Archiv für die Kategorie 'Politik & Zeitgeschichte'

Zum 70. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung vom Nazismus

Mittwoch, 6. Mai 2015

„Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert. […] Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“1

Einladung zur Veranstaltungsreihe und Ausstellung im Projektraum MAG3, Schiffamtsgasse 17, 1020 Wien.

Video- und Sprachinstallation von Gue Schmidt.

Eröffnung: Freitag, 8. Mai 2015, 19:30 Uhr

Zum Projekt: Burghart Schmidt

Dauer der Ausstellung: 9. – 29. Mai 2015
Öffnungszeiten: Di. – Fr., 17:30 – 21:00 Uhr.

In diesem Zusammenhang ein Hör-Hinweis: Kunstradio auf Ö1 am Sonntag, 10. Mai 2015 um 23:03 Uhr.

Nach siebzig Jahren: europäische Politik im Schatten Hitlers
Vortrag: Friedrich Tomberg (Berlin) Mittwoch, 13. Mai 2015, 19:30 Uhr.

„Am 8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht in Karlshorst bei Berlin vor der Sowjetunion. Am Tag davor, am 7. Mai war dies schon im Westen, in Reims, vor den Alliierten geschehen. In Asien und im Pazifik war das Grauen allerdings noch nicht zu seinem Ende gekommen. Dort endete der Krieg erst am 2. September 1945, nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagaski (06.08. und 09.08.). Eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte ging hiermit zu Ende.

Der Krieg, weitestgehend entfesselt durch das Deutsche Reich unter Adolf Hitler und seinen Nationalsozialisten, hatte unter den wichtigsten kriegführenden Ländern allein in Europa, wie Deutschland, UdSSR, Polen, Jugoslawien, Frankreich, Großbritannien und den USA, 34,5 Millionen Menschen das Leben gekostet. Etwa 11 Mill. Menschen wurden in Konzentrationslagern, Vernichtungslagern und Zuchthäusern ermordet. Im Weltgesamt war der Tod von 68,8 Mill. Menschenleben zu beklagen.

Das Projekt zeichnet, anhand von vier sprachlich parallel verlaufenden Ebenen einer Zeittafel zur deutsch-österreichischen Geschichte, beginnend mit 1933 der Machtergreifung Hitlers in Deutschland, endend mit 1945, diesen Vorgang akustisch nach. Die vier Ebenen, bestehend aus Politik, Wirtschaft, Soziale Situation und Kulturpolitik, greifen ineinander oder überlappen sich akustisch und verweisen hiermit auf die totale Verflechtung von Ökonomie, Politik und Ideologie.“

Via projektraum MAG3

1 Aus dem Epilog von: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui von Bert Brecht.

Wozu brauchen wir Arbeiterliteratur?

Freitag, 24. April 2015

Erinnerung an den Gewerkschaftler Walter Köpping

© Werner Lang

Was vermag die Literatur? Welche Rolle spielt die Kunst im Leben des Menschen? Hat Kunst etwas mit Politik zu tun? Mit anderen Worten: Ist eine Arbeiterliteratur notwendig, kann sie eine Wirkung ausüben? (Walter Köpping, Gewerkschaftliche Monatshefte 6, 1974, S. 329).

Walter Köpping geht von diesen Fragen in seinem Beitrag „Der gesellschaftspolitische Stellenwert der Arbeiterliteratur“ aus. Er kommt zu dem Schluss, dass Arbeiterliteratur Wirkung haben kann, wenn sie sich der Realität stellt und so zur Veränderung der Lebenswirklichkeit beizutragen sucht.

Arbeiterliteratur kann als Tendenzdichtung im guten Sinne des Wortes, so wie sie Walter Köpping beschrieben hat, aufgefasst werden. Er schreibt:

„Sie ist nichts für ruhige Abende, nichts für Literaturgenießer. Sie ist als eine Literatur in Abgrenzung und Gegensatz zu dem, was als Literatur im Allgemeinen gilt zu verstehen. Und im Allgemeinen wird sie noch immer als Projekt der Fantasie, als rein geistiger Vorgang, eine Literatur mit Betonung der sprachlichen Form bis hin zu Wortartistik verstanden.

-Literatur als Werk eines Einzelnen, des außergewöhnlichen Individuums
-Literatur, die auf das Individuum (Leser) zielt
-Literatur ohne politische Dimension, ohne Einbeziehung sozialer Fragen oder Probleme der Arbeitswelt.“
(S. 331).

Genauso, wie sich die bürgerliche Literaturauffassung unwesentlich verändert hat, hat sich auch die Realität der Arbeitswelt seit 1974 nur unwesentlich verändert, weil noch immer gilt, dass Millionen von Menschen täglich Lohnarbeit, daher fremdbestimmte Arbeit leisten. Der Lohnarbeiter ist sozusagen der Handwerker, dem sein Werkzeug weggenommen wurde und daher in Abhängigkeit geriet.

Zur Ausbeutung ist mit den Worten von Theodor Prager zu sagen, „dass im Kapitalismus die Kapitalisten sämtliche Produktionsmittel besitzen. Die Arbeiter besitzen nichts als ihre Arbeitskraft; das zwingt sie, diese zu verkaufen, wodurch ihre Arbeitskraft zur Ware wird.
Und die Ware Arbeitskraft hat die einzigartige Eigenschaft, mehr Werte zu erzeugen, als sie selbst wert ist. Diesen ‚Mehrwert‘ eignet sich der Kapitalist kraft seiner Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel an. Das ist das Wesen der Ausbeutung.“
Theodor Prager, „Das Märchen vom Lohn, der nicht steigen darf“, 1951.

Von seiner Stellung in der Produktion ausgehend, wird der Lohnarbeiter zum Getriebenen im kapitalistischen System. Aber wo es Getriebene gibt, gibt es auch die Antreiber, die versachlicht der „Wirtschaft“ zugeschrieben werden. Marx nannte das „Entfremdung“.

Elmar Treptow schreibt: „Statt von Versachlichung können wir, heute üblich, auch von ‚Sachzwängen‘ sprechen, wenn damit gemeint ist, dass die Integration der Arbeitskräfte in den Prozess des Kapitalwachstums nicht durch die direkte körperliche Gewalt von Personen, sondern durch die Abhängigkeit von Sachen und Funktionen erzwungen wird.“ (Elmar Treptow, „Die widersprüchliche Gerechtigkeit im Kapitalismus“, Weidler Buchverlag, 2012, S. 303.)

Nicht nur, aber auch aus dem oben zitierten, sind die arbeiteten Menschen von Unfällen und von Berufskrankheiten bedroht.
Aus all dem resultieren in der Arbeitswelt vielfältige soziale Konflikte und Kämpfe.

Walter Köpping schreibt: „Millionen von Menschen (Lohnarbeiter und aus der Lohnarbeit Rausgefallene) leben unter schwierigen materiellen Bedingungen. – Löhne, Renten, soziale Absicherung und Bildungsstand sind zu gering. Stichworte: ausländische Arbeitnehmer, prekär Beschäftigte, Konkurrenzkampf usw. (S. 323).

Depressionen in modernen Industrienationen werden oft in einem Zusammenhang mit den rasanten Veränderungen von Gesellschaft und Wirtschaft und dem damit einhergehenden vermehrten Stress gesehen. Es ist anerkannt, dass dabei Faktoren wie Arbeitsplatzunsicherheit, wachsende Anforderungen an Mobilität und Flexibilität, Auflösung vertrauter Strukturen, Leistungsdruck und innerbetrieblicher Konkurrenzkampf eine zunehmende Rolle spielen. Diesen Erschöpfungszustand, der im Rahmen von Überlastungen am Arbeitsplatz entsteht, ist allgemein bekannt. Diese Probleme aber findet man in der herkömmlichen, der ‚echten‘ Literatur nicht oder werden nur nebenher erwähnt.

Kunst und Literatur für Lohnarbeiter aber sollte die Realitäten des Lebens widerspiegeln. Zum Leben der Menschen gehört nun einmal die Arbeit.
Wenn Arbeiterliteratur dazu beiträgt, fest im Bewusstsein der Menschen zu verankern, dass die Arbeit, wenn sie auf Lohnarbeit reduziert ist, die Ausbeutung, Nöte und Gefährdungen, die die Arbeitsbedingungen – die auf Konkurrenzkampf untereinander ausgerichtet ist – größtenteils hervorbringt, kann Sie als notwendige Literatur für die Humanisierung der Gesellschaft betrachtet werden. Sie kann dadurch eine wesentliche Ergänzung der Literatur sein. Man sollte nicht geringschätzig auf diese Literatur und den Autoren herabsehen, weil sie ‚anders‘ ist,
schreibt Walter Köpping (S. 332).

