freitag, 9. November 2007, 19 Uhr

Wo?
Lhotzky Literaturbuffet, Taborstr. 28/Ecke Rotensterngasse, 1020 Wien

Das Buch:
Martin Luksan, Hermann Schlösser, Anton Szanya: HEILIGE SCHEINE
Marco d‘Aviano, Engelbert Dollfuß und der österreichische Katholizismus
ISBN 978-3-85371-275-7, 176 Seiten, ausführlich bebildert, br., 17,90 Euro, Promedia Verlag.

Im April 2003 wurde, von der aufgeklärten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, der katholisch-klerikale Eiferer Marco d’Aviano von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Indirekt war damit auch eine späte Ehrung des Führers der Austrofaschisten, Engelbert Dollfuß, verbunden. Dieser hatte dem Beichtvater Kaiser Leopolds I., der Ende des 17. Jahrhunderts seine ganze geistliche Kraft in den Dienst des Kampfes gegen die Türken gestellt hatte, zu einer gesellschaftlichen Wiedergeburt verholfen. „Heilige Scheine“ nimmt die Spur des radikalen Katholizismus in seiner barocken Blütezeit auf und verfolgt sie in der Person des Marco d’Aviano in immer wiederkehrenden reaktionären Zeiten.

Der italienische Kapuzinerpater Marco d’Aviano, dessen Denkmal vor der Kapuzinerkirche in Wien täglich von Hunderten TouristInnen photographiert wird, wurde Ende des 17. Jahrhunderts als Prediger und päpstlicher Legat in der Habsburgermonarchie bedeutend. Seine Bitten und wohl auch Interventionen an höchster Stelle haben zu seinem Ruf als „Retter Wiens“ anlässlich der 2. Türkenbelagerung der Donaumetropole beigetragen. Schon zu Lebzeiten war er zu einer Figur der kirchlichen Propaganda geworden.

Mit der Machtübernahme der klerikalen Austrofaschisten im Jahre 1933, die als „Vaterländische Front“ regierten, platzierte ihr Führer Engelbert Dollfuß die legendenumwobene Figur des barocken Seelsorgers d’Aviano mitten in die Gegenwart des Ständestaates. Der Kult um die beiden Heldengestalten kulminierte nach der Ermordung von Dollfuß im Juli 1934 in einer Abfolge von komisch-grotesken Ehrungen, ehe Pater d’Aviano 1936 wieder aus der österreichischen Propaganda verschwand.

Papst Johannes Paul II. spannte mit der Seligsprechung von Marco d’Aviano den Bogen von der barocken, katholischen Staatsmythologie über die klerikalfaschistischen 1930er Jahre bis in die Zeit des religiösen Wiedererstarkens unserer Tage.
Das Buch erzählt die Geschichte des Marco d’Aviano und seines Verehrers Dollfuß mit textlichen und visuellen Einblicken in die klerikale Propaganda des Ständestaates. Es enthält über 60 teils sehr skurril wirkende Photodokumente und bietet enzyklopädische Informationen sowie exakte Quellenangaben.

Die Autoren:
Martin Luksan, Jahrgang 1947, ist Publizist und Dokumentarfilmer, Bundesobmann des österreichischen Freidenkerbundes. Hermann Schlösser, Jahrgang 1953, ist Redakteur der „Wiener Zeitung“. Anton Szanya, Jahrgang 1945, arbeitet als bekannter Volksbildner in den österreichischen Volkshochschulen und Buchautor.

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