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Herr Leopold bekommt gewaltigen Ärger

Tagebuchaufzeichnungen und Berichte aus Wien-Mariahilf

Herr Leopold Portraet

8. April

‚Wer Tauben füttert, füttert Ratten!‘ Pah!“ Und schon hatte Erwin der Tafel im Blumenbeet beim Therese-Sip-Park einen entschlossenen Tritt versetzt, die daraufhin kräftig ins Wanken geriet. Er tobte und schrie Dinge wie „Ich ess doch nicht dieses Klumpert, was die Menschen den armen Teufeln zum Fraß vorwerfen! Schimmliges Brot, gatschigen Kuchen, ungekochten Reis! Pfui!“ Und spuckte aus. Seine Ungehobeltheit ist manchmal schier grenzenlos.1
Sofort fiel mir der Satz ein: „Wie seine eigene Spucke schmeckt, das weiß man nicht.“2 Ich glaube, er stammt von einem gewissen Joachim Ringelnatz, dessen Werke ich unlängst bei Findners entdeckt habe.

28. April

Die Schwalben und Mauersegler sind zurück! Hoffentlich bleibt uns heuer eine (fast) Tragödie wie letztes Jahr erspart.3


1 Bei unseren Recherchen entdeckten wir dieses Schild. In der Zwischenzeit hatte jemand mit einem schwarzen Stift den Satz dazu geschrieben: „Wir sind die Ratten.“ Erwin beteuert, nichts mit der Kritzelei zu tun zu haben.

2 Korrekt. Und weitere zwei Zeilen lauten: Wenn man in seinen Spiegel leckt, kriegt man die Spucke zu Gesicht. Das muss durchaus kein Spiegel sein. Man kann aufs Sofa, auf die Hand, man kann auf jeden Gegenstand, wenn man nur richtig hintrifft, speien. Aus Joachim Ringelnatz‘ „Betrachtungen in einer Bahnhofswartehalle“.

3 Bereits im vergangenen Sommer war Frau Elsbeth „Held der Woche“ – so der Name der gleichnamigen Radiosendung von FM-AUS. Genaugenommen war sie Heldin der Woche. FM-AUS sendet aus der Webgasse und kann dank Internet von der Mäusecommunity weltweit empfangen werden.
Theophilus hielt es für eine gute Idee, dieses Interview zu veröffentlichen. Ich beugte mich seinem Wunsch und nahm telefonisch Kontakt mit dem Sendungs- und Regieverantwortlichen Ruppert aus dem Emmental auf. Ein Kennenlernen Rupperts in den Räumlichkeiten des Senders war mir aufgrund der Größenverhältnisse logischerweise nicht möglich, sodass diese Aufgabe Theophilus übertragen wurde. Da Mäuse keine Straßennummerierung vornehmen, mussten wir uns an die Wegbeschreibung von Ruppert aus dem Emmental halten („Der Eingang wird von ein paar Schwammerln gesäumt.“). Seine etwas vagen Angaben hatten zur Folge, dass wir jeden Gingkobaum in der Webgasse genau unter die Lupe nehmen mussten. Unter einem sehr windschiefen Exemplar gegenüber der Österreichischen Mediathek – sie enthält 1 Million Tonaufnahmen und Videos zur österreichischen Kultur- und Zeitgeschichte der Menschen – wurden wir schließlich fündig. Gemeinsam mit Ruppert aus dem Emmental und der Technikerin Almut Almý tauchte Theophilus in die Tiefen des Senderarchives ein und ackerte sich durch eine Unzahl von Aufnahmen. Nach beinahe drei Stunden hatten sie den Mitschnitt gefunden – auf dem Laptop von Almut Almý. Theophilus erhielt eine Kopie von der Datei. Ich machte mich anschließend an die Transkription des Interviews und übersetzte es mit Hilfe von Frau Professor Mechthild Scheiblett aus dem Mausischen. Das Resultat findet sich auf der folgenden Seite. Übrigens bekam nicht nur Frau Professor Scheiblett Kopfschmerzen beim Stimmenklang von Kasimir Šrevitz …

Die Fortsetzung – das Radiointerview mit Frau Elsbeth – folgt am 19. Mai 2015.

Alle bisherigen Abenteuer mit Herrn Leopold finden Sie hier.

Beiträge vor einem Jahr:
Brillis Wort zum Montag

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