Archiv für die Kategorie 'Lyrik'

Ostergedichte

Donnerstag, 17. April 2014

Österliche Wiese mit Henderln und Hasen Die Duftenden Doppelpunkte wünschen Ihnen ein frohes Osterfest!

In diesem Sinne finden Sie hier eine kleine Auswahl humorvoller Ostergedichte von Paula Dehmel, Friedrich Güll, Heinrich Hoffmann, Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Christian Morgenstern, Eduard Mörike, Joachim Ringelnatz und Kurt Tucholsky.

In vielen dieser Gedichte spielt der Osterhase eine tragende Rolle. Erstmals erwähnt wurde er übrigens 1682 von dem Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau in der Abhandlung „De ovis paschalibus – von Oster-Eyern“ .

Osterlied

Paula Dehmel (1863 – 1920)

Has, Has, Osterhas,
Wir möchten nicht mehr warten!
Der Krokus und das Tausendschön,
Vergissmeinnicht und Tulpe stehn
Schon lang in unserm Garten.

Has, Has, Osterhas
Mit deinen bunten Eiern!
Der Star lugt aus dem Kasten raus,
Blühkätzchen sitzen um sein Haus;
Wann kommst du Frühling feiern?

Has, Has, Osterhas,
Ich wünsche mir das Beste!
Ein großes Ei, ein kleines Ei
Und ein lustiges Dideldumdei,
Alles in einem Neste!

Osterhas

Friedrich Güll (1812 – 1879)

Schaut, wer sitzt denn dort im Gras?
Das ist ja der Osterhas`!
Guckt mit seinem langen Ohr
aus dem grünen Nest hervor,
hüpft mit seinem schnellen Bein
über Stock und über Stein.
Kommt, ihr Kinder, kommt und schaut,
schon hat er das Nest gebaut!
Ei so fein von Gras und Heu
und so lind von Moos und Spreu.
Lasst uns schauen, was liegt im Nest
so rund und glatt und fest:
Eier, blau und grün und scheckig,
Eier, rot und gelb und fleckig!
Häslein in dem grünen Wald,
ich hab` dich lieb und dank dir halt,
Häslein mit den langen Ohr,
dank dir tausendmal davor!
Häslein mit dem schnellen Bein,
sollst recht schön bedanket sein!
Nächste Ostern bringt die Mutter
wieder dir ein gutes Futter,
dass du möchtest unsertwegen
wieder soviel Eier legen.

Der erste Ostertag

Heinrich Hoffmann (1885 – 1957)

Fünf Hasen, die saßen beisammen dicht,
Es macht ein jeder ein traurig Gesicht.
Sie jammern und weinen:
Die Sonn‘ will nicht scheinen!
Bei so vielem Regen
Wie kann man da legen
Den Kindern das Ei?
O weih, o weih!
Da sagte der König:
So schweigt doch ein wenig!
Lasst weinen und Sorgen
Wir legen sie morgen!

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Frühlingsgedichte – Frühjahrsgedichte

Donnerstag, 20. März 2014

Ein Frühlingsbote: schneeumgebenes Schneeglöckchen, Blüten noch ungeöffnet Anlässlich des heutigen Frühlingsbeginns können Sie in diesem Beitrag eine kleine Auswahl von Frühlingsgedichten folgender Autoren nachlesen:

Theodor Fontane, Kurt Tucholsky, Christian Morgenstern, Percy Shelley, Rainer Maria Rilke, Georg Trakl, Hoffmann von Fallersleben, Wilhelm Busch, Eduard Mörike, Johann Wolfgang Goethe, Heinrich Heine.

Das Team des „Duftenden Doppelpunktes“ freut sich gemeinsam mit Ihnen auf ein sonniges Frühjahr und hofft, dass sich die folgenden Zeilen aus Erich Mühsams Gedicht „Wollte nicht der Frühling kommen?“ heuer nicht bewahrheiten.

