Archiv für die Kategorie 'Literatur hören'

HÖRBÜCHER FÜR KINDER

Sonntag, 4. Januar 2009

Kostenlose Hörbücher für Kinder und Jugendliche

Vorleser.net – Kinderhörbücher

Märchen zum Lauschen – für kleine und große Märchenfreunde

Jokers – Kindergeschichten

Märchenblog – Märchen aus aller Welt als RSS-Podcast

Hörbuchlinks.de – Hörbücher und Hörspiele für Kinder

Märchenpodcast – Stimm und Struppi präsentieren im Märchenpodcast eine Vielzahl von Märchen aus aller Welt.

Podspot – Märchen von Hans Christian Andersen, den Brüdern Grimm bis zu den Geschichten von 1001 Nacht.

Librivox – Peterchens Mondfahrt von Gerdt von Bassewitz (1878-1923)

Kommerzielle Hörbücher für Kinder und Jugendliche

Hörjuwel – In der Rubrik „Multilingual“ finden Sie Hörbücher in verschiedenen Sprachen – immer in Kombination mit Deutsch und Hörbücher in arabischer Sprache – immer in Kombination mit Englisch

JUMBO – Neue Medien und Verlag GmbH

Kein & Aber – im Menü unter „Bücher und Records – „Kinder“

Ucello Verlag – Hörbücher für Kinder von 5 bis 99.

HÖRCOMPANY – Verlag für Kinder- und Jugendhörbücher

Patmos – Hörbücher für junge Ohren

Hörbuchrezensionen – Kinder- und Jugendliteratur

Die Stiftung Zuhören bietet unter anderem die CD des Monats und eine ausgezeichnete Linkliste

Hörbuchkids – Hörbuchtipps von JournalistInnen für Kinder und Jugendliche

HR2 – Hörbuchbestenliste für Kinder und Erwachsene (im Menü unter „Das Programm – Hörbuch und Literatur“)

Institut für angewandte Kindermedienforschung – CD des Monats

Auf der Website “Töne für Kinder” können Sie über 1300 kommentierte Hörspiele und Hörerzählungen für Kinder recherchieren.

Kindersite von radiobremen – unter anderem mit Hörbuchtipps

Siehe auch den Beitrag „Fremdsprachige Kinderbücher“ und die Rubrik „Kinder- und Jugendliteratur“ im „Duftenden Doppelpunkt“

  • Wir freuen uns über Hinweise und Tipps für den weiteren Ausbau dieser Zusammenstellung!
  • ENGLISCHSPRACHIGE HÖRBÜCHER

    Sonntag, 4. Januar 2009

    Englischsprachige Hörbücher kostenlos herunterladen und genießen

    Das Ziel von LibriVox ist es, alle Bücher, die bereits öffentlich zugänglich sind, gratis als Hörbuch ins Internet zu stellen. Dabei werden die einzelnen Kapitel der Bücher von Freiwilligen gelesen und ins Netz gestellt.

    Open Culture – Werke der klassischen Literatur – beispielseise von Conan Doyle, Jane Austen, Joseph Conrad, Charles Dickens, James Joyce, Jack London, Henry David Thoreau …

    Telltale Weekly bietet neben kostenpflichtiger Literatur zirka 30 Hörbüchern gratis an. Mit Hilfe der Auswahlfiltern können sie eine entsprechende Auswahl treffen.

    ThougthAudio setzt seinen Schwerpunkt auf ausgewählte Literatur großer Denker: Friedrich Nitzsche, Bertrand Russel, Karl Marx …

    Project Guttenberg – Category: Audio Book, human-read

    Free-Classics-Audio – über 50 Hörbücher aus dem Bereich der klassischen Literatur zum kostenlosen herunterladen.

    Im Blog „Internationale Krimis“ verweist Bernd Kochanowski unter dem Titel „Kleinigkeiten“ auf kostenlose englischsprachigen (Krimi)Hörbücher.

