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Erste Weltkrieg – belletristische Literatur

Die folgende Literaturliste bietet Ihnen eine Auswahl von Werken, die aus der Feder von zeitgenössischen AutorInnen stammen. Ergänzt wird diese Zusammenstellung von einigen ausgewählten Titeln älteren Ursprungs, die im heurigen Gedenkjahr in einer Neuauflage veröffentlicht werden.

Literatur von AutorInnen, die ZeitzeugInnen des Ersten Weltkriegs waren, finden Sie neben einer kurzen Einführung zum Thema vor allem im Beitrag „Der Erste Weltkrieg in der Literatur“.

Balàka, Bettina: Eisflüstern. Suhrkamp, Paperback, 387 S., € 9,90.

„Bettina Balàka legt mit diesem umfangreichen Roman ein erstaunliches Werk vor. Ein Epos über das devastierte Wien der frühen Zwanzigerjahre, gekleidet in einen Kriminalfall, dessen Auflösung bis zum letzten Moment für Spannung sorgt – wenn auch der Showdown ein wenig konstruiert wirkt. An dem penibel gearbeiteten Text faszinieren besonders die souveräne Sprachbeherrschung in der Sphäre des Krieges und dessen Widerspiegelung in den Verwerfungen von Becks Psyche. Die Anordnung in kurzen Kapiteln, das Arbeiten mit Rückblenden und psychischen Übertragungen sind durchwegs gelungen.“ Rezension von Ditta Rudle in der Buchkultur 107 B, Österreich Spezial. Via Bettina Balàkas Homepage

Plakat: Helft uns siegen!

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Barker, Pat: Tobys Zimmer, Dörlemann Verlag 2014, 400 S., Hardcover, € 23,90. Regeneration Trilogy: Niemandsland, gebunden, 328 S., € 19,90 / Das Auge in der Tür. dtv, kartoniert, 304 S., € 9,50 / Die Straße der Geister (vergriffen).

Tobys Zimmer: „‚Eintausend junge Männer mit ausgehöhlten Augen, weggesprengten Kiefern und klaffenden Löchern, wo ihre Nasen einst waren, hier auf engstem Raum, um zusammengeflickt und mit dem, was die Chirurgen an Gesicht zustande gebracht hatten, entlassen zu werden. ‚Pat Barker blickt direkt ins Innere des Grauens. Die Verletzungen, die die Soldaten auf den europäischen Schlachtfeldern erlitten, waren fürchterlich. Und doch blickt Barker nicht weg. Dabei verzichtet ihr Roman ‚Tobys Zimmer‘ fast vollkommen auf die Schilderungen von Schlachtszenen. Sie beschäftigt sich mit den Nachwirkungen. Und die sind ebenso verstörend.“ Via Deutsche Welle

Regeneration Trilogy: „In der Geschichte, die ihren Ausgang von einem Lazarett für traumatisierte britische Offiziere während des Ersten Weltkrieges nimmt und die Bemühungen der Daheimgebliebenen und Zurückgekehrten beschreibt, den Krieg psychisch zu überstehen, treten unter anderen Siegfried Sassoon, Robert Graves und Wilfred Owen auf. Die einzelnen Werke sind Niemandsland, Das Auge in der Tür und Die Straße der Geister. Für den dritten Band wurde Pat Barker mit dem Booker Prize ausgezeichnet.“ Via Wikipedia

Barry, Sebastian: Ein langer, langer Weg. Verlag Steidl 2014, 366 S., € 24,00.

„Sebastian Barrys Roman ‚Ein langer, langer Weg‘ handelt von dem Iren Willie Dunne, der das Pech hat, zur falschen Zeit und am falschen Ort geboren zu sein. Er ist gerade alt genug, um Soldat zu werden, als der Erste Weltkrieg ausbricht. In seiner Geburtsstadt Dublin verschärfen sich gleichzeitig die politischen Gegensätze, die 1916 im Osteraufstand gegen die britische Besetzung gipfeln.
‚Ein langer, langer Weg‘ zeigt in einer ungewöhnlich expressiven Sprache, wie die politischen Verstrickungen der Epoche das Schicksal von Menschen fest im Griff haben, die von den Hintergründen und Details dieser Verstrickungen nicht die geringste Vorstellung haben.“
Aus „Was in der Schule kaum vorkommt“ – ein Beitrag von Ralf Sotschek in der TAZ vom 12. 04. 2014

