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Wozu brauchen wir Arbeiterliteratur?

24. April 2015 von wela

Erinnerung an den Gewerkschaftler Walter Köpping

© Werner Lang

Was vermag die Literatur? Welche Rolle spielt die Kunst im Leben des Menschen? Hat Kunst etwas mit Politik zu tun? Mit anderen Worten: Ist eine Arbeiterliteratur notwendig, kann sie eine Wirkung ausüben? (Walter Köpping, Gewerkschaftliche Monatshefte 6, 1974, S. 329).

Walter Köpping geht von diesen Fragen in seinem Beitrag „Der gesellschaftspolitische Stellenwert der Arbeiterliteratur“ aus. Er kommt zu dem Schluss, dass Arbeiterliteratur Wirkung haben kann, wenn sie sich der Realität stellt und so zur Veränderung der Lebenswirklichkeit beizutragen sucht.

Arbeiterliteratur kann als Tendenzdichtung im guten Sinne des Wortes, so wie sie Walter Köpping beschrieben hat, aufgefasst werden. Er schreibt:

„Sie ist nichts für ruhige Abende, nichts für Literaturgenießer. Sie ist als eine Literatur in Abgrenzung und Gegensatz zu dem, was als Literatur im Allgemeinen gilt zu verstehen. Und im Allgemeinen wird sie noch immer als Projekt der Fantasie, als rein geistiger Vorgang, eine Literatur mit Betonung der sprachlichen Form bis hin zu Wortartistik verstanden.

-Literatur als Werk eines Einzelnen, des außergewöhnlichen Individuums
-Literatur, die auf das Individuum (Leser) zielt
-Literatur ohne politische Dimension, ohne Einbeziehung sozialer Fragen oder Probleme der Arbeitswelt.“
(S. 331).

Genauso, wie sich die bürgerliche Literaturauffassung unwesentlich verändert hat, hat sich auch die Realität der Arbeitswelt seit 1974 nur unwesentlich verändert, weil noch immer gilt, dass Millionen von Menschen täglich Lohnarbeit, daher fremdbestimmte Arbeit leisten. Der Lohnarbeiter ist sozusagen der Handwerker, dem sein Werkzeug weggenommen wurde und daher in Abhängigkeit geriet.

Zur Ausbeutung ist mit den Worten von Theodor Prager zu sagen, „dass im Kapitalismus die Kapitalisten sämtliche Produktionsmittel besitzen. Die Arbeiter besitzen nichts als ihre Arbeitskraft; das zwingt sie, diese zu verkaufen, wodurch ihre Arbeitskraft zur Ware wird.
Und die Ware Arbeitskraft hat die einzigartige Eigenschaft, mehr Werte zu erzeugen, als sie selbst wert ist. Diesen ‚Mehrwert‘ eignet sich der Kapitalist kraft seiner Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel an. Das ist das Wesen der Ausbeutung.“
Theodor Prager, „Das Märchen vom Lohn, der nicht steigen darf“, 1951.

Von seiner Stellung in der Produktion ausgehend, wird der Lohnarbeiter zum Getriebenen im kapitalistischen System. Aber wo es Getriebene gibt, gibt es auch die Antreiber, die versachlicht der „Wirtschaft“ zugeschrieben werden. Marx nannte das „Entfremdung“.

Elmar Treptow schreibt: „Statt von Versachlichung können wir, heute üblich, auch von ‚Sachzwängen‘ sprechen, wenn damit gemeint ist, dass die Integration der Arbeitskräfte in den Prozess des Kapitalwachstums nicht durch die direkte körperliche Gewalt von Personen, sondern durch die Abhängigkeit von Sachen und Funktionen erzwungen wird.“ (Elmar Treptow, „Die widersprüchliche Gerechtigkeit im Kapitalismus“, Weidler Buchverlag, 2012, S. 303.)

Nicht nur, aber auch aus dem oben zitierten, sind die arbeiteten Menschen von Unfällen und von Berufskrankheiten bedroht.
Aus all dem resultieren in der Arbeitswelt vielfältige soziale Konflikte und Kämpfe.

Walter Köpping schreibt: „Millionen von Menschen (Lohnarbeiter und aus der Lohnarbeit Rausgefallene) leben unter schwierigen materiellen Bedingungen. – Löhne, Renten, soziale Absicherung und Bildungsstand sind zu gering. Stichworte: ausländische Arbeitnehmer, prekär Beschäftigte, Konkurrenzkampf usw. (S. 323).

Depressionen in modernen Industrienationen werden oft in einem Zusammenhang mit den rasanten Veränderungen von Gesellschaft und Wirtschaft und dem damit einhergehenden vermehrten Stress gesehen. Es ist anerkannt, dass dabei Faktoren wie Arbeitsplatzunsicherheit, wachsende Anforderungen an Mobilität und Flexibilität, Auflösung vertrauter Strukturen, Leistungsdruck und innerbetrieblicher Konkurrenzkampf eine zunehmende Rolle spielen. Diesen Erschöpfungszustand, der im Rahmen von Überlastungen am Arbeitsplatz entsteht, ist allgemein bekannt. Diese Probleme aber findet man in der herkömmlichen, der ‚echten‘ Literatur nicht oder werden nur nebenher erwähnt.