  • Wir freuen uns über Hinweise und Tipps für den weiteren Ausbau dieser Zusammenstellung!
  • Hörspielwettbewerb – Track 5

    Donnerstag, 1. Januar 2009

    Die Ö1 Literatur- und Hörspielredaktion ladet alle freien Produzentinnen und Produzenten ein, sich mit einem überwiegend deutschsprachigen Kurzhörspiel von drei bis maximal sieben Minuten Länge zu beteiligen. Pro Person können maximal zwei Arbeiten eingereicht werden, sie dürfen von keinem öffentlich-rechtlichen Sender ausgestrahlt worden sein. Darüber hinaus gibt es keine inhaltlichen oder formalen Vorgaben.

    Track 5 – Einsendungen bis 15. Jänner 2009 an: ORF, Literatur und Hörspiel, Kennwort: „Track 5′“, Argentinierstraße 30a, A-1041 Wien.

    Schreibwerkstatt Radio

    Donnerstag, 27. November 2008

    Schreibwerkstatt für Hörspiel- und Feature-AutorInnen

    Bei der Schreibwerkstatt Radio der Medienstiftung der Leipziger Sparkasse können junge AutorInnen mit AltmeisterInnen diskutieren. Diesmal vom 28. Jänner bis 1. Februar 2009 auf dem Leipziger Mediencampus.

    Thema des diesjährigen Workshops „Mit Blaulicht durch den Dialog“.

    Die Bewerbungsfrist endet am 15. Dezember.

    Teilnahmevoraussetzung
    Veröffentlichungen im Radio.
    Einreichung von fünf Seiten eines eigenen Kriminalhörspielmanuskriptes zu einem selbst gewählten Thema, ein dazugehöriges Exposée (Plot) von maximal zwei Seiten und ein kurzer Lebenslauf bis zur Anmeldefrist.

    Teilnehmergebühr
    180.- Euro
    darin sind enthalten:
    - Mittagessen und Getränke
    - Hotelzimmer vom 28. Januar bis 01. Februar (4 Nächte)
    Für TeilnehmerInnen aus Leipzig wird eine Gebühr von 50.- Euro eingehoben.

    Schreibwerkstatt Radio

    Internationaler Hörspielnachwuchswettbewerb

    Donnerstag, 20. November 2008

    Der Hörspielsommer e.V. begibt sich in Kooperation mit der Leipziger Buchmesse auf die Suche nach dem besten Nachwuchshörspiel. Bis zum 1. Februar 2009 haben Sie die Möglichkeit, ein Stück zum Thema „Demotapes – wie man’s dreht und wendet“ einzureichen.

    Anlässlich des 20. Jahrestages der Friedlichen Revolution begrüßt der Hörspielsommer besonders Stücke, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Was allerdings nicht bedeutet, dass Sie das Thema „Demotapes – wie man’s dreht und wendet“ nicht auch anders auslegen können.

    Beachten Sie, dass es auch zwei Wettbewerbe zum Festival des Hörspielsommers im Juli gibt. Mehrfacheinreichungen sind möglich.

    6. Internationaler Hörspielnachwuchswettbewerb 2009

    Via Hörbuch-News vom Hörbuchmagazin Hörothek

    Hörothek

    Sonntag, 26. Oktober 2008

    Die Hörothek (Online Hörbuchmagazin) verlost zusammen mit dem Falkemedia Verlag 10 x 1 Jahres-Abo der Zeitschrift „hörBücher“.

    Das Gewinnspiel: einfach ein E-Mail mit Namen und Mail-Adresse an die Hörothek-Redaktion senden.

    Aus allen Mail-Einsendungen, die bis einschließlich 31. Oktober 2008 in der Redaktion eintreffen, werden die Gewinner-Absender ausgelost.

    Näheres auf der Site der Hörothek

    LORA – Wer nicht lesen will, muss hören …

    Freitag, 10. Oktober 2008
    10.10.2008
    20:00

    Literaturverhör bei Lora 92,4

    Am Freitag, den 10. Oktober um 20 Uhr ist wie jeden zweiten Freitag im Monat bei Lora 92,4 bzw. auf Kabel 96,75 das Literaturverhör zu hören.
    Zu Gast in der Sendung ist dieses Mal Marianne Selke. Sie präsentiert unter anderem eine Satire von einem gewissen Herrn Mops.

    Die Sendung wird vom „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ gestaltet.

    Man kann Lora auch außerhalb Münchens hören.

