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80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 9

Die Quizfragen:

  • Wie heißt die Autorin?
  • Wie lautet der Titel ihres Debutromanes?
  • Wie heißt die Protagonistin im zweiten Roman der gesuchten Autorin?

Antworten bitte an: Literaturblog Duftender Doppelpunkt

Unter allen richtigen Einsendungen werden einige Bücher verlost.

Erinnerung: Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftenden Doppelpunkt.

Einsendeschluss: Dienstag, 04. 06. 2013 um 12:00 Uhr.

Alle bisherigen Fragen, Antworten und die das Quiz begleitenden Beiträge finden Sie auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933.

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Das literarische Rätsel

1928 soll es sich zugetragen haben, dass Alfred Döblin nach einer Lesung in Köln, die Schauspielelevin kennenlernt und sie mit folgenden Worten zum Schreiben motiviert: „Wenn Sie nur halb so gut schreiben, wie Sie sprechen, erzählen und beobachten, dann werden Sie die beste Schriftstellerin, die Deutschland je gehabt hat.“

Sie ist Mitte zwanzig, als ihr 1931 mit ihrem Romanerstling der literarische Durchbruch gelingt. Kurt Tucholsky schreibt in der „Weltbühne“: „Hier ist Talent. Wenn sie noch arbeitet, reist, eine große Liebe hinter sich und eine mittlere bei sich hat: Aus dieser Frau kannn einmal etwas werden.“

1932 heiratet sie den Theaterregisseur und Schriftsteller Johannes Tralow und ihr zweiter, ebenfalls sehr erfolgreicher Roman wird veröffentlicht. Die Hauptfiguren beider Romane sind autobiographisch angelegt. Die Protagonistinnen sind moderne, selbstbewusste Frauen. Sie entsprechen so gar nicht dem nationalsozialistischen Frauenbild, in dem Haushalt und Mutterschaft eine zentrale Rolle einnehmen.

Trotz alledem versucht man, die Autorin für die Sache des Nationalsozialismus zu gewinnen. Sie lehnt entschieden ab. Letztlich werden ihre beiden Bücher als Asphaltliteratur gebrandmarkt und gehen auf den Scheiterhaufen des Jahres 1933 in Flammen auf.

„Mich macht das gottverfluchte Regime krank -die Luft ist vergiftet, man wagt nicht mehr zu atmen, geschweige denn zu denken. – Soweit ich –wenig genug – helfen kann, will ich helfen.“

(Aus einem Brief der Autorin an den Schriftsteller Martin Beradt, 1. April 1933, dem Tag des sogenannten ersten Judenboykotts).

Wegen des Verbotes ihrer Bücher meldet sie Ende 1935 Schadenersatzansprüche beim Landgericht Berlin an. Die Antwort des NS-Staates wird ihr in Form von Verhaftung und Verhören präsentiert. Sie kommt frei und flieht. Ihr Mann bleibt und arrangiert sich mit dem Regime.

Über den Moment, als sie das Deutsche Reich Richtung Belgien verlässt, wird sie 1947 in „Bilder und Gedichte aus der Emigration“ Folgendes schreiben: „Ich verreiste nicht, ich wanderte aus, und ich war keineswegs sicher, daß ich noch einmal wiedersehen würde, was ich verließ. Gewiß eines Tages würde es keinen Nationalsozialismus mehr in Deutschland geben. Aber wie viele böse Jahre der Ewigkeit würden bis dahin vergehen?“

In Ostende trifft sie Egon Erwin Kisch, Ernst Toller, Stefan Zweig und Joseph Roth. Über Letzteren schreibt sie später: „Joseph Roth war der einzige Mann, der mich je gefesselt hat, so daß manches Wort von ihm in meiner Seele Wurzeln schlug.“ In den nächsten zwei Jahren reisen sie viel gemeinsam. Sie sitzen im Cafe, trinken und schreiben … „Roth und ich machen die reinste Schreibolympiade. Meistens hat er abends mehr Seiten als ich, Roth hetzt mich maßlos, aber er hat recht.“

1937 erscheint im holländischen Exilverlag Querido „Nach Mitternacht“ – eine sehr genaue Beobachtung der ersten Jahre der nationalsozialistischen Diktatur. In dem Roman erzählt Susanne Moder, ein 19-jähriges Mädchen, das gerade die letzten zwei Tage vor ihrer Flucht aus Deutschland verlebt, über die Zeit seit dem 30. Januar 1933:

