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80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 15

DIE QUIZFRAGEN

  • Wie heißt die Autorin?
  • In welchem Verlag wurde, 46 Jahre nach dessen Erstveröffentlichung, der Roman „Manja“ neu aufgelegt?
  • Nennen Sie einen österreichischen Regisseur, mit dem die gesuchte Autorin zusammenarbeitete.

Antworten bitte bis zum 27. August um 12:00 Uhr: Literaturblog Duftender Doppelpunkt

Auch diesmal können Sie einen von insgesamt fünf Buchpreisen gewinnen.

Noch 2 Tage haben Sie Zeit, um sich an der „Sommerlichen Zusatzrunde“ des Literaturquizes zu beteiligen. Geben Sie FreundInnen, Bekannten oder KollegInnen noch schnell einen Hinweis auf das Quiz. Dann haben Sie, sobald jemand aus diesem Kreis bis zum 15. August um 24:00 Uhr an der morgen um 08:00 Uhr beginnenden Quizrunden teilnimmt, die Chance, die zehnbändige Sonderedition „Die Bibliothek der verbotenen Bücher“ zu gewinnen. Dem bzw. der neuen TeilnehmerIn bietet sich wiederum die Möglichkeit, „Paradies in schwerer Zeit. Künstler und Denker im Exil in Pacific Palisades“ zu erhalten. Alle näheren Infos finden Sie auf der Seite „80 Jahre Bücherverbrennung – sommerliche Zusatzrunde“.

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Das literarische Rätsel

In einem Beitrag aus dem Jahre 1933 blickt die Autorin auf ihre literarischen Anfänge zurück: „Von Kindheit auf ist sie entschlossen, berühmt zu werden. So oft sie am Wiener Burgtheater vorüberkommt, fragt sie, wie es möglich sei, dort ein Stück unterzubringen. Mit sieben Jahren beginnt sie bereits einer alten Tante ihre Memoiren zu diktieren. (…) Als der Krieg ausbricht, schreibt sie zehnjährig ihr erstes Stück. Es ist sehr patriotisch und furchtbar traurig. Die Köchin ihrer Mutter weint richtige Tränen und sie genießt den ersten Autorenstolz. Zwei Jahre später schreibt sie ein gereimtes Stück ‚Ideal und Wirklichkeit‘, das sie mit ihren Geschwistern spielt. (…) Mit fünfzehn Jahren schreibt sie, unter dem Einfluß der Don-Carlos-Lektüre, ein großes Drama ‚Der Tyrann‘.“

Sie wird 1902 als älteste von drei Schwestern in Wien geboren. Ihr Vater ist Rechtsanwalt. Sie wächst in einer schöngeistigen und geborgenen Atmosphäre auf und beginnt, sich bereits in jungen Jahren sozial zu engagieren.

1920 inskribiert sie an der Universität Wien in deutscher und englischer Philologie. Wenig Jahre später bricht sie das Studium ab und fährt mit dem Studenten der Naturwissenschaften, Berthold Paul Wiesner, nach Berlin. 1925 wird dem jungvermählten Paar eine Tochter geboren. Sie erhält den Namen Eva Maria Charlotte Michelle. Jahrzehnte später wird Sie als Eva Ibbotson zur Verfasserin von Gesellschafts- bzw. historischen Frauenromanen und von zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern. In „Das Geheimnis von Bahnsteig 13″, das 1994 veröffentlicht wird, erfindet sie den geheimen Bahnsteig im Londoner Bahnhof King‘s Cross, den Joanne K. Rowling in ihren Harry-Potter-Romanen aufgreift.

In einem Interview aus dem Jahre 2006 erinnert sie sich an ihre Mutter: „Ja, ich bewunderte meine Mutter sehr. Sie war eine sehr talentierte Schriftstellerin, viel talentierter als ich es bin. (…) Sie arbeitete in Berlin mit vielen angesehenen Menschen: Brecht, Piscator, Kurt Weill, sie schrieb Texte für Hanns Eisler.“

Aber zurück in die 20er Jahre. An diese Zeit und die schwierige Lebenssituation erinnert sich die Autorin und junge Mutter wenige Jahre später folgendermaßen: „Er hat nichts, sie hat nichts, und sie heiraten ohne Geld. Ihr Vater hat im Krieg alles verloren. Er kränkelt und ihn bedrückt eine furchtbare Sorgenlast. Die Sorgen beginnen auch bei ihr sehr bald. Sie bekommt ein Kind, wird krank, ist gezwungen, um jeden Preis Geld zu verdienen. Sie zieht nach Berlin, das nach wenigen Monaten ihre wirkliche Heimat wird. Sie unterrichtet an einer Schule, schreibt Artikel, hält Kurse bei Arbeiterkindern. Sie ist glücklich und kann nicht genug schaffen. Die Folge der Überarbeitung dieses Winters ist eine schwere Krankheit. Sie muß ihre Stelle aufgeben.“

In dieser Situation kommt die Berufung ihres Mannes an die Universität Edinburgh möglicherweise nicht ungelegen. In Schottland lernt sie die Armut und das Elend der Bergarbeiter kennen und nimmt regen Anteil am großen Bergarbeiterstreik von 1926. Es entsteht das sozialkritische Bergarbeiterschauspiel „Heer ohne Helden“. Es handelt von einer skrupellosen Werksleitung, dem Schicksal verschütteter Bergleute und den Ängsten ihrer Angehörigen. Niemand Geringerer als Hanns Eisler vertont das „Lied der Bergarbeiter“ aus dem Bühnenstück und der Sänger und Schauspieler Ernst Busch interpretiert es im Radio und auf Schallplatte. Als „Heer ohne Helden“ 1929 in Berlin in der Regie von Slatan Dudow, dem späteren Regisseur von „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“ uraufgeführt wird, ist die Autorin bereits geschieden und lebt wieder in Berlin.

