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	<title>Duftender Doppelpunkt &#187; Literarische Texte</title>
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	<description>Infos aus Literatur und Wissenschaft</description>
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		<title>&#8222;Verinnerlichte Beschädigungen&#8220;</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 23:22:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wela</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur der Arbeitswelt]]></category>
		<category><![CDATA[UDSSR]]></category>
		<category><![CDATA[VOEST]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Lang]]></category>

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		<description><![CDATA[Literatur aus der Arbeitswelt
Werner Lang &#8211; unter anderem Autor im Literaturblog &#8222;Duftender Doppelpunkt&#8220; &#8211;  setzt sich in seinem Text &#8222;Verinnerlichte Beschädigung&#8220; mit der Arbeitswelt von Monteuren der Voest-Alpine in der Sowjetunion der 1980er-Jahre auseinander.
Verinnerlichte Beschädigungen
Thema: Liebe
In den Achtziger-Jahren gingen einige meiner Arbeitsreisen als Monteur – unter anderem – auch in die Sowjetunion. In Bezug [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Literatur aus der Arbeitswelt</h3>
<p>Werner Lang &#8211; unter anderem Autor im Literaturblog &#8222;Duftender Doppelpunkt&#8220; &#8211;  setzt sich in seinem Text &#8222;Verinnerlichte Beschädigung&#8220; mit der Arbeitswelt von Monteuren der Voest-Alpine in der Sowjetunion der 1980er-Jahre auseinander.</p>
<h3>Verinnerlichte Beschädigungen</h3>
<p><strong>Thema: Liebe</strong></p>
<p>In den Achtziger-Jahren gingen einige meiner Arbeitsreisen als Monteur – unter anderem – auch in die Sowjetunion. In Bezug auf das gestellte Thema &#8222;Geschlechtsverkehr&#8220; kann ich mich im Nachhinein nur mehr an die Baustelle von der Voest-Alpine-Montage in Weißrussland in der Nähe von Shlobin erinnern. </p>
<p>Dort sollte ein riesiges Stahlwerk entstehen. Ob es jemals in Betrieb genommen wurde, habe ich bis heute nicht in Erfahrung gebracht. Mein Arbeitsvertrag lief ein paar Monate vor der Fertigstellung ab und wurde nicht mehr verlängert.</p>
<p>Das ganze Baustellengebiet von der &#8222;Voest&#8220; war eingezäunt. Das Eingangstor wurde überwacht. Man konnte nur mit einem Ausweis das Baustellengelände betreten. Mit zur Baustelle gehörte das so genannte Wohngebiet. Dort standen nebeneinander gereiht und aufgetürmt Container. Die Container waren die Schlafstätten der Monteure. In jedem von diesen waren zwei Monteure untergebracht. Sie waren gerade so groß, dass zwei Betten hineinpassten. Toiletten und Waschräume waren extra in anderen Containern untergebracht. Diese waren so zwischen den Schlafcontainern angebracht, dass man sie innerhalb der Containerblöcke erreichen konnte, ohne die gegenseitig anliegenden Containerüberdeckungen zu verlassen. Ein großer Speisesaal mit Werksküche befand sich in einer eigenen Baracke. Sanitätsraum mit Wäscherei lag ein wenig abseits von den Schlafstätten. Zu gewissen Zeiten ordinierte dort auch ein russischer Arzt. Prostituierte durften von den Monteuren in den Wohnbereich von der Baustelle mitgenommen werden. Meistens waren das junge Frauen, einige davon dürften noch minderjährig gewesen sein. Die Monteure hielten sie für Zigeunerinnen. Sie bekamen von den Monteuren zu essen und zu trinken. Das Trinken bestand größtenteils aus Alkohol. Einige von den Prostituierten dürften schon Alkoholikerinnen gewesen sein. Am Abend, also nach Arbeitsschluss, wurden die jungen Mädchen in den Freizeiträumen betrunken gemacht, später in die Container mitgenommen und in den Schlafstätten durchgefickt. Morgens, vor Arbeitsbeginn wurden sie aus den Zimmern geworfen. Am folgenden Abend wiederholte sich das Spiel in anderen Schlafstätten. Tripper war die häufigste Krankheit bei den Monteuren. Der Arzt hatte sich schon darauf eingerichtet. Wenn ein Monteur zu ihm kam und nicht sagte was er hatte, bekam er vom Arzt eine – schon für diese Fälle vorbereitete – Spritze verabreicht, sagte mir einer, der es wissen musste. Doch im Verhältnis der Anzahl von Monteuren auf der Baustelle zu den sogenannten Prostituierten, konnte – mathematisch berechnet – jeder einzelne Monteur nur einmal im Monat zu einem Fick kommen, obwohl &#8222;der Strich&#8220; in der Sowjetunion billiger war als in Österreich. Das heißt, es waren nur sehr wenige, aber sehr junge Frauen für den Geschlechtsverkehr in den Arbeiterlagern vorhanden. Sonntags war allgemein arbeitsfrei. Meistens gingen die Monteure in den nächstgelegenen Ort &#8211; Shlobin. Der Weg führte an kleinen Siedlungen vorbei. Die Monteure hielten sie für Zigeunersiedlungen. Diese Wohnhäuser standen mitten auf dem vom Fluss Dnjepr versumpften Gebiet. Es waren mehr vereinzelt nebeneinander stehende Holzhäuser. Davor standen immer ein bis zwei ältere Frauen. Wenn Angehörige von der Voest-Baustelle vorbeikamen, hielten sie ihre Röcke hoch und zeigten ihre Geschlechtsteile. Dafür verlangten sie fünfzig Kopeken. Meistens bekamen sie das Geld von den Monteuren nicht, obwohl oder weil ihr Aussehen erbärmlich war. <span id="more-3279"></span></p>
<p>Die Stadt Shlopin lag neben dem Bahnhof. Es erinnerte mich an das burgenländische Dorf Andau. Dort verbrachte ich als Kind am Ende der 60er-Jahre meinen Sommerurlaub. Shlobin war ungefähr drei Mal so groß. Die Gassen und Straßen zwischen den Häusern sahen aus wie Landstraßen. Die Kanäle waren offen. Am Markt herrschte ein angenehmes Treiben. Die Monteure waren aber an dem am Bahnhof angebauten Restaurant interessiert. Dort waren sie unter sich. Für die Einheimischen war es zu teuer. Nach dem Essen wurde meistens eine Flasche Sekt getrunken, weil immer &#8222;das Beste&#8220; getrunken wurde. Die Monteure blieben aber nicht sehr lange. Sie arbeiteten von Montag bis Samstag täglich neun Stunden. Manche machten noch zusätzlich Überstunden. Sie brauchten also den Sonntag, um sich einmal auszuschlafen. Man muss ja durchhalten. Vielleicht für die Zeit danach?</p>
<p>Auf dem Weg zurück in das Voest-Lager mussten die Monteure durch den Gestank, der aus weiter Ferne von einer riesigen Fleischfabrik kam, durch. Richtete man seine Nase nach dem Geruch, konnte man auch in der Ferne diesen eigenartigen Betonbau sehen.</p>
<p>Relativ nahe bei der Voest-Baustelle stand das Atomkraftwerk &#8222;Tschernobyl&#8220;. Nach dem schweren Unfall fuhren einige Monteure ohne Erlaubnis &#8222;nach Hause&#8220;. Später erfuhr ich, dass diese Monteure alle von der Voest-Alpine-Montage gekündigt wurden. Dieser Bericht wurde auf den Geschlechtsverkehr von Monteuren in ihren Lagern reduziert. Der kam sehr selten vor. Darum fiel der Bericht sehr kurz aus. </p>
<p>Gut, dass man aus sich heraustreten und sich objektiv betrachten kann, sonst würde ich dieses Leben nicht aushalten. Entschuldigen Sie meine, zwischen den Zeilen, philosophischen Ausrutscher, indem ich nicht &#8222;Wir&#8220; sondern &#8222;Die Monteure&#8220; schrieb, so als wäre ich nicht anwesend gewesen. Das war nicht meine Absicht. Ein Satz noch hinzugefügt: Meine Erinnerungen an die Arbeit dort sind genauer als an das Leben.</p>
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		<title>Wie verkaufe ich meine Zeit</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 13:19:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wela</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Lang]]></category>

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		<description><![CDATA[Brief: An den Stadtrat zur Verzögerung der Zeit (Augartenstadt)
Motto: Nicht „ist meine Zeit noch halb voll oder halb leer“, ist hier die Frage, sondern „Wem verkaufe ich meine Zeit?“
Im Arbeitsrecht steht ganz klar: Arbeitnehmer stellen ihre Arbeitskraft dem Arbeitgeber zu Verfügung. Ergo (würde der Lateiner sagen) – da ich Arbeitnehmer bin und die Arbeitskraft an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Brief: An den Stadtrat zur Verzögerung der Zeit <a href="http://www.augartenstadt.at/" title="augartenstadt" class="liexternal">(Augartenstadt)</a></h3>
<p><strong>Motto: Nicht „ist meine Zeit noch halb voll oder halb leer“, ist hier die Frage, sondern „Wem verkaufe ich meine Zeit?“</strong></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsrecht" title="Im Arbeitsrecht" rel="nofollow" class="liwikipedia">Im Arbeitsrecht </a>steht ganz klar: Arbeitnehmer stellen ihre Arbeitskraft dem Arbeitgeber zu Verfügung. Ergo (würde der Lateiner sagen) – da ich Arbeitnehmer bin und die Arbeitskraft an mir hängt wohin ich auch gehe (z.B. in die Augarten Stadt  &#8211; bestimmt der Arbeitgeber (wer das auch ist?), da ich nichts anderes bin außer Arbeitskraft, mein Leben.</p>
<p>Nach Hegel heißt das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Herrschaft_und_Knechtschaft" title="und Hegel hat ja sehr viel darüber nachgedacht" rel="nofollow" class="liwikipedia">(und Hegel hat ja darüber sehr viel nachgedacht</a>): was der Knecht macht, macht eigentlich der Herr.</p>
<p>Ich war ja auch ein Bohrwerker. (Das ist ein Arbeiter, der eine Bohrmaschine bedient.) Hätte ich so einfach meine mir entfremdete Bohrmaschine ausgeschaltet (mit der Erkenntnis die Bohrmaschine hat sich eine Ruhepause verdient), so hätte das die Kündigung bedeutet. Nicht für die Bohrmaschine natürlich. Ergo: Pausen werden einem so wie mir oder Maschinen vorgeschrieben. Arbeit und Ruhe sind für einen so wie mich oder Maschinen lebensnotwendig. Leben wird für einen so wie mich verordnet. Wenn Sie, Herr Stadtrat, zur Verzögerung der Zeit, noch an die Gewerkschaft als Interessensvertretung für einen so wie mich glauben, dann glauben Sie das alleine. Es geht um den reibungslosen Ablauf einer Maschine, aus der mehr herauskommen soll als man in sie hineinsteckt. <span id="more-3261"></span></p>
<p>Was für eine Zeit meinen Sie, Herr Stadtrat zur Verzögerung der Zeit. Wenn Sie von der Zeit sprechen? Wenn ich aus meiner Erfahrung mit der Zeit als Bohrwerker sprechen darf, so besteht die Zeit eines Bohrwerkers noch immer aus der Schnitt- oder Hauptzeit (ergo produktive zeit) und der Freizeit (ergo unproduktive Zeit).  Unter der Schnitt- oder Hauptzeit bei Bohrarbeitern versteht man die Dauer der tatsächlichen Spanabnahme. Die Zeitspanne lässt sich aus den Maßen des Werkstückes, beim Vorschub und der Schnittgeschwindigkeit genau berechnen. Der Bohrwerker hat sich dieser Zeit anzupassen. Hauptnutzzeit ist also Bohrweg mal Anzahl der Bohrungen durch Drehzahl mal Vorschub. Der Bohrwerker hat diese Zeit einzuhalten. Nur die reine Bohrzeit wird für den Bohrwerker als Akkord verrechnet. Bohrernachschleifen fällt in die Akkordzeit und muss durch die dadurch erreichte Erhöhung des Bohrdrucks und der Bohrgeschwindigkeit wieder hereingebracht werden. Ich habe meinen mir entfremdeten Bohrer immer hinterschliffen, obwohl es vom Eigentümer verboten war, aber das hat mir bei der Schnittzeit gegenüber den anderen Bohrwerkern ein paar Sekunden gebracht. Befestigen und Lösen des Werkstücks auf das Bohrwerk fällt in die reine Arbeitszeit. Diese Zeit wird niedriger verrechnet als die Akkordzeit. Der Akkordlohn wird nach Leistung des Maschinentyps plus vorgeschriebene EURONORM (REFA) für den Bohrwerker festgesetzt und auch von der Gewerkschaft als vernünftig anerkannt. Nur so kann jeder einzelne Bohrwerker vom freien Markt bewertet werden (Gewinngarantie). Ich kann sagen, dass ich für die Firma eine gute Bohrzeit herausgeholt habe. Obwohl man mich immer zum Bohrwasserwechseln eingeteilt hat, weil ich der größte Trottel unter den Bohrwerkern war und mich nicht nein zu sagen traute.</p>
<p>Unter Freizeit versteht man die Instandhaltung des Bohrwerkers. Darunter fällt unter anderem: Ausgleichssport, um die einseitigen Bewegungen, die einem die Bohrmaschine aufzwingt, auszugleichen (sonst fällt das unter frühzeitige Abnützung des Bohrwerkers und wird „selbst Schuld“ genannt), plus gesund Essen, Trinken, Schlafen, Fernsehen.</p>
<p>Neue Bohrwerkarbeiter können auch vom Bohrwerkarbeiter in der Freizeit auf eigenes Risiko produziert werden (Vorsicht, Gefahr der Überproduktion).</p>
<p>Dafür wurden Institutionen gegründet (z.B. Familien, Schulen usw.). Der Bohrwerksbesitzer stellt dann den fertigen Bohrwerker je nach Bedarf ein und lebt von ihm. So denkt jemand in mir, der nicht in mir sein soll, aber etwas anderes habe ich nicht kennen gelernt. Ihr müsst wissen, ich war ja auch Monteur, Kranführer, Betriebsschlosser, Universalschweißer, Werkstoffprüfer. Immer nach dem freien Willen des Arbeitsmarktes.</p>
<p>Ja, der Markt ist frei, vom Willen der Menschen, kann man sagen. Der Markt treibt den Menschen vor sich her.</p>
<p>Wenn Sie mich zum Beispiel fragen würden, lieber Herr Stadtrat zur Verzögerung der Zeit: „Arbeiter Werner Lang, sind sie für eine Siesta?</p>
<p>Ich würde antworten: „Ich bin gegen eine Siesta“.</p>
<p>Alleine schon, um meine Arbeitskraft gegenüber den anderen Arbeitskräften wertvoller erscheinen zu lassen. Das haben ich in einem Arbeitsamtkurs gelernt: Wie verkaufe ich mich am besten? Ich habe 35 Jahre lang in der Industrie gearbeitet und mir ist keiner begegnet, der freiwillig erfolgreich gearbeitet hat, so wie Sie das in ihrer Verordnung zu schreiben pflegen, Herr Stadtrat zur Verzögerung der Zeit. Höchstens unermüdlich, wenn unermüdlich arbeiten verlangt wurde. Ich bin DA, um eine bessere Leistung, eine bessere Produktion, eine bessere Produktivität zu bringen als mein Mitarbeiter. Das wird von mir Erwartet. Dafür werden Sonderprämien gezahlt und nicht fürs Feiern. Natürlich werde ich sagen „freiwillig“, ich kenne doch die Gesetze des Marktes, diese setzen Lügen voraus. Obwohl ich auch gehört habe, dass es Siesta-Pausen geben soll, die die Produktivität steigern, bin ich trotzdem dagegen. Ich würde sagen: „Es ist eine Aufweichung der Arbeitsverträge“. Nur um vor meinen Vorgesetzten gut da zu stehen, denn es warten vor dem Fabrikstor genug andere „Arbeitskräfte“. Aber Produktivitätssteigerung ist wichtig und besonders wichtig für die Rüstungsindustrie oder andere Institutionen (Armee), welche Leichen produzieren. Das sichert Arbeitsplätze und erhöht den Wert der Arbeitskraft (Wiederaufbau). Ein Soldat wird ja durch die lange Ausbildung, wegen der hoch entwickelten Tötungsmaschinen, die er beherrschen muss, ein besonders wertvoller Mensch. (Ausgebildet, um Leichen zu produzieren,) Im Kriegsfalle gilt: Je mehr Leichen in Kürzester Zeit, desto wertvoller der Soldat. So kann man den Schützen in der Armee mit dem Stürmer beim Fußball vergleichen. Es gibt auch den Weitschuss. Der bringt beim Militär im Ernstfall mehr als dem besten Fußballer bei der Fußball-EM (man denke an die Hiroshimabombe, wirklich effektiv zur Bekämpfung der Überbevölkerung).</p>
<p>Warum kann ich nur falsch denken?</p>
<p>Vielleicht, weil die Sprache für mich Vorgaben sind, an die ich mich halten muss? (Gegenüber Vorgesetzten, dem Konstruktionsbüro, Gebrauchsanweisungen, Prüfvorschriften usw.) Und mir nur mehr die leicht durchschaubare List bleibt? (Selbstüberlistung) Aber als Gemeinsames könnte man zusammenfassen: Bohrwerker, Soldat und Fußballer usw. bekommen ein Gehalt, von dem sie leben müssen, denn sie haben nichts anderes, das sie verkaufen könnten um zu überleben, außer sich selbst.         </p>
<p>Und wenn du nicht mithältst, bist du weg vom Fenster. Das habt ihr mir, zwischen den Zeilen beigebracht. Schweißzeit, Bohrzeit, Drehzeit, Montierzeit, Kranschichtzeit, alle diese Zweiten habe ich gelernt zu Berechnen, an die muss ich mich halten. Sie sind für mich vorgegebene Zeiten, das ist meine Lebenszeit.</p>
<p>Ich bin darin verloren gegangen.</p>
<p>Ich gehöre dem Fabrikbesitzer.</p>
<p>Ich verkaufe mich ihm immer wieder aufs Neue.</p>
<p>Sonst habe ich nichts zu verkaufen als meinen Kopf, Hände und Körper.</p>
<p>Was immer auch der Unternehmer davon braucht.</p>
<p>Was ich meine: Das sind all die Auftragszeiten, Belegzeiten Kalkulationszeiten, die mich in meiner Arbeitszeit bis zur Minute berechnen und die ich als Facharbeiter erfüllen muss. Die kann ich mir nicht anders erklären als: die Zeit, in der ein Auftrag ausgeführt wird, heißt, nach EURONOM (unter REFA), Auftragszeit.</p>
<p>Nicht der einzelne Arbeiter gibt die Zeit vor, die er für einen Auftrag braucht, sondern der Arbeiter verrechnet die Arbeitszeit für das Unternehmen und der Angestellte vergleicht die Belegzeit mit der Auftragszeit (REFA),  die die Arbeiter selbst mit Hilfe eines Angestellten  für das Unternehmen erstellten und so sich selbst für das Unternehmen kontrollierbar machten.</p>