Bast, Eva-Maria: Mondjahre. Ein historischer Roman vom Bodensee. Gmeiner Verlag, 466 S., Paperback, € 11,99.
Früher Sommer 1914 am Bodensee – Sophie lernt in Friedrichshafen Pierre, einen französischen Journalisten, kennen. Die folgenden Ereignisse – Attentat in Sarajewo, Juli-Krise, Kriegsausbruch – verhindern die Hochzeit, denn Pierre hat nun als Feind zu gelten und verlässt Deutschland. Der heimliche Verlobte von Johanna, Sophies Nichte, muss genau wie andere junge Männer in den Krieg ziehen; Johanna sitzt mit ihrer Mutter Helene und ihrer Tante Sophie bei deren Eltern in Überlingen – der Vater hat sie aus Sicherheitsgründen dorthin geschickt. (…) Eva-Maria Bast erzählt eine spannende Geschichte. Nach guter alter Krimi-Tradition gibt es Cliffhanger und “Had-I-but-known”-Elemente, die trotz ihrer Offensichtlichkeit die Spannung tatsächlich steigern. In der Geschichte Überlingens ist Eva-Maria Bast sehr bewandert und setzt die Auswirkungen der Kriegsereignisse überzeugend in Szene: Handarbeitskränzchen und Gemüseanbau als kriegswichtiges Engagement der Frauen z. B. Via Kölner Leselust

Bosetzky, Horst: Fahnenflucht. Gmeiner Verlag, 271 S., Paperback, € 9,99.

„Es ist bereits der zweite historische Kriminalroman von Horst Bosetzky, in dem er Fokko von Falkenrhede ermitteln lässt. Inmitten von Kriegsprotesten, Hunger und schwelender Revolutionslust muss er gemeinsam mit seinem Kollegen Markwitz den Mörder von Hertha Theuerkauf finden, die tot in einem Friseursalon liegt. Dabei stehen ihm nicht nur lügende Zeugen und nervende Vorgesetzte im Weg, sondern auch sein Privatleben, denn Fokko ist neben der Arbeit vor allem mit seiner Liebsten Bettina beschäftigt.

Horst Bosetzky Roman lässt sich in keine Schublade stecken. Der Verlag selbst hat der Geschichte den Untertitel „Kriminalroman“ gegeben. Das ist er mit Sicherheit. Aber Fahnenflucht ist auch eine große Sozialstudie, die dem Leser die Stimmung im kriegsmüden Berlin nahe bringt. Es sind meist kleine Episoden, die den Zeitgeist widerspiegeln, doch sie fügen sich über die etwa 270 Seiten zu einem interessanten und stimmigen Gesamtbild zusammen.“ Via Histo-Couch.de

Boyden, Joseph: Der lange Weg. Albrecht Knaus Verlag, München 2006. 446 S., geb., € 19,95.

Zwei junge Cree-Indianer melden sich freiwillig und ziehen mit dem kanadischen Expeditionskorps in den Ersten Weltkrieg.
„Joseph Boyden, ein junger Kanadier mit indianischen Wurzeln, gibt mit seinem Debütroman den Indianern die Ehre, die ihnen gebührt. Die Geschichte einer schmerzhaften Heilung von den Schrecken des Todes und der Finsternis mit der Medizin des Erzählens greift unwiderstehlich nach dem Leser.“ Aus Skalpjäger im Schützengraben von Arnd Rühle in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. 07. 2006, Nr. 173 / Seite 34.

Boyne, John: Das späte Geständnis des Tristan Sadler. Piper Verlag. 336 S., kartoniert, € 9.99

„London, September 1919: Der junge Tristan Sadler steigt in einen Zug. Er fährt nach Norwich, um sich dort mit Marian Bancroft, der Schwester seines toten Kameraden Will, zu treffen, mit dem er Seite an Seite im Ersten Weltkrieg gekämpft hat. Als Gepäck trägt Tristan ein Bündel Briefe mit sich und seine Erinnerung. …“ Via Piper Verlag

Brod, Max (1884–1968): Stefan Rott oder Das Jahr der Entscheidung. Wallstein Verlag 2014, 562 S., geb., Schutzumschlag, € 29,90.