Kunst und Literatur für Lohnarbeiter aber sollte die Realitäten des Lebens widerspiegeln. Zum Leben der Menschen gehört nun einmal die Arbeit.
Wenn Arbeiterliteratur dazu beiträgt, fest im Bewusstsein der Menschen zu verankern, dass die Arbeit, wenn sie auf Lohnarbeit reduziert ist, die Ausbeutung, Nöte und Gefährdungen, die die Arbeitsbedingungen – die auf Konkurrenzkampf untereinander ausgerichtet ist – größtenteils hervorbringt, kann Sie als notwendige Literatur für die Humanisierung der Gesellschaft betrachtet werden. Sie kann dadurch eine wesentliche Ergänzung der Literatur sein. Man sollte nicht geringschätzig auf diese Literatur und den Autoren herabsehen, weil sie ‚anders‘ ist,
schreibt Walter Köpping (S. 332).

Köpping weist auch darauf hin, dass diese Literatur Bundesgenossen, politische Verstärker, die Gewerkschaftsbewegung braucht, auch im Zusammenwirken mit der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, um den gesellschaftlichen Stellenwert zu heben. (S. 333)

Weiters meint er, dass der gesellschaftliche Stellenwert der Arbeiterliteratur sich nicht objektiv festlegen lässt. „Das hängt davon ab, was ein Mensch unter Gesellschaftspolitik versteht, ob er eine konservative, eine progressive oder gar revolutionäre Grundhaltung hat. Und es hängt nicht weniger davon ab, ob der Mensch sich mit Dichtung beschäftigt oder ob er darauf verzichtet, so bleibt lediglich eine subjektive Bewertung.“ (S. 334)

„Gewiss aber vermag diese Literatur mehr, als ihre Kritiker vorgeben. Sie erhebt keinen Absolutheitsanspruch, es kann nicht darum gehen, künftig nur noch politische Literatur zu produzieren. Die Arbeiterliteratur ist als Bereicherung, als wesentliche Ergänzung unserer Literatur zu verstehen, sie kann dazu beitragen, soziale Missstände bewusst zu machen. Es geht dabei um Bewusstseinsveränderung auf doppelte Weise: Änderung des Bewusstseins der Arbeitnehmer und zugleich Veränderung im öffentlichen Bewusstsein. Arbeiterliteratur macht die Probleme der Arbeitswelt sichtbar begreifbar.“ (S. 335)

Von der Arbeiterliteratur kommen wesentliche Anstöße zu gesellschaftlichen Veränderungen, sie ist ein Beitrag zur Humanisierung der Arbeitswelt.
Walter Köpping fasst zum Schluss seines Artikels das Wesentliche noch einmal zusammen in dem er schreibt: „Arbeiterliteratur ist authentische Literatur. Berufsschriftsteller erfinden in der Regel Personen und Handlungen. Der Arbeiterschriftsteller empfindet Arbeit, Arbeitswelt und deren Mühsale. Berufsschriftsteller suchen oft lange nach einem Stoff, einem Thema. Für Berufsschriftsteller ist Schreiben vielfach Flucht aus der realen Welt. Für Arbeiterschriftsteller ist das Schreiben eine Auseinandersetzung mit der realen Welt.“ (Walter Köpping, S. 337)

Köpping Walter, „Gewerkschaftliche Monatshefte“ 6, 1974, S. 329, S. 332, 331, 333, 334, 335, 337.

Prager Theodor, Grad des Bachelor of Commerce, Doctor der Philosophy, (Economics), „Das Märchen vom Lohn, der nicht steigen darf“, Stern Verlag, 1951.

Treptow Elmar, Professor der Philosophie,“Die widersprüchliche Gerechtigkeit im Kapitalismus“ Weidler Buchverlag, 2012, S. 303.

Welttag des Buches

22. April 2015 von eag

Am 23. April findet zum 20. Mal der Internationale Welttag des Buches und des Urheberrechts statt.

Ein ausgezeichnetes Datum für den „Wiener Bücherschmaus“, ein weiteres Buch-Verschenkregal zu eröffnen; und zwar im Café TUNNEL in der Florianigasse 39 im 8. Wiener Bezirk.

Im TUNNEL feiert man den Welttag des Buches weiters mit einem Gewinnspiel – Tagesteller bestellen und schon is(s)t man mit dabei.
Um 14.00 Uhr startet die Hörbuch-Galerie. In Erinnerung an den Schauspieler, Synchronsprecher und Komiker Dirk Bachwird Walter Moers‘ Buch „Die Stadt der Träumenden Bücher“ zum Besten gegeben.

Der Eintritt ist frei.

Auf nach Zamonien!
Auf nach Buchhaim!

Beiträge vor einem Jahr:
Unnützes WienWissen ...

Herr Leopold bekommt gewaltigen Ärger

21. April 2015 von eag

Tagebuchaufzeichnungen und Berichte aus Wien-Mariahilf

Herr Leopold Portraet5. April

Eine Ratte ist eine Ratte ist eine Ratte. Und ein Biber ist ein Biber ist ein Biber. Jedoch: Erwin ist davon nicht zu überzeugen. Wie kann eine erwachsene Ratte – noch dazu eine mit Erwins Vergangenheit! – sich vor einem Grafitto fürchten? Ja, ein Fuchs ist dabei, und ein Wesen, das einem Esel ähnelt. Ja, es sieht so aus, als würde der Fuchs über eine Chimäre aus Ratte und Biber herfallen. Und ja, zugegeben, das alles ist riesengroß! Sogar Menschen müssen die Straßenseite wechseln, um es in seiner Gesamtheit betrachten zu können. Wenn wir nur in die Nähe dieser Straße1 kommen, wird Erwin seltsam angespannt. Er meidet diese Stelle, um es mit Erwins Worten zu formulieren: wie die Pest.