Köpping weist auch darauf hin, dass diese Literatur Bundesgenossen, politische Verstärker, die Gewerkschaftsbewegung braucht, auch im Zusammenwirken mit der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, um den gesellschaftlichen Stellenwert zu heben. (S. 333)

Weiters meint er, dass der gesellschaftliche Stellenwert der Arbeiterliteratur sich nicht objektiv festlegen lässt. „Das hängt davon ab, was ein Mensch unter Gesellschaftspolitik versteht, ob er eine konservative, eine progressive oder gar revolutionäre Grundhaltung hat. Und es hängt nicht weniger davon ab, ob der Mensch sich mit Dichtung beschäftigt oder ob er darauf verzichtet, so bleibt lediglich eine subjektive Bewertung.“ (S. 334)

„Gewiss aber vermag diese Literatur mehr, als ihre Kritiker vorgeben. Sie erhebt keinen Absolutheitsanspruch, es kann nicht darum gehen, künftig nur noch politische Literatur zu produzieren. Die Arbeiterliteratur ist als Bereicherung, als wesentliche Ergänzung unserer Literatur zu verstehen, sie kann dazu beitragen, soziale Missstände bewusst zu machen. Es geht dabei um Bewusstseinsveränderung auf doppelte Weise: Änderung des Bewusstseins der Arbeitnehmer und zugleich Veränderung im öffentlichen Bewusstsein. Arbeiterliteratur macht die Probleme der Arbeitswelt sichtbar begreifbar.“ (S. 335)

Von der Arbeiterliteratur kommen wesentliche Anstöße zu gesellschaftlichen Veränderungen, sie ist ein Beitrag zur Humanisierung der Arbeitswelt.
Walter Köpping fasst zum Schluss seines Artikels das Wesentliche noch einmal zusammen in dem er schreibt: „Arbeiterliteratur ist authentische Literatur. Berufsschriftsteller erfinden in der Regel Personen und Handlungen. Der Arbeiterschriftsteller empfindet Arbeit, Arbeitswelt und deren Mühsale. Berufsschriftsteller suchen oft lange nach einem Stoff, einem Thema. Für Berufsschriftsteller ist Schreiben vielfach Flucht aus der realen Welt. Für Arbeiterschriftsteller ist das Schreiben eine Auseinandersetzung mit der realen Welt.“ (Walter Köpping, S. 337)

Köpping Walter, „Gewerkschaftliche Monatshefte“ 6, 1974, S. 329, S. 332, 331, 333, 334, 335, 337.

Prager Theodor, Grad des Bachelor of Commerce, Doctor der Philosophy, (Economics), „Das Märchen vom Lohn, der nicht steigen darf“, Stern Verlag, 1951.

Treptow Elmar, Professor der Philosophie,“Die widersprüchliche Gerechtigkeit im Kapitalismus“ Weidler Buchverlag, 2012, S. 303.

Internationaler-Roma-Tag am 8. April

Mittwoch, 8. April 2015

Am 8. April feiern die Roma ihren internationalen Tag. An diesem Datum fand 1971 der erste Welt-Roma-Kongress in London statt. Es ist dies auch der Tag an dem des Porrajmos (Romanes, dt.: das Verschlingen), wie der Holocaust von den Roma genannt wird, gedacht wird.

Rund 500.000 Roma und Sinti wurden während des Holocaust ermordet.Sie wurden in Vernichtungslagern ermordet und fielen in Zwangsarbeits- und Konzentrationslager Hunger und Krankheiten zum Opfer. Die Überlebenden wurden jahrzehntelang nicht als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung anerkannt und erhielten nur geringe oder überhaupt keine Entschädigungszahlungen.

Beitrag des Ersten Wiener Lesetheaters zum Internationalen Romatag

„Mitten im Sommer haben wir süße Maulbeeren gegessen und gelacht“ – ein Leseabend mit viel Musik.

Rremi Brandner, Emilie Locatin, Andrea Pauli und Susanne Schneider lesen Gedichte und Texte von Elfriede Jelinek, Ilija Jovanovi?, Jovan Nicoli? u.a.
Ivana Ferencova (Romano Centro) spielt und singt mit ihrem internationalen Frauenchor.

Wann: Freitag, 10. April, 19 Uhr
Wo: Haus der Begegnung Floridsdorf, Angererstrasse 14, 1210 Wien
Eintritt frei

Nähere Infos über Roma und Sinti finden Sie beispielsweise im „Duftenden Doppelpunkt“ im Beitrag „Roma und Sinti oder doch ausnahmsweise ‚Zigeuner‘?“

Eva Priester: Der Weltkrieg I – Ende und Anfang

Donnerstag, 28. August 2014

Am Donnerstag, dem 04. September 2014 um 19 Uhr stellen Gerald Grassl und Werner Lang vom Werkkreis Literatur der Arbeitswelt die Broschüre „Der Weltkrieg I – ENDE UND ANFANG“ mit Texten von Eva Priester (1910 – 1982) über den Ersten Weltkrieg (ca. 80 S.; Brosch., Euro 10,-. ISBN 978-3-9503673-0-5) im WERKL IM GOETHEHOF – SELBSTVERWALTETE KRITISCHE FREIRÄUME, Schüttaustraße 1-39/6/R02, 1220 Wien vor.

Der Inhalt der Broschüre ist Eva Priesters zweibändigem Werk „Kurze Geschichte Österreichs“ entnommen.

Neben ihrer Arbeit als Historikerin beschäftigte sie sich mit den Ereignissen des Ersten Weltkriegs auch aus belletristischer Sicht. So widmete sie in ihrem 1955 im Globus Verlag veröffentlichten Buch „Vom Baume der Freiheit“ eine der sechs historischen Erzählungen unter dem Titel „Begegnung im Morgengrauen“ dem Matrosenaufstand von Cattaro.

Eva Beatrice Feinstein, verheiratete Priester wurde am 15. Juli 1910 in St. Petersburg geboren. Es gehörte damals noch zum zaristischen Russland. Ihre Familie, die den Wirren des Bürgerkrieges entgehen wollte, emigrierte 1921 nach Berlin. Wegen ihres politischen Engagements wurde sie Anfang 1933 des Hochverrates bezichtigt und von März 1933 bis Dezember 1933 in Berlin in Untersuchungs- und Schutzhaft gesteckt.
1935 konnte Eva Priester Hitlerdeutschland verlassen und emigrierte nach Prag, wo sie auch mit österreichischen KommunistInnen in Kontakt kam. Sie wurde Mitglied der KPÖ und übersiedelte 1936 nach Wien. Während eines Aufenthaltes in Prag wurde sie 1938 von der Okkupation Österreichs überrascht und konnte nicht mehr nach Wien zurückkehren.
Über das „British Committee for Refugees from Czechoslovakia“, einen Hilfsfonds, den eine englische Zeitung als Reaktion auf das „Münchner Abkommen“ gegründet hatte, erhielt Eva Priester 1939 eine Einreisemöglichkeit nach England.

Eva Priesters -  Grafik von Bruno Furch

Portrait Eva Priesters von Bruno Furch

1943 begann sie im „Britischen Museum“ in London mit der Arbeit an der „Kurzen Geschichte Österreichs“, in der sie sich unter anderem mit den Ereignissen des Ersten Weltkriegs auseinandersetzte und die Eigenständigkeit der österreichischen Nation begründete. Sie schreibt: „Es ist der Versuch, in großen Zügen die merkwürdige und widerspruchsvolle Geschichte unseres Landes darzustellen, und es ist eine Diskussionsgrundlage. Ich bin der festen Überzeugung, dass die österreichische Geschichte, so wie sie heute in den Schulen gelehrt wird und schon vor der Okkupation gelehrt wurde, derart vom Gestrüpp der großdeutschen Darstellung überwachsen ist, dass sie ganz von neuem geschrieben werden muss. Es ist gleichfalls meine Überzeugung, dass eine solche gigantische Arbeit nur von einer großen Zahl von Menschen geleistet werden kann – von einer Kommission von Historikern, einem Sonderausschuss, einer wissenschaftlichen Körperschaft – allerdings nach vollzogener Entnazifizierung.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie 1946 nach Wien zurück und publizierte unter anderem im „Österreichischen Tagebuch“ und in der „Volksstimme“, in der sie auch als stellvertretende Chefredakteurin tätig war.
Ein Schwerpunkt in ihrem Schreiben bildete die kritische Sozialreportage.

Sie starb am 15. August 1982 während eines Kuraufenthaltes in Moskau.