<p>Die Auftragszeit wird, in ihren kleinsten Einheiten, von der EURONORM vorgegeben und so wird jeder einzelne Arbeiter in Zeitgewinn oder Zeitverlust für das Unternehmen erfassbar (Rüstzeit, Rüstgrundzeit, Rüsterholungszeit, Rüstverteilzeit, Ausführungszeit, Zeit je nach Einheit, Grundzeit, Erholungszeit, Verteilzeit,  Tätigkeitszeit, Wartezeit, sachliche Verteilzeit, beeinflussbare Tätigkeitszeit, unbeeinflussbare Tätigkeitszeit, usw.).</p>
<p>Natürlich wird die Zeit von Maschinen, Automaten, Werkstück, Arbeitsablauf usw. bestimmt und so in die ÖNORM – DINORM – EURONORM übernommen (z.B. Abschmelzzeit der Schweißelektrode beim Elektro-Schweißen). Bei REFA geht es darum, den Menschen in den Arbeitsabläufen zu erfassen. Um die Lücken (nicht notwendige Ruhezeiten) zu erschließen.</p>
<p>(Die Elektrode schmilzt sich noch nicht alleine ab!)</p>
<p>Seine Arbeitszeit muss der Lohnarbeiter nicht nur für den Unternehmer genauestens ausrechnen, er muss sie auch zur gesellschaftlichen Norm erklären (als Selbstkontrolle)</p>
<p>Einmal durch die Auftragszeit von REFA (eine Technologie, als Form zur Ausübung von sozialer Kontrolle und Herrschaft), danach als Belegungszeit. Sogar die Ausbeutung jedes einzelnen Arbeiters wird nicht mehr nur vom einzelnen Unternehmer bestimmt, sondern sie wird durch die Kalkulation genormt, und so mit gesellschaftlich.</p>
<p>Der Lohnarbeiter kann dadurch seine Ausbeutung bei der Kalkulationserklärung selbst für den Unternehmer ausrechnen. Die Ausbeutung ist fester Bestandteil der EURONORM. </p>
<p>Es heißt dort nicht Ausbeutung sondern „Gewinn in Prozent der Selbstkosten“. Der Gewinn wird in der EURONORM- Kalkulation rein mathematisch „angenommen“. Unter Kosten fallen auch unter anderen, die Fertigungslöhne.</p>
<p>Der Arbeiter wird so zum Kostenfaktor erklärt, der zur Mitarbeit bei der Kostenreduzierung angehalten wird. Das heißt übersetzt: Wie reduziere ich mich als Arbeiter selbst, um konkurrenzfähig zu bleiben? (Nicht nur gegenüber einem anderen Unternehmen sondern gegenüber meinen Mitarbeitern).</p>
<p>Sicher auch dadurch, dass ich schneller arbeite als mein Mitarbeiter.</p>
<p>Die <a href="http://www.ca-ira.net/isf/beitraege/pdf/bruhn-ns.arbeitsbegriff.pdf" title="NORM" class="lipdf">NORM </a>wird so zur Wirklichkeit, deren Opfer wir sind.</p>
<p>Wenn da einer wäre, der mir etwas anderes sagen würde, ich würde ihn nicht mehr verstehen.</p>
<p>Wenn ich als Arbeiter sage: aus meinen Schweiß sind Eure Feste finanziert, aber das seht ihr nicht mehr. Dann ist es nicht der Neid, der mich das sagen lässt, sondern so denke ich einfach darüber.</p>
<p>Die Zeit soll ja relativ sein.</p>
<p>Wenn das so ist, dann bin ich für eine Beschleunigung der Zeit, damit mein Leben so schnell wie möglich vorbei ist.</p>
<p>Meine mir entfremdete Bohrmaschine haben sie schon verschrottet. Über meinen jetzigen Zustand fragen Sie Arzt oder Apotheke.</p>
<p>Diese jetzige Gesellschafsform, so wie sie ist, liefert den Brandsatz für soziale Katastrophen in der Zukunft.</p>
<p>Verbleibe Euer Arbeiter<br />
Werner Lang </p>
<p>Erstveröffendlicht:<a href="http://www.linkes-wort.at/autor.html" title="Linkes Wort" class="liexternal"> Linkes Wort, 2008</a>.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Opfer der Produktion</title>
		<link>http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2011/12/13/opfer-der-produktion/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 14:53:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wela</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Lang]]></category>

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		<description><![CDATA[Sprechtext eines Arbeiterdichters
Die Sprache ist für mich, als Arbeiter, etwas Vorgegebenes, Fertiges, steht in Büchern, zum Lesen. Selber schreiben kommt mir, in der Rolle des Arbeiters, nicht in den Sinn. Bleibt mir nur das Sprechen. Auch gegen oder über das geschriebene Wort. Das gesprochene Wort, eines Arbeiters, ohne Verstärker über Rundfunk und Fernsehanstalten, geht verloren, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Sprechtext eines Arbeiterdichters</h3>
<p>Die Sprache ist für mich, als Arbeiter, etwas Vorgegebenes, Fertiges, steht in Büchern, zum Lesen. Selber schreiben kommt mir, in der Rolle des Arbeiters, nicht in den Sinn. Bleibt mir nur das Sprechen. Auch gegen oder über das geschriebene Wort. Das gesprochene Wort, eines Arbeiters, ohne Verstärker über Rundfunk und Fernsehanstalten, geht verloren, wird sofort vergessen, nicht wichtig genommen. Darum der Sprechtext: Mit Hilfe des geschrieben Wortes gegen das herrschende Wort, als „gegensprech Anlage“. Das einmal schon Gesprochene (im Gasthaus, „am Stammtisch“, auf die Frage: Siehst du dich als Opfer?) zum Nachlesen, Festhalten, noch einmal Gebrauchen, davon verwenden, was jeder gerade braucht.</p>
<h3>Ein Versuch / mich / als Opfer der Produktion / zu verallgemeinern.</h3>
<p>Verwunderlich, seltsam und viel / sprechen jene /die vom Sprechen leben müssen / fremd / so wie von einem anderen Stern / hört sich das für die Opfer der Produktion an / man spricht von Gewinn und Verlust / als wären Gewinn und Verlust Lebewesen / die man füttert mit Zahlen und Daten / ihr einziges Bedürfnis heißt / Kostenreduzierung.</p>
<p>Ich habe auch einmal / in meiner Jugend / am Fließband / arbeiten müssen / schrecklich / aber jetzt wird alles automatisiert / sagen sie / die angelernten, hoch gebildeten, wohlerzogenen Sprachexperten und Ideologen / für die Wirtschaft.</p>
<h3>Das heißt übersetzt / morgen bist du weg / Kollege.</h3>
<p>Das Wir / ist schon längst verloren gegangen / hat sich monopolisiert / personalisiert / und installiert in Institutionen und Vereinen / nennt sich Interessenvertreter / ist Einsager der Opfer / und gab sich den Namen / Sozialpartner / schon vor einiger Zeit. <span id="more-3250"></span></p>
<p>Im Namen des Allgemeinwohls / so heißt es/ also gemeinsam von Wirtschaft und Arbeit / werden die Opfer bestimmt / die einen nennen die Anzahl / die anderen / die Namen / der Freizusetzenden / oder sind die Hände gebunden / und die Angst / selbst den Arbeitsplatz verlieren zu können / macht die Verbliebenen in der Produktion / zu Mittätern / als erstes / werden die Köpfe der Opfer / von den Mittätern / ein paar Mal / bis zur geistigen Verwirrung / gedreht / damit sie die Orientierung verlieren / und so alles richtig verstehen / nämlich falsch / danach lassen sie sie im Glauben / das kleinere Opfer / für die Gesundung aller / vollbracht zu haben / gehen / den Rest übernehmen die Experten und Sprachgewaltigen / deren Phrase / von Kündigungen durch Selbstschuld / wird so Schutz und Glaube zugleich / das Opfer ist vollbracht.</p>
<h3>Rausgeworfen aus den alten sozialen Beziehungen / bleibt das Opfer / als Individuum / alleine gelassen / zurück.</h3>
<p>Jetzt weiß es nicht mehr wo vorn und hinten ist / so wie die anderen Geopferten / das heißt / von der Fabrik eingesaugten / von der Arbeit ausgesaugten / und im Namen der Wirtschaft / wieder ausgespuckten und blutleer zurückgelassenen Arbeitskräfte / die irgendwann einmal mehr sein wollten / als nur lebendige Arbeit / vielleicht ein Mensch?</p>
<p>Aus wirtschaftlichen Gründen / können wir von einer Kündigung nicht Abstand nehmen / so heißt es / am Ende / wissenschaftlich belegt / und unterlegt mit Zahlen und Daten / was dabei vergessen wird / ist / Einführung neuer Technologien / allein vom Zwang des Marktes auferlegt / untergräbt nur die Springquellen des Reichtums / die heißen / Erde und Arbeiter / und Gewinne durch Spekulation / führen / früher oder später / in die Verschuldung / denn Geld kann nicht Geld erzeugen / auch Wettbewerbschance heißt nur Kampf um Marktanteile für Einige / und bringt neue Armut für Viele mit sich / aber nur so kann sich Vermögen weiter anhäufen / durch Verschuldung / früher auch Raub genannt.</p>
<p>Was die Experten auch sagen / Sozialpartnerschaft / läuft nur auf Verfälschung der wirklichen Vorgänge hinaus / und hat nichts mit Ausgleich der Interessen zu tun / sondern bedeutet einfach / Wirtschaftsinteressen kommen vor Arbeiterinteressen / aber eine einseitige Aufkündigung der Sozialpartnerschaft / bedeutet einfach / Vorherrschaft der Wirtschaftsinteressen / meinen die Experten und Sprachgewaltigen / und führt höchstens ins kapitalistische Mittelalter zurück / so oder so / das System holt sich seine Opfer / anders gesagt / die Interessen der Kapitalistenklasse maskieren sich als Allgemeininteresse / die heißen / Sicherung des Profits / Senkung der Löhne / Steuerfreiheit des Besitzes / Arbeitszeitverlängerung oder Kurzarbeit / alles im Interesse der so genannten Volksgemeinschaft / denn das Kapital heckt Profit dort / wo es am meisten / für sich / herausholen kann / wenn es nicht mehr anders geht / auch über Verschuldung der Bevölkerung ganzer Nationalstaaten / die daraus resultierenden sozialen Krisen / sind das Resultat / eines andauernden Wirtschaftskrieges / das / vorherrschend vom Mann / auch Marktwirtschaft genannt wird.</p>
<h3>Wird die Sozialpartnerschaft durchschaut / fällt die Maskierung. </h3>
<p>Dahinter wird deutlich / dass auch du als Lohnabhängiger / früher oder später / wegrationalisiert wirst / damit der Gewinn gesichert bleibt / denn Löhne sind Kosten / und Kosten verursachen Verluste / du Kollege bist nur ein Kostenfaktor / den man jederzeit streichen kann / aber Gewinn und Verlust sind lebendige Wesen / die ewig im Kampf miteinander stehen / hervorgerufen durch die reine Geldbeziehung / und so sich gegenseitig regulieren / alles in Bewegung setzen / auch den Arbeitnehmer / so heißt es / dieser darf dafür / das Leben der Vermögenden / kopieren / und verkleinert / in seiner Freizeit / diszipliniert / je nach Vorbild / nachleben / wie auch immer / Geld erzeugt Geld / und man muss sich der Wirtschaft anpassen / nicht umgekehrt / erklingt es aus Rundfunk und Fernsehanstalten / aber von Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich / wie abgemacht / spricht keiner mehr / merkwürdig oder?</p>
<p><strong>Wer zahlt die Experten und Sprachgewaltigen?</strong></p>
<p><strong>Warum sprachen sie vor ein paar Jahren noch ganz anders?</strong></p>
<p><strong>Warum sagen sie nicht / dass Wirtschaftswissenschaft nur Bereicherungswissenschaft ist?</strong></p>
<p><strong>Oder ist für sie nur wahr was der Fall / also Form / ist?</strong></p>
<p>Zum Beispiel mathematische Formeln / und die Formel / Wirtschaft für alle / nichts anderes als ein Jammern und Klagen / von den Lohnabhängigen ist / die glauben / bettelnd / durch Spenden, Almosen, Unterstützung und so weiter / aufsammeln zu können / was von oben zu ihnen durchdringt / anscheinend nicht wissend / dass aller Reichtum / durch ihre Hände und Köpfe vorerst erzeugt werden muss / erst danach / rechtlich abgesichert / hierarchisch / sich nach oben zum Eigentümer begibt / und auch allgemein / privatkapitalistische Aneignung der Ergebnisse der Produktion / genannt wird. </p>
<p>In den Augen der Sprachgewaltigen / müssen Opfer gebracht werden / Schulden auf sich genommen werden / damit sich wenige ihr Vermögen anhäufen können / Billionen Dollar / die nicht mehr in die warenproduzierende Wirtschaft investiert werden / sondern in der Welt herumvagabundieren / müssen hereingebracht werden / durch Opferbringung / damit das so bleibt / bist jetzt du an der Reihe / Kollege / sieh dich als Opfer / du wirst nicht das letzte sein / auch wenn dein Name nicht ausgesprochen wird /findest du dich unter Kostenfaktor wieder / denn die wissen besser / wer du bist / eine betriebswirtschaftliche Abschreibung / bestenfalls eine Maschinenverlängerung mit menschlichem Antlitz / was noch bleibt wird verlagert, erneuert, verbilligt und gewinngarantiert abgesichert.</p>
<p>Die Konkurrenz schläft nicht / man muss schauen wo man bleibt / sagt der Unternehmer / und verschwindet / in ein Billiglohnland / und man / landet auf der Straße / die daraus resultierende Globalisierung / ist die göttliche Instanz / aller Machtkämpfe untereinander / merke / Gewinn zählt mehr als ein Menschenleben.</p>
<p>Wird das Wort „Wir“ oder „Ich“ / so wie es aussieht / nicht mehr in der herrschenden Sprache verwendet / weil zu viele Verbrechen / dadurch / zugeordnet werden könnten / dann verwendet man das Wort „Man“.</p>
<p>Und / wird das Wort „Marktwirtschaft“ / so wie es aussieht / dort verwendet / wo eigentlich / das Wort „Kapitalismus“ / gebraucht werden müsste / nur / um eine „Selbstregulierung“ vorzutäuschen / die nichts anderes bedeutet / als / wer sich nicht anpasst / hat schon verloren / denn / die „unsichtbare Hand“ von Adam Smith / darf nicht beim Namen genannt werden.</p>
<p>Die Zukunft ist schon vorgezeichnet / denn / im „Wir“ wird es enger / man denke an / Wir sind Opel / egal wer Opel letztendlich wirklich ist / oder an die Wortschöpfungen „geschützte Werkstätte“ „ Wohlstandsgesellschaft“ und so weiter / die ihren Zweck erfüllten / einmal davon ausgesperrt, isoliert, entwurzelt, von einem Job zum anderem rettend / bleibst du Fremdkörper an jedem neuen Arbeitsplatz / dem Konkurrenzkampf untereinander ausgesetzt.</p>
<p>Um Anerkennung und Wärme zu finden bleibt dir nur die Flucht / in die „besondere Gruppe“ außerhalb der Arbeit / einmal darin emotional gefangen / gehörst du zu ihnen / und weil diese meist auf reinem Selbstzweck aufgebaut sind / hast du darin deinen Zweck zu erfüllen.</p>
<p>Politische Parteien / zu Selbstzweckgruppen verkommen / und mit populistischen Führern zum Kern des politischen Lebens aufgestiegen / führt zur Aushöhlung der Demokratie / langwährende Regierungskrisen / Aktivierung rechter, faschistischer Kräfte / Korruption und Bestechungsskandale / letztendlich zu Kriegen / man denke an die Propaganda „Wir sind Deutschland“ / egal wer in Wirklichkeit Deutschland ist / es geht um Machtbeziehungen / das „Wir“ löst sich dahinter in / Macht um der Macht willen / auf.</p>
<p>Es ist besser / Verluste zu sozialisieren / und Gewinne zu privatisieren / sagen / die Inhaber der ökonomischen Macht / und bedienen sich am letzten Rettungsanker / dem Staat / denn oben ist unten / und hinten ist vorn / und links ist rechts / ganz einfach / das Wir / einmal ausgemacht als Machtbeziehungen / siegt sich zu Tode / und dann waren es die anderen.</p>
<p>Denn / die etwas Besonderes leisten / übersetzt / die es zu Vermögen gebracht haben und bringen / sind /die einzigen Persönlichkeiten / übersetzt / letzten Götter / der heutigen Zeit / und machen die Geschichte / sagen die Sprachexperten.</p>
<p><strong> Werner Lang</strong></p>
<p>*Über die Opfer der Produktion wurde noch keine Geschichte geschrieben. In den Büchern existieren sie nur in sachlicher Art (zum Beispiel abgeschriebene Posten) oder werden als Geldsummen, Ziffern und Kostenfaktoren betrachtet. Der Mensch dahinter scheint nirgendwo auf.</p>
<p>Der Artikel wurde erstveröffentlich in &#8222;Literatur und Kritik&#8220;</p>
<p><strong>Als Anregung bzw. verwendete Literatur</strong></p>
<li>Michel Foucault. Die Maschen der Macht; Freibeuter Heft 63; Reclam Verlag; Leipzig 1998</li>
<li>Jean Marie Guehenno, Das Ende der Demokratie (Über die Gruppe), Artemis &amp; Winkler, München – Zürich 1994</li>
<li>Karl Marx und Friedrich Engels, Das Kapital, (besonders aus Band 1, Teil10, Große Industrie und Agrikultur, Seite 527 &#8211; 530), sonst: Marx Engels Werke Band 23, 24, 25; Dietz Verlag, Berlin 1979</li>
<li>*Otto Hwaletz: In, Bergmann oder Werkssoldat (Kapitel über: „Produktion als sozialer Prozeß“; besonders über die Opfer der Produktion) Edition Strahalm; Graz 1984, Seiten 212, 213, 217</li>
<li>Ernst Wimmer, Sozialpartnerschaft aus marxistischer Sicht; Globus Verlag, Wien 1979</li>
<li>Lob der Gier, in: Der Spiegel Nummer 20 vom 11. Mai 2009, Seite 99</li>
<li>Bogdan Suchodolski, Pädagogik am Scheideweg (über Emile Durkheim), Europa Verlag, Wien</li>
<li>Alfred Hirschenberger, Die Welt, ein System von Annahmen (Über Löhne sind Kosten), trafo &#8211; Verlag, Berlin 2008</li>
<li>Dirk Baecker, Kapitalismus als Religion, Kulturverlag Kadmos, Berlin 2004</li>
<li>Joachim Israel, Die sozialen Beziehungen, Rowohlt Verlag; Reinbek bei Hamburg 1977</li>
<li>Vilem Flusser, Ende der Geschichte (Über Paul Wittgenstein), Picus Verlag, Wien 1992</li>
<li>Rüdiger Safranski: Ein Meister aus Deutschland; Heidegger und seine Zeit (Über Persönlichkeit bei Martin Heidegger) Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1997</li>
<li>Robert Michels: Soziologie des Parteiwesens; Alfred Kröner Verlag Stuttgart 1989</li>
<p>Wo keine Seitenzahl angegeben ist, dienen die Literaturangaben nur zur Untermauerung des oben behaupteten. </p>
