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Mädchen mit Beziehungen

Mit ihren Reizen spielen, das konnte sie!
Maedchen mit Beziehungen „Mädchen mit Beziehungen“ erzählt das Leben der Margarete Slezak, einer berühmten Schauspielerin und Sängerin, inmitten einer Zeit großer politischer Umwälzungen. Ein Porträt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, interessant hauptsächlich durch die Schilderung der damaligen Gesellschaft und auch des Kulturbetriebs unter Adolf Hitler.

Der Inhalt von „Mädchen mit Beziehungen“ lässt sich kurz zusammenfassen: Margarete ist die hübsche Tochter des berühmten Opernstars Leo Slezak und hat schon seit frühester Kindheit nur ein Ziel: ebenso berühmt zu werden wie ihr Vater. Dieser ist allerdings dagegen und sähe seine Tochter lieber als züchtige Hausfrau. Doch Margarete weiß sich zu helfen, trickst ihren Papili aus und nutzt zum ersten Mal ihre Beziehungen, um sich hinter dem Rücken ihres Vaters als Sängerin ausbilden zu lassen. Dieses Motiv umspannt ihren Werdegang, ihren Erfolg und auch ihre Lebenskrisen: Als junge Künstlerin beeindruckt sie Adolf Hitler, der ihr zukünftig oftmals zur Hilfe steht. Margarete, die jedoch jüdischer Herkunft und gleichzeitig mit einer ordentlichen Portion Naivität gesegnet ist, erkennt dabei erst sehr spät, wie gefährlich dieser Mann eigentlich ist. Doch er schützt ihre Familie und ihre Karriere, er ist ihr Protektor. Als Margarete aber nach und nach draufkommt, dass Hitler doch nicht nur ein kunstaffiner Wohltäter und Gentleman ist, bricht sie den Kontakt ab. Sie bekommt zwar Spielverbot, ihre Familie übersteht den Zweiten Weltkrieg aber ohne größere Schicksalsschläge. Auch nach dem Krieg, als der Wunsch auf die Bühne zurückzukehren größer und größer wird, ergreift sie die rettende Hand der amerikanischen Besatzung. Am Ende erreicht Margarete ihr Ziel der großen Karriere und des Erfolges.

„Mädchen mit Beziehungen“ ist ein Buch, das in sich etwas widersprüchlich ist: teilweise kurzweilig und spannend, teilweise redundant und sich in die Länge ziehend. Situationen wiederholen sich, die Charaktere wirken teilweise flach und klischeehaft, an anderen Stellen sind sie dafür wieder berührend und lebensnah in Szene gesetzt. Margarete, die als selbstgefälliges, standhaftes Naivchen porträtiert wird, kann in ihrer Schilderung schon einmal an den Nerven der LeserInnen zehren und man ärgert sich darüber, dass es immer jemanden gibt, der Margarete unter die Fittiche nimmt und sie vor einer richtigen Konfrontation mit sich selbst bewahrt. Auch ein bisschen mehr Witz täte der Story gut, die an manchen Stellen ein Übermaß an Rührseligkeit aufweist. Die Autorin erklärt im Vorwort dass sie eine eingehende Recherche für das Buch angestellt habe, einiges sei aber auch Fiktion. Gerade diese Mischung erscheint im Sinne einer historischen Korrektheit als schwierig, denn man weiß nicht, was im Buch Realität und was Fiktion ist und teilweise wirken die geschilderten Szenen etwas an den Haaren herbeigezogen LiebhaberInnen von anspruchsvollen und akkurat recherchierten Biografien werden von diesem Buch enttäuscht sein. Trotzdem: Alle, die in das Ambiente der Künstlerszene Berlins unter Hitler zurückreisen möchten, eventuell auch noch Opern-, Musik- oder Slezakfans sind und Gefallen an einer packenden Lektüre finden: Einsteigen, bitte!

Teresa Mossbauer

Hanna von Feilitzsch – Mädchen mit Beziehungen

Feilitzsch Verlag, Miesbach-Tegernsee 2015. 352 Seiten, € 19,99 (D)

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