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80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 10

Die Quizfragen:

  • Wie heißt der Autor?
  • Wie lautet in dem Roman „Müller. Chronik einer deutschen Sippe von Tacitus bis Hitler“ der Vorname des Letzten aus eben dieser Sippe?
  • Beim Begräbnis des Autors werden zwei Gedichte vorgetragen. Wer ist deren Autorin?

Antworten bitte an: Literaturblog Duftender Doppelpunkt

Unter allen richtigen Einsendungen werden einige Bücher verlost.

Erinnerung: Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftenden Doppelpunkt.

Einsendeschluss: Dienstag, 18. 06. 2013 um 12:00 Uhr.

Alle bisherigen Fragen, Antworten und die das Quiz begleitenden Beiträge finden Sie auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933.

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Das literarische Rätsel

Seine Mutter, eine Opernsängerin am königlichen Landestheater Prag. Sein Vater, ein wegen Gotteslästerung und Majestätsbeleidigung mehrmals vorbestrafter Sozialdemokrat, Pazifist und leitender Redakteur der Satirezeitschrift „Ulk“.

Er publiziert seine ersten Gedichte 1916 in „Der Sturm“, eine der großen avantgardistischen Zeitschrift ihrer Zeit, die von Herwarth Walden zwischen 1910 und 1932 in Berlin herausgegeben wird.

Nach dem Ersten Weltkrieg ist er unter anderem gemeinsam mit George Grosz sowie den Brüdern Herzfelde und Raoul Hausmann an den Aktionen der Berliner Dadaisten beteiligt. Einige seiner Gedichte aus dieser Zeit können in seiner erster Buchpublikation „Das politische Cabaret. Chansons Songs Couplets“ nachgelesen werden.

Ab Beginn der 1920er Jahre veröffentlicht er seine Lyrik und satirische Prosa in einer Reihe von (Literatur-)Zeitschriften, beispielsweise in der von Siegfried Jacobsohn herausgegebenen „Weltbühne“. In seinen Veröffentlichungen positioniert er sich klar gegen Antisemitismus, Militarismus und Nationalsozialismus.

Er gehört zu den Gründervätern des politisch-literarischen Kabaretts in Berlin. Als solcher schreibt er Texte für Max Reinhardts Kabarett „Schall und Rauch“, für Rosa Valettis Café „Größenwahn“ und für Trude Hesterbergs „Wilde Bühne“.

George Grosz meinte über ihn: „Als ich ihn kennen lernte, stand er ein wenig unter dem Einfluss futuristischer Dichtung, doch hat er schon damals seine eigene Linie und sein eigenes Talent für Tempo und dramaturgische Bewegung. Er war eine gute Mischung: ein Francois Villon von der Spree, mit etwas Heinrich Heine versetzt. ‚Weisse mit Schuss‘, würde der Berliner sagen.“

1921 zieht er nach Paris, wo er bis 1928 als Korrespondent für deutsche Zeitungen tätig ist. Auch verfasst er in dieser Zeit den Roman „Paris in Brand“ und übersetzt die Revolutionslieder der Pariser Kommune.

1929 wird sein Theaterstück „Der Kaufmann von Berlin“, eine Persiflage auf die Inflationsgewinnler, von Erwin Piscator in Berlin uraufgeführt. In weiterer Folge marschiert die SA vor dem Theater auf und Joseph Goebbels veröffentlicht in der Gauzeitschrift der Berliner NSDAP „Der Angriff“ einen Hetzartikel gegen den Autor, dessen Überschrift lautet: „An den Galgen“.

Selbstredend landen seine Bücher 1933 auf dem Scheiterhaufen. Der Verhaftung und dem KZ entzieht er sich durch Flucht in letzter Minute: Es ist der 27. Februar 1933, ein Tag vor dem Reichstagsbrand, als er von einem Mitarbeiter des Außenministeriums den Rat erhält, Deutschland sofort zu verlassen. Er reagiert umgehend und fährt nach Prag, später übersiedelt er nach Wien. Seine Mutter, die in Berlin bleibt, stirbt 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt.

Unter dem Titel „Müller. Chronik einer deutschen Sippe“ veröffentlicht er 1935 im österreichischen Gsur Verlag den ersten satirischen Roman über das NS Regime.