Ja, es waren schöne Tage.
Doch sie haben uns betrogen.
Frost und Sturm und Schnupfenplage
sind schon wieder eingezogen.
Zugeknöpft bis an den Kiefer
flieht der Mensch die Gottesfluren,
wo ein gelblichweißer, tiefer
Schnee versteckt die Frühlingsspuren.
Sturmwind pfeift um nackte Zweige,
und der Rasenplatz ist schlammig.
In mein Los ergeben neige
ich das Auge. Gottverdammich!

FRÜHLING

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
„Er kam, er kam ja immer noch“,
die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuß auf Schuß;
im Garten der alte Apfelbaum
er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh‘,
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du!

Theodor Fontane (1819 – 1898)

DER LENZ

Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,
dann im Kalender und dann in der Luft,
und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde
sich in die frischgewaschene Frühlingskluft.

Ach ja, der Mensch! Was will er nur vom Lenze?
Ist er denn nicht das ganze Jahr in Brunst?
Doch seine Triebe kennen keine Grenze –
dies Uhrwerk hat der liebe Gott verhunzt.

Der Vorgang ist in jedem Jahr derselbe:
man schwelgt, wo man nur züchtig beten sollt,
und man zerdrückt dem Heiligtum das gelbe
geblümte Kleid – ja, hat das Gott gewollt?

Die ganze Fauna treibt es immer wieder:
Da ist ein Spitz und eine Pudelmaid
die feine Dame senkt die Augenlider,
der Arbeitsmann hingegen scheint voll Neid.

Durch rauh Gebrüll läßt sich das Paar nicht stören,
ein Fußtritt trifft den armen Romeo
mich deucht, hier sollten zwei sich nicht gehören…
Und das geht alle, alle Jahre so.

Komm, Mutter, reich mir meine Mandoline,
stell mir den Kaffee auf den Küchentritt.
Schon dröhnt mein Baß: Sabine, bine, bine …
Was will man tun? Man macht es schließlich mit.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

FRÜHLINGSAHNUNG

Rosa Wölkchen überm Wald
Wissen noch vom Abendrot dahinter -
Überwunden ist der Winter,
Frühling kommt nun bald.

Unterm Monde silberweiß,
Zwischen Wipfeln schwarz und kraus
Flügelt eine Fledermaus
Ihren ersten Kreis …

Rosa Wölkchen überm Wald
Wissen noch vom Abendrot dahinter -
Überwunden ist der Winter,
Frühling kommt nun bald.

Christian Morgenstern (1871 – 1914) Weiterlesen »

Literarischer Adventkalender 2013/24

Dienstag, 24. Dezember 2013

PETRA ÖLLINGER LIEST PETRA ÖLLINGER – JUBLA

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Musik: Dope Head Blues von Victoria Spivey
Dauer: 4:45
Dateigröße: 2.18 MB

PETRA ÖLLINGER: JUBLA

„Auch Christbäume wollen Abwechslung. Dein Christbaum gibt gerne etwas dafür her.“
Ich sitze vor Jubla und lese ihm diese Zeilen aus einem Möbelhaus-Katalog vor, wo Schränke, Betten, Tische, Regale und Hauspatschen Namen tragen.
„Hörst du?“, frage ich Jubla, „Dein Christbaum gibt gerne etwas dafür her.“
Jubla ignoriert meine Worte. Stumm steht er da und wartet. Weglaufen kann er ja nicht. Aber Jubla kann etwas anderes. Er kann meine Weihnachtsbaum-Dekorationsversuche sabotieren. Und das tut er auch – jedes Jahr.
Jedes Jahr sträubt er sich, wenn ich ihn mit Glaskugeln, Windringerl und Strohsternen behängen will. „Schau, es ist doch nur für drei Tage, dann darfst du wieder hinaus.“ Jubla läßt sich nicht erweichen. Da läßt er lieber alle Äste hängen, sodaß die mühsam arrangierten Christbaumhaken wieder runterrutschen. Sogar meine Versuche, den Schmuck mit luftigen Bändern auf Jubla zu drapieren, scheitern. Er verliert augenblicklich genau an den geschmückten Stellen seine Nadeln. Hörte ich nicht sofort auf mit dem Dekorieren, er würde wie ein räudiger Hund aussehen.

