Archiv für die Kategorie 'Adventkalender'

Literarischer Adventkalender 2013/24

Dienstag, 24. Dezember 2013

PETRA ÖLLINGER LIEST PETRA ÖLLINGER – JUBLA

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Musik: Dope Head Blues von Victoria Spivey
Dauer: 4:45
Dateigröße: 2.18 MB

PETRA ÖLLINGER: JUBLA

„Auch Christbäume wollen Abwechslung. Dein Christbaum gibt gerne etwas dafür her.“
Ich sitze vor Jubla und lese ihm diese Zeilen aus einem Möbelhaus-Katalog vor, wo Schränke, Betten, Tische, Regale und Hauspatschen Namen tragen.
„Hörst du?“, frage ich Jubla, „Dein Christbaum gibt gerne etwas dafür her.“
Jubla ignoriert meine Worte. Stumm steht er da und wartet. Weglaufen kann er ja nicht. Aber Jubla kann etwas anderes. Er kann meine Weihnachtsbaum-Dekorationsversuche sabotieren. Und das tut er auch – jedes Jahr.
Jedes Jahr sträubt er sich, wenn ich ihn mit Glaskugeln, Windringerl und Strohsternen behängen will. „Schau, es ist doch nur für drei Tage, dann darfst du wieder hinaus.“ Jubla läßt sich nicht erweichen. Da läßt er lieber alle Äste hängen, sodaß die mühsam arrangierten Christbaumhaken wieder runterrutschen. Sogar meine Versuche, den Schmuck mit luftigen Bändern auf Jubla zu drapieren, scheitern. Er verliert augenblicklich genau an den geschmückten Stellen seine Nadeln. Hörte ich nicht sofort auf mit dem Dekorieren, er würde wie ein räudiger Hund aussehen.

Die beiden einzigen Utensilien, die Jubla akzeptiert, sind Engelshaar und ein Zwerg. Das Engelshaar darf ich ihm vorsichtig auf seinen Ästen drapieren. Vorsichtig muß ich auch sein, damit keines dieser Löckchen versehentlich in meinen Ärmel hineinkriecht oder sich in meinem Nacken verteilt. Juckreiz und Bläschenausschlag sind die Folgen, jedes Jahr, da kann ich noch so vorsichtig sein.

Auf Jublas Wipfel darf ich dann den Zwerg aus Tannenzapfen und mit roter Filzmütze platzieren. Manchmal habe ich das Gefühl, daß auch der Zwerg allergisch auf Engelshaar reagiert. Hin und wieder höre ich während der Weihnachtsfeiertage ein zartes Niesen vom Wipfel …

Also, meine Christbaumdekoration besteht seit 13 Jahren aus einem Zwerg und Engelslocken, die beim Zwerg und bei mir eine allergische Reaktion auslösen. Seit 13 Jahren fragen mich auch liebe Verwandte: „Warum schmückst du den Baum nicht mit den goldenen Kugeln, die ich dir letztes Jahr geschenkt habe?“ „Sag mal, sieht dieser Baum nicht schon etwas schäbig aus?“ „Mit dem Dekorieren hast du’s nicht so, gell?“
Seit 13 Jahre lächle ich höflich und verschwinde rasch in der Küche, um Häppchen, Kekse oder Punsch zu holen. Wie sollte ich meinen Verwandten auch erklären, daß meine Gartentanne es haßt, für den weihnachtlichen Anlaß geschmückt zu werden. Wie sollte ich ihnen erklären, daß ich es einfach nicht übers Herz bringe, dem Baum einmal richtig an die Nadeln zu gehen, weil er sich jedes Jahr zu Weihnachten immer sooo ziert.

Spätestens am 27. Dezember schleppe ich Jubla zurück in den Garten, damit er sich nach all den Strapazen erholen kann an der frischen Luft. Er blüht richtig auf und ich glaube schon beobachtet zu haben, daß ihm an den kahlen Stellen, an denen er bei meinen Dekoversuchen die Nadeln verloren hat, über Nacht welche nachgewachsen sind. Sei es ihm gegönnt.

Und daß ihm hin und wieder ein Vogel ins Geäst kackt, gönne ich ihm auch.