Chronisten, Reporter, Aufklärer – Eva Priester. Ein Kanon des österreichischen Journalismus, Folge 20.

Erster Weltkrieg – Kinderliteratur – Jugendliteratur

Dienstag, 27. Mai 2014

„Mach, dass unsre Truppen siegen, dass wir wieder schulfrei kriegen.“

Ran an den Feind. [O.A.]

Ran an den Feind. [O.A.]

In diesem Beitrag finden Sie Informationen über die Kinder- und Jugendliteratur während des Ersten Weltkrieges sowie eine Literaturliste mit Büchern, die sich, hauptsächlich aus heutiger Sicht, mit dem Ersten Weltkrieg in kinder- und jugendgerechter Form auseinandersetzen. Darüber hinaus finden Sie weiterführende Links und Hinweise auf Ausstellungen und Veranstaltungen.

Hinweise auf Literatur für ältere Semester bietet das Literaturblog „Duftender Doppelpunkt in folgenden zwei Beiträgen: Bücher von AutorInnen, die ZeitzeugInnen des Ersten Weltkriegs waren, finden Sie neben einer kurzen Einführung zum Thema auf der Seite „Der Erste Weltkrieg in der Literatur“. Literatur von GegenwartsautorInnen wurde für Sie in der Literaturliste „Erste Weltkrieg – belletristische Literatur“ zusammengestellt.

Direkt zur LITERATURLISTE KINDER- UND JUGENDLITERATUR ÜBER DEN ERSTEN WELTKRIEG weiter unten auf dieser Seite springen.

Die zentrale Aufgabe der Kinder- und Jugendliteratur im Ersten Weltkrieg ist die Verherrlichung des Krieges und die Entmenschlichung des Gegners. So findet auch die Losung „Jeder Schuß ein Russ‘! Jeder Tritt ein Brit‘! Jeder Stoß ein Franzos‘!“, entsprechend bebildert, Eingang in die Kinderbücher. Mit Fortdauer des Krieges spiegelt sich dessen Realität – Hunger, Invalidität, Tod und Vernichtung – auch in diesem Bereich der Literatur immer stärker wider.

Die Einstimmung der Kinder und Jugendlichen auf das große Schlachten beginnt allerdings schon Jahre vor dem Ersten Weltkrieg:

Maja und der Soldatentod

So liest sich Waldemar Bonsels „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“ aus dem Jahre 1912, anders als die Darstelllung in der gleichnamigen Zeichentrickserie aus den 1970er Jahren, wie ein Lehrbuch des Kadavergehorsams: Majas Vagantentum bleibt eine Episode. Reumütig kehrt sie letztlich in den Bienenstock zurück und unterwirft sich ihrer Königin: „Ich möchte für dich sterben.“ Auf eine solche Protagonistin kann die Geschichte nicht verzichten. Im Kampf gegen die Hornissen muss der Tod trotzdem reiche Ernte einfahren. So wirft sich ein „junger Offizier“ in die Bresche. „Sein kühner Soldatentod hatte allen die wilde Todesbereitschaft ins Herz gesenkt.“

Wenige Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung wird „Die Biene Maja“ zu einem der Lieblingsbücher der Soldaten im Ersten Weltkrieg. Insgesamt verkauft sich das Buch zwei Millionen mal.

Obwohl einige seiner Bücher 1933 von den NationalsozialistInnen verbrannt werden, die „Biene Maja“ ist nicht darunter, arrangiert sich Bonsel rasch mit der Diktatur: Schon zuvor mit antisemitischen Aussagen an die Öffentlichkeit getreten, verbindet er im Vorwort seines 1942 veröffentlichten Romans „Dositos“ die pauschale Ablehnung des Judentums mit einem „Kotau“ vor Adolf Hitler: „Der gewaltige und gewaltsame Anstoß, der durch Adolf Hitler in die Welt getragen worden ist, erschütterte nicht nur das Judentum, sondern zugleich alles, was in der christlichen Kirche am Judentum krankt.“

Bayerisches Fernsehen: Bombay, Capri, Schleißheim. Die Biene Maja und ihr Schöpfer

Bonsels, Waldemar: Die Biene Maja und ihre Abenteuer. DVA, 174 S., € 16,95.

Hanuschek, Sven (Hrg.): Waldemar Bonsels – Karrierestrategien eines Erfolgsschriftstellers. Harrassowitz Verlag, 279 S., € 24,80.

Der Struwwelpeter zieht in den Krieg

Die Propaganda macht auch vor dem 1845 erstmals erschienen, bereits vor dem Ersten Weltkrieg zum Kinderbuchklassiker avancierten „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann nicht halt. Er dient Karl Ewald Olszewski 1915 als Vorlage für seinen „Kriegs-Struwwelpeter“ und ist die Antwort auf die 1914 unter dem Titel „Swollen-headed William“ veröffentlichte englischsprachige Struwwelpeter-Version.
Im „Kriegs-Struwwelpeter“ werden die Kinder durch Vertreter der Kriegsgegner ersetzt. Letztere werden für behauptete Bosheit, Verrat und Niedertracht bestraft. In dem Bilderbuch wird der Struwwelpeter zum russischen „Bombenpeter“, „John Guck-in-die-Luft“ ist ein britischer Marineoffizier und „Zappel-Beppo“ ein Italiener.

„‚Ob der Beppo endlich still
Sich bei Tisch verhalten will?
Das verlogne Schaukelspiel
Wird allmählich uns zuviel.
Will er brav zu Tisch sich setzen,
Darf er sich die Lippen netzen
Mit Tiroler rotem Wein,
Und die Trientiner Mahlzeit
Soll der Lohn der Tugend sein.‘
Doch der Beppo höret nicht,
Was man also zu ihm spricht,
Er hetzt und schürt
Und intrigiert,
Er trappelt
Und zappelt
Auf dem Stuhle ganz erpicht,
Bis vorbei das Gleichgewicht.“

Der Struwwelpeter Teil 1: Struwwelpeter und Struwwelpeteriaden
Der Struwwelpeter Teil 2: Struwwelpeters Nachfolger

Helden des Friedens

Selbst in der Zeit des Krieges verstummt die Stimme des Friedens und der Vernunft nicht gänzlich. So veröffentlicht der Wiener Philosoph und Pädagoge Wilhelm Börner 1916 unter dem Titel „Werdet Helden! Ein offener Brief in der Kriegszeit an die deutschen Kinder“ einen pazifistischen Text. Auf 26 Seiten lädt er Kinder und Jugendliche ein, durch Höflichkeit, Aufrichtigkeit und Selbstbeherrschung „Helden des Alltags, der Liebe und des Friedens“ zu werden.

Kato-Mailath-Pokorny, Sonja: WILHELM BÖRNER (1882-1951). Sein Leben an Hand ausgewählter Werke. Diplomarbeit, Wien, 2007.

Ausstellungen und Veranstaltungen

Hurra! Ein Kriegs-Biderbuch von Herbert Rikli

Hurra! Ein Kriegs-Biderbuch von Herbert Rikli

Frankfurt: Das Institut für Kinder- und Jugendbuchforschung an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt zeigt seit 22. April eine Ausstellung: Bilder-, Kinder- und Jugendbücher aus der Zeit des Ersten Weltkriegs (1914-1918).

Die Ausstellung ist im Parterre des Querbaus 2 des IG-Farbengebäudes und auf den Fluren der Bibliothek für Jugendbuchforschung im Erdgeschoss des Querbaus 1 zu sehen.
Bürgervorlesung: Der Erste Weltkrieg – Kindheit, Jugend, literarische Erinnerungskultur. Vom 22. April 2014 bis 15. Juli 2014, dienstags, jeweils 18:00-20:00. IG-Hochhaus Raum 411, Campus Westend, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main

Mönchengladbach: „Nesthäkchen und Trotzkopf im Weltkrieg – Das Kinderbuch erklärt den Krieg“: Museum Schloss Rheydt (Kabinettschauraum Vorburg) Öffnungszeiten Di. bis Fr. 11-17 Uhr; Sa./So. 11-18 Uhr; bis 15. Juni.

Vortrag: Am Samstag, 24. Mai, 15 Uhr, hält Friedrich Stephan in der Ausstellung einen Vortrag: „Mach, dass unsre Truppen siegen, dass wir wieder schulfrei kriegen.“

Speyer: Auch in der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer findet das Thema Kinderliteratur und Krieg seinen Niederschlag: Franz Schmidt bietet am Dienstag, 17. Juni 2014, 19 Uhr einen Vortrag unter dem Titel: Die Biene Maja in der Völkerschlacht – Das Kinderbuch erklärt den Krieg.