    10 Jahre HörBibliothek

    Samstag, 4. Oktober 2008
    20.10.2008
    18:00

    Die HörBibliothek in Graz ist die erste und einzige Öffentliche Bibliothek Österreichs, die ausschließlich Hörbücher anbietet.
    Am 20.10. 2008 ab 18 Uhr wird gefeiert. Als besonderer Gast wurde die aus Graz stammende Autorin Eva Rossmann eingeladen. Sie wird aus ihrem neuesten Werk „Russen kommen“ lesen.

    Im Oktober 2008 können sie die Hörbücher der HörBibliothek kostenlos entlehnen. Sie haben die Wahl zwischen 2000 Kassetten und CDs.

    Mariahilferplatz 3
    8020 Graz
    T 0316/71-31-69/40

    Öffnungszeiten:
    Mittwoch 15:30 – 18:30
    Freitag 8:30 – 10:00
    Sonntag 10:00 – 11:00

    HörBibliothek Graz Mariahilf

    Hörspiele

    Donnerstag, 21. August 2008

    Bayerische Rundfunk – Hörspiel Pool – Große BR-Produktionen zum kostenlosen herunterladen.

    Im Hörspiel Pool finden Sie ausgewählte Hörstücke zum erstmals oder wieder hören. Jeden Freitag kommt ein Download-Angebot hinzu.

    Siehe auch die Rubrik „Literatur hören“

    Tom Mokkahoff liest Tom Mokkahoff

    Freitag, 16. Mai 2008

    Tom Mokkahoff liest: „Kommen Sie rein, Knapp“
    Mit diesem Text gewann Tom Mokkahoff den ersten Preis in der zweiten Stufe des Literaturpreises „Der Duft des Doppelpunktes“ zum Thema Literatur der Arbeitswelt. Der Text ist in der Anthologie „Rote Lilo trifft Wolfsmann“ (herausgegeben von Petra Öllinger und Georg Schober, 2008) erschienen.

    Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

    Aufnahme und Schnitt: Petra Öllinger
    Musik: Gavin Coetzee – „Finch“


    Tom Mokkahoff

    Tom Mokkahoff

    Tom Mokkahoff ist bekennender Wiener mit Philosophiestudium, Untermieter, Kaffeehausgeher, Parkwanderer. Er engagiert sich für die Worte „eiderdaus“ und „sapperlot“. Diverse Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften.
    Mehr über Tom Mokkahoff

    ***

    KOMMEN SIE REIN, KNAPP

    Kommen Sie rein, Knapp, setzen Sie sich.
    Wie läuft es mit den Projekten? Gut? Das freut mich zu hören. Haben Sie da noch Potentiale identifizieren können? Sehr schön.
    Aber ich wollte noch etwas anderes mit Ihnen besprechen. Sie wissen ja, dass wir gerade ziemlich unter Beschuss stehen. Die effizienzsteigernden Maßnahmen haben nicht ausreichend gegriffen, wir haben die Übernahme von VBS noch nicht richtig verdaut und die Analysten haben uns downgerated. Jetzt heißt es fressen oder gefressen werden, die Geier umkreisen uns.
    Es wird gerade eine neue Strategie entwickelt. Wir müssen etwas tun, um unsere Zahlen in den Griff zu bekommen. Ich setze da voll auf Sie und Ihre Mithilfe, lieber Knapp.
    Die letzten Zahlen – ich sage Ihnen das ganz im Vertrauen – sehen nämlich gar nicht gut aus. Sie können sich nicht vorstellen, wie die da oben Druck machen. Ich fürchte, ich kann nicht mehr alles abfangen. Wir müssen uns rasch etwas einfallen lassen.
    Das heißt vor allem: Kosten senken. Und das werden wir auch, nicht wahr, Knapp? Deshalb haben wir ja auch die Berater im Haus, die festgestellt haben, dass wir aufgebläht sind. Verkrustet und erstarrt in der langen Periode von Gewinn und Wohlstand. Und Sie wissen ja, wie es ist. Wenn die das sagen, dann müssen wir handeln, nicht wahr, Knapp? Jetzt wird unser Portfolio analysiert, Outsourcing-Szenarios werden gerechnet, für den IT-Bereich ist ein Carve-Out angedacht und der Konzern wird in eine Holdingkonstruktion überführt. Natürlich werden wir auch intern umstrukturieren.
    Ja, und deshalb haben wir uns entschlossen, – und glauben Sie mir, wir haben uns das nicht leicht gemacht – uns von Ihnen zu trennen.
    Ich weiß, was Sie sagen wollen, Knapp. Auch ich finde es schade, ich bin erschüttert. Ich habe wie ein Löwe gekämpft für Sie, ich hab alles versucht, um Sie zu halten, ich war chancenlos. Aber gegen die Zahlen – Sie wissen es ja selbst am besten – gegen die Zahlen kommt man nicht an. So ist eben das Leben, und so ist das Geschäft, nicht wahr, Knapp? Freut mich, dass wir da einer Meinung sind.
    Wir werden jedenfalls ein schönes Paket für Sie schnüren. Und wir bleiben in Kontakt, lieber Knapp. Natürlich, wir bleiben auf alle Fälle in Kontakt. Jetzt holen Sie mal Ihre Sachen. Die Personalabteilung freut sich schon auf Sie, um mit Ihnen Ihren weiteren Weg zu besprechen. Die haben keine Mühen gescheut und haben für Sie ein attraktives Outplacement-Programm gestaltet. Damit – und mit ihren Qualitäten – haben Sie sicher glänzende Perspektiven. Sie waren ja schließlich einer unserer Besten.
    Also, alles Gute, Knapp, alles Gute.