Die beiden einzigen Utensilien, die Jubla akzeptiert, sind Engelshaar und ein Zwerg. Das Engelshaar darf ich ihm vorsichtig auf seinen Ästen drapieren. Vorsichtig muß ich auch sein, damit keines dieser Löckchen versehentlich in meinen Ärmel hineinkriecht oder sich in meinem Nacken verteilt. Juckreiz und Bläschenausschlag sind die Folgen, jedes Jahr, da kann ich noch so vorsichtig sein.

Auf Jublas Wipfel darf ich dann den Zwerg aus Tannenzapfen und mit roter Filzmütze platzieren. Manchmal habe ich das Gefühl, daß auch der Zwerg allergisch auf Engelshaar reagiert. Hin und wieder höre ich während der Weihnachtsfeiertage ein zartes Niesen vom Wipfel …

Also, meine Christbaumdekoration besteht seit 13 Jahren aus einem Zwerg und Engelslocken, die beim Zwerg und bei mir eine allergische Reaktion auslösen. Seit 13 Jahren fragen mich auch liebe Verwandte: „Warum schmückst du den Baum nicht mit den goldenen Kugeln, die ich dir letztes Jahr geschenkt habe?“ „Sag mal, sieht dieser Baum nicht schon etwas schäbig aus?“ „Mit dem Dekorieren hast du’s nicht so, gell?“
Seit 13 Jahre lächle ich höflich und verschwinde rasch in der Küche, um Häppchen, Kekse oder Punsch zu holen. Wie sollte ich meinen Verwandten auch erklären, daß meine Gartentanne es haßt, für den weihnachtlichen Anlaß geschmückt zu werden. Wie sollte ich ihnen erklären, daß ich es einfach nicht übers Herz bringe, dem Baum einmal richtig an die Nadeln zu gehen, weil er sich jedes Jahr zu Weihnachten immer sooo ziert.

Spätestens am 27. Dezember schleppe ich Jubla zurück in den Garten, damit er sich nach all den Strapazen erholen kann an der frischen Luft. Er blüht richtig auf und ich glaube schon beobachtet zu haben, daß ihm an den kahlen Stellen, an denen er bei meinen Dekoversuchen die Nadeln verloren hat, über Nacht welche nachgewachsen sind. Sei es ihm gegönnt.

Und daß ihm hin und wieder ein Vogel ins Geäst kackt, gönne ich ihm auch.

Weiterführende Infos:
Petra Öllingers virtuelle Wohnung

Literarischer Adventkalender 2013/23

Montag, 23. Dezember 2013

KLABUND: WEIHNACHT

Ich bin der Tischler Josef,
Meine Frau, die heißet Marie.
Wir finden kein’ Arbeit und Herberg’
im kalten Winter allhie.

Habens der Herr Wirt vom goldnen Stern
nicht ein Unterkunft für mein Weib?
Einen halbeten Kreuzer zahlert ich gern,
zu betten den schwangren Leib. –

Ich hab kein Bett für Bettelleut;
doch scherts euch nur in den Stall.
Gevatter Ochs und Base Kuh
werden empfangen euch wohl. –

Wir danken dem Herrn Wirt für seine Gnad
und für die warme Stub.
Der Himmel lohns euch und unser Kind,
seis Madel oder Bub.

Marie, Marie, was schreist du so sehr? –
Ach Josef, es sein die Wehn.
Bald wirst du den elfenbeinernen Turm,
das süßeste Wunder sehn. –

Der Josef Hebamme und Bader war
und hob den lieben Sohn
aus seiner Mutter dunklem Reich
auf seinen strohernen Thron.