„Dieser Roman wurde oft als Max Brods ‚Zauberberg‘ bezeichnet, spielt er doch 1914, in den letzten Monaten vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, welcher das alte Europa zum Einsturz brachte. (…) Im Mittelpunkt steht der Gymnasiast Stefan Rott, ein junger Mann aus guter Familie, der sich die Welt zu erklären sucht und seine erste Liebe erlebt – er verehrt Phyllis, die Mutter eines Klassenkameraden und wird schließlich sogar von ihr erhört. Hinter der gutbürgerlichen Fassade aber verbergen sich Lüge und Korruption, wie Stefan nach und nach erkennen muss. (…) Mit dem Attentat von Sarajevo stürzt auch diese kleine Prager deutsche Welt in den Abgrund: Frau Phyllis schießt auf ihren Ehemann, der Anarchist Dlouhy, Stefans Klassenkamerad, wird zum Tode verurteilt. Private und politische Entwicklung sind am selben Punkt angelangt: es wird nicht mehr geredet, es wird geschossen. Via Wallstein Verlag

Capus, Alex: Eine Frage der Zeit. btb Verlag, 352 S., Paperback, € 9.99.
„Drei norddeutsche Werftarbeiter werden 1913 von Kaiser Wilhelm II. beauftragt, ein Dampfschiff in seine Einzelteile zu zerlegen und am Tanganikasee südlich des Kilimandscharo wieder zusammenzusetzen. Der Monarch will damit seine imperialen Ansprüche unterstreichen.“ Aus dem Klappemtext des Buches

Cendrars, Blaise (1887–1961): Ich tötete – ich blutete. Erzählungen aus dem Grossen Krieg. Lenos Verlag, gebunden 199 S., geb., Schutzumschlag, € 21.90.

„Ich tötete, 1918 in einer von Fernand Léger illustrierten schmalen Broschüre erschienen, ist das grausame Geständnis eines legalen Mordes, der Aufschrei eines Soldaten, der im Zweikampf um sein nacktes Überleben kämpfen musste. Zwanzig Jahre später erschien das bewegte, pathetische Gegenstück dazu, die Kurzgeschichte Ich blutete: Der frisch armamputierte Cendrars liegt im Lazarett, Schmerzen, Fieber und Erinnerungen an das Schlachtgetümmel umnebeln ihn, der Todesengel naht. Doch da geschieht ein Wunder. Ich tötete – ich blutete: Cendrars war im Grossen Krieg Täter und Opfer, er kannte beide Seiten.” Via Lenos Verlag

Christ, Lena (1881–1920): Die Rumplhanni, 1916 (ab 16. Oktober 2014 in einer Hörbuchfassung des LOhrBär Verlages erhältlich)

„Lena Christ ist ein Erzähltalent, das man aufgrund ihrer Biografie eigentlich nicht erwartet. In der Erzählung Die Rumplhanni schafft sie packende Atmosphäre, wenn man sich an den boarischen Dialogen nicht stört. Die Erzählung hat autobiografische Züge, aber – den Ausgang vergleichend – doch nicht zuviele. Lena Christ erzählt den Versuch von Johanna Rumpl, Köchin von Öd (nahe Grafing, Oberbayern), ihre Selbstständigkeit zu erreichen, die sich in ‚a Haus und a Kuah und a Millisupperl in der Fruah‘ zuspitzt (übrigens: wer das lesen kann, wird auch die Dialoge hinkriegen). Die ersten Versuche zuhause und in München scheitern, doch man lese weiter! Christ führt uns zu Beginn des Ersten Weltkriegs in eine schon längst versunkene Dienstbotenwelt, in einer treffenden Sprache, die für die Stimmung sorgt.“ Via Lesekost.de

Gedenkblatt für den Landsturmmann Emil Gremler

Gedenkblatt für den Landsturmmann Emil Gremler

Daeninckx, Didier: Tod auf Bewährung. Verlagsbuchhandlung Liebeskind, gebunden, 288 S., € 18,90.

„Paris, 1920. Privatdetektiv René Griffon ist gut im Geschäft, dafür hat der Krieg gesorgt. Überall im Land sind die Sanatorien voll mit Frontsoldaten, die nicht einmal mehr ihren eigenen Namen wissen, während es in Paris unzählige Frauen gibt, deren Männer als vermisst gelten. Und diese Frauen geben alles dafür, den erstbesten Kriegsversehrten, dem im Schützengraben die Sicherung durchgebrannt ist, als Ehemann zu identifizieren, um sogleich die Scheidung einreichen zu können. Eigentlich eine sichere Einnahmequelle. Doch dann begibt sich Griffon auf vermintes Terrain. Oberst Fantan de Larsaudière, hochdekorierter Kriegsheld der französischen Armee, wird von Unbekannten erpresst.“ Via Verlagsbuchhandlung Liebeskind

Delestre, Philippe / Claudel, Philippe : Der Krieg ist vorbei, VAT Verlag André Thiele, 108 S., € 19,90.

