Archiv für die Kategorie 'Rezensionen'

All inclusive

Donnerstag, 7. September 2006

Wie langweilig muss das Reisen gewesen sein, als noch keine Hotel-Monster-Burgen, Buffet-Schlachten, Animationsprogramm und „Ausflüge ins Landesinnere“ – all inclusive – zur Verfügung gestanden haben.

Ende des Kalauers! Obwohl, ein bisschen all inclusive wurde jenen Frauen schon geboten, die sich beispielsweise zwischen 1717 und 1930 auf den Weg in den Orient machten. Zu den vielen Unannehmlichkeiten, denen auch männliche Reisende unterlagen wie psychische und physische Strapazen, gesellten sich bei Frauen noch gesellschaftliche Verachtung und die Gefahr der Lächerlichkeit dazu. In acht Kapiteln widmet sich Barbara Hodgsons Themen wie reiselogistische Bewältigungen, Geheimnisse der Harems oder (Liebes-)Beziehungen zwischen den Frauen und ihren männlichen Begleitern. Ein Schwall an Namen und Zitaten reisender Frauen wie Isabel Burton, Isabella Bird, Lady Hester Stanhope lässt die Aufbereitung des Buches etwas chaotisch wirken und zwingt beim Lesen häufig zum Pausieren. Währenddessen kann frau ihre Augen auf Urlaub in die zahlreichen Abbildungen schicken. Ein ausgesprochen schön und liebevoll gestaltetes Buch, mit Fotos, Stichen und Gemälden in sehr guter Druckqualität sowie einem vorbildlichem Literaturverzeichnis und Abbildungsnachweis. Ein (unfreiwilliges) Nicht-Reisen lässt sich mit Barbara Hodgsons Buch gut aushalten …

Petra Öllinger

Buchcover - Die Wüste atmet Freiheit

Barbara Hodgson – Die Wüste atmet Freiheit. Reisende Frauen im Orient 1717 bis 1930. Aus dem Englischen von Brigitte Beier und Gisela Sturm.

Gerstenberg Verlag, Hildesheim, 2006. 184 Seiten, € 24,70.

Unermüdliche Courage

Mittwoch, 6. September 2006

„In meinem Land wird ‚Kommunist’ als Schimpfwort gebraucht. Aktiver Nazi gewesen zu sein gilt bei vielen Menschen als weniger ehrenrührig.“

Mein Land, das ist Österreich. ‚Kommunist’ war Rosa Puhm. Das Zitat entstammt ihren Lebenserinnerungen „Trennung in Gorki“ – die Erstausgabe war 1990 im Verlag für Gesellschaftskritik erschienen. Geändert hat sich an dieser Haltung seither nichts. Umso wichtiger, dass der Milena Verlag die Erfahrungen einer unverbiegbaren, couragierten Frau neu auflegt. Einer Frau, aufgewachsen in einem sozialdemokratischen Elternhaus, in den Zwanziger-Jahren dem Kommunistischen Jugendverband beigetreten und sich aktiv an politischen Geschehnissen beteiligend. Sie emigrierte nach Gorki, wo sie viele Jahre im Autowerk arbeitete. Trotz aller widrigen Umstände, trotz aller persönlichen Demütigungen, (u.a. wurde ihr Lebensgefährte Dino Maestrelli mit aller Wahrscheinlichkeit exekutiert, in der Folge behaftet mit dem Stigma der Frau eines Volksfeindes, sogar nach ihrer Rückkehr nach Österreich!, hier war ihre Unverbiegbarkeit den konservativen Kreisen der KPÖ ein Dorn im Auge, mit dem Resultat zu einem einfachen Mitglied der Partei „degradiert“ zu werden), hielt sie den Ideen des Kommunismus die Treue. Rosa Puhms Rückblicke sind nie verbittert oder verblendet, vielmehr wird der unerschütterliche Glaube fühlbar, im Rahmen einer Partei zu sozial-politischen Verbesserung beitragen zu können. „Trennung in Gorki“ ist ein sehr lebendiger, berührender Einblick in die österreichische und russische Zeitgeschichte – leider ist sie nur mehr nachzulesen. Lebte Rosa Puhm noch, sie ist 1997 verstorben, ein persönliches Gespräch mit ihr wäre Pflicht!

Petra Öllinger

Buchcover - Trennung in Gorki


Rosa Puhm – Trennung in Gorki. Erinnerungen an eine Zukunft.

Milena Verlag, Wien, 2006. 280 Seiten, € 17,90.

Papierfresserchen

Freitag, 1. September 2006

Martina Meier ist Journalistin, Autorin und Literaturwissenschaftlerin und stellt auf der Site „Papierfresserchen“ unter anderem viele Kinderbücher vor. Sie will damit vor allem den Spaß am Lesen wecken.

Buchbesprechungen – Menschenrechte

Mittwoch, 23. August 2006

Das Weblog Menschenrechte hält für Sie in der Kategorie Bücherecke eine Reihe von Buchrezensionen bereit.

Aus dem alten Blog

Rezensionen

Dienstag, 22. August 2006

Das Buchmagazin des Literaturhauses in Wien.

Biblio.at – der größte Rezensionspool im deutschen Sprachraum.

Literaturkritik.de – Literaturkritik, Rezensionsforum und vieles mehr.

Crime Corner – Kritiken und Infos zur Kriminalliteratur.

Der monatliche Buchtipp

Montag, 21. August 2006

12 mal jährlich aktuelle Buchtipps, erstellt von der STUBE und dem Österreichischen Bibliothekswerk.

Sarah Kirsch – Sämtliche Gedichte

Freitag, 18. August 2006

Auf Spinnenschrittchen

Die deutsche Autorin auf Lyrik festzulegen, wird ihrem umfangreichen künstlerischen Schaffen nicht gerecht. Die gute Frau hat weit mehr zu bieten …

Sarah Kirsch feierte am 16. April des vergangenen Jahres ihren 70 Geburtstag. Die Deutsche Verlags-Anstalt nahm das Jubiläum zum Anlaß, all die lyrischen Arbeiten der Autorin in einem Band zu versammeln. Weiterlesen »

Mord in der Kombüse

Donnerstag, 17. August 2006

von Almut Heuner und Bengt Fosshang

Auch wenn der Mörder normalerweise immer der Gärtner ist, kommt hier der Feinspitz auf seine Kosten. Mal als Genießer, aber auch als Genuß!

Sie haben wieder zugeschlagen: Almuth Heuner und Bengt Fosshag, dieses Mal jedoch ohne Komplizin Andrea Busch. Nachdem das Trio bereits zahlreiche Kriminalgeschichten zusammengetragen und bebildert hat, in denen unter anderem Gartenbaufreudige („Mord im Grünen), Reisewillige („Bei Ankunft Mord“) oder lukullische Genießer („Mord zwischen Messer und Gabel“) aus dem Weg geräumt wurden – oder eben andere aus dem Weg räumen ließen, macht das Duo nun auch das blaue Naß unsicher. „Mord in der Kombüse“ schippert mit einer Ladung von zwölf Kriminalgeschichten, zwölf Einbildgeschichten, 19 Fischmenüs und 111 Rezepten durch warme Meere des Südens, kalte Binnengewässer und eisige Nordmeere. Die zum jeweiligen Krimi passenden Rezepte haben mit schnöden Fischstäbchen allerdings nix am Hut. Statt dessen gibt es kulinarische Köstlichkeiten wie Artischocken mit Ricottafüllung oder Tarta d Piña. Weiterlesen »