    Susanne Gregor liest Susanne Gregor

    Montag, 12. Mai 2008

    Susanne Gregor liest: „Maschinenlärm“
    Susanne Gregor ist eine der fünf WürdigungspreisträgerInnen des Literaturpreises „Der Duft des Doppelpunktes“ zum Thema Literatur der Arbeitswelt. Ihr Text ist in der Anthologie „Rote Lilo trifft Wolfsmann“ (herausgegeben von Petra Öllinger und Georg Schober, 2008) erschienen.

    Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

    Aufnahme und Schnitt: Petra Öllinger
    Musik: Ekreh – „Steinway Song“, Ekoh – „Nocturne“, Switchyard – „Salt of the sea“


    Susanne Gregor

    Susanne Gregor

    Susanne Gregor wurde 1981 in Zilina – Slowakei – geboren, sie lebt seit 1990 in Österreich. Sie studierte Germanistik und Publizistik an der Universität Salzburg und unterrichtete dann Deutsch, unter anderem in Budapest und an der Universität New Orleans. Seit 2005 lebt sie in Wien, unterrichtet Deutsch als Fremdsprache und engagiert sich ehrenamtlich für die Caritas. Das Schreiben hat sie immer schon begleitet; „Maschinenlärm“ ist die erste veröffentlichte Kurzgeschichte.

    ***

    MASCHINENLÄRM

    Sie hatte alles Vieh nach Hause getrieben und klopfte einem Rind auf den Rücken. Vor dem Stall tauschte sie die Gummistiefel gegen Holzpantoffel. Am Tisch stand eine Suppe aus Innereien und über der Bank hing der gekreuzigte Jesus. Sie holte etwas Brot und ein Glas Milch aus der Kammer. Das Schmatzen ihres Bruders hatte in ihren Ohren ein Echo. Sie drückte ihre Fingerspitzen gegen die Krümmel auf der Tischdecke, damit sie kleben blieben. Nach dem Abendessen strich der Vater seinen Schnurrbart zurecht und sagte du musst dir eine Arbeit suchen. Er sagte es, als sage er, die Erde ist braun. In dieser Nacht konnte sie nicht schlafen. Sie zog die Vorhänge zu und doch sah sie, wie der Mond sie auslachte.

    Am nächsten Tag saß Tante Angela am Tisch und schnaufte. Ich bin über den Hügel vom Meiereder herübergelaufen, hechelte sie ihr ins Gesicht. Du kannst beim Weiniger arbeiten, ich hab ein gutes Wort für dich eingelegt, sagte sie und klopfte ihren Löffel am Tassenrand ab. Die Mutter schlug die Hände vor der Brust zusammen, mach mir keine Schande, Kind! Der Vater nahm den Hut vom Haken und zog die Stiefel an. Es war also beschlossen.