„Wie kann man einen Krieg in Bilder fassen, der innerhalb von vier Jahren viele Millionen Menschen das Leben gekostet hat? Der lothringische Zeichner Philippe Delestre hat auf diese Frage seine ganz eigene Antwort gefunden und die Erfahrungen deutscher und französischer Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg in fast naiv anmutenden Aquarellzeichnungen festgehalten. Deren runde Formen und sanfte Farben lassen die Realität des Krieges – die Schützengräben, die Schlachtfelder, die zerstörten Dörfer – ‚noch obszöner, noch widernatürlicher‘ (Philippe Claudel) erscheinen. Zusammen mit ausgewählten Zeitzeugenkommentaren und literarischen Zitaten bilden Delestres Zeichnungen eine mosaikartige Chronik der Jahre 1914-1918.“ Via VAT Verlag

Echenoz, Jean: 14. Hanser Verlag, Berlin 2014, gebunden, 128 S., € 14,90.

„Echenoz‘ Darstellung des Krieges als abstruse Verstrickung aus Offizierslogik, Politik, Wirtschaftskalkül, Schicksalsergebenheit, kleinen Alltagssorgen und großem Überlebensdrang verzichtet auf Schreckensvision, Antikriegsrhetorik, Betroffenheitsemphase oder nachträgliche Erklärungsmanie. Sie zeigt die Ereignisse so, wie sie begriffslos ins Leben der Akteure rollten, und lässt auch die Nebenakteure aus der Tierwelt nicht aus.“ Joseph Hanimann, So banal fangen Kriege an. Süddeutsche vom 25. Februar 2014.

Eickmeyer, Peter: Im Westen nichts Neues nach dem Roman von Erich Maria Remarque. Eine Graphic Novel, Splitter Verlag, 176 Seiten, € 22.00.

„Remarque schildert in seinem Roman die selbst erlebten Grauen der Schlachten in Ypern. Der Grafiker und Künstler Peter Eickmeyer aus Melle schuf mit 60 großformatigen Bildern in dreijähriger Arbeit die Vorlagen in Gouache-Technik. Parallel dazu entwickelte er gemeinsam mit seiner Frau Gaby von Borstel auch das Konzept für das 160-seitige Hard-Cover-Buch (Splitter Verlag). Seine Arbeit wurde vom Remarque-Friedenszentrum unterstützt.“ Via Osnabrückner Zeitung

Dugain, Marc: Die Offizierskammer. zuKlampen Verlag, gebunden, 138 S., € 14,00.

Am Beginn des 1. Weltkrieges wird dem Offizier Adrien Fournier von einer Granate das Gesicht zerfetzt. „Es folgen fünf Jahre im Pariser Hospital Val-de-Grâce, in einem Zimmer mit zwei anderen, deren Gesichter ebenfalls verstümmelt sind. Marc Dugain schildert das bedrückende Vegetieren in der engen Offizierskammer des Hospitals, die entstehende Freundschaft unter den Leidensgenossen, ihre Hoffnung auf neue chirurgische Techniken und ihre Verzweiflung über das unwiederbringlich verlorene Antlitz, die angewiderten und dennoch ehrfürchtigen Reaktionen der Landsleute, als die Verstümmelten sich ein erstes Mal wieder auf die Pariser Boulevards wagen.“ Via zuKlampen Verlag

Feichtinger, Josef: Kämpfen für das Heiligste. Tiroler Stimmen zum Ersten Weltkrieg. Inklusive Hörbuch-CD „Der Heilige Krieg“, Edition Raetia, Hardcover mit Schutzumschlag, 424 S., € 29.90.