Da lag er im Stroh. Die Mutter so froh
sagt Vater Unserm den Dank.
Und Ochs und Esel und Pferd und Hund
standen fromm dabei.

Aber die Katze sprang auf die Streu
und wärmte zur Nacht das Kind. –
Davon die Katzen noch heutigen Tags
Maria die liebsten Tiere sind.

Klabund (Alfred Henschke) (1890-1928)

Weiterführende Infos:
Klabund – Liebesgedichte
Klabund – kostenlose Hörbücher

Nähere Informationen zum Thema Bücherverbrennung und Exilliteratur finden Sie in der Bibliothek von Petra Öllingers virtueller Wohnung: biografische Daten zu über 200 AutorInnen, Titellisten der verbrannten Bücher, Hinweise auf Sekundärliteratur und weiterführende Links.

Literarischer Adventkalender 2013/16

Montag, 16. Dezember 2013

PETER HILLE: DIE WEIHNACHTSFEE

Und Frieden auf Erden den Menschen,
die eines guten Willens sind.

Suchende Sterne ins eilende Haar,
Frierende Sterne, schmelzend zergangen
Über den wunderfeiernden Wangen,
Und die Augen von Liebe so klar.

Wie Glocken klar, wie Reif so rein
Und so duft und so jung und blühend vor Güte
Tau der Frühe himmlische Blüte
Wie Rosen und wie Fliederschnein.

Da steigen die Hände, ein bettelndes Meer,
Augen dunkeln nach Geschenken,
Mir! Mir! Mir! Mich musst du bedenken!
So steigen die bettelnden Teller her.

Dunkel wird’s, ein Wundern steht
Strenge in der Feenseele,
Wie wenn rohe Nacht das Leuchten quäle,
Und Ernst in die Güte der Augen geht.

Und es spricht wie klares Licht
Aus dem milden Angesicht:
Geben euch? Was soll ich euch geben,
Alle Wunder habt ihr ja hier,
Eine Erde die könnt hegen ihr,
In euch selber will der Himmel leben.

Kinder, ihr wünscht,
So könnt ihr ja geben
Und selig sein und selig machen,
Und innig sein wie Kinderlachen
Und wie wir von Wundern leben.

Tuet frohe Liebesgaben
Einer in des anderen Hand,
Tuet ab das Geizgewand
Und ihr pflücket alles Haben.

Peter Hille (1854-1904)

Weitere Infos:
Peter Hille Gesellschaft
Peter Hille im „Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren“
Biografie und Gedichte von Peter Hille auf Zeno.org

Türkische Lyrik 1 – Ein kurzer Überblick

Donnerstag, 15. November 2012

Die türkische Lyrik ruht auf dem Fundament jahrhundertealter Traditionen und genießt zwischen „Bosporus und Ararat“ große Wertschätzung.

Anders als im deutschsprachigen Raum; hier müssen viele, nicht nur türkische LyrikerInnen, gegen ein bescheidenes Interesse an ihren Gedichten anschreiben.

Trotz dieser schwierigen Ausgangslage stoßen Übersetzungen aus dem Türkischen zunehmend auf Interesse. Nicht zuletzt aus der sogenannten Gastarbeiterliteratur entwickelte sich ein breites literarisches Schaffen türkisch-deutschsprachiger AutorInnen. Darunter befinden sich immer mehr Frauen wie Seher Çakir (1971), Siir Eroglu (1961) oder Gülbahar Kültür (1965). Das Gedicht „Fremde Flügel auf eigener Schulter“ von Zehra Çirak (1960) wurde in die vom Literaturwissenschafter Harald Hartung herausgegebene Anthologie „Jahrhundertgedächtnis – Deutsche Lyrik im 20. Jahrhundert“ aufgenommen.

Der Dichter Yunus Emre († um 1321) ist einer der ersten türkischen Volksdichter. Seine Dichtung ist geprägt durch islamische Mystik und die sozialen Konflikte seiner Zeit.