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		<title>Literarischer Gast im Dezember 2011</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 08:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Duftenden Doppelpunkte freuen sich, im Dezember 2011 einen weiteren Gast in Petra Öllingers literarischem Atelier begrüßen zu dürfen: den bisweil jüngsten der AutorInnen &#8211; Thierry Rudas mit seinem Text &#8222;Die Legende&#8220;.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Duftenden Doppelpunkte freuen sich, im Dezember 2011 einen weiteren Gast in <a href="http://petra-oellinger.at/bibliothek/literarisches-atelier/" class="liexternal">Petra Öllingers literarischem Atelier</a> begrüßen zu dürfen: den bisweil jüngsten der AutorInnen &#8211; Thierry Rudas mit seinem Text <a href="http://petra-oellinger.at/salon/literarische-gaeste/#a25" class="liexternal">&#8222;Die Legende&#8220;</a>.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Unbekannte ArbeiterInnenliteratur</title>
		<link>http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2011/03/04/unbekannte-arbeiterliteratur/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Mar 2011 11:30:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wela</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Als der Nebel sich hob]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Zwirner]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur der Arbeitswelt]]></category>

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		<description><![CDATA[Erich Zwirner,  22.09.1928 – 17.04.2003
Erich Zwirner wurde in Mürzzuschlag geboren. Lebte in der eigens für das Stahlwerk “Schoeller – Bleckmann“ angelegten Arbeitersiedlung Hönigsberg. Arbeitete in diesem Stahlwerk in verschiedensten Bereichen, als Walzer, Oberbau- und Platzarbeiter, Kesselwärter und zum Schluss, bis zu seiner Pensionierung, als Umspannwärter. Beschrieb diese Bereiche und seine Arbeit in zahlreichen Prosatexten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Erich Zwirner,  22.09.1928 – 17.04.2003</h3>
<p>Erich Zwirner wurde in Mürzzuschlag geboren. Lebte in der eigens für das Stahlwerk “Schoeller – Bleckmann“ angelegten Arbeitersiedlung Hönigsberg. Arbeitete in diesem Stahlwerk in verschiedensten Bereichen, als Walzer, Oberbau- und Platzarbeiter, Kesselwärter und zum Schluss, bis zu seiner Pensionierung, als Umspannwärter. Beschrieb diese Bereiche und seine Arbeit in zahlreichen Prosatexten mit größtenteils autobiographischen Zügen. Verstarb am 17. April  2003 in Mürzzuschlag.</p>
<p>Erich Zwirner war Mitglied im <a href="http://www.werkkreis-literatur.de/de/home" class="liexternal">&#8222;Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“</a> und wurde für sein literarisches Schaffen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.</p>
<p>Der folgende Text &#8222;Als der Nebel sich hob&#8220; stammt aus: <strong>Erwin Zwirner: Im Schatten der Zeit. Erzählungen. 1992, merbod–Verlag, Wiener Neustadt.</strong></p>
<p>„Im Schatten der Zeit“ ist leider heute nur mehr antiquarisch erhältlich. Ebenfalls vergriffen sind die Werkstatthefte der „Steirischen Werkstatt – Literatur der Arbeitswelt“, in denen Erwin Zwirner immer wieder publiziert hat. </p>
<h3>Als der Nebel sich hob</h3>
<p>Als der Nebel sich hob … standen sie in einer eiskalten, luftleeren Mondlandschaft.</p>
<p style="text-indent:20px;">So oder ähnlich würde ein Lyriker die Situation der Stahlarbeiter beschreiben. Ein Märchenerzähler nach Jahren im Atombunker der Regierung aber so: Es war einmal eine mächtige Eisen- und Stahlindustrie in unserem Lande, in der die Arbeiter bis zum Jahre 1979 fast glücklich und zufrieden ihr Brot verdienten. Ihre Regierung und ihre Gewerkschaft sagten ihnen täglich, dass sie auf einer Insel der Seligen lebten. Und sie glaubten es. Der Nebel, der über dem Lande lag, störte sie nicht weiter. Im Gegenteil. Er schützte sie sogar vor ein paar mahnenden Stimmen, deren Laute in dieser Watte versanken.</p>
<p style="text-indent:20px;">Genau so aber übersahen sie die unheimlichen Gestalten, die nur in Grauzonen lebten und immer besser gediehen, ohne etwas zu leisten. Eines Tages aber kam ein Sturm auf und wehte den Nebel fort. Als die Arbeiter daraufhin ihre Köpfe hoben und zum ersten Mal ihre Umgebung klar sahen, kroch eine schreckliche Kälte ihre Rücken hoch und setzte sich zwischen ihren Schultern fest.</p>
<p style="text-indent:20px;">Als die Nacht sich davonschlich, ließ sie einen düsteren, grauen Morgen zurück. Wolken hingen so tief vom Himmel, als wollten sie sich auf die Rauchfänge der Werke setzen. Der Lärm der Maschinen und Walzgerüste aber hörte sich leiser an als sonst. Bis er auf einmal  ganz verstummte.</p>
<p style="text-indent:20px;">Kurze Zeit später kommen die Arbeiter aus dem Werkstor und sammelten sich auf dem Parkplatz. Die roten, gelben und blauen Schutzhelme bilden ein buntes Muster. Sie formieren sich zu einer dreireihigen Schlange und marschieren zwischen Bahndamm und Fluß der Stadt zu.</p>
<p style="text-indent:20px;">Karl hat sich mehr am Ende der Kolonne eingereiht. Er ist niedergeschlagen und verbittert. Er ist 1925 geboren. „Wieder marschieren“, denkt er sich. „Immer wenn marschiert wird, ist das Land krank. Immer hat es zuerst mit Wirtschaftskrisen und dann mit Kriegen zu tun. Und jede Straße endet in Armut, Not, mit verwüsteten Ländern und auf riesigen Schlachtfeldern. Er beobachtete seine Kollegen. Er hat den Eindruck von einer gesichtslosen Masse. Abweichende, nichtssagende, hassende Gedankensplitter glaubt er zu fühlen. Nur überlagert von der Angst des Arbeitsplatzverlustes. Keine Spur von Solidarität oder einem festen Ziel.</p>
<p style="text-indent:20px;">Er schiebt sich seinen Helm aus der Stirn. Er weiß auch nicht, was er täte, wenn er seine Arbeit verlieren würde. Denn die Arbeit zu verlieren heißt, sich selbst zu verlieren. Hieße für ihn Armut und ausgestoßen sein. Hieße nicht fähig sein, seine Kinder zu versorgen und ihnen eine Kindheit ohne Not zu bieten. Als Versager dazustehen. Und so wird jeder gegen jeden kämpfen. Das Wort „Solidarität“ wird zum Schimpfwort werden. Die Gewerkschaft wandert auf einem schmalen Grad und muss aufpassen, nicht zum Diener einer kapitalistischen Finanzpolitik zu werden.</p>
<p style="text-indent:20px;">„Belsazar!“ Die Schrift an der Wand,. Vor ihm geht Kurt. Ein lustiger, hübscher Bursche. Er ist ein Lebenskünstler. Immer auf der Butterseite. Ihm, Karl, ist er ein bisschen zu glatt. Er hält ihn für eine Wetterfahne, die sich immer nach dem Winde dreht. Karl hat Kurts Worte noch in seinen Ohren.</p>
<p style="text-indent:20px;">„Gehören sowieso 200 hinausgeschmissen. Die Krankenstandschinder und Blaumacher. Und die Zettelpicker.“ Und, und, und. Aber Karl hat noch nie gesehen, dass Kurt sich einen Hax`n ausgerissen hätte bei der Arbeit. Oder, wenn er an Fritz, der zwei Reihen hinter ihm geht, denkt. Ein guter Arbeiter, aber ohne Rückgrat.</p>
<p style="text-indent:20px;">„I moch meine Orbat und olles andere is mir wurscht“, sagte er bei jeder Gelegenheit, wenn ihn einer um seine Meinung fragt. Oder: „Vom Lesen wird man nur blöd.“</p>
<p style="text-indent:20px;">Die meisten sind schon in Ordnung, nur haben sie es sich in den letzten 30 Jahren abgewöhnt, selbst zu denken, und haben statt dessen alle Entscheidungen ihren Vorgesetzten und Betriebsräten überlassen. So scheuen sie sich, berechtigte Kritik zu üben. Sie schimpfen höchstens im Wirtshaus. Wenn ein Direktor kommt und ihnen erzählt, dass die Wirtschaftslage schwierig sei und eben dadurch von ihnen besonders große Opfer gefordert werden, so empfinden sie es zwar hart, aber keiner von ihnen denkt daran, ob das so sein muss. Oder ob es nicht auch andere Wege gibt, um diese Opfer zu vermeiden. Sie begreifen nicht, dass es scheißegal ist, was so einer quatscht, wenn nur die Arbeiter alles ausbaden müssen, was manche „da oben“ vermurksen.</p>
<p style="text-indent:20px;">Wenn ich zum Doktor gehe, weil ich krank bin und der sagt mir die Krankheit, kann, oder will mir nicht helfen, so wechsle ich eben den Doktor und gehe zu einem, der mir hilft, sagt sich Karl, wird aber jäh aus seinen Gedanken gerissen, weil er seinem Vordermann auf die Ferse gestiegen ist.</p>
<p style="text-indent:20px;">„Pass doch auf, du Idiot, willst wohl schon jetzt meinen Platz einnehmen“, zischte Heinz ihn an. Wahrscheinlich rauft er sich mit den gleichen Gedanken herum.</p>
<p style="text-indent:20px;">Karl antwortete: „Sei nicht blöd. Ich habe nur daran gedacht, wer die Idee gehabt haben könnte zu diesem überstürzten Marsch.“</p>
<p style="text-indent:20px;">„Das war der Betriebsrat. Viele von uns murrten, dass nichts geschieht, und da die Kommunisten für morgen eine Protestversammlung angekündigt haben, wollen sie eben denen zuvor kommen.“</p>
<p style="text-indent:20px;">„Aber das ist doch eine halbe Sache. Wenn schon Protest, dann muss die ganze Region mit. Denn es geht alle an, ob wir ein Industriefriedhof werden oder nicht.“</p>
<p style="text-indent:20px;">„Du kennst die Auffassung unserer Führung. Rebellieren bringt keine Arbeit.“</p>
<p style="text-indent:20px;">„Also schön still sein“, spottet Karl, „aber die im Schwesterwerk wissen, wo es ihnen wehtut. Und sie sagen es auch ganz laut.“</p>
<p style="text-indent:20px;">„Ja, ja! So ist es eben. Da kannst nichts machen, “ Heinz lacht. „Da hast ein Stück kapitalistisches Produkt.“</p>
<p style="text-indent:20px;">Er will Karl einen Kaugummi geben.</p>
<p style="text-indent:20px;">„Hör auf mit dem Scheißdreck.“ Karl fühlt, wie die Wut in ihm hochsteigt. „Dass du da noch Witze machen kannst, wenn es um unser Überleben geht. Du bewegst dein Maul immer sehr fleißig. Aber leider zum Kaugummifressen.“</p>
<p style="text-indent:20px;">„Ach, leck mich. Ich verputz mich weiter nach vorn. Such dir einen anderen zum Streiten.“</p>
<p style="text-indent:20px;">Heinz spuckt seinen Kaugummi auf den Bahndamm, schert aus und reiht sich weiter vorne wieder ein.</p>
<p style="text-indent:20px;">Karl ärgert sich über seine Ungerechtigkeit. Er weiß, dass Heinz kein schlechter Kerl ist. Er spricht kein Wort mehr, bis sie beim Werk 1 vor der Stadt angekommen sind. Dort vereinigen sie sich mit diesen Kollegen und gehen das letzte Stück bis zum Hauptplatz gemeinsam.</p>
<p style="text-indent:20px;">Es spricht zuerst der Nationalratsabgeordnete dieser Region, dann der Bürgermeister der Stadt und schließlich reden zwei Betriebsräte des Werkes. Einem Politiker der Stadtopposition wird das Wort verweigert, was Karl nicht für richtig hält. Aber alle, die sprechen, sagen sinngemäß das gleiche: Weiterführung des Stahlwerkes bis zur Schaffung neuer Arbeitsplätze, Ausbau der Finalproduktion, Weiterführung des Blockwalzwerkes, und wissen doch schon, dass die Werke zwei und drei zum Tode verurteilt sind. Dass dieser Marsch nur eine Warnung vor einer richtigen Demonstration sein soll, sagen sie alle.</p>
<p style="text-indent:20px;">Als dann ein Betriebsrat die Führung der Vereinigten Stahlwerke mit harten Worten angreift und sie für unfähig erklärt, die Werke zu leiten, hört man auf einmal die Worte wie Verräter, Sauhunde, korrupte Schweine aus der Menge aufbrausen. Auch manche Politiker und Betriebsräte werden beschimpft. Am meisten der Zentralbetriebsrat. Er soll nämlich den Spruch von den Faulen und Unzufriedenen, die den Ernst der Lage nun hoffentlich begriffen hätten, in Umlauf gesetzt haben. Da war aber schon alles zu Ende, und wie eine Gewitterwolke, die von der Sonne aufgefressen wird, oder wie ein Luftballon, der zerplatzt, hat sich die Demonstration, die ja keine sein sollte, aufgelöst.</p>
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		<title>Rainer Pörzgens Weihnachtsgeschichten</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 21:13:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bibliotheken & Archive]]></category>
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		<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>
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		<category><![CDATA[Bibliothekarinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Rainer Pörzgen]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[1994 veröffentlichte der Bibliothekar Rainer Pörzgen unter dem Titel &#8222;Weihnachten in der Bibliothek&#8220; seine erste Weihnachtsgeschichte. Er bringt uns darin das weihnachtliche Gefühlsleben der BibliothekarInnen näher. 
Weihnachten gilt als die Zeit, in der Menschen sich Gefühle erlauben. Das Fest der Liebe! Sie erinnern sich daran, daß sie Eltern und manchmal auch Kinder haben, und verbringen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1994 veröffentlichte der Bibliothekar Rainer Pörzgen unter dem Titel &#8222;Weihnachten in der Bibliothek&#8220; seine erste Weihnachtsgeschichte. Er bringt uns darin das weihnachtliche Gefühlsleben der BibliothekarInnen näher. </p>
<blockquote><p>Weihnachten gilt als die Zeit, in der Menschen sich Gefühle erlauben. Das Fest der Liebe! Sie erinnern sich daran, daß sie Eltern und manchmal auch Kinder haben, und verbringen die Feiertage damit, gemeinsam mit ihnen zu essen, zu trinken und fernzusehen &#8230; oder aber: zu bedauern, daß sie nicht mit ihnen gemeinsam essen, trinken und fernsehen können. Manchmal nämlich sind Eltern schon tot oder Kinder undankbar oder umgekehrt. Darunter leiden dann die Gefühle. Aber insgesamt ist Weihnachten schon ein sehr freudvolles Fest. Bibliothekare machen da keine Ausnahme. Man kann sie in den hintersten Winkeln ihrer Bibliotheken finden, zwischen Regalen oder Katalogkästen, mit leicht unterspülten Augen und lametta-ähnlichen Fäden unter der Nase: ‘Ihr alle, die Ihr kommt in unsere Bibliotheken, es sei Euch vergeben, daß Ihr unsere Bücher befleckt oder beschädigt oder gar zu stehlen versucht, daß Ihr in diesen heiligen Hallen schwatzt oder eßt oder trinkt. Wir vergeben Euch Eure Frechheit und Eure Dummheit. Ja, wir lieben Euch. Fröhliche Weihnachten!‘ Und schwer gewordene Bibliothekarsherzen bumpern etwas schneller als sonst und das Blut durchströmt die trocken knisternden Adern.</p></blockquote>
<p>Seither ist kein Jahr vergangen, in dem uns Rainer Pörzgen nicht eine weihnachtliche Geschichte unter den geschmückten Baum legte. </p>
<p>Er erinnert uns daran, wie mühselig sich das Surfen im Internet in den Neunzigerjahren oftmals gestaltete. Ob es ihm ein kleiner Trost war zu sehen, wie vier süße Weihnachtsengel ihr Gewand abstreiften und sich auf den Weihnachtsmann und Robin Williams stürzten, bevor der PC endgültig abstürzte? Wir wissen es nicht. Rainer Pörzgen weiß allerdings über den Besuch des Weihnachtsmannes mit seinem Rentier Rudolf in der Bibliothek zu berichten. Ob er mit dieser Geschichte die Präkarisierung unseres lieben Christkindls eingeläutet hat?</p>
<p>Ein andermal berichtet er über Kollegen Millhagen, ein ordentlicher Bibliothekar vom Scheitel bis zur Sohle, der eines schönen Tages dem Wahnsinn anheim fiel. &#8211; Es drängte ihn plötzlich, in den Räumen der Bibliothek, ein Ort der Ruhe und Kontemplation wie wir alle wissen, Weihnachtslieder zu singen und BesucherInnen der Bibliothek zum Mitsingen anzustiften. Den Höhepunkt an Verrücktheit erreichte er, in dem er inbrünstig &#8222;Stille Nacht Heilige Nacht&#8220; intonierte. Ein Lied, das, wie wir alle wissen, ausschließlich am 24. Dezember, vor dem Lichterbaum, im Kreise der lieben Familie zu singen ist.</p>
<p>Möge Rainer Pörzgen uns noch viel Jahre mit seinen weihnachtlichen Geschichten beschenken! </p>
<p><a href="http://www.bibliothekar.de/content/view/51/26/" class="liexternal">Reiner Pörzgen: Damals in Weimar (2009)</a></p>
<p>Alle 16 bisher veröffentlichten Weihnachtsgeschichten finden Sie auf der Seite <a href="http://www.bibliothekar.de/content/category/4/13/26/" class="liexternal">„Bibliothekarische Weihnachtsgeschichten von Rainer Pörzgen“</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Bibliothekarinnen lesen auf volkslesen.tv</title>
		<link>http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/12/07/bibliothekarinnen-lesen-auf-volkslesen-tv/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Dec 2009 00:15:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothekarisches]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur hören]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander von Humboldt]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Friedrich Gauß]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Kehlmann]]></category>
		<category><![CDATA[Homer]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf volkslesen.tv lesen diese Woche Bibliothekarinnen der Staatsbibliothek zu Berlin.