Weiterführende Infos:
Petra Öllingers virtuelle Wohnung

Literarischer Adventkalender 2013/23

Montag, 23. Dezember 2013

KLABUND: WEIHNACHT

Ich bin der Tischler Josef,
Meine Frau, die heißet Marie.
Wir finden kein’ Arbeit und Herberg’
im kalten Winter allhie.

Habens der Herr Wirt vom goldnen Stern
nicht ein Unterkunft für mein Weib?
Einen halbeten Kreuzer zahlert ich gern,
zu betten den schwangren Leib. –

Ich hab kein Bett für Bettelleut;
doch scherts euch nur in den Stall.
Gevatter Ochs und Base Kuh
werden empfangen euch wohl. –

Wir danken dem Herrn Wirt für seine Gnad
und für die warme Stub.
Der Himmel lohns euch und unser Kind,
seis Madel oder Bub.

Marie, Marie, was schreist du so sehr? –
Ach Josef, es sein die Wehn.
Bald wirst du den elfenbeinernen Turm,
das süßeste Wunder sehn. –

Der Josef Hebamme und Bader war
und hob den lieben Sohn
aus seiner Mutter dunklem Reich
auf seinen strohernen Thron.

Da lag er im Stroh. Die Mutter so froh
sagt Vater Unserm den Dank.
Und Ochs und Esel und Pferd und Hund
standen fromm dabei.

Aber die Katze sprang auf die Streu
und wärmte zur Nacht das Kind. –
Davon die Katzen noch heutigen Tags
Maria die liebsten Tiere sind.

Klabund (Alfred Henschke) (1890-1928)

Weiterführende Infos:
Klabund – Liebesgedichte
Klabund – kostenlose Hörbücher

Nähere Informationen zum Thema Bücherverbrennung und Exilliteratur finden Sie in der Bibliothek von Petra Öllingers virtueller Wohnung: biografische Daten zu über 200 AutorInnen, Titellisten der verbrannten Bücher, Hinweise auf Sekundärliteratur und weiterführende Links.

Literarischer Adventkalender 2013/22

Sonntag, 22. Dezember 2013

WEIHNACHTLICHE E-CARD 4

An allen vier Adventsonntagen wird jeweils eine weihnachtliche E-Card veröffentlicht. Die Texte sind ausgewählte Tweets, die im Rahmen des weihnachtlichen Literatur-Twitters 2012 prämiert wurden.

Sie können dieses Engerl als E-Card versenden. Einfach auf „Diese Karte versenden“ klicken. Weiter

Rothaariges Engerl aus weißem Porzellan auf blauem Hintergrund und ein weihnachtlicher Tweet

Die Weihnachtsgans im Ofen brät. Sie wirkt ein wenig aufgebläht. Auch der Betrachter fühlt sich so. Ein Schnaps in dulci jubilo! @Lyrikscheune

Literarischer Adventkalender 2013/21

Samstag, 21. Dezember 2013

MAX HERRMANN-NEIßE: WEIHNACHTEN 1933

Einst lasen wir die schmerzliche Legende
von der Verbannten weihnachtlichem Leid:
verloren in der Fremde, eingeschneit …
Nun sind wir selbst Opfer der Zeitenwende,
der Heimat fern und ihren Weihnachtsgaben,
dem Duft der Tanne, Äpfeln und Konfekt.
Die Wolke hat den Weihnachtsstern verdeckt,
in fremder Erde liegt das Glück begraben.

Aber mir kann nichts geschehen:
Du bist bei mir, liebste Frau,
Christbaumlichter kann ich sehen,
wenn ich in Dein Auge schau.
Wenn ich Deine Stimme höre,
klingen Weihnachtsmelodien,
es entrücken Engelschöre
alles, was mir feindlich schien.

Was frommt es, über das Verlorne klagen
und nachzuweinen dem, was nicht mehr ist?
Es kommt zu Dir, wo Du auch immer bist,
die frohe Botschaft in den Weihnachtstagen.
Der Talisman ist noch in Deinen Händen:
zuletzt bestehst Du, denn Du bliebst Dir treu,
und immer wieder wird das Leben neu,
umblüht ein Heim Dich mit vertrauten Wänden.