7. April

„Kirchenmaus rettet Besucher der Gumpendorfer Kirche vor Beichte“

Ich bin sehr stolz auf Elsbeth. Sie meint allerdings, dass der Titel des Zeitungsartikels doch etwas über den tatsächlichen Ablauf hinausschieße.2

Übersetzung des Artikels über Frau Elsbeths Rettungsaktion in der Gumpendorfer Kirche. Quelle: „Dreikäsehoch“ vom 7. April.

Kirchenmaus rettet Besucher der Gumpendorfer Kirche vor der Beichte

Mariahilf: Am Montagvormittag konnte ein Besucher der Gumpendorfer Kirche durch das beherzte Eingreifen von Kirchenmaus Elsbeth N. vor einem großen Unglück bewahrt werden. Eine 20-köpfige Reisegruppe, bei den Touristen handelte es sich um Haselmäuse aus Dortmund, fand sich gegen 10 Uhr vor der Kirchenbank, dritte Reihe links ein. Während der einleitenden Worte von Elsbeth N. zur Geschichte des Bauwerkes stellte eine Mitreisende die Abwesenheit von Ferdinand F. fest. „Wir lauschten den Ausführungen über den heiligen Ägydius, plötzlich war er weg“, so Brunhilde B. „Die Gefahr, sich unter den Kirchenbänken zu verlaufen oder gar von einem herunterrutschenden Gesangsbuch „Gotteslob“ getroffen zu werden war einfach zu groß, als dass ich noch länger warten konnte“, gab die Kirchenmaus als Grund für die unverzügliche Suche an. Schließlich vernahm Frau Elsbeth N. ein leises Klopfen, das aus dem Beichtstuhl kam. Herr F. war im Beichtstuhl eingeschlossen. Mit vereinten Kräften gelang es schließlich Elsbeth N. und ihrer Gruppe, die Türe einen Spaltbreit zu öffnen. Ferdinand F. konnte sich durch die Öffnung zwängen, dabei wurde sein Schnurrbart ramponiert, der jedoch kurz danach wieder seine normale Form annahm. Wie war er in diese missliche Lage geraten? „Die Türe ging plötzlich auf, ich dachte, das ist der nächste Besichtigungspunkt und die Gruppe kommt gleich nach. Ich schlüpfte hinein. Als die Tür hinter mir zufiel, bemerkte ich den Irrtum“, berichtet der erschöpfte, aber nach seiner Rettung sichtlich erleichterte Herr F. Bereits kurze Zeit später konnten die Dortmunder Haselmäuse ihre Besichtigung ohne weitere Zwischenfälle fortsetzen.(mpg)


1 Unsere Vermutung, es handle sich um das Graffito in der Schadekgasse, wurde von Erwin bestätigt. Er macht übrigens nach wie vor einen sehr, sehr groooßen Bogen um diese Stelle.
2 Frau Elsbeths Feststellung ist zuzustimmen.

Fortsetzung folgt am 5. Mi 2015.

Alle bisherigen Abenteuer mit Herrn Leopld finden Sie hier.

Beiträge vor einem Jahr:
Brillis Wort zum Montag

Internationaler-Roma-Tag am 8. April

8. April 2015 von eag

Am 8. April feiern die Roma ihren internationalen Tag. An diesem Datum fand 1971 der erste Welt-Roma-Kongress in London statt. Es ist dies auch der Tag an dem des Porrajmos (Romanes, dt.: das Verschlingen), wie der Holocaust von den Roma genannt wird, gedacht wird.

Rund 500.000 Roma und Sinti wurden während des Holocaust ermordet.Sie wurden in Vernichtungslagern ermordet und fielen in Zwangsarbeits- und Konzentrationslager Hunger und Krankheiten zum Opfer. Die Überlebenden wurden jahrzehntelang nicht als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung anerkannt und erhielten nur geringe oder überhaupt keine Entschädigungszahlungen.

Beitrag des Ersten Wiener Lesetheaters zum Internationalen Romatag

„Mitten im Sommer haben wir süße Maulbeeren gegessen und gelacht“ – ein Leseabend mit viel Musik.

Rremi Brandner, Emilie Locatin, Andrea Pauli und Susanne Schneider lesen Gedichte und Texte von Elfriede Jelinek, Ilija Jovanovi?, Jovan Nicoli? u.a.
Ivana Ferencova (Romano Centro) spielt und singt mit ihrem internationalen Frauenchor.

Wann: Freitag, 10. April, 19 Uhr
Wo: Haus der Begegnung Floridsdorf, Angererstrasse 14, 1210 Wien
Eintritt frei

Nähere Infos über Roma und Sinti finden Sie beispielsweise im „Duftenden Doppelpunkt“ im Beitrag „Roma und Sinti oder doch ausnahmsweise ‚Zigeuner‘?“

Herr Leopold bekommt gewaltigen Ärger

7. April 2015 von eag

Tagebuchaufzeichnungen und Berichte aus Wien-Mariahilf

Einaeugiger Erwin Portraet Bericht und Ergänzung von Erwin: Worin seine Erfahrungen als Schiffsratte von hervorragendem Nutzen sind, jedoch das Tee-Exportvolumen Indiens im Jahr 1865 sogar für ihn eine Nummer zu groß ist.

Hier geht’s zu Herrn Leopolds Tagebucheinträgen vom 3. und 4. April, auf die Erwin sich im Folgenden bezieht.