Die Staatsbibliothek ist die größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum. Ihre zentrale Aufgabe ist das Erschließen, Nutzbarmachen, Bewahren und Erwerben von Literatur aus allen Zeiten, allen Ländern, in allen Sprachen und jeder Form.
Die Schätze der Staatsbibliothek lagern in mehr als 300 Regalkilometern. Das ist Wissen, 1000x [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf <a href="http://www.volkslesen.tv/" class="liexternal">volkslesen.tv</a> lesen diese Woche Bibliothekarinnen der Staatsbibliothek zu Berlin.</p>
<p>Die <a href="http://staatsbibliothek-berlin.de/" class="liexternal">Staatsbibliothek</a> ist die größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum. Ihre zentrale Aufgabe ist das Erschließen, Nutzbarmachen, Bewahren und Erwerben von Literatur aus allen Zeiten, allen Ländern, in allen Sprachen und jeder Form.</p>
<p>Die Schätze der Staatsbibliothek lagern in mehr als 300 Regalkilometern. Das ist Wissen, 1000x so hoch wie der Fernsehturm.</p>
<p>Dr. Jutta Weber liest aus einem Brief, den <a href="http://www.humboldt-portal.de/" class="liexternal">Alexander von Humboldt</a> 1799 an seinen Lehrer und Freund Carl Ludwig Willdenow schreibt. Darin steht er kurz vor seiner Forschungsreise nach Südamerika und berichtet von seinen Reisen, kreuz und quer durch die Welt. Er ist von unzähmbarer Neugier besessen. In diesem Brief wird <a href="http://www.avhumboldt.de/" class="liexternal">Humboldt</a> als Mensch lebendig.</p>
<p>Kathrin Bergemann liest aus der <a href="http://www.digbib.org/Homer_8JHvChr/De_Odyssee?k=Erster+Gesang" class="liexternal">„Odyssee“</a> von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Homer" rel="nofollow" class="liwikipedia">Homer</a>. Mit ihr beginnt die europäische Kultur- und Geistesgeschichte. Theodor W. Adorno sah in Odysseus den ersten modernen Menschentyp in der Literaturgeschichte: Er sei der erste Charakter, der sich nicht den Göttern und dem Schicksal ergebe, sondern erfolgreich gegen beide ankämpfe und damit zum Herrscher über sein eigenes Geschick werde. Kathrin Bergemann liest den 12. Gesang der „Odyssee“ in der Übersetzung von Johann Heinrich Voss.</p>
<p>Das Leben von Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß interpretiert <a href=" http://www.kehlmann.com/" class="liinternal">Daniel Kehlmann</a> in „Die Vermessung der Welt“. Annette Kaufmann liest daraus, weil sie die Vorstellung, dass man die Welt vermessen könne, tröstlich findet. Sie liest den Anfang des Buches vor. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Friedrich_Gau%C3%9F" rel="nofollow" class="liwikipedia">Carl Friedrich Gauß</a> erreicht nach mühseliger Reise Berlin und wird von Alexander von Humboldt begrüßt.</p>
<p>Steffi Mittenzwei ist Kartenbibliothekarin und liest aus „Die Vermessung der Welt“, weil Alexander von Humboldt gerade in der Kartenabteilung der Staatsbibliothek immer präsent ist. Humboldt ist einer der Mitbegründer der Geographie als empirische Wissenschaft. Schon zu Lebzeiten galt er als „der zweite Kolumbus“, „Wissenschaftsfürst“ und „der neue Aristoteles“.</p>
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		<item>
		<title>RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – EPILOG</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Jul 2009 18:56:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DIE TIEFE DES BECKENS]]></category>
		<category><![CDATA[Epilog]]></category>
		<category><![CDATA[Raphael Vogt]]></category>

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		<description><![CDATA[Raphael Vogt schließt mit dem Epilog die Veröffentlichung von „Die Tiefe des Beckens &#8211; Fragmente einer Novelle“ ab. Der Autor freut sich weiterhin über Ihre Gedanken und Anregungen zum zehnteiligen Text: Raphael Vogt
Epilog 
Ich habe mir einen Boxsack gekauft. Er ist beigefarben, etwa einen Meter groß, hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern und hängt an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Raphael Vogt schließt mit dem Epilog die Veröffentlichung von „Die Tiefe des Beckens &#8211; Fragmente einer Novelle“ ab. Der Autor freut sich weiterhin über Ihre Gedanken und Anregungen zum zehnteiligen Text: <a href="mailto:raphael@artsunited.de" class="limailto">Raphael Vogt</a></p>
<h2>Epilog </h2>
<p>Ich habe mir einen Boxsack gekauft. Er ist beigefarben, etwa einen Meter groß, hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern und hängt an einem Balken im Stadel.</p>
<p>Am ersten Abend nach dem Kauf der neuen Errungenschaft habe ich gleich einmal den Schichtleiter vermöbelt. Nun ja, vielmehr <em>wollte</em> ich das tun. Ich habe den Boxsack verfehlt und daraufhin tat es mir fast leid, es überhaupt versucht zu haben. Ich haue nicht gerne auf Menschen ein. Auch nicht virtuell. Mir tut schon der Boxsack leid, &#8230; wenn ich ihn treffe. Nach jedem Training – wobei ich nun nicht so übertreiben möchte und mir der Begriff <em>Training</em> für eine meist lediglich nur vier bis fünf Minuten andauernde Einheit als nahezu peinlich erscheint – streichle ich deshalb zum Abschluss stets meinen Boxsack.</p>
<p>Eigentlich mag ich den Schichtleiter schon. Er erinnert mich an meinen eigenen Vater, was mich jedoch angesichts der Tatsache, dass sich bisher keiner – mein leiblicher Erzeuger eingeschlossen – jemals bedeutsam um diese Rolle bemüht hat, auch nicht sonderlich verwundert.</p>
<p>Ja, ich mag den Schichtleiter und das Land seiner ausschweifenden Erzählungen, all seine kuriosen Geschichten sowie seine holzige Art. Auch wenn er sich nicht anständig benehmen kann, so weiß ich jedenfalls, dass ich ihn dahingehend sogar ein wenig beneide, nämlich in dem was er ist oder wenn auch nur, so dennoch  <em>unmissverständlich</em> vorgibt, zu sein:  Ein Kerl von einem Mann!</p>
<p>„Wir bekommen nun auch so ein Kamera-Überwachungssystem von dem ich dir vor noch gar nicht allzu langer Zeit erzählt habe.“</p>
<p>„Tatsächlich? Na ja, wenn es hilft. An die Überwachung, allerorts, sind wir ja schon gewöhnt,“ erwiderte Theo.</p>
<p>„Das stimmt. Mein Schichtleiter meinte kürzlich, dass übrigens sämtliche Stasileute nahtlos im BND untergekommen seien. Wenn er auch viel erzählt, den lieben langen Tag, da kennt er sich wohl aus.“</p>
<p>„So gesehen wundert mich nichts mehr … in diesem Staat.“</p>
<p>„In <em>diesem</em> Staat? Linkes wie rechtes Gedankengut wird den Leuten weltweit, in Watte verpackt, fein demokratisch serviert. Schau dir nur einmal an, was Putin so getrieben hat! Bush und Rumsfeld haben sämtliche Hitlerbücher gelesen. Da wundert <em>mich auch</em> nichts mehr!“ </p>
<p>&#8222;Bush? Wer hat ihm vorgelesen?&#8220; </p>
<h3>Stromausfall.</h3>
<p>Ich suche die Streichhölzer. Seit ich das Rauchen aufgegeben habe, ist es mir auch nie mehr gelungen, irgendwo im Haus ein Feuerzeug zu sehen. Sie scheinen allesamt auf nahezu mysteriöse Weise, in Solidarität mit den letzten Zigaretten, verschwunden zu sein. </p>
<p>Verschwunden ist ebenfalls meine Unruhe im Kopf, wenn auch erst seit wenigen Minuten. Ich denke, der orkanartige Wind hat irgendwo eine Stromleitung ausgehebelt oder gar einen ganzen Masten umgeschmissen. Wundern würde mich das nicht. Drei Fenster sind nämlich gleichzeitig zugefallen und zwar in einer Lautstärke, dass es mich schon fast etwas überrascht, dass sie dabei nicht zerbrochen sind. Das Haus ist ein bäuerlicher Altbau, der schätzungsweise an die 120, wenn nicht auch schon 150 Lebensjahre zählt und dessen Fenster nach wie vor aus jeweils zwei dünnen, in bereits erheblich verloderten Holzrahmen angebrachten, Einzelglasscheiben bestehen.</p>
<p>Der Sturm lässt nach, es hat zu regnen begonnen. Die Streichhölzer liegen direkt neben der dicken Kerze auf dem Küchentisch. Mit dem Strom ist meine Unruhe verschwunden. In mir &#8230; wie vermutlich auch in den Teichen, Seen und Außenbecken, &#8230; hat sich der Schlamm gesetzt. </p>
<p>Ich wollte gerade eben den Computer anschalten und vermutlich noch einiges mehr – aus dem mittlerweile erheblich angewachsenen Repertoire Strom fressender Wohlstandsutensilien &#8230; und nun gibt es nicht einmal mehr heißen Kaffee! </p>
<p>Die Kerze flackert lieblich, während es zu nun einsetzendem Donner und Geblitze riesige Tropfen an die Scheiben schleudert.</p>
<p>Ich gehe in die dunkelste Ecke der Wohnung und krame nach vorsichtigem Herantasten mein grünes Notizbuch aus dem Regal. </p>
<p>Nichts geht mehr. </p>
<p>Dass ich mich jemals so frei gefühlt haben könnte, denke ich mir, muss &#8211; wenn überhaupt &#8211; dann schon sehr lange her sein &#8230;</p>
<p>Und ich warte, warte weiterhin, auf irgendetwas, wie schon einmal erwähnt. Ich bin unterwegs und wohin ich <em>will</em> weiß ich immer noch nicht. Alles was ich weiß ist, dass ich dabei bin, mein kleines grünes Notizbuch zu öffnen, um mich weiterhin ausgiebig meinen Illusionen zu widmen. Jeder macht sich ja seine ganz individuellen Illusionen. Ich für meinen Teil ziehe es dabei vor, ein Schriftsteller, Musiker, Regisseur und Künstler zu sein; vielleicht auch nur, um vor mir selbst den Anschein zu wahren, mir all meiner Illusionen bewusst und deren eigener Konstrukteur zu sein.  </p>
<p>Joe</p>
<p><a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/02/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 1</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/11/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-2/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 2</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-3/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 3</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/04/08/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-4/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 4</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/04/22/raphael-vogt-iii-aufraeumen-mit-klischees-teil-5/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 5</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/05/06/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-6/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 6</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/05/21/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-7/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 7</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/06/03/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-8/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 8</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/06/17/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-9/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 9</a></p>
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		<title>Literatur-Twitter</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Jun 2009 00:31:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Literaturpreise]]></category>
		<category><![CDATA[“Der Duft des Doppelpunktes”]]></category>
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		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<description><![CDATA[Twitteratur über die Arbeitswelt
Die &#8221;Duftenden Doppelpunkte&#8221; im Gespräch mit Felix Struening vom &#8221;Buchtest&#8221;. Das Interview wird fortlaufend via Twitter geführt, der Literatur-Twitter so auf den Punkt gebracht. Das heißt, für Fragen und Antworten stehen jeweils lediglich 140 Zeichen zur Verfügung.
Sie können dem Interview via Twitter unter „buchtest“ beziehungsweise „lit_tweet“ folgen oder Sie lesen es etwas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Twitteratur über die Arbeitswelt</h3>
<p>Die &rdquo;Duftenden Doppelpunkte&rdquo; im Gespräch mit Felix Struening vom &rdquo;Buchtest&rdquo;. Das Interview wird fortlaufend via Twitter geführt, der Literatur-Twitter so auf den Punkt gebracht. Das heißt, für Fragen und Antworten stehen jeweils lediglich 140 Zeichen zur Verfügung.<br />
Sie können dem Interview via Twitter unter „buchtest“ beziehungsweise „lit_tweet“ folgen oder Sie lesen es etwas zeitversetzt im<a href="http://www.buchtest.de/blog/literatur-wettbewerb-und-interview-auf-twitter/" class="liexternal"> Blog der Site Buchtest</a>.  </p>
<p>Nähere Infos: <a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/litpreis/literatur-twitter-2009/" class="liinternal">Literatur-Twitter</a></p>
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		<title>RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 9</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 23:01:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DIE TIEFE DES BECKENS]]></category>
		<category><![CDATA[Raphael Vogt]]></category>

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		<description><![CDATA[VII  Black Box
Der Flugschreiber verbirgt sich wohl auf 6000 Metern Tiefe, am Meeresgrund und mit ihm die gesuchten Antworten. Ein Passagierflugzeug bewegt sich durchschnittlich vermutlich auf 10.000 Metern Höhe, zwischen Höhe und Tiefe liegen also 16 Kilometer Unterschied und außerdem ein großer Sturz, ein tragisches Scheitern, ein langer Fall. Ich weiß auch nicht was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>VII  Black Box</h3>
<p>Der Flugschreiber verbirgt sich wohl auf 6000 Metern Tiefe, am Meeresgrund und mit ihm die gesuchten Antworten. Ein Passagierflugzeug bewegt sich durchschnittlich vermutlich auf 10.000 Metern Höhe, zwischen Höhe und Tiefe liegen also 16 Kilometer Unterschied und außerdem ein großer Sturz, ein tragisches Scheitern, ein langer Fall. Ich weiß auch nicht was dieser Gedanke soll. Es liegt wohl an meiner Faszination an Höhe und Tiefe. Muss denn eigentlich unbedingt jemand verantwortlich gemacht werden für den Flugzeugabsturz, das ertrunkene Kind, den Klimawandel, die seltsamen Auswüchse der kapitalistischen Gesellschaft? </p>
<p>Außer &#8211; das Schicksal selbst?</p>
<p>Es folgt … </p>
<p><strong>Ein Synapsengewitter:</strong></p>
<p>Ich finde die Aufklärung schießt über ihr Ziel hinaus, wenn daraus zwingend resultiert, dass <em>Gott</em> nicht existieren kann, genauso, wie die sexuelle Aufklärung übers Ziel trifft, wenn sie als Freibrief für beziehungslose Sexualität verstanden werden will. Weswegen veralteter Konservatismus meiner Ansicht nach auch nicht gerade die rettenden Signale zur Erneuerung und Wiederbelebung unserer Gesellschaft sendet. Was wir stattdessen wirklich brauchen? Erst wenn der Eros an Macht und die Macht an Eros verliert &#8211; ohne dass beide Pole jedoch sich ineinander aufheben &#8211; wird Frieden und eine tiefer gründende Gleichberechtigung möglich sein. </p>
<p><strong>Pole, Polarität, Polarkreis.</strong></p>
<p>Aber <em>Gleichberechtigung</em> ist nicht nur zwischen den Geschlechtern ein großes Thema. Wir als Bewohner der westlichen Hemisphäre z.B. erwarten von China Klimaschutz, während wir uns reichhaltig mit deren Billigware eindecken, die wiederum lediglich aus zwei Gründen so billig ist wie sie ist. Zum einen aufgrund den eben nicht besonders hoch motivierten Zielen im Umwelt- und Klimaschutz und zum zweiten den erschreckend niedrig gehaltenen Bedingungen was  grundlegendste Menschenrechte, geschweige denn einer halbwegs gerechten Arbeitsentlohnung betrifft. Es gibt zwischen allen Dingen einen kausalen Zusammenhang der letztlich auch die eigene Person betrifft.</p>
<p>Schuld tragen wir alle, auch wenn es für jeden Einzelnen unterschiedliche Gründe dafür gibt. Der Banker will lieber die Prämie anstatt die Kündigung, der Anleger mehr Geld als nur den Zins vom Sparbuch. Es ist klar, dass dieses Vorhaben von hohem Risiko begleitet wird und im Großen und Ganzen letztlich irgendwann scheitert. Ist der sogenannte „kleine Mann“ wie du und ich denn nicht an Kriegen mitverantwortlich, wenn er &#8211; wenn auch womöglich ahnungslos &#8211; durch versteckte Aktien an Waffenverkäufen in Dritte-Welt-Länder beteiligt ist, ja sogar zuletzt das ganze Geld selbst, unser aller Geld, mit dem wir Tag ein und Tag aus konsumieren und welches wir zu <em>unserem</em> Wohlstand und <em>unserer</em> Sicherheit auf Banken gehortet haben und von großen Investoren verschoben wird, samt den ursprünglichen Gleichgewichten dieser Welt? </p>