Kommt, lasst uns Bekanntschaft schließen.
Lasst die Dinge schlichter fließen.
Lasst uns in Liebe leben.
Niemand überlebt die Welt.

Im Laufe der Jahrhunderte ist die Volksdichtung immer wieder Sprachrohr gegen Unterdrückung und Willkür im Osmanischen Reich.

So wird der alevitische Dichter Pir Sultan Abdal (16. Jh.) für seine Gedichte, sie sind reich an Fantasie und sufistisch inspirierten Metaphern über Gott, die Natur und die Liebe zu den Menschen, hingerichtet.

Ich als Fluss, der sich im Meer verloren hat.
Ich als Rose, vor der Zeit erblüht und verwelkt.
Ich als kalte Asche – das Feuer ist lange erloschen.
Freund dein Leid entflammt in mir.

Aus dem Gedicht „Ötme bülbül ötme“

Rund vierhundert Jahre später, im Sommer 1993 versammeln sich Dichter, Schriftsteller und Musiker in Sivas, um im Rahmen eines alevitischen Kulturfestivals Pir Sultan Abdal zu gedenken. Das Hotel, in dem sich viele von ihnen aufhalten, wird angezündet. 35 der Autoren und Musiker überleben das Feuer nicht.

Bis ins 19. Jahrhundert gibt es einerseits wandernde Volksdichter und andererseits die „Diwan-Literatur“. Letztere ist mit dem osmanischen Hof verbunden und verwendet eine Sprachmischung aus Arabisch, Persisch und Türkisch. Auch ihre Vertreter, beispielsweise Seyhi, Fuzûli oder Nef’i, sind bis heute unvergessen.

An der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert steht Tevfik Fikret (1867-1915). In seinen Gedichten verarbeitet er impressionistische Elemente. Er gilt als einer der Modernisierer der türkischen Lyrik.

Einer der ganz Großen unter den türkischen Dichtern des 20. Jahrhunderts ist Nazim Hikmet (1902-1963). Er schreibt über die Liebe genauso berührend wie über Verzweiflung, Not und Solidarität.

Leben wie ein Baum, einzeln und frei
doch brüderlich wie ein Wald,
das ist unsere Sehnsucht.

Aus dem Gedicht „Die Einladung“ (Davet)

17 Jahre verbringt Hikmet in türkischen Gefängnissen. Bis 1960 bleiben seine heimlich gelesenen Gedichte verboten. Er stirbt 1963 im Moskauer Exil.

Auch Ahmed Arif (1927-1991), ein kurdischstämmiger Dichter, ist aus politischen Gründen von 1950 bis 1952 im Gefängnis. Zeitlebens veröffentlicht Arif nur einen, jedoch viel gelesenen Band mit Gedichten: „Hasretinden Prangalar Eskittim“.

Der Schriftsteller, Lyriker und Philosoph Necip Fazil Kisakürek (1904-1983) lernt die türkischen Gefängnisse ebenfalls von innen kennen. Er wird wegen „starker Opposition zu Ismet Pasa und der Republikanischen Volkspartei“ einige Jahre eingesperrt.

Der türkische Romancier Yasar Kemal (1923)schreibt über die Schriftsteller seiner Generation:

„Es gibt praktisch keinen, der nicht durchs Gefängnis gegangen ist. Sabahattin Ali, der als erster Romane über die Bauern geschrieben hat, wurde ermordet. Hikmet war 17 Jahre im Gefängnis, Kemal Tahir 15 Jahre, Aziz Nesin 5 Jahre, Ahmed Arif, unser bedeutendster Lyriker der Gegenwart, 5 Jahre, Ruhi Su auch fünf Jahre. Auch Orhan Kemal saß lange Zeit im Gefängnis. Ich selbst war dreimal im Gefängnis. Das erste Mal mit 17 Jahren, dann wieder 1950, als ich gefoltert wurde. 1971 wurde ich wieder festgenommen, aber nach vielen internationalen Protesten wieder freigelassen. Es gibt keinen Zweifel – das Gefängnis ist die Schule der türkischen Gegenwartsliteratur.“