Foliant nennt man das. Aha. In meinen Augen war das ein riesiges Trumm von einem Büchl. Der Leo und ich stehen also vor diesem Regal. Ich, wie immer, wenn wir zu den Findners stiefeln, ausgerüstet mit meinem Enterhaken und meinem Fernrohr. Einige Minuten schaut der Leo so durchs Rohr – ich frag mich, was es da zu sehen gibt, rührt sich ja nix –, er schaut und schaut und dann zeigt er auf das rote Ungetüm, das schräg an einem grünen lehnt, und bittet mich, dass ich den Haken hinaufwerfe, um die Lage dort oben höchstpersönlich „zu sondieren“. Naservas, denk ich, das wird keine leichte Sache. Obwohl, ich bin ja früher auf der „Mausolos“ die Takelage hoch wie nix, auch wenn mir der Atlantiksturm um und in die Ohren gepfiffen hat.

Aber für den Leo mach ich eh fast alles. Das Büchl steht recht weit oben, da reicht das Seil mit dem Enterhaken nicht aus. Ich muss zuerst ein Stückerl raufklettern, komm mir dabei vor wie diese Kraxler, die wie die Spinnen am Flacksturm im Esterházypark picken. Fast rutsch ich von einem Gedichtbuch ab. Kann mich aber grad noch am Umschlag von der „Wiener Küche“ festhalten. Reiß dabei den Teller mit der Beilage ein, also, das Bild mit dem Teller mit der Beilage, ich glaub, das war ein Semmelschmarrn. Oder war’s ein Rotkraut? Ich krall mich am Buchdeckel fest, da beginnt das Kochbuch, das gefährlich weit über das Regalbrettl hinausschaut, auf und ab zu schaukeln. Ich seh mich bereits mitsamt der „Wiener Küche“ abstürzen. „Erwin“, sag ich mir, „wenn diese Geschichte gut ausgeht, dann isst ab morgen weniger.“
Ich schau nach unten. Naservas!, der Leo hat tellergroße Augen und dreht nervös an seinen Schnurrbarthaaren. Ich schaff‘s, mich an der „Wiener Küche“ hochzuziehen 1. Mit einem Satz spring ich auf einen dicken Wälzer, der aufgeschlagen daneben liegt, und land in einem Schwarz-Weiß-Foto. Auf dem sind riesige Räder zu sehen. Ich brauch eine Weile, bis ich die krakeligen Buchstaben unter dem Foto entziffert hab: „Maschinenhalle der Unterstation Kaunitzgasse“ steht da, und dass die um 1907 zum Beispiel das Raimundtheater mit Strom versorgt hat. Das wär was für den Leo überleg ich und blätter weiter. Da find ich das Bild von einem Gebäude. Enorm! Und ich les: „Eingang in das Polizeigefangenenhaus (alte Theobaldgasse, heute Fillgradergasse)“. Das ist interessant, denk ich, das liegt ja fast bei mir ums Eck. Ob da der Rote Wickerl – so haben‘s meinen Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Opa genannt – auch eingekastelt war? Ich glaub‘s eher nicht. Der hat angeblich jeden Schlupfwinkel in der gesamten Laimgrube 2 gekannt, um sich zu verstecken. Da hat er eh guten Grund dazu gehabt, weil er war damals dabei bei der Gründung von diesem Wanderrattenbildungsverein. Das hat den feinen Ratzherrenbinkeln überhaupt nicht gepasst. Häuslratzen und Bildung! Den Roten Wickerl haben‘s sogar steckbrieflich gesucht. Der Opa hat den Wisch in seiner Kramurikiste aufgehoben.

Steckbrief Erwins Ur Ur Ur Opa

Abbildung 3: Der Steckbrief von Viktor Pratz, dem Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Opa vom Einäugigen Erwin, der das Dokument in der Kramurikiste seines Opas aufbewahrt.

Und während ich so studier, wachelt der Leo unten umher und deutet auf eine Stelle über mir, eben auf dieses Foliending. Das aufgeschlagene Büchl, auf dem ich grad steh, hat nicht nur interessante Bilder, sondern dient auch bestens als Plattform. Ich stell mich auf das Bild vom Gefängnishaus, schnapp mir den Enterhaken, fass das Ziel ins Auge, lass den Haken ein paar Mal über meinem Kopf kreisen, und – zack!, schon hängt der Haken am Buchrücken vom Folanten fest. Ich nehm das Seilende in die Pfoten und kletter vorsichtig hoch. Ich seh die goldigen Buchstaben immer näher kommen und merk, dass der Folant langsam vornüberkippt. Einmal mehr denk ich: Erwin, ab morgen nimmst ab. Und hoff, dass ich es noch rechtzeitig schaff. Vergeblich. Das Buch kippt aus dem Regal. Ich seh nur noch das Muster vom Fliesenboden auf mich zukommen. Blaue Quadrate, gelbe Kreise. Mich überholt eine Karte vom Kap der Guten Hoffnung, und während ich mich noch frag, ob ich die vielleicht versehentlich wo rausgerissen hab, land ich in einem blauen Fliesenquadrat. Das Letzte, was ich seh, bevor es um mich kurz schwarz wird, ist das Tee-Exportvolumen Indiens im Jahr 1865, das mich unter sich begräbt. Irgendwie gelingt’s mir, mich aus dem Folanten hervorzuwurschteln. Mir ist ganz blümerant. Ich seh zwei Leos herbeieilen, fuchteln und in Stereo fragen, ob mir was passiert ist. Der Doppel-Leo stolpert über ein gelbes Heftl, das ist wahrscheinlich gemeinsam mit dem roten Pracker runtergefallen.