<p>Trotzdem oder auch gerade deswegen sind die großen Firmen teils zu Kapitalmaschinen mutiert, deren Köpfe sich (im globalen Kampf) ihrer selbst entledigen während ihnen gewährt wird im selben Schachzug noch ungestraft den Tresor zu plündern und wofür sie nach ausgiebigster Arbeitsplatz- wie Geldvernichtung noch rechtlichen Rückhalt bekommen. Wo verdammt noch mal ist das ganze Geld hingekommen? Da hat der Kapitalismus wohl schamlos wie ungezügelt die Demokratie unterwandert und macht sich längst deren Politik zu nutze, um selbige mehr und mehr auszuhöhlen und schließlich gar restlos auszuhebeln? Da darf man sich schon fragen, letztlich, ohne damit jetzt irgendeine abgelutschte Verschwörungstheorie heranzitieren zu wollen, wem diese Welt eigentlich gehört. Und wo ist die Black Box, die nach dem Finanzabsturz und anderen persönlichen wie globalen Katastrophen aus den Tiefen des Undurchschaubaren geborgen über all unsere unbeantworteten Fragen Aufschluss geben kann?</p>
<p>Gibt es eine Geborgenheit im Eis? Warme Kälte breitet sich aus. Ein seltsam angenehmer Schmerz. <span id="more-2392"></span></p>
<p>Ist es nicht paradox, dass die Polkappen schmelzen, während es zwischenmenschlich kälter wird?</p>
<p><em>Ich habe gar kein Problem mit Rebecca, ich habe nur eines mit mir selbst?</em></p>
<p>Immerhin habe ich feststellen dürfen, dass mein Unvermögen Entscheidungen treffen zu können so weit geht, dass ich es nicht einmal vermag, mich für eine Krankheit zu entscheiden. Manchmal stehe ich vor dem Schrank und ich frage mich ernsthaft &#8211; minutenlang wohlgemerkt &#8211; ob ich die rote oder besser die grüne Tasse wählen sollte. Denken Sie jetzt ruhig ich hätte zuviel Zeit. Oder denken Sie – ich hätte einen an der Waffel!  Sie können und werden sowieso über mich denken was <em>Sie</em> wollen. </p>
<p>Ich habe es nicht in der Hand. </p>
<p>Überall Fragen, überall Fragende und überall die selbe Frage … nach dem <em>Warum</em>? Das Schicksal zeigt uns undichte Stellen, die sich in unserem abgesicherten Alltag einnisten und ein diffuses Unbehagen wie Abwasser in der Kanalisation verbreiten. Wir müssen sehen, was wir nicht sehen wollen, wenn das Wasser verdunstet, wir müssen tauchen … unter das Eis.</p>
<p>Egal wohin ich gehe, mein Kopf verfängt sich in Spinnweben nicht zu Ende gedachter Gedanken. Ich suche nach dem, was <em>mich</em> zusammenhält, denn was ich von mir denke ist im Eigentlichen nur mehr ein brüchiges Konstrukt vergangener Gedanken. </p>
<p>Draußen schüttet es. Frischer Wind zieht durch die gekippten Fenster. Der Himmel ist dunkel, blaugrau. Die Krankenkasse hat mir eine Kur angeboten. Ich weiß nicht, ob ich eine Kur machen soll. Aber wann bekommt man so etwas schon einmal angeboten und muss nicht darum kämpfen? Ich war jetzt acht Wochen krank, d.h. krankgeschrieben, denn krank bin ich schon länger. Und jetzt brauche ich auf jeden Fall ein Attest, das mir bescheinigt, rettungsfähig zu sein. </p>
<p>Ich bin aber nicht rettungsfähig. Bislang habe ich es jedenfalls nicht geschafft, mein eigenes Leben vor der dessen permanent innewohnenden Trägheit zu retten, die so resistent gegen Veränderung zu sein scheint, wie mein Pilzbefall in Darm und Magen. </p>
<p><em>Ja, nein, jain, es ist (k)eine Herzmuskelentzündung. </em>Die Aussagen der Mediziner erinnern mich in ihrer Zuverlässigkeit beinahe an die Berechenbarkeit von Lottozahlen. Feststeht: Ich habe einen mehr oder weniger reaktivierten Epstein-Barr-Virus in mir. So ganz verstehe ich das auch nicht, obwohl ich acht Wochen Zeit gehabt hätte, mich intensiv damit zu beschäftigen. </p>
<p>Zurück zum Eis. Nach dem Hochmut kommt der Fall, die Ebbe nach der Flut. Einer ist in die Tiefe gesprungen. Er war an ein Seil gebunden, doch unter ihm war kein Becken, nur ein Abgrund ohne Wasser. Es war ein junger Mann der eine kleine Tochter hinterließ. Beim Versuch seinen eigenen Weltrekord zu überbieten war sein Seil gerissen. Er wollte Himmlisches wagen und war zum Dämon geworden. Zuvor hatte er Hunderte von Felsen bezwungen, mit den blanken Händen und Füßen. Ohne Seil. Er hätte stolz sein können. </p>
<p><strong>Gott lässt sich eben nicht herausfordern.</strong></p>
<p>Denn es gibt Grenzen. Eine Grenze zum Wahn der Unsterblichkeit und eine Grenze zur Kälte der Perfektion. Eine Grenze nach Innen, eine Grenze nach außen. Eine Grenze der Fantasie und eine Grenze des Fortschritts. Es gibt eine Grenze der Überheblichkeit. Wir können eben nicht alles. </p>
<p>Ich habe entschieden, mich meinen <em>eigenen</em> Widersprüchen zu stellen. </p>
<p>Und: ich werde Rebecca heiraten!</p>
<p>Oder auch nicht.</p>
<p>Habe ich mir nur eingebildet, dass der Kardiologe auf meine Hosenfalle gestarrt hat? Warum aber hat er dabei gesagt „wir werden alles wieder in Reih und <em>Glied</em> bringen? </p>
<p>Ich höre nicht nur die überflüssigen Herzschläge. Ich höre ganz allgemein etwas zu viel. Und ja, meinetwegen habe ich ein Problem damit, nackt in die Sauna zu gehen und auch noch so manches mehr &#8230;</p>
<p>Auswandern werde ich deshalb nicht. </p>
<p>Denn es gibt keine Antwort auf die Frage: <em>Wohin?</em></p>
<p>Am Donnerstag kam die Kündigung. Es hätte nichts mit meiner Krankheit zu tun. Es sei wegen der Finanzkrise und dem Besucherrückgang seit dem Unfall.</p>
<p>Vermutlich werde ich nie wieder angenehm gelangweilt um ein Becken laufen, bei 95 °C ein Handtuch schwingen oder hinter fleckenfreien Glasscheiben Kaffee trinken …  zu unentwegt lockeren Sprüchen.</p>
<p>Ich will jedoch lieber den ganzen Tag schreiben als in Andechs als Nichtalkoholiker für ein paar Euro pro Tag Leergut zu sortieren. Ich werde mich nicht auf die Anzeige als Hilfsarbeiter bewerben! Nun gut, ich sollte mich jedoch <em>irgendwo</em> bewerben. Aber dummerweise finde ich nicht mal ein dafür notwendig werdendes Zeugnis, eher möchte ich eines ablegen. Aber das ist wiederum ein ganz anderes Thema!</p>
<p>Alles liegt auf Eis. Doch ich werde es nicht betreten.</p>
<p>Vielleicht ist es nun an der Zeit aufzutauchen und die Scherben einzusammeln. Vielleicht sollte ich sie auch neu zusammensetzen oder reicht es, sie nur zu berühren? </p>
<p>Womöglich aber … muss man vergessen!</p>
<p>„Ich kann mir gar nicht vorstellen wie da ein Kindchen durchflutschen soll, Rebecca!“ </p>
<p>„Du bist auch ein Mann.“</p>
<p>„Na Gott sei Dank!“</p>
<p><em>Das Eis &#8230; sind tausend Splitter</em>, denke ich.</p>
<p>„Ach weißt du Joe, so ein Becken ist tief!“</p>
<p>Die einzelnen Teile werden im „Duftenden Doppelpunkt im Abstand von 14 Tagen veröffentlicht. Schreiben Sie <a href="mailto:raphael@artsunited.de" class="limailto">Raphael Vogt</a> Ihre Meinung zu seinem Text.</p>
<p><a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/02/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 1</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/11/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-2/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 2</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-3/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 3</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/04/08/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-4/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 4</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/04/22/raphael-vogt-iii-aufraeumen-mit-klischees-teil-5/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 5</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/05/06/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-6/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 6</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/05/21/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-7/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 7</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/06/03/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-8/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 8</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 8</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 01:53:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DIE TIEFE DES BECKENS]]></category>
		<category><![CDATA[Raphael Vogt]]></category>

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		<description><![CDATA[VI  Lichter
Diese Lichter nachts, überall, die machen mich ganz sentimental. Und ich frage mich, besonders wenn es draußen stockdunkel ist und die letzten Badegäste nach der Durchsage das Bad verlassen haben, während ich noch einmal eine letzte Kontrollrunde im Freien um die von den sanften Lichtkegeln der Scheinwerfer erleuchteten Becken drehe &#8211; liegt dort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>VI  Lichter</h3>
<p>Diese Lichter nachts, überall, die machen mich ganz sentimental. Und ich frage mich, besonders wenn es draußen stockdunkel ist und die letzten Badegäste nach der Durchsage das Bad verlassen haben, während ich noch einmal eine letzte Kontrollrunde im Freien um die von den sanften Lichtkegeln der Scheinwerfer erleuchteten Becken drehe &#8211; liegt dort irgendetwas am Beckengrund? Hat irgendwer irgendetwas beim Schwimmen verloren? Dann suche ich noch ein letztes Mal den Boden der Edelstahlbecken ab, meine Augen wandern, scannen jeden Zentimeter ein, während ich immer wieder verzaubert innehalte und sich mein Blick für einen Augenblick in den geräuschlos tanzenden Luftblasen verliert, welche anmutig ruhig aus der Einströmleiste am Beckengrund aufsteigen. Ja, ich frage mich: Was mag am Grund des Ozeans verborgen sein, am Beckenboden der Weltmeere?</p>
<p>Der Schichtleiter meinte, dass er im Gegensatz zu mir keine Bedenken habe, Kunststücke vom 3-Meter-Turm zu vollbringen: „Ach je, wir ham so Sachen gemacht, seinerzeit. Wir sin aufn Dreimeterturm &#8230; und das war uns ja noch nich genug. Dann bin ich Klaus auf die Schultern gehockt und Gabi, damals Azubi, auf meine. Mein Gott &#8230; und dann sin ma noch auf ne Leiter gestiegen und alle mit Kopfsprung rein.“</p>
<p><em>Die Bremer Stadtmusikanten?</em></p>
<p>Am selben Abend erfuhr ich, dass man Kopfsprünge aus 120 Metern Höhe überleben könne, auch wenn er damit jetzt persönlich noch keine Erfahrungen gemacht habe und dass es Kakteen gibt, die über 40 Meter hoch wachsen würden. Mag sein, dass das stimmt. Was er aber am liebsten sagte und deswegen unentwegt wiederholte, war der Satz: „Das ist heut noch so..“ Die alte Fräs-Maschine, an der er vor 25 Jahren gearbeitet hatte „läuft heute noch“, ein unterirdischer Schwelbrand im Torf brennt seit Jahren unentwegt „&#8230; und selbstverständlich auch heute noch!“. Oder Vaters alter Trabband „1983 eigenhändig mit dem Taschenmesser repariert“, der heute noch „einwandfrei“ und „ohne Beanstandung“ fahre &#8230;</p>
<p><strong>Herbst.</strong></p>
<p>Auch wenn ich vor kurzem erst &#8211; während eines Abendspaziergangs &#8211; auf die schwarzbraunen Ackerfurchen blickend, für einen kurzen Moment lang in Erwägung zog, dass es auch genauso gut hätte Frühling sein können, ist es doch bereits November. </p>
<p>Bunte Blätter treiben über die Wasseroberfläche im Außenbecken wie auf einer zähflüssigen Substanz. Nebel quillt aus dem trüb gewordenen Becken. </p>
<p><em>Warum hat die Angst soviel Macht über mich? Warum gelingt es mir nicht, Rebecca zu lieben?</em> Einfach nur – zu lieben?</p>
<p>Und: <em>Warum musste der kleine Junge sterben?</em></p>
<p>Es war vor drei Tagen passiert. Er war am Grund des Beckens gelegen. Der Schichtleiter hatte ihn rausgefischt: Tot. Der Schichtleiter hatte nur gesagt „Zu DDR-Zeiten hätte es das nicht gegeben ( &#8211; ). Da konnten alle Schulkinder schwimmen.“, und: „Eher kamste nich inne Schule.“ <em>Ja</em> dachte ich, <em>da gebe ich ihm nun doch einmal uneingeschränkt recht!</em> Jetzt suchen alle &#8211; wie immer &#8211; einen Schuldigen. Es muss ja immer einen Schuldigen geben! Die Bildzeitung hat sich bereits die Eltern gekauft. Es wäre besser, Bild würde sich stattdessen weiterhin um eine aufmerksame Beobachtung von Britney Spears` Achselbehaarung bemühen, um der Welt rechtzeitig von schmutzigen Veränderungen in deren Achselhöhlen berichten zu können. </p>
<p>Wie seltsam eine Gesellschaft sein muss, die sich an drei Komma fünf Millimeter langer Achselbehaarung echauffiert, denke ich mir.</p>
<p>Aber das ist eine andere Frage.</p>
<p>Er war am Boden gelegen, mein Gott, ersoffen, in der Tiefe, am Boden. Vieles liegt im Schatten, aber tote Kinder sind noch einmal etwas ganz anderes. Manche fallen deutlich, manche still und leise, andere stehen ihr Leben lang im Rampenlicht. Auch Helden können fallen, denke ich, wie Gegenstände, Urteile und Grenzen. Wer hoch hinaus will, fällt manchmal tief. Ob er jetzt wohl denkt, er habe versagt? „Wenn Du nicht schwimmen kannst, gehen dir schnell mal die Lichter aus,“ hörte ich ihn erst kürzlich noch zu einer Schar übermütiger Kinder sagen. Wer denkt nun nicht: <em>Was hat es genutzt?</em></p>
<p><strong>Eis auf dem Außenbecken.</strong></p>
<p>Wenn ich am Rand entlang gehe so schimmert das Wasser im Hallenbecken schwarz. Nahezu so schwarz wie die Kleidung unseres Betriebsleiters und seiner Sekretärin, die ersten Tage danach.</p>
<p>Auch wenn der Schnee nicht liegen bleibt, schneit es doch im Überfluss. Aprops Überfluss. Ich habe eigentlich alles. Doch das ist vielleicht auch zuviel? Vielleicht habe ich weit mehr, als ich zum Leben brauche. Zuviel an Dingen, an Wünschen, Gedanken, Ideen? </p>
<p>Ich kann nur weiter auf die Becken starren. Darüber hinaus bleibt nichts zu tun.</p>
<p>Offenbar.</p>
<p>Doch irgendwie treibt es mich auf das Eis. Ich darf es jedoch nicht betreten. Auf dem Computer lese ich die Temperatur des Außenthermometers: Minus drei Grad Celsius. </p>
<p>Was passiert aber, wenn ich mich der Ahnung widersetze. Welche Ahnung meine ich überhaupt?</p>
<p>Ich starre auf das Eis. Es kann sehr glatt sein unter der zarten Schneedecke. Glatt oder gar rissig. Ich entscheide mich dafür, das Eis nicht zu betreten. Ich traue dieser Schönheit nicht. Es wäre größenwahnsinnig und ein bisschen narzisstisch, den Gefallen an der eigenen Angst zu verehren, denke ich mir. Ich mache nicht mal vom Dreimeterbrett einen Kopfsprung. Vielleicht bin ich auch nur etwas feige. Das Eis trägt, das Eis trägt nicht. Der Kippmoment scheint beinahe fließend und irgend etwas Ominöses zieht mich in zwei Richtungen. Vielleicht ist es nur die Angst davor, nicht standzuhalten, einzubrechen. Was dann?</p>
<p><strong>Zurück am See.</strong></p>
<p>Das Licht für die Sturmwarnung wirft einen orangefarbenen Strich auf die graublaue Oberfläche des Sees, in unsere Richtung, der Richtung des Stegs, auf dem wir stehen. Ich von ihr weg gedreht, die Hände auf die Brüstung gestützt, Rebecca auf der gegenüberliegenden Seite, mit dem Rücken ans Geländer gelehnt.</p>
<p>Ich sage „hier war ich und habe an der <em>Tiefe des Beckens</em> geschrieben“ und dass ich (wieder) weg müsse, irgendwie, weit weg.</p>
<p>„Dann mach es doch endlich einmal und red nicht nur ständig davon!“</p>
<p>„Ich möchte aber viel lieber noch hier stehen und das einfach schön finden und Geld dafür bekommen,“ erwidere ich und bin froh, nicht sehen zu müssen, ob sie &#8211; während ich dies sage &#8211; die Augen verdreht.</p>
<p>Anschließend verlasse ich schnellen Schrittes den Steg.</p>
<p>Die einzelnen Teile werden im „Duftenden Doppelpunkt im Abstand von 14 Tagen veröffentlicht. Schreiben Sie <a href="mailto:raphael@artsunited.de" class="limailto">Raphael Vogt</a> Ihre Meinung zu seinem Text.</p>
<p><a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/02/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 1</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/11/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-2/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 2</a><br />
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		<title>RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 9</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Jun 2009 00:22:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DIE TIEFE DES BECKENS]]></category>
		<category><![CDATA[Raphael Vogt]]></category>

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		<description><![CDATA[EPILOG
Ich habe mir einen Boxsack gekauft. Er ist beigefarben, etwa einen Meter groß, hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern und hängt an einem Balken im Stadel.