Über das Stück und seine Entstehung schreibt sie: „Ich habe alle Arbeitsstätten gesehen, habe mir den Kopf an den Stollen zerstoßen, um das Material zu meinem `Heer ohne Helden´ zu sammeln. Daß es ein Tendenzstück wurde, liegt mehr an den Verhältnissen als an mir. Wenn es tendenziös genannt werden kann, immer von neuem verschleierte Wahrheit aufzudecken, bekenne ich mich voll zum Tendenzstück.”

Als Else Lasker-Schüler 1932 den Kleist-Preis erhält, findet das „Automatenbuffet“, eine weitere Arbeit der gesuchten Autorin für das Theater, im Rahmen des Preises eine „ehrenvolle Erwähnung“. Kurz darauf wird das sozialkritisch-satirische Volksstück in Berlin erfolgreich uraufgeführt und dessen Schöpferin feiert ihren endgültigen Durchbruch als Dramatikerin.

Wenige Monate später brennen die Bücher im Deutschen Reich. Der Exodus der jüdischen bzw. linken und politisch engagierten AutorInnen beginnt. Noch einmal wird „Automatenbuffet“, diesmal unter dem Titel „Im Trüben fischen“, im September 1933 mit Therese Giehse in der Hauptrolle im „Zürcher Schauspielhaus“ aufgeführt.

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Autorin bereits in Frankreich. Dort arbeitet Sie mit dem ebenfalls aus Wien stammenden Regisseur G. W. Pabst. Für „Du haut en bas“ – einer in Paris produzierten Komödie rund um ein Wiener Mietshaus – schreibt sie das Drehbuch.

Sie lernt den Religionsphilosophen Jascha Morduch kennen. Die beiden heiraten und übersiedeln 1935 mit ihrer Tochter aus erster Ehe nach London.

Auch in Großbritannien versucht sie beim Film Fuß zu fassen. Mit Berthold Viertel, dem aus Wien stammenden Schriftsteller, Übersetzer und Regisseur, arbeitet sie an „The Passing of the Third Floor Back“. Als die Brüder John und Roy Boulting auf sie aufmerksam werden, bereiten sie gerade den Film „Pastor Hall“ nach dem gleichnamigen Stück von Ernst Toller vor.

Roy Boulting schreibt über die Autorin: „Ihr Verleger (Secker & Warburg) stellte den Kontakt zu ihr her, wir trafen, unterhielten und fanden uns künstlerisch, wie ich gehofft und erwartet hatte, auf derselben Wellenlänge – und Anna wurde Teil des Teams von Pastor Hall. Sie war die mit Abstand wichtigste unserer Autorinnen und brachte meiner Meinung nach ein Maß an Zuneigung und Verständnis in die Arbeit ein, die wohl auch Toller selbst bewundert und gut geheißen hätte.“

Als 1942 „Thunder Rock“, das letzte gemeinsame Filmprojekt mit den Boultings, ins Kino kommt, hat sie London bereits verlassen. Sie siedelt sich gemeinsam mit ihrem Mann in Devon, später in Berkshire an.

Ihr Roman „Manja“ wurde bereits vier Jahre zuvor bei Querido unter dem Pseudonym Anna Reiner publiziert. In ihm schildert sie das Leben in einer deutschen Stadt zwischen 1920 und 1934 anhand des Schicksals von fünf miteinander befreundeten, allerdings aus ganz unterschiedlichen Milieus stammenden Kindern.

Berthold Viertel schreibt über den Roman in der „Neuen Weltbühne“: „Von allen Büchern, die bisher das neudeutsche Chaos zu gestalten versucht haben, scheint mir dieses eines der reichsten, der lebensvollsten und der schönsten zu sein.“

Der Verleger Fritz Landshoff – er leitete zwischen 1933 und der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 die deutschsprachige Exil-Abteilung des Querido-Verlages – macht Lisette Buchholz Jahrzehnte später auf die Autorin aufmerksam. Sie findet die Schriftstellerin mithilfe einer Suchannonce in einem englischen Altersheim und schließt mit ihr einen Vertrag: Dank dieser Initiative erscheint „Manja“ 1984 in einer Neuauflage und kann seither wieder über den Buchhandel bezogen werden.

Das Buch ist bis heute nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus, sondern auch eine der wenigen Möglichkeiten, das Werk der österreichisch-britischen Schriftstellerin in deutscher Sprache kennenzulernen.

In ihrem zweiten Exilroman, „Café du Dôme“, schildert sie das Leben der ExilantInnen im Paris Mitte der 30er Jahre, das sich in und um das Café als ihren zentralen Treffpunkt entfaltet.

Das deutschsprachige Originalmanuskript bleibt nach der Beschlagnahme und Zerstörung des Querido-Verlages durch die Gestapo im Mai 1940 verschollen. 1941 erscheint „Café du Dôme“ in der englischen Übersetzung.

Nach dem Tod ihres Mannes 1950 publiziert sie unter dem Namen Anna Morduch und setzt sich in ihren Veröffentlichungen beispielsweise mit dem römischen Kaiser Julian, mit christlichen Mystikern und der Gralslegende auseinander.

Sie stirbt, wenige Jahre nach ihrer „Wiederentdeckung“, am 03. Jänner 1991.

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