„Volksdichter und Vertreter der Kirche wie Reimmichl oder Bruder Willram riefen in ihren Texten zum Kampf für Gott und Vaterland auf: Eine Kriegsverweigerung kam einer Todsünde gleich. Diesen kriegstreibenden Texten sind Splitter oppositioneller Literatur aus dem österreichischen und deutschen Sprachraum gegenübergestellt, die erst nach Ende des Krieges veröffentlicht werden konnten.
Josef Feichtinger hat die Archive nach Texten Tiroler Autoren durchstöbert, aber auch Journale, Frontbriefe, Aphorismen, Inschriften und Sprüche miteinbezogen. Seine kommentierte Zusammenstellung gewährt einen einzigartigen Einblick in die für uns heute unverständliche Stimmungslage.“
Via Edition Raetia

Findley, Timothy: Der Krieg und die Kröte. Claassen Verlag, 287 S. (vergriffen).

Ein erschütternder Bericht über den Krieg, in dem neben dem Leiden der Menschen jenes der Tiere eine zentrale Rolle spielt!
„Erzählt wird das Schicksal von Robert Ross, einem 19-jährigen Kanadier aus gutem Hause, der als Offizier auf Seiten der Alliierten in den schlammigen Schützengräben von Ypern kämpft. Der Roman beruht zum Teil auf Dokumenten seines Onkels – Fotos und Briefen. Der Horror des Krieges wird greifbar in der mit sinnlichen Details gespickten Geschichte, immer wieder wird die Frage nach Gewalt, Einsamkeit, Verlorenheit und dem Überleben gestellt.“ Aus Findleys „Krieg und Kröte“ – Horror des Schlachtfelds. Via schwäbische.de

Franke, Albrecht (Hrg.): Der Krieg brach wirklich aus. Gespräch mit und über Edlef Köppen. Mitteldeutscher Verlag, Paperback, € 14,95.

„Edlef Köppen (1893-1939) ist heute wie sein 1930 erschienener Roman ‚Heeresbericht‘ weitgehend unbekannt. In dem Buch schildert er die Erlebnisse eines Kriegsfreiwilligen, der durch die Schrecken Krieges psychisch zusammenbricht. Der Roman gehörte zu den Werken, die von den Nazis 1933 verbrannt wurden.
Aus Anlass der 100. Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkriegs treten 36 Autoren in einen ‚Dialog‘ mit dem Genthiner Schriftsteller, setzen sie sich mit ihm und einem der wichtigsten Bücher über den ersten Weltenbrand auseinander. Die Anthologie nährt sich dem Autor dabei auf ganz verschiedene Art: in Essays, Erzählungen, Gedichten und biografischen Texten. Eine Sammlung im Sinne der Wiederentdeckung Köppens, die viele Leseansprüche bedient.“
Via Mitteldeutscher Verlag

Gnedt, Dietmar: Der Nachlass Domenico Minettis. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2014, 159 S., € 19,95.

„Gestorben ist der Kriegsgefangene Domenico Minetti am 24. April 1918. Sein Grabstein steht in Niederösterreich, bei Wieselburg, wo sich während des Ersten Weltkriegs ein Gefangenenlager befand. So viel steht fest. Aber der Autor Dietmar Gnedt weiß mehr über jenen Domenico Minetti, und er hat sein Wissen in einem Roman verarbeitet.“ Via Wiener Zeitung vom 27. April 2014.

Grimm, Hans Herbert (1896–1950): Schlump. Verlag Kiepenheuer & Witsch, gebunden, 352 S., € 19,99.

Volker Weidermann, der Autor von „Das Buch der verbrannten Bücher“, schreibt am 28. 4. 2013 unter dem Titel „Der Riss“ in der FAZ über „Schlump“: „Antinationalistisch, unheroisch, menschenfreundlich, pazifistisch, franzosenfreundlich, humanistisch, europäisch, ziemlich gut gelaunt und ziemlich gut geschrieben. Ein helles Buch aus dunkler Zeit.“

Grögerova, Bohumila: Das windschiefe Tor. Droschl Verlag 2003, gebunden, 147 S., € 19,00.

„In einer alten Kiste entdeckt die Erzählerin Briefe und Tagebuchaufzeichnungen: die Notizen ihres Vaters, der 1918 als Soldat in Sibirien das Ende des Ersten Weltkriegs erlebt und erst 1920, über Wladiwostok, Singapur, Suez und Triest wieder nach Prag heimkehrt – 1921 kommt Bohumila auf die Welt. Und gegenläufig zur Bewegung dieses väterlichen Tagebuches nähert sich die Erzählerin selber ihren Ursprüngen, mit Erinnerungen, Impressionen, Bildern aus fast einem ganzen Jahrhundert.“ Via Droschl Verlag

Hope, Anna: Abgesang. Verlag Kindler, 416 S., € 19,95.

