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Brillis Wort zum Montag

Ein Hund ein Wort

Nerventonikum – Teil 2

Hauskaspar I stand kurz darauf parat mit Wasserkübel, Fetzen und Gummihandschuhen. Keine Gemütsregung war zu erkennen; quasi Nerven aus Stahl.

Ob’s daran lag, dass Hauskaspar I die Aktion „Kochschokolade auf Wollteppich“ nur als weiteren schändlichen Höhepunkt in meiner kulinarischen Selbstbedienungskarriere hinnahm?

Ob’s daran lag, dass Hauskaspar I schon so vielen Fressorgien hilflos zusehen musste? Zum Beispiel jener, als ich mich auf dem Komposthaufen gütlich tat an Eierschalen, Brotkanten – geschützt durch den garantiert von Zweibeinern unüberwindbaren Gartenzaun.

Ob’s daran lag, dass Hauskaspar I es mittlerweile aufgegeben hat, mich vom Genuss artgerechten Vogelfutters – Sonnenblumenkerne, Hirsekolben, Meisenknödel – abzuhalten?
Ob’s daran lag, dass Hauskaspar I nicht einmal mehr zu erschüttern ist, wenn ich von Vogelfutter nasche, dass unbelehrbare Zweibeiner als artgerecht bezeichnen – Semmelbrösel, Kuchenreste?

Vielleicht lag es aber auch einfach an der Uhrzeit. Es war zwei Uhr nachts, und in schlaftrunkener Trance begann Hauskaspar I die Reinigungsaktion, dabei folgende Worte murmelnd: „Wenigstens war es keine weiße Schokolade, die du uns da hergespieben hast. Das Braun macht sich eh nicht so schlecht.“ Oh, güldener Galgenhumor!

Vielleicht lag es aber auch einfach am Nerventonikum, wovon Hauskasper I seit einer Woche täglich etwas zu sich nahm. Dies musste überprüft werden.

Am Morgen ward ich genesen. Und ich ward bereit, das Geheimnis des nervenstärkenden Gebräus zu lösen.

Hauskaspar I sah mich kurze Zeit später leicht schwankend die Küche verlassen.
Hauskaspar I sah die Scherben am Boden.
Hauskaspar I verließen die Nerven.

Ende.

Ein herzliches Wuff,

Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post [1]