Immer wieder wirst Du schenken
mir die sichre Ruhestatt,
darf ich mir ein Lied ausdenken
träumend vor dem weißen Blatt,
darf ich fern den harten Schlachten
dieses Friedensfest begehn,
ob die Welten sich umnachten,
dennoch Christbaumlichter sehn.

Denn ob auch karg und ohne große Feste,
wird reinen Herzens unsre Weihnacht sein:
wenn jene sich dem Wahn des Hasses weihn,
bewahren wir aus dem, was ist, das Beste.
Wohin auch die Geschicke uns verschlagen,
wir werden wohlbeschützt in unserm Blut,
wie einst Nomaden ihr Reliquiengut,
das Heiligtum der Heimat mit uns tragen.

Also sollst Du Weihnacht haben
heimatlich in fremdem Land,
nichts entbehren von den Gaben,
wenn wir beide Hand in Hand
aus den Blicken friedlich wieder
Christbaumlichter leuchten sehn
und den Stern der Weihnachtslieder
über unserm Obdach stehn.

Max Herrmann Neiße (1886 – 1941)

Nähere Infos:
Max Herrmann-Neiße – Liebesgedichte
Biografie, Bilder und Fotos von Max Hermann-Neiße

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Literarischer Adventkalender 2013/20

Freitag, 20. Dezember 2013

JOACHIM RINGELNATZ: EINSIEDLERS HEILIGER ABEND

Ich hab’ in den Weihnachtstagen -
Ich weiß auch, warum -
Mir selbst einen Christbaum geschlagen,
Der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
Und steckte ihn da hinein
Und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
Zu sparen, ihn abend noch spät
Mit Löffeln, Gabeln und Trichter
Und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
Mir Erbsenuppe und Speck
Und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
Das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
Alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
Später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat’s an der Tür gepocht.

Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang’s nicht wie Weihnachtslieder?
Ich aber rief nicht: “Herein!”

Ich zog mich aus und ging leise
Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Weiterführende Links:
Joachim Ringelnatz Net
Joachim Rignelnatz Stiftung
Joachim Ringelnaz Verein

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Literarischer Adventkalender 2013/19

Donnerstag, 19. Dezember 2013

FRANCISCA STOECKLIN: STERN VON BETHLEHEM

Unendlich Blau.
Geweihte Nacht.
Und immer fällt der Schnee
In zarten Sternen.
Deckt die weite Erde sacht.
Heilige Nacht …
Durchglüht vom Leidensblut
Des lieben Herrn.

Wir pilgern noch im Dunkel.
Doch wir sehen seinen Stern.

Francisca Stoecklin (1894 – 1931)

Weiterführende Infos:
Liebeslyrik – Francisca Stoecklin
Wortblume – Francisca Stoecklin

Literarischer Adventkalender 2013/18

Mittwoch, 18. Dezember 2013

CHRISTIAN MORGENSTERN: DAS WEIHNACHTSBÄUMLEIN

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.
Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
Die grünen Nadeln war‘n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.
Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
Hei! Tat`s da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Weiterführende Infos:
Digitales-Christian-Morgenstern-Archiv
Deutsche Liebeslyrik – Christian Morgenstern

Literarischer Adventkalender 2013/17

Dienstag, 17. Dezember 2013

JOACHIM RINGELNATZ: WEIHNACHTEN

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit,
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebt durch Seelen und verkündet leise,
daß die kleinste Welt die größte ist.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Weiterführende Infos:
Joachim Ringelnatz Net
Joachim Rignelnatz Stiftung
Joachim Ringelnaz Verein

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Bis zum Dienstag, 17. Dezember 2013 haben Sie auch noch die Möglichkeit, am dreiundzwanzigteiligen Literaturquiz des Duftenden Doppelpunktes zum Thema Bücherverbrennung und Exilliteratur teilzunehmen. Sie erfahren viel über die gesuchten AutorInnen und können Bücher und CDs für die Weihnachtsferien gewinnen. http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2013/02/12/literaturquiz-zur-buecherverbrennung-1933/

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