„Es ist der Herbst im Jahre 1920, als die englische Regierung auf die Idee kommt, einen unbekannten Soldaten in allen Ehren zu bestatten, stellvertretend für alle Soldaten die im Krieg fielen und von denen keine Gräber vorhanden sind. (…) Durch die Augen von 3 verschiedenen Frauen erleben wir dieses Ereignis.
Das Buch erfasst nur 5 Tage, aber die haben es in sich. Die Autorin schafft es perfekt die Stimmung der Nachkriegszeit aufzufangen und dem Leser die Melancholie dieser Zeit nahe zu bringen. (…) Arme zerbrochene Männer, oft körperlich versehrt müssen bei der Regierung um finanzielle Unterstützung betteln. Müssen sich erniedrigen, obwohl sie Tag für Tag ihr Leben für ihr Land aufs Spiel gesetzt haben.“
Via Lord Byrons Buchladen

Inglin, Meinrad (1893–1971): Schweizerspiegel. Audio-CD, gelesen von Hanspeter Müller-Drossaart.Verlag Christoph Merian, ca. € 23,90 (Erscheiningstermin August 2014).

„Mittels enger Verflechtung einer Familiengeschichte mit dem historischen Geschehen veranschaulicht Inglin das politische, geistige und soziale Spektrum dieser Epoche und erzählt dabei auch die Geschichte der Schweiz im Ersten Weltkrieg. Das macht dieses Werk zu einem einzigartigen Zeitdokument, das dank Inglins Erzählkunst auch für heutige Leser nichts von seiner Eindringlichkeit verloren hat.“ Via Merian Verlag

Klier, Walter: Leutnant Pepi zieht in den Krieg. Limbus Verlag, kartoniert, 616 S., zahlr. Fotos, gebunden und als Paperback lieferbar, € 24,90 bzw. € 14,90.

„… ein beeindruckendes, gewichtiges Buch, nicht nur des Umfangs wegen. Eine solche Darstellung der letzten Jahre der Habsburgermonarchie und des Ersten Weltkrieges hat man noch nicht oft gelesen. In gewisser Weise kann dieses Buch als Komplement zu Karl Kraus‘ ‚Die letzten Tage der Menschheit‘ verstanden werden. Wie Kraus arbeitet Klier mit dokumentarischem Material, nur während Kraus den Weltkrieg aus der panoptischen Perspektive des vom Zentrum aus agierenden kritischen Satirikers in den Blick nimmt, dominiert bei Klier die regional verankerte und großteils patriotische Sicht des einzelnen Soldaten. Bei diesem Soldaten handelt es sich um den titelgebenden Leutnant Dr. Josef Prochaska, genannt Pepi, Großvater des Autors und Sohn eines Innsbrucker Forstrates. Klier hat die Tagebucheinträge, Feldpostbriefe und Fotografien seines Großvaters zu einem chronologisch aufgebauten Buch verarbeitet.“ Aus einer Rezension von Gerald Lind, veröffentlicht auf der Site des Literaturhaus Wien.

Vater im Himmel gieb uns hienieden Bald einen dauernden, glücklichen Frieden

Vater im Himmel gieb uns hienieden
Bald einen dauernden, glücklichen Frieden

Latzko, Andreas (1876-1943): Menschen im Krieg. Elektrischer Verlag, 132 Seiten, € 12,90, E-Book (epub): € 6,99, Milena Verlag, gebunden, 200 S., € 20,90.

Es sind Novellen von der Front des Ersten Weltkrieges, aus den Schützengräben, Lazaretten und aus den Städten, die zu den Kriegsgewinnern gehörten – nicht die politischen Ereignisse werden geschildert, auch nicht taktisch-militärische Überlegungen, sondern der Alltag und das Befinden der Soldaten, deren Bewusstsein und dunkle Instinkte. Man begegnet ihrer realen Qual, ihrem Ausgeliefertsein an eine Maschine, deren Zweck letztlich nicht mehr verstanden werden kann. (…) Latzko war es ein Anliegen, die Menschen mit seiner Sprache zu packen und ihnen weh zu tun, denn nur was den Menschen durch Erwecken seiner Phantasie zwingt, am eigenen Leib zu fühlen, fügt er seinen Mitmenschen nicht mehr zu.