Als der doppelte Leo näher kommt, ist es nur noch ein Leo. Zum Glück. Trotzdem will er mich zu seinem Arzt – dem Doktor van Keehs – schicken, weil der würde auch Ratten behandeln. „Nein, danke“, brumm ich, „mein Kopf ist noch dran, das ist die Hauptsach.“ Der Leo will mich heimbegleiten. Ich wink ab. Das fehlt mir noch, der Leo bei mir zu Hause. Das würd ihm nicht sehr gefallen.

Draußen vor dem Geschäft verabschieden wir uns. Ich spür den besorgten Blick vom Leo, bis ich hinter dem Elektrokastl, auf dem jemand ein gelbes Manderl gepinselt hat, verschwunden bin. Ich muss kurz verschnaufen. Zugegeben, meine Knie sind ein bisserl weich, aber ich schaff den Weg heim.

Bei Findners war ich seitdem nicht mehr drinnen, da war’s ja auf der „Mausolos“ sicherer.

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1 Erwin ersuchte um folgende Ergänzung: „Jetzt bin ich mir sicher, es war ein Rotkraut.“

2 In den Memoiren des ehemaligen Ratten-Gefängnisdirektors Joseph Köttelgeier („Meine Memoiren als Ratten-Gefängnisdirektor“, erschienen im Rotzfrech-Verlag; das Buch ist vergriffen und nur mehr antiquarisch erhältlich) findet sich ein Hinweis auf einen Viktor Pratz. Dieser war zu einer Haftstrafe von 25 Tagen verurteilt worden, weil er sich trotz Verbotes im Rattenbildungsverein politisch engagiert hat. Nach zwei Tagen gelang ihm die Flucht, er tauchte unter, die Justiz konnte seiner nicht mehr habhaft werden. Erwins Behauptung, dass es sich bei Viktor Pratz um seinen Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Opa handelt, ist nicht ganz von der Pfote, ähem, von der Hand zu weisen.

Fortsetzung folgt am 28. April 2015.

Alle bisherigen Abenteuer mit Herrn Leopold finden Sie hier.

Beiträge vor einem Jahr:
Brillis Wort zum Montag

Herr Leopold bekommt gewaltigen Ärger

24. März 2015 von eag

Tagebuchaufzeichnungen und Berichte aus Mariahilf

Herr Leopold Portraet3. April

Der Wind hat sich heute etwas gelegt. Er kommt nun aus dem Westen. Weht in exakt jener Geschwindigkeit, die es braucht, um die Lautsprecherdurchsagen vom Westbahnhof zu mir in die Fügergasse zu tragen, auch wenn auf dem Weg hierher immer wieder Teile verloren gehen, sodass ich nur Fragmente zu hören bekomme: „Zug aus … fährt auf Bahnst…“, „Vorsicht Bahnsteig drei, Zug …“ oder „… hat neunzig … Verspätung“. Dieser Wind treibt das oft hektische Klingeln der Straßenbahnen 6 und 18 vor sich her, jagt es bis vor meine Haustür.

4. April

„Bibliotheken sind Orte des Glücks.“ Welch wunderbarer Satz. Leider nicht von mir. Aus einem Zeitungsartikel winkt er mir entgegen.
Ich möchte ergänzen: Auch ein Malvenhain ist ein Ort des Glücks. Speziell, wenn er vor der eigenen Haustüre zu finden ist. Noch reichen mir die Pflänzchen nur bis knapp unter die Schulter und haben winzig kleine Blätter, aber bereits in ein paar Wochen werden sie mich um vieles überragen und mit ihren tiefvioletten Blüten erfreuen. Jedoch, solange mein Lieblingsplatz dermaßen gut einsehbar ist und ich Gefahr laufe, von neugierigen Tauben begafft oder gar von kreischenden Menschen belästigt zu werden, suche ich gerne Findners Antiquariat auf. Ein Paradies der literarischen Freuden sind sie, die zwei halbdunklen, sommers wie winters kühlen Räume mit fast bis an die Decke reichenden Regalen voll mit Literatur aus der Menschenwelt. Wie zwei gutmütige Relikte aus einer anderen Zeit blättern, schlichten, kramen die beiden Buchmenschen in ihrem Reich.1 Da Erwin sich seit dem Vorfall mit dem Folianten weigert, mitzukommen, ist mir Elsbeth, die in unmittelbarer Nähe in einem Zwölf-Röhren-Haus lebt, eine liebe Begleiterin. Einziger Wermutstropfen: Wir sind nicht die kräftigsten Mäuse. Ein Taschenbuch mit hundertfünfzig Seiten, bei Dünndruck schaffen wir ungefähr zweihundert, ist das Maximum, das wir mit Müh und Not aus dem Regal hieven können.

Hundertfünfzig Seiten – trotzdem keine leichte Lektüre!


1 Bis dato war nur Eingeweihten folgender Umstand bekannt: Unter der Kiste mit den 1-Euro-50-Cent-Büchern, die auf dem Gehsteig vor Findners Auslage steht, liegt der Eingang zu einer Bibliothek, die, sogar in Menschendimensionen bemessen, über einen enormen Bestand verfügt. Darin befindet sich ein Querschnitt mausischen Literaturschaffens, unter anderem die Werke von Robert Mausil. Material für viele Generationen von Forscherinnen und Wissenschaftlern. Der Zugang für Menschen ist, schon aus Platzgründen, bedauerlicherweise nicht möglich.