2008 wird er mit der höchsten türkischen Kultur-Auszeichnung, dem Kulturpreis des Präsidenten, ausgezeichnet. Bei der Entgegennahme des Preises nimmt er folgendermaßen Stellung:

„Dass mir dieser Preis zugesprochen wird, möchte ich als Zeichen dafür sehen, dass politische Standfestigkeit und der Kampf für Frieden und Menschenrechte nicht länger ein Grund zur Ausgrenzung sind und dass sich allmählich ein Weg zum Frieden in unserer Gesellschaft öffnet.“

Weiterführende Links:

Alevitische Lyrik

Türkischdeutsche Literatur – Chronik einer Wanderung

Themenschwerpunkt: Türkische Literatur auf dem Weg nach Europa


Liste deutsch-türkischer SchriftstellerInnen

38 in Österreich lebende türkische Autorinnen und Autoren haben mit ihrer Lyrik zur Anthologie „heim.at. Anthologie türkischer Migration“, herausgegeben von Gerald Kurdoglu Nitsche beigetragen.

„Kultgedichte – Kült Siirleri“ (hgg. v. Erika Glassen und Turgay Fisekçi, Türkische Bibliothek, Bd. 14, Zürich, Unionsverlag 2008)

Der rote Faden der Türkischen Bibliothek: Zwanzig Bände versuchen einen Gesamteindruck von der modernen türkischen Literatur von 1900 bis zur Gegenwart zu vermitteln

Türkische Lyrik 2: Gedichte von Hatice Arargüç

Donnerstag, 15. November 2012

Der folgende Beitrag macht Sie mit der Autorin Hatice Arargüç bekannt.

Der Artikel „Türkische Lyrik 1 – Ein kurzer Überblick“ versucht darüber hinaus anhand einiger weiterer AutorInnen, Appetit auf die vielfältige Welt der türkischen Lyrik zu machen.

Hatice Arargüç veröffentlicht im „Duftenden Doppelpunkt“ erstmals eine kleine Auswahl ihrer Gedichte im Internet und freut sich über Gedanken und Anregungen zu ihrer Lyrik. Gerne leiten wir Ihre Nachricht an Hatice Arargüç weiter.

Die Autorin schreibt über sich:

Hatice Arargüç

Ich, Hatice Arargüç, geboren im nordostanatolischen Erzurum, aufgewachsen in Deutschland/Rheinland Pfalz, bin eine, die zwischen zwei Kulturen hin und her pendelt und trotz enormer Schwierigkeiten versucht, auf ihre Art, das Beste daraus zu machen.

Mit meinen Gedichten möchte ich den Menschen beider Kulturkreise Einblick in die Welt eines typischen Gastarbeiter-Kindes gewähren. Das Unausgesprochene und mich zutiefst Bewegende an interessierte Leser und Leserinnen weitergeben.

Darum reichen Sie mir die Hand, um mit mir unvoreingenommen durch dick und dünn zu gehen. Lassen Sie uns gemeinsam die Wunder der Sprache entdecken und somit zum besseren gegenseitigen Verstehen beitragen.

Jedem der mich geprägt hat, im Guten als auch im Schlechten, möchte ich meinen Dank aussprechen. Schön, dass es euch gibt.

Geh langsam und bedacht durchs Leben
von ungefähr komm ich entgegen.
Trau dich, trete ein in die Welt einer
türkischen Frau/Erdenbürgerin
Musst sie nicht verstehen;
lehrreich und nachdenklich
sollte es dich aber stimmen!

Ich danke meiner Mutti, weil sie mich an meinen Kindheitstraum, das Schreiben erinnert und mich ermutigt. Es befreit mich unwahrscheinlich! Und ich gedenke durch meine Lyrik Papa, einem unveröffentlichten Gedichteschreiber.

