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Die großen Göttinnenmythen

Heide Göttner-Abendroth – Inanna, Gilgamesch, Isis, Rhea. Die großen Göttinnenmythen Sumers, Ägyptens und Griechenlands neu erzählt.

In alten Mythen hatte auch „frau“ ein Wörtchen mitzureden – behauptet zumindest die deutsche Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth.

Wer sich während seiner Ausbildungszeit einmal näher mit diversen mythologischen Erzählungen oder Heldensagen auseinandersetzen mußte, der weiß, daß der vielumsungene Heros meist über mehr Glück als Verstand verfügte.

Wen männliche Götter und Heroen immer schon genervt haben ob ihrer unaufhörlichen Gewaltakte, die dann im Rahmen patriarchaler Strukturen hochgepriesen wurden, wer vom Namenswirrwarr in diversen Mythologien Kopfweh bekam und wer sich in der Schule darüber gewundert hat, warum ausgerechnet das Gilgamesch-Epos mit seinem kleinkarierten, gleichnamigen „Helden“ von Deutschlehrern so bejubelt wurde, der darf sich jetzt über eine Enttraumatisierung freuen.

Heide Göttner-Abendroth, Philosophin und Matriarchatsforscherin, erkundet in ihrem neuen Buch die Göttinnenmythen Sumers, Ägyptens und Griechenlands, nachdem sie sich in den ersten beiden Bänden dem keltischen („Fee Morgane, der heilige Gral“) und dem mitteleuropäischen/alpenländischen Raum („Frau Holle, Das Volk der Feen“) gewidmet hatte. Sie holt Märchen und Mythen aus ihrem Schattendasein, stellt sie wieder in ihren kulturellen Kontext und eröffnet dadurch interessante Realitätsgehalte.

Dabei erzählt die Autorin die Märchen und Mythen matriarchal neu und betont: …, so ist das nicht eine beliebige Version neben schon sovielen anderen, sondern der Versuch, den ältesten kulturellen Gehalt in ihnen wieder sichtbar zu machen und sie damit in ihren originalen historischen Rahmen zurückzustellen.

Statt einfach draufloszufabulieren, fügt sie sorgsam die Teilchen des Mythenmosaiks zusammen, stellt Vergleiche von Mustern, Motiven und Symbolen an und bietet eine kultur-geschichtliche Deutung.

So wird beispielsweise im Zyklus „Rhea von Kreta“ sichtbar, daß die Weltschöpfung nach pelasgischer Auffassung (Pelasgen: frühsteinzeitliche Hirten und Ackerbauern) einem weiblichen Geburtsakt entspricht, zu dem es keinen männlichen Teil brauchte.

Der später zum Göttervater hochstilisierte Zeus spielte beispielsweise nur eine Nebenrolle in den frühen Vorstellungen, der vielgepriesene Held des Gilgamesch-Epos erscheint als dumpfer Drauflos-Schläger und lächerliches Würstchen.

Interessant ist auch der Hinweis auf Motive, die später Eingang in die Bibel gefunden haben – wie etwa die Sintflut. Diese hatte ihren Ursprung in dem sumerischen Mythos von der großen Überschwemmung. Während in der alten Version nicht blinder Gehorsam, sondern Achtung und Demut vor der versöhnlichen großen Göttin Inanna verlangt werden, läßt in der späteren, verdrehten Bibelversion ein unerbittlicher Gott die Menschen ertrinken, weil sie ihm eben keinen absoluten Gehorsam entgegenbringen.

Heide Göttner-Abendroth befreit somit kulturhistorische Schätze dieser Art von der althergebracht verzerrten, da patriarchal geprägten Sichtweise und setzt den alten Mythen und Märchen einen matriarchalen Gegenpart. Kurzum: eine spannende Lektüre.

Petra Öllinger

Heide Göttner-Abendroth – Inanna, Gilgamesch, Isis, Rhea. Die großen Göttinnenmythen Sumers, Ägyptens und Griechenlands neu erzählt. Ulrike Helmer Verlag (Königstein/Taunus, 2004) http://www2.txt.de/cgi-bin/WebObjects/TXTSVHelmer

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