    Am nächsten Morgen zog sie ihr gutes Gewand aus dem Schrank. Die Mutter stand in der Ecke und sah ihr wortlos zu. An der Tür drückte sie ihr ein Stück Brot in die Jackentasche. Der Mond stand noch immer klar am Himmel und lachte.

    Sie bekam eine blaue Weste mit gelber Aufschrift am Rücken. Am Klo sah sie sich damit lange im Spiegel an. Eine dicke Frau erklärte ihr den Arbeitsablauf. Aus ihrer Weste quoll saurer Schweißgeruch. Nimm die Hüllen vom Fließband und schlichte sie in die Schachtel. Es müssen 340 sein. Verzähl dich nicht. Immer 340. Wenn die Schachtel voll ist, verschließt du sie. So. Und dann reichst du sie auf die andere Seite. Sie begann und die dicke Frau blieb mit verschränkten Armen hinter ihr stehen. Die Uhr über ihren Köpfen zeigte 6 Uhr. Die kleinen Hüllen waren kaum größer als ihr kleiner Finger. Gern hätte sie gewusst, wofür sie waren. 340 in eine Schachtel. Sie zählte langsam und sorgfältig. Die dicke Frau zählte mit.

    Um halb zehn hielt das Fließband an und sie holte ihr Brot aus der Tasche. Alle anderen gingen die Treppe hinauf. Als sie zurückkamen und sie noch an ihrem Brot kaute, lachten sie. Morgen würde sie auch die Treppen hinaufgehen.

    Als sie am Abend nach Hause kam, war das Vieh schon im Stall. In der Küche waren die Fenster beschlagen und der Tisch schon gedeckt. Die Mutter stand mit hinaufgekrempelten Ärmeln am Herd.Trags dem Vater zu Tisch. Der Vater setzte sich, dass die Bank unter ihm krachte. Hat dich jemand geschimpft? Fragte er. Sie schüttelte den Kopf.

    In der Nacht hatte sie immer noch den Maschinenlärm in den Ohren. Sie zog sich die Decke über den Kopf und konnte dennoch nicht schlafen.

    Am nächsten Tag war die dicke Frau nicht mehr bei ihr. Sie kam aber später ab und zu vorbei und stellte sich für eine Weile hinter sie. Sie wusste immer schon am Geruch, wenn sie hinter ihr stand. 340 in eine Schachtel. Verzähl dich nicht. Als das Fließband stehen blieb, eilte sie mit gesenktem Kopf die Stufen hinauf. Die anderen flüsterten trotzdem. Oben war ein großer Speisesaal mit Holztischen und Bänken. Sie bekam ein Tablett mit Teller in die Hand gedrückt und stellte sich an. Aus einem Loch in der Wand kam ein Schöpflöffel und ein paar Knödel fielen auf ihren Teller. Alle saßen in kleinen Gruppen an Tischen zusammen. Sie setze sich an einen kleinen Tisch ans Fenster. Die Knödel waren hart aber sie hatte großen Hunger. Mit vollem Mund sah sie die anderen an, aber sie sahen immer weg. Vom Fenster aus konnte man ins gegenüberliegende Gebäude sehen, wo Sekretärinnen fein angezogen auf Schreibmaschinen tippten. Auch sie sahen weg. Zwischen den zwei Dächern war ein Stück Himmel eingeklemmt. Sie sah hinein wie in einen Brunnen. Als sie wieder zu den Knödeln sah, saß an ihrem Tisch ein Mann. Sie hatte ihn nicht kommen gehört. Sie kauten an den Knödeln. Als er fertig war, lehnte er sich zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Er lächelte. Seine Brille saß wie Wagenräder auf seiner Nase. Dann trug sie ihr Tablett weg und ging zurück zum Fließband. Es rollte noch stundenlang weiter.