Mein Glaube und meine Kinder Muhammed-Mert und Meryem-Sena sind mein einziges Hab und Gut!

Wie der helle Tag bin ich in deine Nacht eingedrungen
Und wie gestern hast du aufgeschaut und bist wortlos
an mir vorbeigegangen. Deine Sonne hat sich die Haare
im Nacken gebunden und ist ihren Weg gegangen. Egal
ob der Schatten ihr folgt oder nicht! Lachen und vergessen
ist besser, als sich zu erinnern und traurig zu sein.

Gewidmet jenen, die mein Herz erobern durften!
In der Hoffnung, dass man dem Stift einer einfühlsamen, anatolischen Frau aus der tiefsten Provinz der Türkei Gehör schenkt!

Heimat
Endlich in der Heimat
Fast die Hälfte zurückgelassen.
Sprung ins kalte Wasser
Können wir im Hiesigen überleben?
Einfach wird es nicht.
Alles so verschieden nah und doch
So fern, hier wirst du verschrien
Als verdeutscht und als Snob hingestellt
Denkst deutsch und handelst türkisch oder umgekehrt?
Wo willst du stehen!?
In Deutschland Karriere gemacht
Hier bist du leider keinen Pfennig wert.
Verkannt und allein gelassen.
Ach Eltern, was habt ihr aus uns gemacht?
Haben wir genug Ehrgeiz, um von Neuem zu beginnen?
Einzig die rastlose Seele, endlich zur Ruhe gekommen
Das ist unser gewonnener, nachdenklich stimmender Preis!

Zugehörigkeit
Tief in meinem Innern ist etwas verloren gegangen
Hab versucht, es in Deutschland zu finden.
Verrückt – Bin doch ne Türkin!?!
Komme mir nicht nah, in meinem Sumpf könntet ihr ertrinken.
Wem hätte ich vertrauen sollen und wen wirklich an meiner Seite finden?
Hätte ich dieses Land vielleicht nie betreten sollen?
Wäre dann alles anders gekommen?
Ständig zwischen Sein und Nichtsein jahrelang verharrt.
Ich werde mir nicht noch mehr Verletzungen zuziehen
und euch den Rücken zu wenden. Ich schaue zurück,
empfinde nichts, verdächtig trügerisch!
Die eine Träne, die noch fällt, war mein Selbstmord in mir.
Es geht einfach nicht, ich bin ein Teil von dir.

Elisabeth Chovanec – Gedankenströme

Mittwoch, 4. April 2012

Mut zur Lyrik

Geht das? Abseits des literarischen Mainstreams mutig den eigenen lyrischen Weg zu gehen?
Das geht! Elisabeth Chovanec tritt mit „Gedankenströme“ den Beweis an.

Eveline Haas schreibt dazu:

„Drei- und Vierzeiler unter dem Untertitel der ‚Gedankenströme‘
Abendkühle
Lebensoval
Urquell
Begegnung
Reisen
bilden auch diesmal eine Sammlung von assoziativ untereinandergestellten, beim Schreiben zufliegender Wortreihen, die den Leser auffordern, genau zu lesen, um erst mit den gedanklichen Zufügungen des Lesers zu etwas ganz nur dem einzelnen Leser gehörenden Bildhaften zu werden.
Schon die dritte Sammlung von lyrischen Texten, die mutig Modische und Verwirrendes vermeiden.“

Buchcover Elisabeth Chovanec Gedankenstroeme

Buchcover Elisabeth Chovanec Gedankenstroeme

Elisabeth Chovanec – Gedankenströme. Lyrische Texte von Chacha Baevioli.
BuX Verlagsservice, Wien 2011. 88 Seiten, Euro 24,90 (A).

Das Buch kann direkt bei der Autorin bestellt werden.

Homepage von Elisaebth Chovanec

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