Am ersten Abend nach dem Kauf der neuen Errungenschaft habe ich gleich einmal den Schichtleiter vermöbelt. Nun ja, vielmehr wollte ich das tun. Ich habe den Boxsack verfehlt und daraufhin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>EPILOG</h3>
<p>Ich habe mir einen Boxsack gekauft. Er ist beigefarben, etwa einen Meter groß, hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern und hängt an einem Balken im Stadel.</p>
<p>Am ersten Abend nach dem Kauf der neuen Errungenschaft habe ich gleich einmal den Schichtleiter vermöbelt. Nun ja, vielmehr wollte ich das tun. Ich habe den Boxsack verfehlt und daraufhin tat es mir fast leid, es überhaupt versucht zu haben. Ich haue nicht gerne auf Menschen ein. Auch nicht virtuell. Mir tut schon der Boxsack leid, &#8230; wenn ich ihn treffe. Nach jedem Training – wobei ich nun nicht so übertreiben möchte und mir der Begriff Training für eine meist lediglich nur vier bis fünf Minuten andauernde Einheit als nahezu peinlich erscheint – streichle ich deshalb zum Abschluss stets meinen Boxsack.</p>
<p>Eigentlich mag ich den Schichtleiter schon. Er erinnert mich an meinen eigenen Vater, was mich jedoch angesichts der Tatsache, dass sich bisher keiner – mein leiblicher Erzeuger eingeschlossen – jemals bedeutsam um diese Rolle bemüht hat, auch nicht sonderlich verwundert.</p>
<p>Ja, ich mag den Schichtleiter und das Land seiner ausschweifenden Erzählungen, all seine kuriosen Geschichten sowie seine holzige Art. Auch wenn er sich nicht anständig benehmen kann, so weiß ich jedenfalls, dass ich ihn dahingehend sogar ein wenig beneide, nämlich in dem was er ist oder wenn auch nur, so dennoch  unmissverständlich vorgibt, zu sein:  Ein Kerl von einem Mann!</p>
<p>„Wir bekommen nun auch so ein Kamera-Überwachungssystem von dem ich dir vor noch gar nicht allzu langer Zeit erzählt habe.“</p>
<p>„Tatsächlich? Na ja, wenn es hilft. An die Überwachung, allerorts, sind wir ja schon gewöhnt,“ erwiderte Theo.</p>
<p>„Das stimmt. Mein Schichtleiter meinte kürzlich, dass übrigens sämtliche Stasileute nahtlos im BND untergekommen seien. Wenn er auch viel erzählt, den lieben langen Tag, da kennt er sich wohl aus.“</p>
<p>„So gesehen wundert mich nichts mehr … in diesem Staat.“</p>
<p>„In diesem Staat? Linkes wie rechtes Gedankengut wird den Leuten weltweit, in Watte verpackt, fein demokratisch serviert. Schau dir nur einmal an, was Putin so getrieben hat! Bush und Rumsfeld haben sämtliche Hitlerbücher gelesen. Da wundert mich auch nichts mehr!“ &#8222;Bush? Wer hat ihm vorgelesen?&#8220;</p>
<p>Stromausfall.</p>
<p>Ich suche die Streichhölzer. Seit ich das Rauchen aufgegeben habe, ist es mir auch nie mehr gelungen, irgendwo im Haus ein Feuerzeug zu sehen. Sie scheinen allesamt auf nahezu mysteriöse Weise, in Solidarität mit den letzten Zigaretten, verschwunden zu sein. </p>
<p>Verschwunden ist ebenfalls meine Unruhe im Kopf, wenn auch erst seit wenigen Minuten. Ich denke, der orkanartige Wind hat irgendwo eine Stromleitung ausgehebelt oder gar einen ganzen Masten umgeschmissen. Wundern würde mich das nicht. Drei Fenster sind nämlich gleichzeitig zugefallen und zwar in einer Lautstärke, dass es mich schon fast etwas überrascht, dass sie dabei nicht zerbrochen sind. Das Haus ist ein bäuerlicher Altbau, der schätzungsweise an die 120, wenn nicht auch schon 150 Lebensjahre zählt und dessen Fenster nach wie vor aus jeweils zwei dünnen, in bereits erheblich verloderten Holzrahmen angebrachten, Einzelglasscheiben bestehen.</p>
<p>Der Sturm lässt nach, es hat zu regnen begonnen. Die Streichhölzer liegen direkt neben der dicken Kerze auf dem Küchentisch. Mit dem Strom ist meine Unruhe verschwunden. In mir &#8230; wie vermutlich auch in den Teichen, Seen und Außenbecken, &#8230; hat sich der Schlamm gesetzt. </p>
<p>Ich wollte gerade eben den Computer anschalten und vermutlich noch einiges mehr – aus dem mittlerweile erheblich angewachsenen Repertoire Strom fressender Wohlstandsutensilien &#8230; und nun gibt es nicht einmal mehr heißen Kaffee! </p>
<p>Die Kerze flackert lieblich, während es zu nun einsetzendem Donner und Geblitze riesige Tropfen an die Scheiben schleudert.</p>
<p>Ich gehe in die dunkelste Ecke der Wohnung und krame nach vorsichtigem Herantasten mein grünes Notizbuch aus dem Regal. </p>
<p>Nichts geht mehr. </p>
<p>Dass ich mich jemals so frei gefühlt haben könnte, denke ich mir, muss &#8211; wenn überhaupt &#8211; dann schon sehr lange her sein &#8230;</p>
<p>Und ich warte, warte weiterhin, auf irgendetwas, wie schon einmal erwähnt. Ich bin unterwegs und wohin ich will weiß ich immer noch nicht. Alles was ich weiß ist, dass ich dabei bin, mein kleines grünes Notizbuch zu öffnen, um mich weiterhin ausgiebig meinen Illusionen zu widmen. Jeder macht sich ja seine ganz individuellen Illusionen. Ich für meinen Teil ziehe es dabei vor, ein Schriftsteller, Musiker, Regisseur und Künstler zu sein; vielleicht auch nur, um vor mir selbst den Anschein zu wahren, mir all meiner Illusionen bewusst und deren eigener Konstrukteur zu sein.  </p>
<p>Joe</p>
<p>Schreiben Sie <a href="mailto:raphael@artsunited.de" class="limailto">Raphael Vogt</a> Ihre Meinung zu seinem Text.</p>
<p><a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/02/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 1</a><br />
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<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-3/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 3</a><br />
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<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/05/06/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-6/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 6</a><br />
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<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/06/17/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-9/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 9</a></p>
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		<title>Raphael Vogt – Die Tiefe des Beckens – Teil 7</title>
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		<pubDate>Thu, 21 May 2009 19:06:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DIE TIEFE DES BECKENS]]></category>
		<category><![CDATA[Raphael Vogt]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Schwarzen Löchern und Maschinen
Apropos Strömungskanäle und Kreisläufe. In Cern ist es bislang dann doch bei den – bereits von den Wissenschaftlern prognostizierten &#8211; kleinen Löchern geblieben. Der Weltuntergang lässt zum Glück auf sich warten. Oder auch – Gott sei Dank? Ganz nebenbei: Was bringt uns eigentlich ein Teilchenbeschleuniger? Ich wäre vielmehr für eine Entschleunigung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Von Schwarzen Löchern und Maschinen</h3>
<p>Apropos Strömungskanäle und Kreisläufe. In Cern ist es bislang dann doch bei den – bereits von den Wissenschaftlern prognostizierten &#8211; kleinen Löchern geblieben. Der Weltuntergang lässt zum Glück auf sich warten. Oder auch – Gott sei Dank? Ganz nebenbei: Was bringt uns eigentlich ein <em>Teilchenbeschleuniger</em>? Ich wäre vielmehr für eine <em>Entschleunigung</em> der Zeit. Kommt, lasst  uns den Zeitstrudel abstellen und einen <em>Zeitentschleuniger</em> bauen! Ich denke mal, der benötigt auch nicht Milliarden von Kabeln, aber ich denke auch, die Entschleunigung der Zeit wäre dennoch ein schwieriges Vorhaben. Womöglich würden wir mit der Entschleunigung der Zeit (wieder) eher finden, wonach wir doch eigentlich suchen. Dem Einzigen, dem Urgrund. Und das ist nun einmal nicht ganz im Sinne des Kapitalismus, der sich an der kultivierten Unzufriedenheit seiner Mitglieder nährt.</p>
<p>Also bevor der Geist der Zivilisation unserer Städte die ganze Welt vereinnahmt – bis die letzten Coca-Cola-Fahnen auf mongolischen Nomadenzelten wehen – habe ich mir meinerseits vorgenommen, die Stadt zu verlassen, um mich der Ursprünglichkeit hinzugeben. Na ja, was auch immer das ist und wie auch immer das geht. Aber ich will und werde das tun. Schon allein dieser Vorsatz erscheint mir wie ein Frühjahrsputz in meinem Gewissen. Ich bleibe dann physisch zwar Teil der Stadt und Teil des Getriebes, doch innerlich klinke ich mich aus. Ich folge fortan nicht mehr der großen Maschine und lasse mich nicht führen von ihr. Ich will bald aufgehört haben, mich vom Konsum und indoktrinierten Sehnsüchten diktieren zu lassen, ich steige aus dem Sumpf der schwarzen Löcher hinauf zu den Türmen. Wie das geht? Nun &#8211; wie auch immer. Wie auch immer! Ich werde dann eben der Feind sein und der Fernseher wird mich hassen. Und der Staat wird mich hassen. Und der Unternehmer sowieso. Der Fernseher, der aus dem Kreis der Familie ja bekanntlich einen Halbkreis macht und längst auch in den schönen runden, zirkuszeltähnlichen Jurten der Mongolen Einzug hält, wird er also womöglich nicht bald auch noch <em>Halbkreiszelte</em> für die Nomaden fordern?</p>
<p>Ich denke, die Maschine der <em>wir</em> dienen ist ein dickgefressenes, träges Tier mit fletschenden Zähnen. Es wird ein Loch geben, das uns alle verschlingt, wenn die Ablenkung ihren Höhepunkt erreicht. Diese Maschine ernährt sich von (unserer) Zeit, ist ein riesengroßes Etwas ohne Kopf und wir haben ihr alle zu viel Macht gegeben. </p>
<p>Zurück zum schwarzen Loch. Schwarze Löcher haben die Eigenschaft, alles aufzusaugen. Zuweilen auch unsere Aufmerksamkeit. Kaum etwas scheint uns aber mehr in den Bann zu ziehen als der Beckenraum. Dass das auch gut so sei und schließlich die Aufgabe eines Bademeisters werden Sie nun vermutlich sagen und ich möchte Ihnen da – in gewisser Hinsicht zumindest – nicht widersprechen.</p>
<p><strong>Spätschicht.</strong></p>
<p>„Dort hinten trainiert der Schwimmverein. Schau mal wie der Trainer seine Zöglinge hetzt.“</p>
<p>Schichtleiter: „Und &#8230;? Schon recht so!“</p>
<p>Ich nickte.</p>
<p><strong>Dieser Ehrgeiz kotzt mich an!</strong></p>
<p>Andererseits denke ich mir, hat er vielleicht auch recht. Auf jeden Fall gibt es nichts beunruhigenderes wie eine Horde Kinder die nie richtig Schwimmen gelernt hat. Das ist unter anderem eine nicht unbedeutende Konsequenz sogenannter Spaßbäder, in der gerade Kinder vom Angebot an Wasserspielen und Rutschen, bis hin zu Wasserkino und Internet überwältigt sind und letztlich das Schwimmen selbst jegliche Attraktivität verliert. Auch bei uns wird auf den Faktor Spaß gesetzt, denn nur der garantiert bei den hohen Betriebs- und Instandhaltungskosten des Bades den bitter notwendigen Zulauf und hält somit &#8211; neben den Erträgen aus Wellness- und Saunabereich &#8211; den Betrieb über Wasser.</p>
<p>Was da nun wiederum an Energie verschwendet werden muss, um das ganze Treiben am Laufen zu halten steht noch einmal auf einem ganz anderen Blatt. Ich möchte nicht wissen wie viele Menschen in Afrika nur durch die Menge an Wasser überleben könnten, welche allein im Freibadebereich pro Badetag verdunstet, von der nötigen Frischwasserzufuhr von mindestens 30 Liter pro Besuch und Badegast und des vergossenen Wassers – zudem oft ohne jeweilige Benutzung &#8211; der laufenden Duschen ganz abgesehen.</p>
<p>Aber da ich nicht Gefahr laufen möchte, meinen Vorgesetzten mit solchen Fragen in seiner Position als wirtschaftlich denkendem Mitglied der Betriebsleitung in Frage zu stellen, halte ich mich ihm gegenüber mit der Äußerung meiner Gedanken zurück. Abgesehen davon komme ich ja hiermit nicht herum, auch meinen eigenen Job in Frage zu stellen.</p>
<p>Glauben kann ich dem Schichtleiter übrigens nahezu gar nichts. Außer, dass er damals als, wie er mir erzählte – von mir aus auch gezwungenermaßen &#8211; parteitreuer Mitarbeiter des Grenztrupps auf Flüchtlinge geschossen hat. Das ist nämlich etwas, das er <em>nicht</em> gesagt hat. Das macht ihn – im Kontext seines Charakters – grundsätzlich verdächtig.  Auf die Frage hin, ob er es denn einmal selbst getan, ob er eigenhändig geschossen hätte, schweigt er sich aus. Und dieses Schweigen nehme ich ihm ab. Es wirkt auf mich im Gegensatz zu seinen Geschichten, welche allesamt im Kern den Zweck beinhalten, sich damit selbst auf eine heldenhafte Art hervorzuheben nur allzu authentisch. Es dürfte ein qualvolles Schweigen sein. Es ist mir Antwort genug und nicht selten spüre ich einen qualvollen Drang seinerseits, mehr zu erzählen, etwas auf ewig geheim Geschworenes preiszugeben und das Bedürfnis meinerseits, diesen verhärteten, innerlich todtraurigen Mann kameradschaftlich, ja wenn nicht gar, nahezu freundschaftlich, in den Arm zu nehmen, damit er sich womöglich endlich einmal zugesteht wie ein kleiner Junge heulen zu dürfen. Natürlich mache ich das nicht. Doch ich wünsche es ihm. Ich mag diesen unbehauenen Kotzbrocken!<br />
Überwiegend scheint er sich aber gar unbändig nach seiner Vergangenheit im Osten zu sehnen, da er diese immer wieder in lang ausgedehnten Monologen aufs Höchste verklärt.</p>
<p>Jeder hat wohl etwas vor sich selbst zu verbergen, denke ich mir und ich nehme mich da nicht aus.</p>
<p>Die einzelnen Teile werden im „Duftenden Doppelpunkt im Abstand von 14 Tagen veröffentlicht. Schreiben Sie <a href="mailto:raphael@artsunited.de" class="limailto">Raphael Vogt</a> Ihre Meinung zu seinem Text.</p>
<p><a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/02/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 1</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/11/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-2/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 2</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-3/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 3</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/04/08/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-4/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 4</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/04/22/raphael-vogt-iii-aufraeumen-mit-klischees-teil-5/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 5</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/05/06/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-6/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 6</a></p>
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		<item>
		<title>Raphael Vogt &#8211;  Die Tiefe des Beckens &#8211; Teil 6</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 20:26:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DIE TIEFE DES BECKENS]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Raphael Vogt]]></category>

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		<description><![CDATA[IV Der Wassermann
„Wenn das Wasser still ist, hat man die Klarheit und der Bademeister sieht bis auf den Grund. Die Leute dürfen sich im Wasser nicht bewegen. Es dient doch nur der Sicherheit! Siehst du den paradoxen Zusammenhang? Wer sich nicht bewegt, lebt nicht und Stillstand ist der Tod bekommt da eine ganz neue, wörtliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>IV Der Wassermann</h3>
<p>„Wenn das Wasser still ist, hat man die Klarheit und der Bademeister sieht bis auf den Grund. Die Leute dürfen sich im Wasser nicht bewegen. Es dient doch nur der Sicherheit! Siehst du den paradoxen Zusammenhang? Wer sich nicht bewegt, lebt nicht und <em>Stillstand ist der Tod</em> bekommt da eine ganz neue, wörtliche Bedeutung. Das eine existiert bekanntlich nicht ohne das andere.“</p>
<p>Theo schaut mich erwartungsvoll an, ich fahre fort:</p>
<p>„Es gibt jetzt auch Überwachungsanlagen für Schwimmbecken. Es handelt sich dabei um ein Sicherheitsnetz aus einem intelligent agierendem Kamerasystem, welches angeblich automatisch Ertrinkende erkennt.“ Hatte ich in einer Fachzeitschrift gelesen.</p>
<p>„Wie das?“ (fragte Theo)</p>
<p>„Die Kameras sind am oder in der Nähe des Beckenbodens installiert und reagieren ab einem gewissen Zeitfenster auf regungslose Körper.“</p>
<p>„Erstaunlich! So ein System tut Not in unserem <em>Staat</em>!“ </p>
<p>„Wie meinst du das?“</p>
<p>„Wie ich es gesagt habe. Wer bremst eigentlich die Börsianer, die Globalisierung, den Kapitalismus? Und wer fängt all die auf, die dabei durchfallen, wenn selbst das Bankennetz lebensgefährlich grobmaschig geworden ist. <em>Unser</em> letztes Sicherheitsnetz heißt Hartz 4.“</p>
<p>„Ich halte es da mit der Kundenbetreuerin von e-on, die sich neulich am Telefon meine unerklärbar hohe Telefonrechnung damit erklärte, dass sich wohl, wortwörtlich &#8211; <em>das System geirrt</em> habe.“</p>
<p>„Sagst du das auch zu den Ertrinkenden, falls die Kamera versagt?“</p>
<p>„Erstens: <em>Wir</em> haben noch <em>keine</em> automatische Überwachung in unseren Schwimmbecken. Zweitens: Es gibt da einen filigranen Unterschied zwischen Überwachung u. Sicherheit. <em>Wir</em> stehen für letzteres.“</p>
<p>Ich fuhr fort „Denn es ist ja nicht jeder ein Fischmann. Neulich habe ich den ganzen Tag einen Schwimmer beobachtet. Ich nenne ihn mal <em>Fisch</em>, denn er schmiegte sich in die selbsterzeugte Welle und unterbot dabei stets die Wasserluftkante. Ich fragte mich die ganze Zeit: Mein Gott, muss er nicht atmen?“</p>
<p>Vielleicht atmete er Wasser? Vielleicht reichten ihm die feinen Luftbläschen, vielleicht hatte er unsichtbare Kiemen? Ich traute meinen Augen nicht. Diese Lücke zwischen Staunen und Zweifeln war für einen Augenblick von etwas Zeitlosem erfüllt, das sich in diesem kurzen Augenblick schier unendlich auszudehnen schien. </p>
<p>„Der Gong mit anschließender Ankündigung vom Strömungskanal holte mich wieder zurück.“</p>
<p>Ich steckte den Schlüssel in die Säule, das orange Betriebslicht blinkte auf. Etwa 30 Sekunden  später schoss das Wasser aus den Düsen. Für die nächsten 10 Minuten hatte ich diesen fröhlichen Kreislauf der Sicherheit wegen zu beobachten und anschließend wieder durch ein Entfernen des Schlüssels aus der Säule abzustellen. </p>
<p>Der Zeitstrudel dagegen ist kaum abzustellen. Alles dreht sich immer wilder und schneller. Werte, Regeln und Normen, all das lang gehasste aber doch im Innersten Halt gebende schwindet unaufhörlich mit der Fliehkraft der unkontrolliert rotierenden Zentrifuge, in der sich unsere Gehirne im Zeitraffer &#8211; nahezu bereits schon organisch miteinander vernetzt – unentwegt im Kreis drehen. Manchmal möchte ich einfach abtauchen, untertauchen, wie der Fischmann sein. Ich komme da nicht mehr mit.</p>
<p>Ich möchte manchmal einfach nur innehalten, den Schlüssel ziehen und den Zeitkanal abstellen und schreien: <em>Hey Leute, merkt ihr denn nicht, dass ihr Euch im Kreis dreht.</em> Alle sind geschäftig, bewegen sich und strampeln sich ab – ohne Rücksicht auf Verluste &#8211; aber keiner kommt voran. <em>Leute, ihr werdet doch gedreht und habt aber den Eindruck, euren eigenen Kurs zu fahren.</em></p>
<p>Die einzelnen Teile werden im „Duftenden Doppelpunkt im Abstand von 14 Tagen veröffentlicht. Schreiben Sie <a href="mailto:raphael@artsunited.de" class="limailto">Raphael Vogt</a> Ihre Meinung zu seinem Text.</p>
<p><a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/02/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 1</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/11/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-2/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 2</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-3/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 3</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/04/08/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-4/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 4</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/04/22/raphael-vogt-iii-aufraeumen-mit-klischees-teil-5/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT &#8211; DIE TIEFE DES BECKENS &#8211; Teil 5</a></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>DOSSIER MIGRATIONSLITERATUR</title>
		<link>http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/04/20/dossier-migrationsliteratur/</link>
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		<pubDate>Sun, 19 Apr 2009 23:07:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Infos aus der Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DOSSIER]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Migrationsliteratur]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine neue deutsche Literatur? 