Das in erster Auflage anonym publizierte Werk wurde in 30 Sprachen übersetzt und in allen kriegführenden Staaten verboten. Der Pazifist Latzko wurde, anders als Karl Kraus es in der „Fackel“ forderte, vergessen. Dabei mitgeholfen hat die massive Ablehnung der Nationalsozialisten gegenüber dem Altösterreicher und seinem Werk – „Menschen im Krieg“ gehörte zu jenen Büchern, die am 10. Mai 1933 den Bücherverbrennungen in Nazideutschland zum Opfer fielen. Via Milena Verlag

Lessing, Theodor (1872-1933): Das Lazarett. Novellen und Feuilletons zum Ersten Weltkrieg. Elektrischer Verlag, 108 S., Buch: € 12,90, E-Book (epub): € 5,99.

„Keine leichte Kost, aufgrund der Prägnanz der Gedanken und Schärfe der Beobachtungen jedoch für jeden Interessierten unverzichtbar, vereint der Band erstmals Lessings wichtigste, zwischen 1923 und 1933 veröffentlichte Beiträge zum Thema.“ Via Elektrischer Verlag

Als Gegner des Nationalsozialismus floh Lessing im Winter 1933 in die Tschechoslowakei. Nationalsozialistische Attentäter fügten ihm am 30. August 1933 lebensgefährliche Verletzungen zu. Er starb am folgenden Tag. Die Täter entkamen nach Deutschland.

Weitere Titel aus dem Verlagsprogramm in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg: Andrejew, Leonid: Das Joch des Krieges / Holitscher, Arthur: In England, Ostpreußen, Südösterreich. Gesehenes und Gehörtes 1914/15 / Auburtin, Victor: Was ich in Frankreich erlebte / Keyserling, Eduard von: Im stillen Winkel / Kautsky, Karl: Wie der Weltkrieg entstand / Latzko, Andreas: Menschen im Krieg

Märker, Brigitte: Liebster Justus. Feldpostbriefe einer Offiziersfrau. Rosenheimer Verlagshaus 2009, gebunden, 397 S., € 12,95.

„‚Liebster Justus‘, schreibt die junge Klara Sander vor rund 100 Jahren an ihren Mann an die Westfront. (…) Während er an der Westfront kämpft, kämpft sie in der Heimat mit den Herausforderungen des Alltags. Allein muss sich Klara Sander um die Zwillinge Helene und Paula und um den knapp zweijährigen Emil kümmern und zudem mit ihrer Sehnsucht nach ihrem Mann fertig werden. (…) Schonungslos offen beschreibt sie ihren Alltag und berichtet von Sorgen und Nöten der Daheimgebliebenen.

Klaras Briefe werden erst 90 Jahre später von Brigitte Märker entdeckt – auf einem Flohmarkt unscheinbar in einem Schuhkarton. Sie macht aus ihnen einen Briefroman.
Alle 25 Folgen können nach der Ausstrahlung auf der Seite des NDR nachgehört und heruntergeladen werden.“
Via NDR

Messner, Elena: Das lange Echo. Edition Atelier, gebunden, 192 S., € 18,95.

„Ein österreichisch-ungarischer Offizier im Ersten Weltkrieg, seit 1916 im besetzten Belgrad stationiert, erlebt in bitterer Verzweiflung den Zusammenbruch seines Reiches. Hundert Jahre später sitzen die Direktorin des Wiener Heeresgeschichtlichen Museums und ihre Assistentin einander im Streitgespräch über Moral und Mitleid, Verbrechen und Verantwortung gegenüber.
Ein Roman über sinn- und schamlos vergeudetes und zerstörtes Leben, über ein finsteres Kapitel der österreichischen Geschichte und über die Sehnsucht nach Aussöhnung.“
Via Edition Atelier

Mortier, Erwin: Götterschlaf. Dumont Buchverlag 2014, 368 S., Taschenbuch, € 9,99.

„… ein Buch zum Staunen. Es führt uns tief in den Alltag des Ersten Weltkriegs hinein, und dies so eindrucksvoll, als habe der Autor Erwin Mortier jene Zeit selbst erlebt.“ Via FAZ vom 03. September 2010: Erwin Mortier: Götterschlaf In den Schützengräben verrät sich der Mensch

Die Protagonistin des Romans heißt Helena und ist flämisch-französischer Abstammung. Wenn wir ihr in dem Roman begegnen, ist sie alt und bettlägerig. Sie reflektiert ihr Leben und es entsteht die exemplarische Geschichte eines Frauenlebens im 20. Jahrhundert.