Links zum Thema Kinder- und Jugendliteratur im Ersten Weltkrieg

Nesthäkchen und der Weltkrieg. Eine Erzählung für Mädchen

Nesthäkchen und der Weltkrieg. Eine Erzählung für Mädchen von 8-12

Wie Kinder den Weltkrieg erlebten. Professor Hans-Heino Ewers über Kriegskindheit im Spiegel der Kinder- und Jugendliteratur über den Ersten Weltkrieg. SWR2 Journal am Mittag, 22. 4. 2014.

Das Kinderbuch erklärt den Krieg. Einführung in eine Ausstellung aus dem Jahre 2001 in der Villa Spiegelwelt, einem privaten Kinderbuchmuseum von Friedrich Stephan.

Weitere Informationen zum Thema Kinderliteratur und Erster Weltkrieg finden Sie in: Lukasch, Peter: Der muss haben ein Gewehr. Krieg, Militarismus und patriotische Erziehung in Kindermedien vom 18. Jhdt. bis in die Gegenwart. Verlag: Books on Demand; 4. Auflage. Das Kapitel „Der Erste Weltkrieg im Kinder- und Jugendbuch“ kann online gelesen werden.

Eine reiche Auswahl von digitalisierten Kinder- und Jugendbüchern zum Ersten Weltkrieg bietet die Staatsbibliothek zu Berlin.

Institut für Friedenspädagogik Tübingen: Kinder und Jugendbücher zu Krieg und Frieden. Die Liste ist wahlweise nach AutorInnen oder Altersempfehlungen geordnet.

Literaturliste: Jugendbücher über den Esten Weltkrieg

Amreich, Conny: Weil es nicht sein darf. Eine unmögliche Liebe. dtv 2014, 300 S., € 13,40. Ab 14 Jahren.

„Wien im April 1914: Um Rache am Tod seiner Mutter zu üben, nimmt der 16-jährige Oskar Heller eine Stelle als Stallbursche bei der Adelsfamilie von Grayn an. Und das Undenkbare geschieht: Ausgerechnet der freiheitlich gesonnene Oskar, der die Aristokratie mit ihrem Snobismus und für ihn unbegründeten Herrschaftsanspruch hasst, verliebt sich in Alexandra, die Tochter des Hauses – und umgekehrt. Doch beide wissen, dass ihre Liebe keine Chance hat. Dann aber bricht der Krieg aus und alle Karten werden neu gemischt­ …“ Via dtv

Boyne, John: So fern wie nah. Fischer Verlag, 256 Seiten, € 12,99.

„Als an Alfies fünftem Geburtstag der Erste Weltkrieg ausbricht, verspricht sein Vater, nicht in dem Kampf zu ziehen – und bricht sein Wort am Tag darauf. Vier harte Jahre später geht Alfie heimlich arbeiten, um seine Mutter zu unterstützen. Er ist davon überzeugt, dass er seinen Vater nie wiedersehen wird. Doch dann erfährt Alfie zufällig, dass sein Vater in einer Klinik für traumatisierte Soldaten behandelt wird. Und er beschließt, ihn nach Hause zu holen …“ Via Fischer Verlag

Claudel, Philippe / Delestre, Philippe: Der Krieg ist vorbei: Bilder und Texte zum Frieden in Europa. VAT Verlag André Thiele, 108 Seiten, 19,90 EUR.

Comicartige Aquarelle: „Wie kann man einen Krieg in Bilder fassen, der innerhalb von vier Jahren viele Millionen Menschen das Leben gekostet hat? Der lothringische Zeichner Philippe Delestre hat auf diese Frage seine ganz eigene Antwort gefunden und die Erfahrungen deutscher und französischer Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg in fast naiv anmutenden Aquarellzeichnungen festgehalten. Deren runde Formen und sanfte Farben lassen die Realität des Krieges – die Schützengräben, die Schlachtfelder, die zerstörten Dörfer – ‚noch obszöner, noch widernatürlicher‘ (Philippe Claudel) erscheinen. Zusammen mit ausgewählten Zeitzeugenkommentaren und literarischen Zitaten bilden Delestres Zeichnungen eine mosaikartige Chronik der Jahre 1914-1918.“ Via VAT Verlag

Eickmeyer, Peter: Im Westen nichts Neues nach dem Roman von Erich Maria Remarque. Eine Graphic Novel, Splitter Verlag, 176 Seiten, € 22.00.

„Remarque schildert in seinem Roman die selbst erlebten Grauen der Schlachten in Ypern. Der Grafiker und Künstler Peter Eickmeyer aus Melle schuf mit 60 großformatigen Bildern in dreijähriger Arbeit die Vorlagen in Gouache-Technik. Parallel dazu entwickelte er gemeinsam mit seiner Frau Gaby von Borstel auch das Konzept für das 160-seitige Hard-Cover-Buch (Splitter Verlag). Seine Arbeit wurde vom Remarque-Friedenszentrum unterstützt.“ Via Osnabrückner Zeitung

Frank, Rudolf (1886-1979): Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua, 1931; 1979 unter dem Titel „Der Junge, der seinen Geburtstag vergaß“ neu aufgelegt. Am 01. Juni 2014 veröffentlicht der Verlag Ravensburger eine Neuauflage des Buches.

1931 legt Rudolf Frank das Jugendbuch „Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua“ vor. Der Untertitel „Kriegsroman für die junge Generation“ dient der Verschleierung des eigentlichen Inhalts. Der Roman ist ein Plädoyer für eigenständiges Denken und Zivilcourage und handelt von dem in Polen lebenden Buben Jan. Nach der Zerstörung seines Dorfes freundet er sich mit den deutschen Soldaten an und hilft ihnen durch seine Sprachkenntnisse und seinen Einfallsreichtum. Er soll vom Kaiser ausgezeichnet und in Deutschland eingebürgert werden. Nachdem er die Bedeutung des Krieges zu begreifen beginnt, desertiert er. Weiterlesen »

Der Mann auf dem Balkon.

Montag, 26. Mai 2014

Der Mann auf dem Balkon: Dokumentarfilm von Kurt Brazda (2008; ORF/3sat)

Rudolf Gelbard gehört zu jenen österreichischen Persönlichkeiten, die ihrem Land nach 1945 zu einem Gewissen verhalfen. Das liegt nicht nur daran, dass er von den Gräueltaten des Dritten Reiches aus erster Hand Zeugnis ablegen konnte. Unermüdlich war und ist er nämlich auch im Aufzeigen und Bekämpfen von braunem Gedankengut in Österreich. Im Film führt er uns an jene Schauplätze seiner Kindheit in Wien, wo er die Demütigungen als „Judenbub“ nach dem Hitlereinmarsch erleiden musste. Im Oktober 1942 wird er mit seiner Familie deportiert. Wir begleiten ihn auf einer Fahrt nach Theresienstadt. Dabei zeigt er den Ort einer Kindheit, die von Angst und Hoffnungslosigkeit geprägt uns Nachgeborenen unvorstellbar ist. Von den 15.000 Kindern, die in diesen „Vorhof“ der Vernichtung gebracht wurden, überlebten nur etwa 200, darunter auch er.

Prof. Rudolf Gelbard und die Initiative Aspangbahnhof laden ins Votivkino ein: Der Mann auf dem Balkon. Rudolf Gelbard. KZ-Überlebender – Zeitzeuge – Homo Politicus.

Eine Filmvorführung mit Vortrag und anschliessender Diskussion von und mit Rudolf Gelbard.

Wann: Mittwoch, 28. 5. 2014, 18 Uhr
Wo: Votivkino, Währinger Str. 12, 1090 Wien
Eintritt Frei

Reservierungen bitte an: Initiative Aspangbahnhof

Erste Weltkrieg – belletristische Literatur

Donnerstag, 22. Mai 2014

Die folgende Literaturliste bietet Ihnen eine Auswahl von Werken, die aus der Feder von zeitgenössischen AutorInnen stammen. Ergänzt wird diese Zusammenstellung von einigen ausgewählten Titeln älteren Ursprungs, die im heurigen Gedenkjahr in einer Neuauflage veröffentlicht werden.

Literatur von AutorInnen, die ZeitzeugInnen des Ersten Weltkriegs waren, finden Sie neben einer kurzen Einführung zum Thema vor allem im Beitrag „Der Erste Weltkrieg in der Literatur“.

Balàka, Bettina: Eisflüstern. Suhrkamp, Paperback, 387 S., € 9,90.