Fortsetzung folgt am 7. April 2015 – Lesen Sie dann Erwins Bericht über das Ereignis mit dem Folianten.

Alle bisherigen Abenteuer mit Herrn Leopold finden Sie hier.

Beiträge vor einem Jahr:
Brillis Wort zum Montag

GUTES TUN – BÜCHER GEWINNEN

18. März 2015 von eag

Einen Koffer voll Bücher gewinnen – und dabei auch noch das Leseförderprojekt „Wiener Bücherschmaus“ unterstützen!

Wir laden Dich ein, auf die Leseförderinitiative „Wiener Bücherschmaus“ aufmerksam zu machen. Wir sind als private InitiatorInnen ausschließlich ehrenamtlich für dieses Non-Profit-Projekt tätig und haben ein Ziel: Möglichst viele Menschen sollen von den kostenlosen Buchspenden und Leseförderprojekten profitieren! Damit das Projekt bekannter wird, brauchen wir Deine Unterstützung – und bedanken uns dafür mit einem besonderen Gewinnspiel.

Ein Bücherkoffer von Lhotzkys Literaturbuffet

Buecherkoffer mit 7 Buechern Jeder, der uns hilft, den „Wiener Bücherschmaus“ bekannter zu machen, kann etwas Besonderes gewinnen: Einen Bücherkoffer, dessen Inhalt von Lhotzkys Literaturbuffet im 2. Bezirk zur Verfügung gestellt wurde.

Er beinhaltet für nahezu jeden Geschmack etwas: vom Krimi aus China über Liebesgedichte von Theodor Storm, einem Streifzug durch die Geschichte unserer Hoffnungen und einem Sachbuch über Kaffee, die Dokumentation eines kulturanthropologisch-philosophischen Canetti-Symposion bis hin zu Matscho – mir reichts, den allen Wiener ÖffinutzerInnen wohlbekannten satirischen Kolumnen Wolfgang Kubastas.

Neben diesem Hauptpreis gibt es drei Exemplare des vor Humor und Skurrilität strotzenden Buches „Meine Kindheit in den Bergen“ von Clemens Haipl zu gewinnen. Danke auch an den Holzbaum Verlag.

Die Verlosung der vier Buchpreise findet am Montag dem 15. Juni 2015 statt.

Du nimmst an der Verlosungl teil, wenn Du:

1. Zuvor einen Beitrag über den „Wiener Bücherschmaus“ in einem Blog bzw. im Internet oder in einem Printmedium veröffentlichst.
2. Oder Du forderst unsere Lesezeichen und Postkarten oder/und unser kleines Plakat A4 an und legst das Material im Geschäft Deines Vertrauens bzw. in Deinen Lieblingslokalen auf.
3. Du mailst uns den Link zu Deinem Beitrag oder ein Foto, auf dem Postkarten und Co. zu sehen sind sowie einen Hinweis auf den jeweiligen Ort.

Wir verlinken auf Deinen Beitrag vom Literaturblog „Duftender Doppelpunkt“ (Pagerank 5) und von der Websites des „Wiener Bücherschmaus“.

Über den „Wiener Bücherschmaus“

Bücher auf Rädern Der Verein „Wiener Bücherschmaus“ widmet sich der Literatur- und Leseförderung. Das Gemeinschaftsprojekt ist eine private Non-Profit-Initiative, die von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen wird. Willst Du mehr über den „Wiener Bücherschmaus“ wissen? Dann schau Dich auf der Website des Projektes um oder lies Dir unsere aktuelle Presseinformation über den „Wiener Bücherschmaus“ durch.

Verlost werden: Ein Bücherkoffer und zusätzlich drei Exemplare von „Meine Kindheit in den Bergen“

Qiu, Xiaolong: Rote Ratten. Oberinspektor Chens vierter Fall. Aus dem Amerikan. von Susanne Hornfleck. Zsolnay, Wien, 380 Seiten, fest geb., € 25,60.

„Kapitalismus und Korruption in China: Chens neuer Fall hat bereits einen Polizeikollegen das Leben gekostet, nun gerät er selbst in Gefahr. Nicht einmal die Reise zu einem Schriftstellerkongreß in den USA kann er genießen.“ Via Zsolnay-Verlag

Das Buch zeichnet den Skandal um den „Schmugglerkönig“ Lai Changxing nach, der sich in den Neunzigern mit Bestechung und Erpressung eine ganze Provinzregierung gefügig machte und dann nach Kanada absetzte.

Theodor Storm: Laß mich ruhn in deinem Arm. Die schönsten Liebesgedichte. Ausgewählt von Hark Bohm. Hoffmann und Campe, 127 Seiten, € 7,20.

„Er ist ein Meister der Dichtung von Sturm und Wind. In seinen Liebesgedichten aber zeigt sich ein anderer, ein überraschender Storm: ein Mann, der sich immer zur falschen Zeit in die richtige Frau verliebt. Und einer, dem die Liebe vor allem eines gibt: kräftige Lebenslust.
In seinen Gedichten »steht Perle … neben Perle«, befand schon Thomas Mann – und nicht zuletzt Theodor Storm selbst schätzte seine lyrische Produktion höher ein als sein heute vor allem bekanntes novellistisches Werk. Seine Liebes-gedichte sind raffiniert einfach und zugleich schonungslos in ihrer Anzüglichkeit. Storms Thema ist nicht die glückliche Liebe, sondern vielmehr die unerfüllte, etwa die eines alten Mannes zu einer jungen Frau: ‘Noch einmal fällt in meinen Schoß / Die rote Rose Leidenschaft /… Noch einmal legt ein junges Herz / An meines seinen starken Schlag.‘ In Laß mich ruhn in deinem Arm hat der Schauspieler, Regisseur und Amrumer Theodor-Storm-Kenner Hark Bohm die schönsten Liebesgedichte Storms neu zusammengestellt.“
Via Hoffmann & Campe