Ein Dossier der Heinrich Böll Stiftung  
Die Literatur von MigrantInnen und AutorInnen mit Migrationshintergrund ist heute fester Bestandteil deutscher Kultur. Seit der ersten Einwanderergeneration der 1950er Jahre finden die sprachlichen Neuerkundungen der in der Bundesrepublik angekommenen MigrantInnen sowie ihr interkulturelles Leben gleichermaßen ihren ästhetischen und literarischen Ausdruck in deutscher Sprache. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Eine neue deutsche Literatur? </h2>
<p><a href="http://www.migration-boell.de/web/integration/47_1990.asp" class="liexternal">Ein Dossier der Heinrich Böll Stiftung</a>  </p>
<blockquote><p>Die Literatur von MigrantInnen und AutorInnen mit Migrationshintergrund ist heute fester Bestandteil deutscher Kultur. Seit der ersten Einwanderergeneration der 1950er Jahre finden die sprachlichen Neuerkundungen der in der Bundesrepublik angekommenen MigrantInnen sowie ihr interkulturelles Leben gleichermaßen ihren ästhetischen und literarischen Ausdruck in deutscher Sprache. </p></blockquote>
<h3>Interkultur, Third Space und Hybridität</h3>
<p><strong>Immacolata Amodeo:</strong> Betroffenheit und Rhizom, Literatur und Literaturwissenschaft<br />
<strong>Franco Biondi:</strong> Interview &#8222;Literatur ist Gedächtnis&#8220;<br />
<strong>Karin E. Yesilada:</strong> AutorInnen jenseits des Dazwischen &#8211; Trends der jungen türkisch-deutschen Literatur<br />
<strong>Zafer Senocak:</strong> Interview &#8222;Die klassische Migration gibt es nicht mehr&#8220;<br />
<strong>Aglaia Blioumi:</strong> Transatlantische Begrifflichkeiten &#8211; Der interkulturelle Diskurs in Deutschland und den USA </p>
<h3>EntFremdung, Integrität und SelbstBeschreibung</h3>
<p><strong>Yasemin Dayioglu-Yücel:</strong> Identität und Integrität in der türkisch-deutschen Migrationsliteratur<br />
<strong>Deike Wilhelm:</strong> Die Literatur von Sinti und Roma im deutschsprachigen Raum<br />
<strong>Kien Nghi Ha:</strong> Postkoloniales Signifying &#8211; Der &#8222;Kanake&#8220; als anti-rassistische Allegorie? </p>
<h3>SprachRäume, Körperbilder undLiebe</h3>
<p><strong>Thomas Northoff:</strong> Wort-Graffiti. Texturen migrantischer Jugendlicher im deutschsprachigen Raum<br />
<strong>Carmine Chiellino:</strong> Interkulturelle Liebe als Wahrnehmungsprozess<br />
<strong>Claire Horst:</strong> Raum- und Körperbilder in der Migrationsliteratur von<br />
<strong>Yoko Tawada:</strong> Fremd sein ist eine Kunst Interview mit<br />
<strong>Stefanie Kron:</strong> Afrikanische Diaspora und Literatur Schwarzer Frauen in Deutschland</p>
<h3>Texte folgender AutorInnen</h3>
<p><strong>Wladimir Kaminer / Yoko Tawada / Zafer Senocak / Amir Valle / Bashana Abeywardane / Jovan Nicolic / Lindita Arapi / Zeynel Kizilyaprak</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Raphael Vogt &#8211; Die Tiefe des Beckens &#8211; Teil 4</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Apr 2009 20:42:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DIE TIEFE DES BECKENS]]></category>
		<category><![CDATA[Raphael Vogt]]></category>

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		<description><![CDATA[Als ich am 25. April zu meiner ersten Frühschicht antrat, empfing mich der Schichtleiter mit den freundlichen Worten „wir werden sehen, wie lang du das machst“, was mir wiederum Anlass genug war, den ganzen folgenden Tag an mir und jeder abgeleisteten Arbeitsaufgabe zu zweifeln, auch wenn sie an sich noch so einfach zu bewältigen war. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich am 25. April zu meiner ersten Frühschicht antrat, empfing mich der Schichtleiter mit den freundlichen Worten „wir werden sehen, wie lang du das machst“, was mir wiederum Anlass genug war, den ganzen folgenden Tag an mir und jeder abgeleisteten Arbeitsaufgabe zu zweifeln, auch wenn sie an sich noch so einfach zu bewältigen war. Nachdem ich mich, mit der zaghaften Bemerkung „Kaffee tut schon ganz gut zwischendurch“ &#8211; die der Schichtleiter daraufhin mit der Gegenfrage „Willste?“ beantwortete – sozusagen selbst zu einer Tasse Kaffee eingeladen hatte, wagte ich es vorsichtig, mir aus der blauen Literkanne einzuschenken und fragte nebenbei den Schichtleiter was man denn „als Bademeister so wissen“ müsse?. Dabei drückte ich mühsam Kondensmilch aus der Dose in die Kaffeetasse und dachte darüber nach, dass da ein zweites Loch fehle und fühlte mich an meinen 1987 verstorbenen Großvater erinnert, der stets auch auf ein zweites Loch in der Bärenmarken-Büchse bestanden hatte, wenn Großmutter die Dose zum Malzkaffee – den sie stets in einer verbeulten, weißblau emaillierten Blechkanne servierte &#8211; auf den spartanisch gedeckten Küchentisch gestellt hatte. „Das heißt Schwimmmeister,“ korrigierte mich der Schichtleiter mit mahnendem Tonfall und fuhr mit den Worten „Kaffee kochen muss man können.“ fort. Nach einer Pause und einem kräftigen Schluck Kaffee – welchen ich ja kurz zuvor für ihn / uns aufbrühen durfte &#8211; ergänzte er „das kannste schon mal nich,“ und versuchte sogleich einem flüchtigen Seitenblick einhergehend, den an einem Abwenden meinerseits abgelesenen Schaden mit der Entschuldigung „aber das liegt vielleicht auch daran, dass es mir nie genug Pulver sein kann“ zu begrenzen. „Weißte, ich vertrag nämlich so ne Hühnersuppe nich.“ Dann hustete er kräftig und zog umgehend an seiner Zigarette, als wäre die Ursache (des Hustens) sogleich deren Heilung und nippte so langsam am Kaffee, als wolle er die Tasse dazu nützen, um sein Gesicht vor mir zu verstecken. „Nichts gegen deinen Kaffee. Ist halt Geschmackssache.“ </p>
<p>Der Schichtleiter blickte auf seine stolze, vermutlich wasserdichte, Armbanduhr. Ohne von ausgesprochener Sachkenntnis sprechen zu können, wage ich die Vermutung, dass es sich bei ihr um die klassische Fälschung einer Rolex, oder was auch immer – ich hab gar nicht so genau hingeschaut &#8211; handeln musste. „So,“ sagte er dann „wo bleibt er denn?“ und ergänzte nach einem Blick in mein von Unwissenheit gezeichnetes Gesicht „na, dein Kollege.“ „Wie spät ist es denn?“ fragte ich „und wann sollte er denn da sein?“ „Sechs Uhr zwölf. Er sollte wie du &#8211; seit sechs Uhr &#8211; hier sein. Wenn Leandro – so heißt er, dein Kollege – bis viertel nach nicht hier ist, dann muss ich mit dir hinter gehen.“ „Hinter gehen?“ „Zur Putzkammer“ und dann lachte er „Einweisen!“. Mir schwante, dass es sich um eine Verwechslung handeln musste und als ich mir schon geeignete Worte für die Verabschiedung zurechtlegte, meinte der Schichtführer „Ja. Putzen, natürlich! Was denkst `n du?“ und machte aus seiner Freude über meine Verwunderung keinen Hehl. „Ha ha, wir putzen doch alle hier.“ Dann klopfte er mir auf die Schulter. War dies als Ritterschlag zu verstehen?</p>
<p>Regentropfen kleben an den Schaufensterscheiben. Blinkende Reklame, Spritzwasser und Neonlicht. Die trübe Nacht schluckt den verbliebenen Schall des Tages. Der Regen trommelt leise auf das Blechdach über mir &#8230; vor dem großen Fenster eines Modekaufhauses. Ich vermisse mein Auto. Zwei Minuten später hält der Bus. </p>
<p>Ich habe Angst vor dem 10- Meter-Brett und Angst vor denen, die springen, so groß ist mein Respekt! Ich habe Anna Baders gespannte Fußsohlen gesehen, ihren Blick, ein Interview nach dem Sprung. Warum macht mich immer alles gleich so an? Ist es nur die Sehnsucht? Wenn ja, wonach? Wahrscheinlich nur die nach dem eigenen Mut. Begierde kann so tückisch sein! &#8211; Ein dunkler Wald aus Projektionen!</p>
<p> Ich lechze nach Leben!</p>
<p>Ich denke mir: Wie tief muss so ein Becken sein? Je höher gesprungen wird, desto mehr Fallgeschwindigkeit – und diese steigt mit zunehmender Höhe im Quadrat – damit jedoch auch die Aufprallhärte. Je höher der Sprung, desto härter also das Wasser, desto mehr Widerstand bzw. weniger Wasserverdrängung. Was logischerweise somit die Bremswirkung erheblich erhöht und die Tiefe des Eintauchens reduziert. Es ist also ein Trugschluss, dass ein Sprung aus großer Höhe eine wesentlich größere Wassertiefe erfordern würde. Wie tief ist so ein Becken? Ich befürchte, dass meine Männlichkeit im Gegensatz dazu verschwindend klein ist! Und ich glaube das nicht nur, was meinen Mut betrifft. </p>
<p>Denn so ein Becken ist tief! </p>
<p>Die einzelnen Teile werden im „Duftenden Doppelpunkt im Abstand von 14 Tagen veröffentlicht. Schreiben Sie <a href="mailto:raphael@artsunited.de" class="limailto">Raphael Vogt</a> Ihre Meinung zu seinem Text.</p>
<p><a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/02/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 1</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/11/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-2/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 2</a><br />
<a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/11/http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-3/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS – Teil 3</a></p>
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		<item>
		<title>RAPHAEL VOGT &#8211; DIE TIEFE DES BECKENS &#8211; TEIL 3</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2009 23:25:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DIE TIEFE DES BECKENS]]></category>
		<category><![CDATA[Raphael Vogt]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Beckenrand
Ich betrachte mein Auto in der Schrottpresse. Eine nackte Glühbirne schaukelt an einem langen Kabel über meinem Kopf hin und her und bewegt dessen Schatten hinter sich, während das Auto unter Krächzen gestaucht wird und sich der Bug nun allmählich nach oben aufbäumt. Der Fahrgastraum schrumpft unter dem Gestöhn der sich biegenden Bleche, bis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Am Beckenrand</h2>
<p>Ich betrachte mein Auto in der Schrottpresse. Eine nackte Glühbirne schaukelt an einem langen Kabel über meinem Kopf hin und her und bewegt dessen Schatten hinter sich, während das Auto unter Krächzen gestaucht wird und sich der Bug nun allmählich nach oben aufbäumt. Der Fahrgastraum schrumpft unter dem Gestöhn der sich biegenden Bleche, bis er schließlich ganz verschwindet. Ein letztes Rumpeln, gefolgt vom Flackern der Glühbirne. Mein Auto ist zu einem fast quadratischen, tonnenschwerem Klotz geworden. Ich fühle das starke Bedürfnis, umgehend die Halle zu verlassen.</p>
<p>„Oft legt sie ihren Kopf auf meinen Bauch, einen Arm um die Schulter &#8230;“, begann ich zu erzählen, „ &#8230; dann sagt sie `ich bin müde, komm gehen wir ins Bett. `Ich daraufhin `Ich komme gleich. Nur noch ein bisschen &#8230;` und sie `das kenne ich schon, du kommst frühestens in drei, vier Stunden.` Und wenn das Gefühl schön ist, so schön, dass es dem nachzugeben lohnenswerter erscheint als die weitere Betäubung durch das nächtliche Fernsehprogramm, folge ich ihr sogleich ins Schlafzimmer. Ansonsten verbringe ich tatsächlich oft noch drei bis vier Stunden am Computer oder auf der Couch vor dem Fernseher.“</p>
<p>„Wir hatten jahrelang sexuelle Probleme, genau genommen sogar die ersten fünf Jahre unserer Beziehung. Wir waren schon verlobt, als meine Zweifel an unserer Beziehung so groß wurden, dass ich mich wie in eine Falle geraten fühlte, bei lebendigem Leib unausweichlich dem absoluten Stillstand ausgeliefert zu sein. Ich war in der Zwickmühle, wollte sie weder heiraten, schaffte es aber schon gar nicht, den Gedanken zu Ende zu denken, wie es wäre, wenn ich sie verlassen würde.“</p>
<p>„Und?“</p>
<p>„Na ja, ich bin bei ihr geblieben. Wir sind nun seit neun Jahren glücklich verheiratet und haben zwei liebe, gesunde Kinder. Ich bin sehr erfüllt und zufrieden.“</p>
<p>„Ihr habt wohl an Euch gearbeitet?“</p>
<p>„Viel einfacher, als ich mir damals hätte träumen lassen – wir haben unser eigenes Leben zurück erobert. Jeder geht seinen eigenen Weg, ohne dass wir uns dabei aus den Augen verlieren würden. Es reicht schon, sich mal einen Tag lang nicht zu sehen und ein paar eigene Stunden und Interessen für sich zu haben. Ich habe gelernt, gewisse Gefühle und Gedanken für mich zu behalten und nicht mehr alles zu zerreden.“</p>
<p>„Aber die meisten Paare reden doch eher zu wenig miteinander.“</p>
<p>„Wir sicher nicht. Ich habe auch nicht damit aufgehört, etwas von mir mitzuteilen. Ich habe nur das Wie verändert. Ich lasse einfach alles Unwesentliche weg und bringe meine Gedanken, Wünsche, Empfindungen und Anliegen schnell auf den Punkt. “</p>
<p>„Eure Beziehung ist also wesentlicher geworden?“</p>
<p>„Wir sind wesentlicher geworden. Das macht die Beziehung interessanter. Wir interessieren uns wieder füreinander. Wenn man sich im Streit, im Stillstand befindet, vollkommen auseinandergelebt hat, so kann man sich oft gar nicht vorstellen, wie, bzw. dass überhaupt eine, auch nur die geringste, Möglichkeit besteht, sich wieder aufeinander zu bewegen zu können und einander neu zu begehren.“</p>
<p>„Die meisten Paare brechen in großen Krisen aus, suchen sich einen anderen Partner &#8230;“</p>
<p>„Nun ja, ich würde nicht sagen, dass das die Meisten in dieser Situation tun &#8230; es ließe sich jedoch sicher so manches mal vermeiden. Sexualität hat viel mit Illusion zu tun. Liebe aber bedarf der Auflösung von Illusionen, um zu wachsen. Das ist erst einmal ein Paradoxum.“</p>
<p>„Tatsächlich?“</p>
<p>„Aber lösbar. Es ist ein Wechselspiel aus Beidem. Anziehung und Abstoßung, Liebe und Sex, ich und wir, Nähe und Distanz.“ </p>
<p>Ich weiß noch nicht, wem ich den Dialog zuordnen werde, aber er klingt &#8211; wie ich finde – nicht völlig uninteressant. </p>
<p>Ich begann die Arbeit an „die Tiefe des Beckens“, nachdem ich die dritte Woche als Aufsicht in einem kleinen Schwimmbad hinter mich gebracht hatte. (Mehr jedoch müsste man sagen, zwängte sich mir der Text so nach und nach geradezu auf. Nachts nach dem Spätdienst konnte ich keine Ruhe finden, so dass ich mich gewollt unbemerkt aus Rebeccas erschlaffter Umarmung wand, um mich, nur mit der Unterhose bekleidet, vom Bett an den Schreibtisch zu schleichen.)</p>
<p>Und schon am ersten Arbeitstag im Schwimmbad befand ich, von Leuten umgeben zu sein, die nicht geübt darin zu sein schienen, weit über den Beckenrand hinauszublicken.</p>
<h3>Die einzelnen Teile werden im &#8222;Duftenden Doppelpunkt im Abstand von 14 Tagen veröffentlicht. Schreiben Sie <a href="mailto:raphael@artsunited.de" class="limailto">Raphael Vogt</a> Ihre Meinung zu seinem Text.</h3>
<p><a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/02/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS &#8211; Teil 1</a></p>
<p><a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/11/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-2/" class="liinternal">RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS &#8211; Teil 2</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>RAPHAEL VOGT – DIE TIEFE DES BECKENS &#8211; Teil 2</title>
		<link>http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/03/11/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens-teil-2/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Mar 2009 08:33:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DIE TIEFE DES BECKENS]]></category>
		<category><![CDATA[Raphael Vogt]]></category>

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		<description><![CDATA[Textdiskussion im Duftenden Doppelpunkt
„Die Tiefe des Beckens“ wird vierzehntägig, in zehn Teilen, jeweils am Mittwoch hier im Blog erscheinen.