„Wir leben nun mal in der Zeit der großen deutschen Denunziantenbewegung. Jeder hat jeden zu bewachen, jeder hat Macht über jeden. Jeder kann jeden einsperren lassen. Der Versuchung, die Macht auszuüben, können nur wenige widerstehen. Mütter zeigen ihre Schwiegertöchter an, Töchter ihre Schwiegerväter, Brüder ihre Schwestern, Schwestern ihre Brüder, Freunde ihre Freunde, Stammtischgenossen ihre Stammtischgenossen, Nachbar ihre Nachbarn.“

Ihr Mann besucht sie in Ostende und will sie zur Rückkehr bewegen. Sie lehnt ab und ersucht ihn um die Scheidung, die er seinerseits ablehnt. Roth schlägt ihr vor, ihm zu schreiben, sie schlafe mit Juden und Negern. Die Ehe wird 1937 geschieden.

1938 trennt sie sich von Roth und reist in die USA. Zurück in Europa erlebt sie 1940 den Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Amsterdam. Mit falschen Papieren kehrt sie ins Deutsche Reich zurück. Die Falschmeldung über ihren Selbstmord, der durch die internationale Presse geht, ist ihr bei diesem Unterfangen hilfreich. Sie erlebt das Ende des nationalsozialistischen Regimes im Deutschen Reich.

1950 veröffentlichte sie den Roman „Ferdinand, der Mann mit dem freundlichen Herzen“. Der Erfolg bleibt aus. Auch die Neuauflagen ihrer älteren Romane verkaufen sich schlecht.

Sie ist 46, als ihre Tochter Martina geboren wird. Den Vater ihres Kindes gibt sie nicht bekannt. Sie versteckt sich als Mutter eines unehelichen Kindes im Deutschland der 50er Jahre keineswegs. Vielmehr inseriert sie das freudige Ereignis im Kölner Stadt-Anzeiger.

Letztlich verzweifelt sie zusehends und trinkt immer mehr: „Ich will fort von hier. Ich hasse es, hier zu sein – so hoffnungslos vergiftet und verschlammt ist alles hier.“ In den 60er Jahren muss sie sich in psychiatrische Behandlung begeben, ihre Tochter wird in ein Heim gebracht.

In ihrem letzten, 1950 veröffentlichten Roman „Ferdinand, der Mann mit dem freundlichen Herzen“ schreibt sie 32 Jahre vor ihrem Tode: „Ich will erleben, daß ich nicht mehr erleben kann und will.“ Sie stirbt im Alter von 77 Jahren an Lungenkrebs.

Wenige Jahre vor ihrem Tod erlebt sie noch die Renaissance ihrer Bücher und wird 1981 mit dem Marieluise-Fleißer-Preis ausgezeichnet.

Ein Kommentar zu “80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 9”

  1. Wenn wir alle gut wären schreibt:

    […] “Die Protagonistinnen sind moderne, selbstbewusste Frauen. Sie entsprechen so gar nicht dem nationalsozialistischen Frauenbild, in dem Haushalt und Mutterschaft eine zentrale Rolle einnehmen.  Trotz alledem versucht man, die Autorin für die Sache des Nationalsozialismus zu gewinnen. Sie lehnt entschieden ab. Letztlich werden ihre beiden Bücher als Asphaltliteratur gebrandmarkt und gehen auf den Scheiterhaufen des Jahres 1933 in Flammen auf.  „Mich macht das gottverfluchte Regime krank -die Luft ist vergiftet, man wagt nicht mehr zu atmen, geschweige denn zu denken. – Soweit ich –wenig genug – helfen kann, will ich helfen.“(Aus einem Brief der Autorin an den Schriftsteller Martin Beradt, 1. April 1933, dem Tag des sogenannten ersten Judenboykotts).  Wegen des Verbotes ihrer Bücher meldet sie Ende 1935 Schadenersatzansprüche beim Landgericht Berlin an. Die Antwort des NS-Staates wird ihr in Form von Verhaftung und Verhören präsentiert. Sie kommt frei und flieht. Ihr Mann bleibt und arrangiert sich mit dem Regime.” aus: Literaturquiz Teil 9 […]

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