„Bettina Balàka legt mit diesem umfangreichen Roman ein erstaunliches Werk vor. Ein Epos über das devastierte Wien der frühen Zwanzigerjahre, gekleidet in einen Kriminalfall, dessen Auflösung bis zum letzten Moment für Spannung sorgt – wenn auch der Showdown ein wenig konstruiert wirkt. An dem penibel gearbeiteten Text faszinieren besonders die souveräne Sprachbeherrschung in der Sphäre des Krieges und dessen Widerspiegelung in den Verwerfungen von Becks Psyche. Die Anordnung in kurzen Kapiteln, das Arbeiten mit Rückblenden und psychischen Übertragungen sind durchwegs gelungen.“ Rezension von Ditta Rudle in der Buchkultur 107 B, Österreich Spezial. Via Bettina Balàkas Homepage

Plakat: Helft uns siegen!

Plakat: Helft uns siegen!

Barker, Pat: Tobys Zimmer, Dörlemann Verlag 2014, 400 S., Hardcover, € 23,90. Regeneration Trilogy: Niemandsland, gebunden, 328 S., € 19,90 / Das Auge in der Tür. dtv, kartoniert, 304 S., € 9,50 / Die Straße der Geister (vergriffen).

Tobys Zimmer: „‚Eintausend junge Männer mit ausgehöhlten Augen, weggesprengten Kiefern und klaffenden Löchern, wo ihre Nasen einst waren, hier auf engstem Raum, um zusammengeflickt und mit dem, was die Chirurgen an Gesicht zustande gebracht hatten, entlassen zu werden. ‚Pat Barker blickt direkt ins Innere des Grauens. Die Verletzungen, die die Soldaten auf den europäischen Schlachtfeldern erlitten, waren fürchterlich. Und doch blickt Barker nicht weg. Dabei verzichtet ihr Roman ‚Tobys Zimmer‘ fast vollkommen auf die Schilderungen von Schlachtszenen. Sie beschäftigt sich mit den Nachwirkungen. Und die sind ebenso verstörend.“ Via Deutsche Welle

Regeneration Trilogy: „In der Geschichte, die ihren Ausgang von einem Lazarett für traumatisierte britische Offiziere während des Ersten Weltkrieges nimmt und die Bemühungen der Daheimgebliebenen und Zurückgekehrten beschreibt, den Krieg psychisch zu überstehen, treten unter anderen Siegfried Sassoon, Robert Graves und Wilfred Owen auf. Die einzelnen Werke sind Niemandsland, Das Auge in der Tür und Die Straße der Geister. Für den dritten Band wurde Pat Barker mit dem Booker Prize ausgezeichnet.“ Via Wikipedia

Barry, Sebastian: Ein langer, langer Weg. Verlag Steidl 2014, 366 S., € 24,00.

„Sebastian Barrys Roman ‚Ein langer, langer Weg‘ handelt von dem Iren Willie Dunne, der das Pech hat, zur falschen Zeit und am falschen Ort geboren zu sein. Er ist gerade alt genug, um Soldat zu werden, als der Erste Weltkrieg ausbricht. In seiner Geburtsstadt Dublin verschärfen sich gleichzeitig die politischen Gegensätze, die 1916 im Osteraufstand gegen die britische Besetzung gipfeln.
‚Ein langer, langer Weg‘ zeigt in einer ungewöhnlich expressiven Sprache, wie die politischen Verstrickungen der Epoche das Schicksal von Menschen fest im Griff haben, die von den Hintergründen und Details dieser Verstrickungen nicht die geringste Vorstellung haben.“
Aus „Was in der Schule kaum vorkommt“ – ein Beitrag von Ralf Sotschek in der TAZ vom 12. 04. 2014

Bast, Eva-Maria: Mondjahre. Ein historischer Roman vom Bodensee. Gmeiner Verlag, 466 S., Paperback, € 11,99.
Früher Sommer 1914 am Bodensee – Sophie lernt in Friedrichshafen Pierre, einen französischen Journalisten, kennen. Die folgenden Ereignisse – Attentat in Sarajewo, Juli-Krise, Kriegsausbruch – verhindern die Hochzeit, denn Pierre hat nun als Feind zu gelten und verlässt Deutschland. Der heimliche Verlobte von Johanna, Sophies Nichte, muss genau wie andere junge Männer in den Krieg ziehen; Johanna sitzt mit ihrer Mutter Helene und ihrer Tante Sophie bei deren Eltern in Überlingen – der Vater hat sie aus Sicherheitsgründen dorthin geschickt. (…) Eva-Maria Bast erzählt eine spannende Geschichte. Nach guter alter Krimi-Tradition gibt es Cliffhanger und “Had-I-but-known”-Elemente, die trotz ihrer Offensichtlichkeit die Spannung tatsächlich steigern. In der Geschichte Überlingens ist Eva-Maria Bast sehr bewandert und setzt die Auswirkungen der Kriegsereignisse überzeugend in Szene: Handarbeitskränzchen und Gemüseanbau als kriegswichtiges Engagement der Frauen z. B. Via Kölner Leselust

Bosetzky, Horst: Fahnenflucht. Gmeiner Verlag, 271 S., Paperback, € 9,99.

„Es ist bereits der zweite historische Kriminalroman von Horst Bosetzky, in dem er Fokko von Falkenrhede ermitteln lässt. Inmitten von Kriegsprotesten, Hunger und schwelender Revolutionslust muss er gemeinsam mit seinem Kollegen Markwitz den Mörder von Hertha Theuerkauf finden, die tot in einem Friseursalon liegt. Dabei stehen ihm nicht nur lügende Zeugen und nervende Vorgesetzte im Weg, sondern auch sein Privatleben, denn Fokko ist neben der Arbeit vor allem mit seiner Liebsten Bettina beschäftigt.

Horst Bosetzky Roman lässt sich in keine Schublade stecken. Der Verlag selbst hat der Geschichte den Untertitel „Kriminalroman“ gegeben. Das ist er mit Sicherheit. Aber Fahnenflucht ist auch eine große Sozialstudie, die dem Leser die Stimmung im kriegsmüden Berlin nahe bringt. Es sind meist kleine Episoden, die den Zeitgeist widerspiegeln, doch sie fügen sich über die etwa 270 Seiten zu einem interessanten und stimmigen Gesamtbild zusammen.“ Via Histo-Couch.de

Boyden, Joseph: Der lange Weg. Albrecht Knaus Verlag, München 2006. 446 S., geb., € 19,95.

Zwei junge Cree-Indianer melden sich freiwillig und ziehen mit dem kanadischen Expeditionskorps in den Ersten Weltkrieg.
„Joseph Boyden, ein junger Kanadier mit indianischen Wurzeln, gibt mit seinem Debütroman den Indianern die Ehre, die ihnen gebührt. Die Geschichte einer schmerzhaften Heilung von den Schrecken des Todes und der Finsternis mit der Medizin des Erzählens greift unwiderstehlich nach dem Leser.“ Aus Skalpjäger im Schützengraben von Arnd Rühle in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. 07. 2006, Nr. 173 / Seite 34.

Boyne, John: Das späte Geständnis des Tristan Sadler. Piper Verlag. 336 S., kartoniert, € 9.99

„London, September 1919: Der junge Tristan Sadler steigt in einen Zug. Er fährt nach Norwich, um sich dort mit Marian Bancroft, der Schwester seines toten Kameraden Will, zu treffen, mit dem er Seite an Seite im Ersten Weltkrieg gekämpft hat. Als Gepäck trägt Tristan ein Bündel Briefe mit sich und seine Erinnerung. …“ Via Piper Verlag

Brod, Max (1884–1968): Stefan Rott oder Das Jahr der Entscheidung. Wallstein Verlag 2014, 562 S., geb., Schutzumschlag, € 29,90.

„Dieser Roman wurde oft als Max Brods ‚Zauberberg‘ bezeichnet, spielt er doch 1914, in den letzten Monaten vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, welcher das alte Europa zum Einsturz brachte. (…) Im Mittelpunkt steht der Gymnasiast Stefan Rott, ein junger Mann aus guter Familie, der sich die Welt zu erklären sucht und seine erste Liebe erlebt – er verehrt Phyllis, die Mutter eines Klassenkameraden und wird schließlich sogar von ihr erhört. Hinter der gutbürgerlichen Fassade aber verbergen sich Lüge und Korruption, wie Stefan nach und nach erkennen muss. (…) Mit dem Attentat von Sarajevo stürzt auch diese kleine Prager deutsche Welt in den Abgrund: Frau Phyllis schießt auf ihren Ehemann, der Anarchist Dlouhy, Stefans Klassenkamerad, wird zum Tode verurteilt. Private und politische Entwicklung sind am selben Punkt angelangt: es wird nicht mehr geredet, es wird geschossen. Via Wallstein Verlag

Capus, Alex: Eine Frage der Zeit. btb Verlag, 352 S., Paperback, € 9.99.
„Drei norddeutsche Werftarbeiter werden 1913 von Kaiser Wilhelm II. beauftragt, ein Dampfschiff in seine Einzelteile zu zerlegen und am Tanganikasee südlich des Kilimandscharo wieder zusammenzusetzen. Der Monarch will damit seine imperialen Ansprüche unterstreichen.“ Aus dem Klappemtext des Buches

Cendrars, Blaise (1887–1961): Ich tötete – ich blutete. Erzählungen aus dem Grossen Krieg. Lenos Verlag, gebunden 199 S., geb., Schutzumschlag, € 21.90.

