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Liebe Daheimgebliebene

„Ich schmeichle mir, liebe Schwester, dass die Nachricht meiner glücklich bestandenen Überfahrt, die nur durch das Ungemach eines Sturmes gestört wurde, Dir einige Freude bereiten wird.“, so Lady Mary Wortley Montagu in ihrem ersten Brief am 3. August 1716 an ihre Schwester. Noch ist sie in Rotterdam, und die Reise in den Orient, wohin sie die berufliche Verpflichtungen ihres Mannes führt, steht erst am Anfang. Schon die nächsten Berichte, kommen aus Wien. Hier wird sie fast ein halbes Jahr zubringen und schon in den ersten Schilderungen aus Wien zeigen sich ihre Beobachtungsgabe und ihr Wortwitz, wenn sie sich zum Beispiel über die Reliquienverehrung mokiert oder über die Sitte, dass sich Ehefrauen einen Liebhaber zulegen (“ …, dass es ein ausgesprochener Affront wäre …, wenn man eine Dame von Stand einlüde, ohne ihre beiden Trabanten, Ehemann und Geliebten, ebenfalls zu bitten, …“).

Im Jänner 1717 geht es schließlich weiter über Peterwardein, Belgrad, Adrianopel nach Konstaninopel, um im November 1718 wieder in England einzutreffen. Diese Zeit ist dokumentiert in Form von Briefen an die Daheimgebliebenen. Mary Wortley Montagu fokussiert ihre Reiseeindrücke nicht nur auf das Leben der Frauen in den von ihr bereisten Ländern. Trotzdem bietet sie spannende Einblicke in Orte, die für Männer tabu sind. Sie macht sich mit beißendem Spott darüber lustig, welche Fantastereien von diesen als wahre Begebenheiten „verkauft“ wurden.

Ein medizinhistorische spannendes Kapitel ist der Bericht der Reisenden über die Pockenimpfung („Einpfropfen“) im Osmanischen Reich. Zurück in England wird sie sich für diese Immunisierung stark machen.
Die vorliegenden Texte, die auf einer Übersetzung Hans Heinrich Blumenthals aus dem Jahr 1931 basieren und neu von Irmela Körner herausgegeben wurden, finden durch zahlreiche Ergänzungen (u.a. ein Porträt Mary Wortley Montagus, ein kurzer historischer Abriss über das Osmanische Reich, Erläuterungen zu den AdressatInnen) einen weiteren unterhaltsamen und interessanten Einblick in die „Frauenfahrten“.

Mary Wortley Montagu – Briefe aus dem Orient. Frauenfahrten im 18. Jahrhundert.
Herausgegeben von Irmela Körner. Edition Frauenfahrten. Promedia Wien, 2006. Euro 21,90

Petra Öllinger
Erschienen in an.schläge – das feministische Magazin, Mai 2007.

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