    Vater und Mutter saßen schon am Tisch, als sie die Haustür hinter sich schloss. Sie holte sich einen Teller und setzte sich zu ihnen. Der Vater streckte die Hand aus und sie legte die paar zerknitterten Geldscheine hinein, die ihr die dicke Frau heute gegeben hatte. Er strich sie mit seiner großen Hand glatt und schob sie in seine Jacke. Hat man dich geschimpft? Fragte er wieder. Sie schüttelte den Kopf. Ihr Bruder betrat mit großem Krach die Küche. So eine Saukälte! Sogar die Kühe sind froh, wenns im Stall sind! Die Mutter richtete ihm einen Teller an und er lachte.

    Der nächste Morgen kam genauso unerwartet wie die vorangegangenen. Das Fließband brachte die Hüllen. In der Mittagspause saß sie am gleichen Tisch und beobachtete die Sekretärinnen. Die mussten sicher nicht jeden Tag bis 340 zählen. Dann kam wieder der gleiche Mann und setzte sich zu ihr. Die anderen sahen zu ihnen hinüber. Sie sah lieber nicht vom Teller auf. Es war ja nicht ihre Schuld. Als sie satt war, schob sie die Kartoffeln noch eine Weile von Seite zu Seite. Vielleicht hatte der Mann ja etwas zu sagen. Aber er schwieg. Am Fließband sah sie die anderen zusammen sprechen und lachen. Als sie lächelte, sahen sie weg. Die dicke Frau sah sie nur noch abends, wenn sie das Geld bekam.

    Der Vater wartete schon mit seiner offenen Hand. Der Bruder saß am Tisch und schmatzte. Ich hab gehört du hast einen Freund. Er lachte, dass man die zerkaute Wurst in seinem Mund sehen konnte. Der Vater sah vom Teller auf. Das ist nicht wahr! Rief sie. Die Mutter begann zu weinen. Mach mir keine Schande, Kind! Der Vater schlug mit der Faust auf den Tisch und die Mutter schluchzte nur noch ganz leise in die Schürze.

    In der Nacht schlief sie mit offenem Fenster. Manchmal hörte sie durch den Maschinenlärm die Kälber schreien.

    Als sie am nächsten Tag zum Fließband kam, warteten die Schachteln schon geöffnet auf ihrem Platz. Jemand hatte sie vorbereitet. Vielleicht die dicke Frau. Sie hoffte, das Fließband würde an diesem Tag nicht stoppen. Als es halb zehn wurde, blieb es natürlich trotzdem stehen. Zögerlich stieg sie als letzte die Stufen hinauf. Es gab Leberkäse. Vorsichtshalber setzte sie sich an einen anderen Tisch. Obwohl ihr die Aussicht fehlte. Sie saß in der Mitte des Raums und konnte hören, wie die anderen über sie sprachen. Sie schnitt den Leberkäse in kleine Teile und strich ihn durch das Öl. Da saß er plötzlich wieder vor ihr. Ich habe gehört, du hast heute Geburtstag. Sagte er. Und während sie noch überlegte, woher er das wohl wusste, drückte er ihr plötzlich einen ölverschmierten Kuss auf. Vor Schreck glitt ihr das Besteck aus der Hand und alle lachten.

    Gerald Grassl liest Gerald Grassl

    Donnerstag, 8. Mai 2008

    Gerald Grassl liest: „Stellungnahme“
    Gerald Grassl war Tutor im Rahmen des Literaturpreises „Der Duft des Doppelpunktes“ zum Thema Literatur der Arbeitswelt, er arbeitete gemeinsam mit Tom Mokkahoff.

    Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

    Aufnahme und Schnitt: Petra Öllinger
    Musik: Fraud – „Stay the same“


    Gerald Grassl

    Gerald Grassl

    Gerald Grassl wurde 1953 in Telfs/Tirol geboren, nach einer kaufmännischen Lehre (als Dekorateur) in verschiedenen Berufen tätig, unter anderem Lektor, Bleisetzer, Galerist, Verleger usw. Zuletzt Kulturredakteur der „Volksstimme“. Von 1979 bis 1984 Sprecher der Werkstatt Wien des „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“. Einige Literaturpreise, Beiträge in Zeitschriften und beim ORF. Diverse Einzelpublikationen und Theaterstücke. Letzte Einzelveröffentlichung: Lieder-CD „Freiheit“, 2003 (vergriffen).