„Ich tötete, 1918 in einer von Fernand Léger illustrierten schmalen Broschüre erschienen, ist das grausame Geständnis eines legalen Mordes, der Aufschrei eines Soldaten, der im Zweikampf um sein nacktes Überleben kämpfen musste. Zwanzig Jahre später erschien das bewegte, pathetische Gegenstück dazu, die Kurzgeschichte Ich blutete: Der frisch armamputierte Cendrars liegt im Lazarett, Schmerzen, Fieber und Erinnerungen an das Schlachtgetümmel umnebeln ihn, der Todesengel naht. Doch da geschieht ein Wunder. Ich tötete – ich blutete: Cendrars war im Grossen Krieg Täter und Opfer, er kannte beide Seiten.” Via Lenos Verlag

Christ, Lena (1881–1920): Die Rumplhanni, 1916 (ab 16. Oktober 2014 in einer Hörbuchfassung des LOhrBär Verlages erhältlich)

„Lena Christ ist ein Erzähltalent, das man aufgrund ihrer Biografie eigentlich nicht erwartet. In der Erzählung Die Rumplhanni schafft sie packende Atmosphäre, wenn man sich an den boarischen Dialogen nicht stört. Die Erzählung hat autobiografische Züge, aber – den Ausgang vergleichend – doch nicht zuviele. Lena Christ erzählt den Versuch von Johanna Rumpl, Köchin von Öd (nahe Grafing, Oberbayern), ihre Selbstständigkeit zu erreichen, die sich in ‚a Haus und a Kuah und a Millisupperl in der Fruah‘ zuspitzt (übrigens: wer das lesen kann, wird auch die Dialoge hinkriegen). Die ersten Versuche zuhause und in München scheitern, doch man lese weiter! Christ führt uns zu Beginn des Ersten Weltkriegs in eine schon längst versunkene Dienstbotenwelt, in einer treffenden Sprache, die für die Stimmung sorgt.“ Via Lesekost.de

Gedenkblatt für den Landsturmmann Emil Gremler

Gedenkblatt für den Landsturmmann Emil Gremler

Daeninckx, Didier: Tod auf Bewährung. Verlagsbuchhandlung Liebeskind, gebunden, 288 S., € 18,90.

„Paris, 1920. Privatdetektiv René Griffon ist gut im Geschäft, dafür hat der Krieg gesorgt. Überall im Land sind die Sanatorien voll mit Frontsoldaten, die nicht einmal mehr ihren eigenen Namen wissen, während es in Paris unzählige Frauen gibt, deren Männer als vermisst gelten. Und diese Frauen geben alles dafür, den erstbesten Kriegsversehrten, dem im Schützengraben die Sicherung durchgebrannt ist, als Ehemann zu identifizieren, um sogleich die Scheidung einreichen zu können. Eigentlich eine sichere Einnahmequelle. Doch dann begibt sich Griffon auf vermintes Terrain. Oberst Fantan de Larsaudière, hochdekorierter Kriegsheld der französischen Armee, wird von Unbekannten erpresst.“ Via Verlagsbuchhandlung Liebeskind

Delestre, Philippe / Claudel, Philippe : Der Krieg ist vorbei, VAT Verlag André Thiele, 108 S., € 19,90.

„Wie kann man einen Krieg in Bilder fassen, der innerhalb von vier Jahren viele Millionen Menschen das Leben gekostet hat? Der lothringische Zeichner Philippe Delestre hat auf diese Frage seine ganz eigene Antwort gefunden und die Erfahrungen deutscher und französischer Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg in fast naiv anmutenden Aquarellzeichnungen festgehalten. Deren runde Formen und sanfte Farben lassen die Realität des Krieges – die Schützengräben, die Schlachtfelder, die zerstörten Dörfer – ‚noch obszöner, noch widernatürlicher‘ (Philippe Claudel) erscheinen. Zusammen mit ausgewählten Zeitzeugenkommentaren und literarischen Zitaten bilden Delestres Zeichnungen eine mosaikartige Chronik der Jahre 1914-1918.“ Via VAT Verlag

Echenoz, Jean: 14. Hanser Verlag, Berlin 2014, gebunden, 128 S., € 14,90.

„Echenoz‘ Darstellung des Krieges als abstruse Verstrickung aus Offizierslogik, Politik, Wirtschaftskalkül, Schicksalsergebenheit, kleinen Alltagssorgen und großem Überlebensdrang verzichtet auf Schreckensvision, Antikriegsrhetorik, Betroffenheitsemphase oder nachträgliche Erklärungsmanie. Sie zeigt die Ereignisse so, wie sie begriffslos ins Leben der Akteure rollten, und lässt auch die Nebenakteure aus der Tierwelt nicht aus.“ Joseph Hanimann, So banal fangen Kriege an. Süddeutsche vom 25. Februar 2014.

Eickmeyer, Peter: Im Westen nichts Neues nach dem Roman von Erich Maria Remarque. Eine Graphic Novel, Splitter Verlag, 176 Seiten, € 22.00.

„Remarque schildert in seinem Roman die selbst erlebten Grauen der Schlachten in Ypern. Der Grafiker und Künstler Peter Eickmeyer aus Melle schuf mit 60 großformatigen Bildern in dreijähriger Arbeit die Vorlagen in Gouache-Technik. Parallel dazu entwickelte er gemeinsam mit seiner Frau Gaby von Borstel auch das Konzept für das 160-seitige Hard-Cover-Buch (Splitter Verlag). Seine Arbeit wurde vom Remarque-Friedenszentrum unterstützt.“ Via Osnabrückner Zeitung

Dugain, Marc: Die Offizierskammer. zuKlampen Verlag, gebunden, 138 S., € 14,00.

Am Beginn des 1. Weltkrieges wird dem Offizier Adrien Fournier von einer Granate das Gesicht zerfetzt. „Es folgen fünf Jahre im Pariser Hospital Val-de-Grâce, in einem Zimmer mit zwei anderen, deren Gesichter ebenfalls verstümmelt sind. Marc Dugain schildert das bedrückende Vegetieren in der engen Offizierskammer des Hospitals, die entstehende Freundschaft unter den Leidensgenossen, ihre Hoffnung auf neue chirurgische Techniken und ihre Verzweiflung über das unwiederbringlich verlorene Antlitz, die angewiderten und dennoch ehrfürchtigen Reaktionen der Landsleute, als die Verstümmelten sich ein erstes Mal wieder auf die Pariser Boulevards wagen.“ Via zuKlampen Verlag

Feichtinger, Josef: Kämpfen für das Heiligste. Tiroler Stimmen zum Ersten Weltkrieg. Inklusive Hörbuch-CD „Der Heilige Krieg“, Edition Raetia, Hardcover mit Schutzumschlag, 424 S., € 29.90.

„Volksdichter und Vertreter der Kirche wie Reimmichl oder Bruder Willram riefen in ihren Texten zum Kampf für Gott und Vaterland auf: Eine Kriegsverweigerung kam einer Todsünde gleich. Diesen kriegstreibenden Texten sind Splitter oppositioneller Literatur aus dem österreichischen und deutschen Sprachraum gegenübergestellt, die erst nach Ende des Krieges veröffentlicht werden konnten.
Josef Feichtinger hat die Archive nach Texten Tiroler Autoren durchstöbert, aber auch Journale, Frontbriefe, Aphorismen, Inschriften und Sprüche miteinbezogen. Seine kommentierte Zusammenstellung gewährt einen einzigartigen Einblick in die für uns heute unverständliche Stimmungslage.“
Via Edition Raetia

Findley, Timothy: Der Krieg und die Kröte. Claassen Verlag, 287 S. (vergriffen).