John D. Pattillo-Hess und Mario R. Smole (Hrsg.): Elias Canetti. Chronist der Massen, Enthüller der Macht. Referate auf dem 18. Internationalen Kulturanthropologisch-Philosophischen Canetti-Symposion gehalten, das im Volksbildungshaus Wiener Urania in der Zeit vom 3. bis 6. November 2005 stattfand. Löcker Verlag, Wien, 118 Seiten, € 19,80

„Elias Canetti bezeichnet seine philosophisches tractatus Masse und Macht als sein Hauptwerk. Sicher ist Canetti kein akademicher Philosoph, ja man kann behaupten, er sei ein aphoristisch schreibender Denker, der die Vorteile des Aphorismus für weltanchauliche Provokationen zu nutzen wusste. Er stand mit seiner gesamten Literatur entschieden gegen die Zeit. Dies mag erklären, dass, obzwar sein Werk allgemein bekannt ist, der Kern seiner Ideen im Allgmeinen nicht ernsthaft wahrgenommen wird. Dieses Buch versucht, ohne zwischen Haupt- und Nebenwerk zu unterscheiden, gerade die Ideen Canettis zu behandeln, die am wenigsten Beachtung in der akademischen Welt gefunden haben.“ Aus dem Vorwort des im Löcker-Verlag erschienen Buches.

Rosalba Gioffre: Das Venedig-Kochbuch. Über 60 landestypische Rezepte. Christian Verlag, München, 120 Seiten, zahlr. Ill., Kt.

„Aus der Lagune, dem Hinterland und gespickt mit exotischen Entdeckungen der Serenissima – die Küche in Venedig und dem Veneto! Regionalküche ohne Firlefanz: Was wächst und gedeiht, schwimmt oder weidet kommt frisch in den Kochtopf und überzeugt durch seine einzigartige Geschmacksvielfalt. Und rund um Venedig schwimmt ganz viel: Seespinnen, Tintenfisch, Peverasse – entsprechend vielfältig sind die Gerichte! Und es gibt ja auch noch das Fleisch und den Reis aus dem Veneto! Mit kleinen Essays zu den ‚Herzstücken‘ der Küche, den Weinen – Valpolicella und Soave ¬ und zu den sonst so geliebten Traditionen in Venezia.“ Via Buchgourmet

Kubasta Wolfgang: Matscho – mir reicht´s! echomedia buchverlag, 152 Seiten, brosch., € 16,50

„Es gibt den Matscho als Kolumne, in Buchform und auf Compact Disc. Aber das alles reicht den Leuten nicht. Die Leute wollen den Matscho auch leibhaftig erleben. Ich kann’s verstehen.
Wenn Ihr sehr ergebener Autor amtlich eine Lesung hält, sind alle rundherum zufrieden. Meine Göttergattin beispielsweise, die liebe Frau Matscho, sieht es mit größtem Wohlgefallen, wenn ich lesen gehe. Die freut sich immer für mich, dass ich endlich auch einmal etwas zu reden habe. Und das Publikum ist begeistert, weil es zusätzlich zu den Texten ein spektakuläres optisches Erlebnis serviert bekommt. Diese Tatsache hat eine Dame anlässlich meiner letzten Buchpräsentation zu dem tief empfundenen Kompliment hingerissen: ‚Ich hätte nie gedacht, dass Sie WIRKLICH so ausschauen!‘
Ein einsamer Höhepunkt bei meinen Leseabenden ist erfahrungsgemäß die Pause. Da stehe ich inmitten meiner Anbeterinnen, signiere Matscho-Bücher, bin ungewohnt wichtig und besteche dennoch durch natürliche Bescheidenheit.“
Via Vormagazin

Günter Neuberger u. a.: Zum Beispiel Kaffee. Lamuv Verlag, Reihe Süd-Nord 274, € 8,-
Nach Erdöl ist Kaffee die wichtigste Handelsware der Welt. 70 Staaten des Südens erhalten durch den Export der braunen Bohne dringend benötigte Devisen; über zehn Milliarden US-Dollar werden im Jahr mit Kaffee umgesetzt. Mindestens 20 Millionen Menschen in der Dritten Welt leben von seinem Anbau und seiner Verarbeitung. Kaffee ist für die Bundesbürger das Getränk Nr. 1. Kaffee ist eine klassische Kolonialware. Um 1700 schmuggelte dei Holländische Ostindien-Gesellschaft Kaffeesamen nach Batavia und ließ malaiiscche Sklaven auf de Plantagen schuften. Die ersten Kaffeepflanzungen in Lateinamerika wurden ebenfalls von Sklaven angelegt. Die Weltmarktpreise für Kaffee schwanken beträchtlich. Die Konsumenten hierzulande genießen die niedrigen Preise – von denen bei den Plantagenarbeitern nur drei bis fünf Prozent landen. Via Lamuv Verlag

Andreas Schlieper: Der Traum vom besseren Menschen. Ein Streifzug durch die Geschichte unserer Hoffnungen. wjs Verlag, Berlin. 359 Seiten, € 25,60.