Wie tief ist ein Becken, … ab wann trägt das Eis? Und: Was bin ich bereit zu riskieren? – Ein Bademeister wirft Blicke in die Tiefe und weit über den Beckenrand … hinaus.“
Wir wünschen Ihnen eine interessante [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Textdiskussion im Duftenden Doppelpunkt</h2>
<p>„Die Tiefe des Beckens“ wird vierzehntägig, in zehn Teilen, jeweils am Mittwoch hier im Blog erscheinen.</p>
<blockquote><p>Wie tief ist ein Becken, … ab wann trägt das Eis? Und: Was bin ich bereit zu riskieren? – Ein Bademeister wirft Blicke in die Tiefe und weit über den Beckenrand … hinaus.“</p></blockquote>
<p>Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre und verknüpfen diesen Wunsch mit der Bitte, Ihre Meinung zum Text entweder mittels der Kommentarfunktion hier im Blog zu posten oder dem Autor via <a href="mailto:raphael@artsunited.de" class="limailto">Mail</a> direkt zukommen zu lassen.</p>
<h3>Teil 2:</h3>
<p>Ich habe alles andere ausgeschaltet. Ich sitze im Zug und schreibe, wobei mir die Welt ruhiger erscheint wie zuhause nach Mitternacht, im Schein meiner kleinen Schreibtischlampe. Die Welt ist natürlich nicht wirklich ruhiger. Ich sitze im Großraumabteil eines überfüllten Wochenendzuges, auf einem Klappsitz, zwischen vorwiegend jungen Leuten, schweren Rucksäcken und Fahrrädern. Die Türen öffnen und schließen sich alle paar Minuten, da die Regionalbahn offenbar in sämtlichen Dörfern hält. Wenn sich die Türen öffnen riecht es nach Bremsabrieb, doch ich kann mich hier besser konzentrieren, da sich die Welt um mich herum bewegt und meine Hand ein Teil dieser Bewegung wird. Es drängt sich nichts zwischen Hand und Kopf wie in der seelenvollsten Ruhe, zuhause am Schreibtisch.</p>
<p>Gestern bin ich gelaufen, die ganze Konstanzer Uferpromenade entlang, wie in der Arbeit, denn ein See ist auch nur ein großes Becken, jedenfalls aus der Sicht eines mit der Rettung Ertrinkender beauftragten Rettungsschwimmers oder Schwimmmeisters. Ein Schwimmmeister ist übrigens kein Bademeister wie landläufig angenommen wird, sondern etwas anderes. Man beachte, dass Schwimmmeister großen Wert auf diese Unterscheidung legen.</p>
<p>Ich bin also am Beckenrand, die ganze Uferpromenade entlang gelaufen, wie in der Arbeit, nur schneller. Die Arbeit der Aufsicht hier würde ich nicht machen wollen, falls es die Tätigkeit hier überhaupt geben sollte. Es wäre eine besonders anspruchsvolle Tätigkeit. Seewasser ist dunkelgrün, blau oder grau und unermesslich tief und die riesige Wasseroberfläche lässt sich nur äußerst schwer überblicken. </p>
<p>Strammen Schrittes bin ich gelaufen, die Augen unter der Sonnenbrille auf das Wasser gerichtet. Das große Becken. Und noch weiter, viel weiter darüber hinaus. Mir kam es vor als hätte ich den halben See umrundet, bis ich schließlich an einer Anlegestelle für die großen Fähren landete und dort ein kleines Mittagessen zu mir nahm, während ich mich jedoch – wie ich später dann bemerken sollte &#8211; noch immer innerhalb von Konstanz befand. Ich konnte das Essen nicht so recht genießen, was wohl erstens an den halbrohen Spiegeleiern und zweitens an meinem, unter der extremen Sonneneinwirkung leidenden, Orientierungssinn liegen musste. Mir war schlecht. Ich sagte zum Ober, dass es gut war. Am Tisch vor mir auf der Sonnenterasse, welche in etwa derselben Höhe lag, wie der des Personendecks der großen Fährschiffe, stritt sich ein Paar mittleren Alters über den geplanten Einbau bzw. Ausbau ihrer Sauna. Er wollte in den Garten hinaus bauen, sie wollte den Garten jedoch rechteckig belassen. Man könne doch problemlos „oben duschen“ anstatt in einer weiteren Nasszelle und somit „doch Raum innerhalb des Hauses gewinnen“ bzw. einsparen.</p>
<p>Ich öffnete das grüne Notizbuch und versuchte, ein paar weitere Zeilen zu schreiben. Der Mann mit dem Pils, der seine Sitzrichtung zur Fähre gerückt hatte und langsam, ganz gemächlich an seinem Glas nippte, half mir dabei, die Gedanken einzufangen. Ich schrieb über die Gedanken, die sich am See beim Baden aufgedrängt hatten. Es waren die Seiten, welche auf den Weg entlang der großen Wiesen mit den Halbnackten zurückzuführen waren, die ich anschließend vor dem Einschlafen im Hotelzimmer aus dem Buch herausreißen würde und deren gedankliche Nachgeburt ich später versuchte mit zu verwerfen, was mir &#8211; um den Preis einer von innerer Unruhe getränkten Nacht &#8211; auch weitgehend gelang. </p>
<p>Die herausgerissenen Seiten hatten mir gestern den Tag versaut. Ich glaube an die zehn Kilometer gelaufen zu sein, um den darauf notierten Sätzen zu entkommen. </p>
<p>Vergeblich. </p>
<p>Ich hatte versucht, ruhig auf dem Kiesbett zu sitzen, meinen Kopf im etwa 18 Grad kalten Wasser herunter zu kühlen, doch es half nichts. Meine Gedanken waren nur umso hitziger geworden. Die unterdrückte Müdigkeit tat ihr Übriges dazu. Sie schafft es, mich in solchen Situationen absolut wehrlos zu machen. Und ich war „hundemüde“ wie man so sagt, auch wenn ich persönlich bislang selten auf einen müden Hund getroffen bin. Ich fände „hundeaggressiv“ als Wort – wenn auch natürlich in einem anderen Zusammenhang &#8211; dagegen weitaus sinnvoller, weil mir die Wörtlichkeit seiner Bedeutung infolge persönlicher Erfahrungen schlüssiger schiene. Ich bin sogar schon einmal – es war beim Joggen – von zwei Hunden gleichzeitig angegriffen worden! Meinen linken Unterschenkel ziert seitdem ein kleines Loch. Man kann es deutlich spüren, wenn man mit dem Finger darüber fährt. Sollten Sie mich also zufällig einmal irgendwo beim Baden treffen und Gesetz den Fall ich würde neben Ihnen liegen – ich bin wie gesagt der Mann mit dem Loch im Bein.</p>
<p>Ich war also hundemüde und höchst wahrscheinlich mit diesem abscheulichen, hundeartigen, Testosteron angereichert. Kaum ein weiblicher Körper auf den Wiesen war vermutlich meinen Blicken entgangen. Sollte es also das Wort „hundegeil“ geben, wäre es für diesen, eben beschriebenen Zustand durchaus eine treffende, &#8230; ach lassen wir das! </p>
<p>Wir waren zusammen nach Zürich gefahren. Im Taxi. Die vom Bahnhof und ich. Eine handvoll Jungs, ein Mädchen und eine Frau. Ich hatte ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen – „Hallo, was geht?“, sowie leicht verdauliche Unterhaltung und ein feines Fläschchen Bier. Später auf der Streetparade sollte noch eine weitere Flasche – frei Haus &#8211; dazukommen, sowie drei Hände voll Kartoffelchips aus der Tüte. Als es mir allmählich jedoch gedämmert war, dass den vier Jugendlichen der Gruppe „Edelweiß“ – wie einer der vier uns scherzhaft zu nennen pflegte – nach ganz anderen Tüten der Sinn stand und es sich abzeichnete, dass die diesbezügliche Orterkundung den Rest der Nacht dominieren sollte, empfahl ich mich freundlich, um fortan alleine nach so etwas wie Spaß zu suchen. Dass ich diesen gefunden hätte, käme dann doch einer schamlosen Übertreibung gleich. Genauer gesagt war mir wegen dem Geld das ich zusätzlich für den Eintritt in die Clubs ausgegeben hatte regelrecht schlecht geworden und besonders übel ausgerechnet aufgrund dessen, weswegen wir doch alle hauptsächlich hier waren: der Technomusik.</p>
<p>Ich schloss die Nacht mit dem hereinbrechenden Sonnenaufgang und der Erkenntnis, diese „hundeaggressive“ Lautstärke aus synthetisch verzerrten Bässen, sowie damit einhergehende &#8230; Schlaflosigkeit voraussetzende &#8230; Nachtschwärmereien &#8211; meines Alters wegen oder, na ja, warum auch immer &#8211; nicht mehr (länger) zu ertragen. </p>
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		<item>
		<title>RAPHAEL VOGT &#8211; DIE TIEFE DES BECKENS</title>
		<link>http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/02/25/raphael-vogt-die-tiefe-des-beckens/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Feb 2009 23:01:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eag</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
		<category><![CDATA[DIE TIEFE DES BECKENS]]></category>
		<category><![CDATA[Raphael Vogt]]></category>

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		<description><![CDATA[Textdiskussion im Duftenden Doppelpunkt
Raphael Vogt, einer der Teilnehmer des von uns 2006/2007 ausgeschriebenen Literaturpreises &#8222;Der Duft des Doppelpunktes&#8220; zum Thema Literatur der Arbeitswelt, legt mit &#8222;Die Tiefe des Beckens &#8211; Fragmente einer Novelle&#8220; die &#8222;Bruchstücke&#8220; einer umfangreicheren literarischen Arbeit vor. &#8222;Die Tiefe des Beckens&#8220; wird vierzehntägig, in zehn Teilen, jeweils am Mittwoch hier im Blog [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Textdiskussion im Duftenden Doppelpunkt</h2>
<p>Raphael Vogt, einer der Teilnehmer des von uns 2006/2007 ausgeschriebenen <a href="http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/der-verlauf-des-wettbewerbs/" class="liinternal">Literaturpreises &#8222;Der Duft des Doppelpunktes&#8220;</a> zum Thema Literatur der Arbeitswelt, legt mit &#8222;Die Tiefe des Beckens &#8211; Fragmente einer Novelle&#8220; die &#8222;Bruchstücke&#8220; einer umfangreicheren literarischen Arbeit vor. &#8222;Die Tiefe des Beckens&#8220; wird vierzehntägig, in zehn Teilen, jeweils am Mittwoch hier im Blog erscheinen.</p>
<p>Raphael Vogt über seinen Text: &#8222;Wie tief ist ein Becken, &#8230; ab wann trägt das Eis? Und: Was bin ich bereit zu riskieren? &#8211; Ein Bademeister wirft Blicke in die Tiefe und weit über den Beckenrand &#8230; hinaus.&#8220;  </p>
<h3>Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre und verknüpfen diesen Wunsch mit der Bitte, Ihre Meinung zum Text entweder mittels der Kommentarfunktion hier im Blog zu posten oder dem Autor via <a href="mailto:&#114;&#x61;&#112;&#104;&#x61;&#x65;&#108;&#x40;&#x61;&#114;&#116;&#x73;&#x75;&#110;&#x69;&#116;&#x65;&#100;&#x2e;&#100;&#x65;" class="limailto">Mail</a> direkt zukommen zu lassen.</h3>
<p><strong>Raphael Vogts Biographie: </strong><br />
1976: in Freising geboren; erste Schritte in München<br />
1993: Praktikum in einem Grafikbüro<br />
1994: Symposion Weissenseifen mit Schwerpunkt Zeichnung und Malerei, Bildhauerei, sowie Literatur<br />
1995: Steinmetzlehre; parallel dazu erste Ausstellungen freier Malerei<br />
2000: Heilerziehungspflege im Behindertenbereich ( für die Butter auf das Brot )<br />
2003: Soziales Filmprojekt mit der Regiestudentin Julia Aigner<br />
2004: Kamerabühnenpraktikum beim ndF München; erster Drehbuchentwurf nach einer bislang unveröffentlichten Erzählung<br />
2006: &#8222;über Wasser halten&#8220; durch Hausmeisterei, Badeaufsicht und Kontemplation über &#8222;die Tiefe des Beckens&#8220;<br />
2008: Weblog <a href="http://artsunited.de/blog" class="liexternal">arts united &#8211; creative blog</a> zu eigenen, multimedialen Kunstprojekten</p>
<h3>1. TEIL: NOTIZBUCH IN GRÜN</h3>
<p>Nun sitze ich also im Zug Richtung Ulm, dann Richtung Konstanz, falls es dabei bleiben sollte, denn so genau weiß ich das noch nicht. „Hauptsache weg“ dachte ich, drum sitze ich hier und der Zug rollt nun los, verlässt den Münchner Hauptbahnhof. Wohin weiß ich, nur wohin ich will, weiß ich noch nicht. Aber das ist ein mir durchaus vertrauter Zustand, wenn nicht gar meine Bilanz, die Bilanz verregneter Tage vergangener Jahre zumindest. Nicht dass ich verregnete Tage nicht lieben würde. Ich benutze das Bild hier eigentlich nur, weil man im Allgemeinen mit Regen die Farbe grau, das Grau des Himmels, assoziiert, falls es grau als Farbe überhaupt geben sollte, da etwas, das lediglich aus einem Gemisch der Nicht-Farben schwarz und weiß besteht, eigentlich die vollkommene Abstinenz von Farbe impliziert. Aber ich schreibe nun einmal gerne über Nichtvorhandenes und überhaupt, was ich gern wäre, denn ich bin nicht zuletzt auch ein Schriftsteller, wie ich nun beschlossen habe. Nicht mehr und nicht weniger wie ich eben auch schon einmal beschlossen habe, ein Maler, ein Bildhauer, Regisseur oder Musiker zu sein.</p>
<p>In Wahrheit bin ich ein Zugreisender, zumindest, ein Fahrgast der Deutschen Bundesbahn bzw. dessen, was sie uns davon noch übrig gelassen haben, jedenfalls, und der Besitzer eines vor kurzem für 35 Euro erworbenen Schönes-Wochenende-Tickets. </p>
<p>In Wahrheit bin ich ein Wartender. Ich warte auf irgendetwas. Ich warte darauf, dass irgend etwas passiert. Und ich frage mich, wie weit ich die Seile meines mühsam geordneten Lebens strapazieren darf &#8230; </p>
<p>&#8230; für einen guten literarischen Stoff?</p>
<p>Zurück in Konstanz und ziemlich müde. An der Uferpromenade sitzen zwei Mädchen barfuss auf einer Holzbank und trinken Bacardi; dieses Bacardi-Limo-Gemisch welches wie Kalkwasser aussieht und gefährlich gut schmeckt. Ich selbst lege mich auf eine andere und schlucke verwerfliche Gedanken.</p>
<p>Die Augen geschlossen, ich höre nur die sanften Wellen des großen Sees den Steinwall am Ufer hinauf klettern. Über mir der Himmel, offen und &#8211; würde ich jetzt sagen „voller Möglichkeiten“ wäre dies angesichts dessen was möglich wäre darüber zu schreiben zwar eigentlich zu platt formuliert, &#8230; aber dennoch denkbar und somit nun denn wiederum das einzig Mögliche.</p>
<p>Noch stecken die Enten ihre Köpfe ins müde Gefieder und auch die Möwen kreischen noch nicht in der Morgensonne. Auch wenn ich es vermutlich schnell in Erfahrung bringen könnte interessiert es mich nicht, wie spät es ist. Ich werde noch etwas liegen, auf dieser Bank und später, &#8230; anderswo, &#8230; irgendwo an der Uferpromenade &#8230; einen ersten Kaffee trinken.</p>
<p>Zimmer 15. Ich schalte den Fernseher ein. Olympia. Ein Schwimmer der USA, 23 Jahre alt, trainiert sechs Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Welch ein beneidenswerter Ehrgeiz! Aber zu meiner Erleichterung erfahre ich durch den Kommentator auch, dass der Supermann das Leben noch lernen müsse, zum Beispiel den Unterschied von Geschirrspülmittel und Flüssigseife. Durchaus ein Trost. Ich schalte den Fernseher aus, versuche noch ein wenig zu schlafen, was mir aber nicht gelingen will, da ich zu große Angst habe, das Frühstück zu verpassen. Es ist 7 Uhr 50, Frühstück gibt es bis zehn und es war eine kurze Nacht. </p>
<p>Ich schalte den Fernseher ein. Wieder Olympia. Diesmal: Synchronspringen. Ich versuche, die Bewertungen der Kampfrichter nachzuvollziehen. Vergeblich. Ich kann nicht den geringsten Unterschied zwischen den Leistungen der unterschiedlichen Mannschaften erkennen. Ich muss bei allen den Hut ziehen, die Luft anhalten und staunen. Wenn die Kamera nicht ihre Gesichter einfinge, würde ich wahrscheinlich nicht bemerken, dass es nicht immer dieselben Springer sind. Denn für mich sehen sie alle gleich aus. Gleich gut, mutig, stark und für meine Maßstäbe irgendwie übermenschlich. Sie machen zigfache Salti und Schrauben vom Zehnmeterbrett. Ich kriege schon weiche Knie, wenn ich den Dreimeterturm besteige und Kopfsprünge wage ich allenfalls vom Startblock. Aber wann schwimme ich schon! Ich bin heilfroh, dass ich noch nie jemanden retten musste!</p>
<p>Ich gehe etwa drei Meter an der kurzen Seite des Beckens entlang und im Anschluss wieder zurück. Dann etwa 15 seitlich, die lange Beckenseite entlang. Oft zähle ich die Schritte. Denn es kommt – glücklicherweise – nur sehr selten vor, dass etwas passiert. Hier ein Platschen, dort ein Geschrei. Alle fünf bis zehn Minuten werfe ich einen Blick hinüber, zur großen Bahnhofsuhr. Diese hängt unter dem Scheinwerfer am Flutlichtmasten, welcher sich automatisch in der Dämmerung einschaltet, um das Außenwarmbecken &#8211; meiner Meinung nach jedoch nicht besonders romantisch &#8211; ins rechte Licht zu setzen. Jeder kennt das. Je öfter man auf die Uhr guckt, desto langsamer vergeht die Zeit. So scheint es zumindest. Aber warum sollte etwas, das nur so scheint nicht letztlich doch Wirklichkeit sein? </p>
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		<title>Auftischen eines Literatur-Menüs</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Oct 2008 05:04:03 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Literarische Texte]]></category>
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		<description><![CDATA[Die neue Literatur-Rubrik &#8222;Rezepte&#8220; der Online-Zeitschrift &#8222;nahaufnahmen.ch&#8220; sucht produktive WortköchInnen. Tischen Sie den Gästen der Literatur-Rubrik ein feines literarisches Menü auf.
Was wird beispielsweise gesucht: &#8222;Das Salz in der Suppe für die Pfanne. Und das Huhn, das in Letzterer verrückt wird. Insbesondere auch kulinarische Köstlichkeiten subtiler Würzung und Zwiebeln dürfen selbstverständlich Tränen in die Augen treiben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die neue Literatur-Rubrik &#8222;Rezepte&#8220; der Online-Zeitschrift <a href="http://www.nahaufnahmen.ch" class="liexternal">&#8222;nahaufnahmen.ch&#8220;</a> sucht produktive WortköchInnen. Tischen Sie den Gästen der Literatur-Rubrik ein feines literarisches Menü auf.</p>
<p>Was wird beispielsweise gesucht: &#8222;Das Salz in der Suppe für die Pfanne. Und das Huhn, das in Letzterer verrückt wird. Insbesondere auch kulinarische Köstlichkeiten subtiler Würzung und Zwiebeln dürfen selbstverständlich Tränen in die Augen treiben. Ebenso aber hoffen wir auf bodenständige Hausmannskost mit unverschämt Gehacktem, da hier ausdrücklich auch das erlaubt ist, was sich nicht ziemt. Mit anderen Worten: Der Tisch wird angerichtet. Was fehlt, sind lediglich noch die Gäste. Und natürlich in erster Linie das, was sie uns auftischen. Deshalb: Schreiben Sie, wir freuen uns auf Ihre Texte!&#8220;</p>
<p><a href="http://www.nahaufnahmen.ch/rezepte/rezepte.html" class="liexternal">Nahaufnahmen. Das Magazin im Netz. Rezepte &#8211; eine neue Rubrik stellt sich vor und denkt über ihren Namen nach.</a></p>
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