Ein erschütternder Bericht über den Krieg, in dem neben dem Leiden der Menschen jenes der Tiere eine zentrale Rolle spielt!
„Erzählt wird das Schicksal von Robert Ross, einem 19-jährigen Kanadier aus gutem Hause, der als Offizier auf Seiten der Alliierten in den schlammigen Schützengräben von Ypern kämpft. Der Roman beruht zum Teil auf Dokumenten seines Onkels – Fotos und Briefen. Der Horror des Krieges wird greifbar in der mit sinnlichen Details gespickten Geschichte, immer wieder wird die Frage nach Gewalt, Einsamkeit, Verlorenheit und dem Überleben gestellt.“ Aus Findleys „Krieg und Kröte“ – Horror des Schlachtfelds. Via schwäbische.de

Franke, Albrecht (Hrg.): Der Krieg brach wirklich aus. Gespräch mit und über Edlef Köppen. Mitteldeutscher Verlag, Paperback, € 14,95.

„Edlef Köppen (1893-1939) ist heute wie sein 1930 erschienener Roman ‚Heeresbericht‘ weitgehend unbekannt. In dem Buch schildert er die Erlebnisse eines Kriegsfreiwilligen, der durch die Schrecken Krieges psychisch zusammenbricht. Der Roman gehörte zu den Werken, die von den Nazis 1933 verbrannt wurden.
Aus Anlass der 100. Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkriegs treten 36 Autoren in einen ‚Dialog‘ mit dem Genthiner Schriftsteller, setzen sie sich mit ihm und einem der wichtigsten Bücher über den ersten Weltenbrand auseinander. Die Anthologie nährt sich dem Autor dabei auf ganz verschiedene Art: in Essays, Erzählungen, Gedichten und biografischen Texten. Eine Sammlung im Sinne der Wiederentdeckung Köppens, die viele Leseansprüche bedient.“
Via Mitteldeutscher Verlag

Gnedt, Dietmar: Der Nachlass Domenico Minettis. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2014, 159 S., € 19,95.

„Gestorben ist der Kriegsgefangene Domenico Minetti am 24. April 1918. Sein Grabstein steht in Niederösterreich, bei Wieselburg, wo sich während des Ersten Weltkriegs ein Gefangenenlager befand. So viel steht fest. Aber der Autor Dietmar Gnedt weiß mehr über jenen Domenico Minetti, und er hat sein Wissen in einem Roman verarbeitet.“ Via Wiener Zeitung vom 27. April 2014.

Grimm, Hans Herbert (1896–1950): Schlump. Verlag Kiepenheuer & Witsch, gebunden, 352 S., € 19,99.

Volker Weidermann, der Autor von „Das Buch der verbrannten Bücher“, schreibt am 28. 4. 2013 unter dem Titel „Der Riss“ in der FAZ über „Schlump“: „Antinationalistisch, unheroisch, menschenfreundlich, pazifistisch, franzosenfreundlich, humanistisch, europäisch, ziemlich gut gelaunt und ziemlich gut geschrieben. Ein helles Buch aus dunkler Zeit.“

Grögerova, Bohumila: Das windschiefe Tor. Droschl Verlag 2003, gebunden, 147 S., € 19,00.

„In einer alten Kiste entdeckt die Erzählerin Briefe und Tagebuchaufzeichnungen: die Notizen ihres Vaters, der 1918 als Soldat in Sibirien das Ende des Ersten Weltkriegs erlebt und erst 1920, über Wladiwostok, Singapur, Suez und Triest wieder nach Prag heimkehrt – 1921 kommt Bohumila auf die Welt. Und gegenläufig zur Bewegung dieses väterlichen Tagebuches nähert sich die Erzählerin selber ihren Ursprüngen, mit Erinnerungen, Impressionen, Bildern aus fast einem ganzen Jahrhundert.“ Via Droschl Verlag

Hope, Anna: Abgesang. Verlag Kindler, 416 S., € 19,95.

„Es ist der Herbst im Jahre 1920, als die englische Regierung auf die Idee kommt, einen unbekannten Soldaten in allen Ehren zu bestatten, stellvertretend für alle Soldaten die im Krieg fielen und von denen keine Gräber vorhanden sind. (…) Durch die Augen von 3 verschiedenen Frauen erleben wir dieses Ereignis.
Das Buch erfasst nur 5 Tage, aber die haben es in sich. Die Autorin schafft es perfekt die Stimmung der Nachkriegszeit aufzufangen und dem Leser die Melancholie dieser Zeit nahe zu bringen. (…) Arme zerbrochene Männer, oft körperlich versehrt müssen bei der Regierung um finanzielle Unterstützung betteln. Müssen sich erniedrigen, obwohl sie Tag für Tag ihr Leben für ihr Land aufs Spiel gesetzt haben.“
Via Lord Byrons Buchladen

Inglin, Meinrad (1893–1971): Schweizerspiegel. Audio-CD, gelesen von Hanspeter Müller-Drossaart.Verlag Christoph Merian, ca. € 23,90 (Erscheiningstermin August 2014).

„Mittels enger Verflechtung einer Familiengeschichte mit dem historischen Geschehen veranschaulicht Inglin das politische, geistige und soziale Spektrum dieser Epoche und erzählt dabei auch die Geschichte der Schweiz im Ersten Weltkrieg. Das macht dieses Werk zu einem einzigartigen Zeitdokument, das dank Inglins Erzählkunst auch für heutige Leser nichts von seiner Eindringlichkeit verloren hat.“ Via Merian Verlag

Klier, Walter: Leutnant Pepi zieht in den Krieg. Limbus Verlag, kartoniert, 616 S., zahlr. Fotos, gebunden und als Paperback lieferbar, € 24,90 bzw. € 14,90.

„… ein beeindruckendes, gewichtiges Buch, nicht nur des Umfangs wegen. Eine solche Darstellung der letzten Jahre der Habsburgermonarchie und des Ersten Weltkrieges hat man noch nicht oft gelesen. In gewisser Weise kann dieses Buch als Komplement zu Karl Kraus‘ ‚Die letzten Tage der Menschheit‘ verstanden werden. Wie Kraus arbeitet Klier mit dokumentarischem Material, nur während Kraus den Weltkrieg aus der panoptischen Perspektive des vom Zentrum aus agierenden kritischen Satirikers in den Blick nimmt, dominiert bei Klier die regional verankerte und großteils patriotische Sicht des einzelnen Soldaten. Bei diesem Soldaten handelt es sich um den titelgebenden Leutnant Dr. Josef Prochaska, genannt Pepi, Großvater des Autors und Sohn eines Innsbrucker Forstrates. Klier hat die Tagebucheinträge, Feldpostbriefe und Fotografien seines Großvaters zu einem chronologisch aufgebauten Buch verarbeitet.“ Aus einer Rezension von Gerald Lind, veröffentlicht auf der Site des Literaturhaus Wien.

Vater im Himmel gieb uns hienieden Bald einen dauernden, glücklichen Frieden

Vater im Himmel gieb uns hienieden
Bald einen dauernden, glücklichen Frieden

Latzko, Andreas (1876-1943): Menschen im Krieg. Elektrischer Verlag, 132 Seiten, € 12,90, E-Book (epub): € 6,99, Milena Verlag, gebunden, 200 S., € 20,90.

Es sind Novellen von der Front des Ersten Weltkrieges, aus den Schützengräben, Lazaretten und aus den Städten, die zu den Kriegsgewinnern gehörten – nicht die politischen Ereignisse werden geschildert, auch nicht taktisch-militärische Überlegungen, sondern der Alltag und das Befinden der Soldaten, deren Bewusstsein und dunkle Instinkte. Man begegnet ihrer realen Qual, ihrem Ausgeliefertsein an eine Maschine, deren Zweck letztlich nicht mehr verstanden werden kann. (…) Latzko war es ein Anliegen, die Menschen mit seiner Sprache zu packen und ihnen weh zu tun, denn nur was den Menschen durch Erwecken seiner Phantasie zwingt, am eigenen Leib zu fühlen, fügt er seinen Mitmenschen nicht mehr zu.

Das in erster Auflage anonym publizierte Werk wurde in 30 Sprachen übersetzt und in allen kriegführenden Staaten verboten. Der Pazifist Latzko wurde, anders als Karl Kraus es in der „Fackel“ forderte, vergessen. Dabei mitgeholfen hat die massive Ablehnung der Nationalsozialisten gegenüber dem Altösterreicher und seinem Werk – „Menschen im Krieg“ gehörte zu jenen Büchern, die am 10. Mai 1933 den Bücherverbrennungen in Nazideutschland zum Opfer fielen. Via Milena Verlag

Lessing, Theodor (1872-1933): Das Lazarett. Novellen und Feuilletons zum Ersten Weltkrieg. Elektrischer Verlag, 108 S., Buch: € 12,90, E-Book (epub): € 5,99.