„Der ‚Gsur Verlag‘ bzw. der ‚Verlag Gsur & Co.‘ nimmt in der österreichischen Verlagslandschaft der dreißiger Jahre eine Sonderstellung ein. Was diesen Verlag einzigartig machte, war u.a., daß er von einem aktiven österreichischen Politiker geführt wurde, daß er wie kein zweiter Verlag dieser Zeit in Österreich eine so kompromißlos antinationalsozialistische Linie einhielt, daß er unter bewußtem und völligem Verzicht auf den reichsdeutschen Markt produzierte und schließlich, daß er durch die österreichische Behörde gezwungen war, seine Geschäftstätigkeit einzustellen.“ Via Österreichische Verlagsgeschichte von 1918 – 1938 von Murray G. Hall.

Als die Deutsche Wehrmacht 1938 in Österreich einmaschiert, kann er gerade noch in die Schweiz entkommen. Von dort führt ihn sein Weg nach Paris. Im Juni 1940 besetzt die nationalsozialistische Kriegsmaschinerie große Teile Frankreichs und er flüchtet weiter nach Marseille, in den unbesetzten, vom Vichy Regime kontrollierten Teil Frankreichs.

In dieser Zeit schreibt er die Mitternachtsbriefe. Im 10. dieser Briefe, er entsteht in der Sylvesternacht 1940/41, gedenkt er seiner toten Freunde.

In memoriam

An meine Kammer, wo ich welk,
Pocht zwölfmal an das Neue Jahr,
Spricht zugig hohl: Es war … es war …
Hängt seinen Jahrkranz ans Gebälk,
Verblüht – von Lügenluft erstickt –
Erschlagen – von der Not geknickt:
Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben …

(….)

Es weht ein Blatt – kaum leserlich:
„Die Dummheit, die wir persifliert …
Die macht Geschichte. Die regiert …
Herzlichst Tucholsky … Ohne mich! …“
In Schweden, krank, doch unbekehrt
Hat er den Schierlingstrank geleert …
Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben …

Der Amerikaner Varian Fry, in Yad-Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt, organisiert ab August 1940 von Marseille aus die Flucht vieler MigrantInnen. Durch seine Unterstützung gelingt beispielsweise Hanna Arendt, Heinrich Mann, Franz Werfel und Marc Chagall die Flucht.
Auch der gesuchte Autor kann mithilfe des von Fry aufgebauten Netzwerkes in die USA entkommen.

1952 erscheinen seine Erinnerungen mit dem Titel „Die verlorene Bibliothek. Autobiographie einer Kultur“ bei Rowohlt. Sie vereinigen autobiografische, zeit- und literaturgeschichtliche sowie politisch-gesellschaftliche Reflexionen.

1953 kehrt er nach Europa zurück. Er hält sich vorübergehend in Berlin, München, Hamburg und in Ascona, später in Zürich auf.

Er lebt von den „tröpfelnden“ Tantiemen und einer Entschädigungsrente als politisch Verfolgter.

Über die letzten Jahre des Autors schreibt Jürgen Serke in „Die verbrannten Dichter“: „Ein Domizil – 16 Quadratmeter groß. Darin ein Bett, ein Nachttisch, ein Schrank, ein Stuhl, ein Brett als Schreibbord. Darauf Tablettenschachteln, ein Dutzend Zigarettenpackungen für den Kettenraucher, schmutzige Wäsche auf einem großen alten Koffer. So lebte er, der Freund des Satirikers Kurt Tucholsky, des Physikers Albert Einstein, des Schriftstellers Alfred Döblin, des Journalisten Carl von Ossietzky, der Dichterin Else Lasker-Schüler, des Romaciers Ilja Ehrenburg.“

1976 ereilt ihn laut eigener Aussage „Die schlimmste Katastrophe meines Lebens“. Sein Roman über das Leben im Exil, er umfasst 800 handgeschriebene Seiten – die Essenz vieler Jahre schöpferischer Arbeit, geht verloren.

Er stirbt am 3. Oktober 1981.

„An meinem Leichnam soll die Welt gesunden! / Ich habe stets nur alles halb gemacht! / Ich habe auch das Pulver nicht erfunden! / Ich habe keinen Weltkrieg je entfacht! / Das Morden ist die Kunst der großen Geister, / Die sterben, hochgeehrt vom Vaterland! / Kopf ab vor Euch! / Ihr seid die wahren Meister! / Mein letztes Wort: Ich war nur Dilettant!“

Bevor er wieder weitgehend der Vergessenheit anheimfällt, findet ein prachtvolles Begräbnis statt und er erhält ein Ehrengrab der Stadt Zürich. Seinem letzten Wunsch entsprechend werden an seinem Grab zwei Gedichte von Mascha Kaléko vorgetragen. Auf seinem Grabstein finden sich die Zeilen: „Ich bin weder rechts noch links. Ich bin vertikal.“

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