Osteroth, Reinhard: 1914 Ein Maler zieht in den Krieg. Aladin Verlag, 96 Seiten, € 19,90.

Es gibt viele Bücher über den Ersten Weltkrieg. Doch selten sind sie so berührend wie dieses. Franz Marc erlebt die Schlachten unmittelbar, findet im Schützengraben keinen Schlaf, friert, verliert Gefährten. Dieses kluge Buch zeigt den Krieg von allen Seiten – und den Maler Marc. Eine überraschend tolle Verbindung, die mit dem Buchpreis Emys im Monat Mai ausgezeichnet wird.“ Via Wissenschaftsetage im Bildungsforum Potsdam

Primor, Avi: Süß und ehrenvoll. Aus dem Hebräischen von Beate Esther von Schwarze, Quadriga Verlag 2013, 384 S., € 19,99.

„Süß und ehrenvoll ist ein Roman mit einem bisher einzigartigen Thema: Juden im Ersten Weltkrieg. Fast hundert Jahre nach dem Beginn des ersten großen Mordens in Europa hat es tatsächlich erstmals ein Autor geschafft, sich dieses Themas anzunehmen und es in einem Roman zu verarbeiten. Eine Tatsache, die eher traurig stimmt.
Dafür allerdings ist der nun vorliegende Roman umfassend recherchiert und bis ins letzte Detail der Wahrheit verpflichtet. Es ist kein Vergnügen, das Buch zu lesen. Immer wieder fliegt einen der Tod aus den Seiten an, glaubt man, den Verwesungsgeruch in den Schützengräben vor Verdun zu riechen.“
Via Histo-Couch.de

Tardi, Jacques / Verney, Jean-Pierre: Elender Krieg 1914-1919. Edition Moderne, gebunden, ca. 144 S., € 34,00.

„Jacques Tardi schildert in ‚Elender Krieg‘ den blutigen Alltag in den Schützengräben Nordfrankreichs, in denen Millionen von Soldaten durch die furchtbaren Waffen der modernen Kriegsführung, durch Krankheit und Hunger den Tod fanden.
Die vorliegende Graphic Novel enthält umfangreiches Begleitmaterial zur Geschichte des Ersten Weltkrieges – eine Chronologie der Ereignisse, viele Fotos, Zeitdokumente und Landkarten.“
Via Edition Moderne

Trotha, Hans von: Czernin oder wie ich lernte, den Ersten Weltkrieg zu verstehen. Nicolai Verlag, gebunden, 495 S., € 28,80.

„Auf zwei Ebenen erzählt von Trotha Max‘ Geschichte, der nolens volens zu recherchieren beginnt, und jene von dessen Urgroßvater Ottokar von Czernin (vorletzter k.u.k. Minister des Äußeren). Es gelingt ihm meisterhaft, Sprache und Geist der Epoche vor und während des Krieges heraufzubeschwören.“ Die Presse, Print-Ausgabe, 05. 01. 2014

Bildherkunft/-rechte:
Creative Commons Lizenz 3.0, by-nc-sa
1. Bild: Museum Weißenfels – Schloss Neu-Augustusburg
2. Bild: Museum Wolmirstedt
3. Bild: Museum Wolmirstedt

Beiträge vor einem Jahr:
80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 9

3 Kommentare zu “Erste Weltkrieg – belletristische Literatur”

  1. Heike Baller schreibt:

    Liebe Frau Öllinger,

    es ist zwar ein eher unterhaltsames Buch mit Krimi-Touch, aber ich fand die Hintergrundschilderung des Lebens am Bodensee im ersten Weltkrieg interessant – die Autorin hat da auf Heimatforscher und ihre Ergebnisse zurückgegriffen:Eva-Maria Bast: Mondjahre, im Gmeiner Verlag, 2014. Ich habe das Buch auch rezensiert.

  2. eag schreibt:

    Liebe Frau Baller,
    danke für den Hinweis! Gerne nehmen wir „Mondjahre“ in die Zusammentellung auf.

  3. Literaturquiz – Erster Weltkrieg | Wiener Bücherschmaus schreibt:

    […] Erster Weltkrieg – belletristische Literatur zeitgenössischer AutorInnen […]

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