    ***

    STELLUNGNAHME

    Werter AMS-Betreuer °)
    Ich will nicht
    Betreuer beim AMS *)
    Trainer von AMS-Kursen *)
    Testeinkäufer *)
    Controller einer Pizza-Kette *)
    Portier in einem Bordell *)
    Hausmeister bei einer rechtsextremen Partei *)
    Schwarzkappler
    Tellerwäscher mit Praxis *)
    Küchenhilfe mit Praxis *)
    Prosekturgehilfe *)
    Mitarbeiter eines Pyramidenspiels *)
    Polizeianwärter
    Arbeiter in der Rüstungs- oder Chemieindustrie
    Berufssoldat
    Oder MinistersekretärIn*)
    Werden

    °) Für Nicht-ÖsterreicherInnen: AMS = Arbeitsmarktservice = Arbeitsamt
    *) Vom AMS aus musste ich mich um diese Stellen bewerben

    Korrektur:
    Ich will
    Betreuer beim AMS
    (um Arbeitslose zu trösten und zum Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse zu ermuntern)
    Trainer von AMS-Kursen
    (um sie zu überzeugen, sich bei „arbeitslosensprecherIn“ *) und anderen Initiativen zu organisieren)
    Testeinkäufer
    (um den Kolleginnen ausschließlich Bestnoten zu vergeben)
    Controller einer Pizza-Kette
    (um den Kolleginnen ausschließlich Bestnoten zu vergeben)
    Portier im Bordell
    (um eine Prostituiertengewerkschaft zu gründen)
    Hausmeister bei einer rechtsextremen Partei
    (um regelmäßig in den Büros meine Notdurft zu verrichten)
    Schwarzkappler *)
    (um alle Schwarzfahrer laufen zu lassen)
    Tellerwäscher mit Praxis
    (aber mir fehlt leider die Praxis)
    Küchenhilfe mit Praxis
    (aber mir fehlt leider die Praxis)
    Prosekturgehilfe
    (doch fürchte ich, bei diesem „Job“ Alkoholiker zu werden)
    Mitarbeiter eines Pyramidenspiels
    (aber leider tauge ich nicht zum Betrug)
    Polizeianwärter
    (um Missstände in diesem Betrieb aufzuzeigen)
    Arbeiter in der Rüstungs- oder Chemieindustrie
    (um Sand ins Getriebe zu streuen)
    Berufssoldat
    (um die Soldaten zum Abrüsten zu animieren)
    Oder MinistersekretärIn
    (um dem Herrn Minister in seinen täglichen Morgenkaffee spucken zu können)
    Werden

    *) Für Nicht-ÖsterreicherInnen: = Kontrolleur in öffentlichen Verkehrsmitteln

    ZEHN JAHRE FREIES RADIO WIEN – RADIO ORANGE

    Dienstag, 6. Mai 2008

    schnell und schmutzig

    Sie haben eine Idee zu einer kurzen Geschichte, die wirklich gut klingen könnte, aber nicht die Technik, Zeit oder Ahnung wie sie umgesetzt werden kann!?

    GENAU DANN KOMMT DAS RADIO ORANGE 94.0 ZU IHNEN!

    SO KÖNNEN SIE MITMACHEN – SCHICKEN SIE IHRE IDEE FÜR DIESEN HÖR/SPIEL/TAG AN RADIO ORANGE!

    Beschreiben Sie in einem kurzen E-Mail Ihre Idee bis zum 14. Mai 2008. Wird diese Idee von der Jury ausgewählt, kommt ein Radio-Team mit einem mobilen Studio am 31. Mai 2008 zu Ihnen, um sie „schnell und schmutzig“ umzusetzen. Gemeinsam wird in maximal drei Stunden aus der Idee ein Hörstück. Dieses wird LIVE AUF RADIO ORANGE 94.0 gesendet. Weiterlesen »

    Eugen Bartmer liest Eugen Bartmer

    Sonntag, 4. Mai 2008

    Eugen Bartmer liest: „Heißer Julimorgen 1991″ („Werktagmorgen 1991″)
    Der Text stammt aus Eugen Bartmers Buch „Der Dirigent mit den sieben Ohren. Gedichte unplugged“, Wien 1997.

    Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

    Aufnahme und Schnitt: Petra Öllinger
    Musik: Switchyard – „Virgins“

    Eugen Bartmer wurde 1937 in Wien geboren, war bis 1994 als Maschinenschlosser tätig. Seit 1976 schreibt er. Er erhielt 1980 den Theodor Körner-Preis. Eugen Bartmer ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung. Er veröffentlichte Lyrik und Prosa. Bücher: „Der Dirigent mit den sieben Ohren“, „Wien bleibt magnetisch. Fast romantische Gedichte“, „Steuerfreie Mehrwerte. Gedichte“, „Trockendock Kalksburg“, „Der Speibteufel“, „Der Menschenfresser“, „Der Strandwanderkönig“, „suffisticated“.

    ***

    HEISSER JULIMORGEN 1991

    (Werktagmorgen 1991)
    Badner Bahn
    Schienenersatzverkehr Linie 62
    Autobus 7A 8A 9A etc.
    Haltestelle Wien Philadelphiabrücke
    heißer Julimorgen 1991
    Blick westwärts
    wie immer und anno dazumal
    wie schon vor der Errichtung
    des Gasometers
    immer nur westwärts
    bis USA
    immer war die USA
    auch unsere Meidlinger USA
    besonders im Schloß Kino
    DENN SIE WISSEN NICHT
    (wissen noch immer nicht)
    WAS SIE TUN
    dear James Dean
    keep smiling and smoking
    deine erstgeborenen Halbstarken
    sind sechzig geworden
    und die Wasserstoffblondinen
    der Marylin Monroe Doktrin
    füttern Tauben
    nach Gemeindebautradition
    manche träumen noch immer
    von Hollywodd und Negerschwänzen
    und entstauben den ungelesenen
    E. Hemingway auf dem Bücherbord
    DER ALTE MANN UND DAS MEER
    (die zugeschütteten Ziegelteiche
    des Wienerberges)
    FIESTA
    WEM DIE STUNDE SCHLÄGT
    in diesem Sinne anschließend
    mit Gießkanne und Dosenbier
    auf dem Meidlinger Friedhof
    meinem is à vis
    na und ich
    täglich einen Firmenwitz gehört
    macht ungefähr 4000
    bei Grundig Austria Hi Fi
    wird eine Affenhitze heute
    Schluß also
    mit geistiger Morgengymnastik
    das soziale Netz beginnt
    so oder so zu reißen
    die Kronen Zeitung
    kauft ein Kollege
    ganz schön beschissen
    so ein Arbeitstag
    eigentlich hasse ich alles
    vor allem die Menschen
    Proleten Wohlstandsproleten
    Bürgerliche Künstler
    und besonders das Intellektuellengesindel
    nur meine englischen Schuhe
    meine glänzenden englischen Schuhe
    liebe ich
    muß wohl so sein
    das Leben geht ja weiter

    Georg Schober liest Georg Weerth

    Donnerstag, 1. Mai 2008

    Georg Schober liest: „Das Hungerlied“ von Georg Weerth (* 17. 02. 1822 in Detmold, † 31. 06. 1856 in Havanna, Kuba)

    Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

    Aufnahme und Schnitt: Petra Öllinger
    Musik: Barnaby Griffin – „Neptunium“


    Georg Schober

    Georg Schober

    Georg Schober wurde 1959 in Linz / Oberösterreich geboren. Buchhändler, Bibliothekar, Naikido-Shiatsu-Praktiker. Neben der Beschäftigung mit Körper-Geist-Seele im Rahmen von Shiatsu ist ihm Literatur seit seinen Kindheitstagen eine liebe Begleiterin.

    ***

    DAS HUNGERLIED

    Verehrter Herr und König,
    Weißt Du die schlimme Geschicht?
    Am Montag aßen wir wenig,
    Und am Dienstag aßen wir nicht.

    Und am Mittwoch mußten wir darben,
    Und am Donnerstag litten wir Not;
    Und ach, am Freitag starben
    Wir fast den Hungertod!

    Drum laß am Samstag backen
    Das Brot, fein säuberlich -
    Sonst werden wir sonntags packen
    Und fressen, o König dich!