„Andreas Schlieper schreibt über die „Ideen und Visionen, die sich die Menschen von sich selbst gemacht haben, und lässt die Welt jener Denker aufleben, die sich um Fragen und Antworten bemüht haben – von Platon und Anselm von Canterbury über Rousseau und Feuerbach bis zu Nietzsche und Freud. Jeder von ihnen war voller Hoffnung, die Wahrheit gefunden zu haben. Und doch sind ihre Antworten nur ein weiterer Meilenstein auf dem endlos scheinenden Weg durch das Labyrinth der Kultur.
Daran wird auch die Naturwissenschaft nichts ändern. Denn die Frage nach dem perfekten Menschen kann nicht technisch, sondern allenfalls gesellschaftlich beantwortet werden. Zum Träumen bleibt also noch reichlich Gelegenheit. Und vielleicht – so die These des Autors – geht es ja gar nicht darum, ein besserer Mensch zu sein, sondern um das lebenslange Abenteuer, ein besserer Mensch zu werden.“
Via wjs Verlag

Clemens Haipl: Meine Kindheit in den Bergen. Holzbaum Verlag, Wien, 80 Seiten, Hardcover, € 10,-.

„Clemens Haipl erzählt die wahnwitzige Geschichte einer kleinen Dorfgemeinschaft, die sich mit akutem Katzenmangel, verkleideten Vögeln und der korrekten Verwendungsweise von Flugfischen herumschlagen muss. Kann die Familie des Erzählers die Probleme lösen? Und was hat eigentlich Uri Geller mit dem Ganzen zu tun?“ Via Holzbaum Verlag

„Ich hab als Stimmung vor mir die Bücher Michel aus Lönneberga von Astrid Lindgren gesehen. Rote Häuser, blauer Himmel, grüne Wiesen und ein blonder Bub, der durch die Gegend läuft. Mein Wunsch war es, das dann einfach komplett zu brechen. Der Vater ist nicht ein Pfeife rauchender Bauer aus Schweden – nein, der verkleidet Vögel als Katzen – und das hab ich dann cool gefunden. Es ist eine gewisse Schiene vorgegeben durch den Heimatroman und dann hab ich das kindliche Verlangen das zu brechen“, bringt der Autor seine Motivation auf den Punkt. Quelle: Interview mit Clemens Haipl „Vienna Rama“

Beiträge vor einem Jahr:
exil-literaturpreise 2014

Gusto auf Literatur?

16. März 2015 von eag

Der „Wiener Bücherschmaus“ kredenzt drei Tage lang Lesen und kreatives Schreiben.

30. März bis 1. April 2015 in der Galerie MAG3
Schiffamtsgasse 17, 1020 Wien

Vorspeise: Der „Wiener Bücherschmaus“ stellt sich vor

Lesung mit Armin Baumgartner und Auktion von literarischen Jausenpackerln

Montag, 30. März 2015 ab 18.30 Uhr
Die Galerie MAG3 ist am Montag, dem 30. März ab 18:30 geöffnet. Die Veranstaltung beginnt um 19:00:

Das Team vom „Wiener Bücherschmaus“ präsentiert das gleichnamige Leseförderprojekt.
Armin Baumgartner liest aus seinem aktuellen Buch „Almabtreibung“.
Anschließend Versteigerung spezieller Pschorrpackerl – für den literarischen Gusto.

Hauptspeise: Buch-Geschichten-Atelier

Kreative Schreibworkshops: Dienstag, 31. März & Mittwoch, 1. April 2015

Die Workshops finden an BEIDEN Tagen zwischen 16:00 – 19:00 Uhr parallel und fortlaufend statt. In diesem Rahmen planen Sie bitte für Ihre Teilnahme mindestens 1 Stunde ein.
Es ist keine Anmeldung notwendig. Einfach vorbeikommen und mitmachen.
Die Teilnahme ist kostenlos.

Schneiden-Schreiben. Mit Kezia Fender
Alte Bücher wollen, dass ihre Worte nicht verschwendet werden! Sie brauchen eure Hilfe, sie wieder neu zu konstruieren!
Werft den Stift weg und nehmt die Schere, damit ihr Texte zerschneiden, zerreissen und zerstören könnt. Gestaltet die Stücke und Worte neu und schaut, wie viele überraschende und verblüffende Kombinationen zum Vorschein kommen …
Plötzlich hat man ein originelles kreatives Gedicht, Lied, einen Buchanfang oder Brief verfasst!
Für alle geeignet – man muss nicht einmal angefangen haben, schreiben zu lernen!

Free-Writing: die fünf Sinne. Mit Kezia Fender
Denk nicht, schreib einfach!
Lasst euch von euren fünf Sinnen inspirieren und die Worte ungehindert fließen – so einfach ist es, einen schönen fantasievollen Text zu schreiben. Folgt eurer Nase, den Augen, den Ohren, der Haut und dem Mund zu ideenreichen Gedanken.
Für alle geeignet.

Wir machen ein Notizbuch. Mit Teresa Mossbauer
Aus wenigen Materialien und mit einfachen Arbeitsschritten gestalten wir ein Notizbuch, das die kreative Individualität aller TeilnehmerInnen unterstreicht – ob ein kleines Heftchen mit Stoffeinband oder eine aufwändige Kreation mit verschiedenen Papieren – es gibt zahlreiche Gestaltungsspielräume, die in diesem Workshop erkundet werden können.
Ihr könnt auch gerne euer eigenes, besonderes Einbindematerial mitbringen (z. B Bild, Geschenkpapier, Stoff, Illustration, Druck …).
Für alle ab 8.