„Keine leichte Kost, aufgrund der Prägnanz der Gedanken und Schärfe der Beobachtungen jedoch für jeden Interessierten unverzichtbar, vereint der Band erstmals Lessings wichtigste, zwischen 1923 und 1933 veröffentlichte Beiträge zum Thema.“ Via Elektrischer Verlag

Als Gegner des Nationalsozialismus floh Lessing im Winter 1933 in die Tschechoslowakei. Nationalsozialistische Attentäter fügten ihm am 30. August 1933 lebensgefährliche Verletzungen zu. Er starb am folgenden Tag. Die Täter entkamen nach Deutschland.

Weitere Titel aus dem Verlagsprogramm in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg: Andrejew, Leonid: Das Joch des Krieges / Holitscher, Arthur: In England, Ostpreußen, Südösterreich. Gesehenes und Gehörtes 1914/15 / Auburtin, Victor: Was ich in Frankreich erlebte / Keyserling, Eduard von: Im stillen Winkel / Kautsky, Karl: Wie der Weltkrieg entstand / Latzko, Andreas: Menschen im Krieg

Märker, Brigitte: Liebster Justus. Feldpostbriefe einer Offiziersfrau. Rosenheimer Verlagshaus 2009, gebunden, 397 S., € 12,95.

„‚Liebster Justus‘, schreibt die junge Klara Sander vor rund 100 Jahren an ihren Mann an die Westfront. (…) Während er an der Westfront kämpft, kämpft sie in der Heimat mit den Herausforderungen des Alltags. Allein muss sich Klara Sander um die Zwillinge Helene und Paula und um den knapp zweijährigen Emil kümmern und zudem mit ihrer Sehnsucht nach ihrem Mann fertig werden. (…) Schonungslos offen beschreibt sie ihren Alltag und berichtet von Sorgen und Nöten der Daheimgebliebenen.

Klaras Briefe werden erst 90 Jahre später von Brigitte Märker entdeckt – auf einem Flohmarkt unscheinbar in einem Schuhkarton. Sie macht aus ihnen einen Briefroman.
Alle 25 Folgen können nach der Ausstrahlung auf der Seite des NDR nachgehört und heruntergeladen werden.“
Via NDR

Messner, Elena: Das lange Echo. Edition Atelier, gebunden, 192 S., € 18,95.

„Ein österreichisch-ungarischer Offizier im Ersten Weltkrieg, seit 1916 im besetzten Belgrad stationiert, erlebt in bitterer Verzweiflung den Zusammenbruch seines Reiches. Hundert Jahre später sitzen die Direktorin des Wiener Heeresgeschichtlichen Museums und ihre Assistentin einander im Streitgespräch über Moral und Mitleid, Verbrechen und Verantwortung gegenüber.
Ein Roman über sinn- und schamlos vergeudetes und zerstörtes Leben, über ein finsteres Kapitel der österreichischen Geschichte und über die Sehnsucht nach Aussöhnung.“
Via Edition Atelier

Mortier, Erwin: Götterschlaf. Dumont Buchverlag 2014, 368 S., Taschenbuch, € 9,99.

„… ein Buch zum Staunen. Es führt uns tief in den Alltag des Ersten Weltkriegs hinein, und dies so eindrucksvoll, als habe der Autor Erwin Mortier jene Zeit selbst erlebt.“ Via FAZ vom 03. September 2010: Erwin Mortier: Götterschlaf In den Schützengräben verrät sich der Mensch

Die Protagonistin des Romans heißt Helena und ist flämisch-französischer Abstammung. Wenn wir ihr in dem Roman begegnen, ist sie alt und bettlägerig. Sie reflektiert ihr Leben und es entsteht die exemplarische Geschichte eines Frauenlebens im 20. Jahrhundert.

Osteroth, Reinhard: 1914 Ein Maler zieht in den Krieg. Aladin Verlag, 96 Seiten, € 19,90.

Es gibt viele Bücher über den Ersten Weltkrieg. Doch selten sind sie so berührend wie dieses. Franz Marc erlebt die Schlachten unmittelbar, findet im Schützengraben keinen Schlaf, friert, verliert Gefährten. Dieses kluge Buch zeigt den Krieg von allen Seiten – und den Maler Marc. Eine überraschend tolle Verbindung, die mit dem Buchpreis Emys im Monat Mai ausgezeichnet wird.“ Via Wissenschaftsetage im Bildungsforum Potsdam

Primor, Avi: Süß und ehrenvoll. Aus dem Hebräischen von Beate Esther von Schwarze, Quadriga Verlag 2013, 384 S., € 19,99.

„Süß und ehrenvoll ist ein Roman mit einem bisher einzigartigen Thema: Juden im Ersten Weltkrieg. Fast hundert Jahre nach dem Beginn des ersten großen Mordens in Europa hat es tatsächlich erstmals ein Autor geschafft, sich dieses Themas anzunehmen und es in einem Roman zu verarbeiten. Eine Tatsache, die eher traurig stimmt.
Dafür allerdings ist der nun vorliegende Roman umfassend recherchiert und bis ins letzte Detail der Wahrheit verpflichtet. Es ist kein Vergnügen, das Buch zu lesen. Immer wieder fliegt einen der Tod aus den Seiten an, glaubt man, den Verwesungsgeruch in den Schützengräben vor Verdun zu riechen.“
Via Histo-Couch.de

Tardi, Jacques / Verney, Jean-Pierre: Elender Krieg 1914-1919. Edition Moderne, gebunden, ca. 144 S., € 34,00.

„Jacques Tardi schildert in ‚Elender Krieg‘ den blutigen Alltag in den Schützengräben Nordfrankreichs, in denen Millionen von Soldaten durch die furchtbaren Waffen der modernen Kriegsführung, durch Krankheit und Hunger den Tod fanden.
Die vorliegende Graphic Novel enthält umfangreiches Begleitmaterial zur Geschichte des Ersten Weltkrieges – eine Chronologie der Ereignisse, viele Fotos, Zeitdokumente und Landkarten.“
Via Edition Moderne

Trotha, Hans von: Czernin oder wie ich lernte, den Ersten Weltkrieg zu verstehen. Nicolai Verlag, gebunden, 495 S., € 28,80.

„Auf zwei Ebenen erzählt von Trotha Max‘ Geschichte, der nolens volens zu recherchieren beginnt, und jene von dessen Urgroßvater Ottokar von Czernin (vorletzter k.u.k. Minister des Äußeren). Es gelingt ihm meisterhaft, Sprache und Geist der Epoche vor und während des Krieges heraufzubeschwören.“ Die Presse, Print-Ausgabe, 05. 01. 2014

Bildherkunft/-rechte:
Creative Commons Lizenz 3.0, by-nc-sa
1. Bild: Museum Weißenfels – Schloss Neu-Augustusburg
2. Bild: Museum Wolmirstedt
3. Bild: Museum Wolmirstedt

1. Mai

Donnerstag, 1. Mai 2014

Duftender Doppelpunkt - Screenshot vom 03. 10. 2007

Duftender Doppelpunkt – Screenshot vom 03. 10. 2007

Am 1. Mai 2005 veröffentlichten Petra Öllinger und Georg Schober den ersten kleinen Artikel im Duftenden Doppelpunkt. Seither folgten weit mehr als 2000 Beiträge über die unterschiedlichsten Aspekte von Literatur und Sozialwissenschaften.

Die Entwicklung des Duftenden Doppelpunktes ist ab 2007 via „Internet Archiv“ nachvollziehbar: Unternehmen Sie mit der Wayback Machine eine Zeitreise in den Blog der Doppelpunkte.

Anlässlich seines heurigen Geburtstages haben wir am Duftenden Doppelpunkt wieder ein wenig „geschraubt“ und „gehämmert“ und ihm ein sanftes „Facelifting“ gegönnt.

Zu sehen ist ein Screenshot des Duftenden Doppelpunktes aus dem Jahre 2007

Duftender Doppelpunkt – Screenshot vom 16. 12. 2007

Infos über den 1. Mai gab es hier im Blog natürlich immer wieder:

Geschichte des 1. Mai. Vom Haymarket zum 1. Mai

E-Cards zum Ersten Mai

Historische Maiabzeichen

Nicht zu vergessen die beiden vom Duftenden Doppelpunkt zum Thema Arbeitswelt ausgeschriebenen Literaturpreise und die Anthologien „Rote Lilo trifft Wolfsmann“ und „Wir rufen auf! Penner, Fleischwölfe und arbeitsscheues Gesindel“.

Seiten: 123...1011nächste