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80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 8

Die Quizfragen:

  • Wie heißt die Autorin?
  • Wie lautet der Titel ihrer 1926 veröffentlichten Autobiografie?
  • In welchen Ländern arbeitet Sie von 1922 – 1945 als Diplomatin?

Antworten bitte an: Literaturblog Duftender Doppelpunkt

Unter allen richtigen Einsendungen werden einige Bücher verlost.

Erinnerung: Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftenden Doppelpunkt.

Einsendeschluss: Dienstag, 21. 05. 2013 um 12:00 Uhr.

Alle bisherigen Fragen, Antworten und die das Quiz begleitenden Beiträge finden Sie auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933?.

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Auch fremdsprachige Literatur, die in deutscher Übersetzung vorliegt, wird im Zusammenahng mit der Bücherverbrennung von den NationalsozialistInnen keineswegs übersehen. Wenn ein solches Werk in ihren Augen als sozialistisch/kommunistisch, pazifistisch oder jüdisch gilt und vom Publikum gerne gelesen wird, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den „Schwarzen Listen“ des Bibliothekars Wolfgang Herrmann zu finden und geht auf den Scheiterhaufen des Jahres 1933 in Flammen auf.

Mit 21 AutorInnen auf der Liste sind die sowjetischen AutorInnen am stärksten betroffen: In Herrmanns Zusammenstellung steht beispielsweise Maxim Gorki (1868 – 1936), der „Übervater“ der sowjetischen Literatur. Oder Isaak Babel (1894 – 1940), der Autor des Erzählzyklus „Die Reiterarmee“. Darin verarbeitet er seine Erfahrungen als Korrespondent während des russisch-polnischen Krieges (1920/21). Oder Ilja Ilf (1897 – 1937), der Autor des, gemeinsam mit Jewgeni Petrow verfassten, wunderbaren satirischen Romans „Zwölf Stühle“.

Gesucht wird diesmal allerdings kein Mann, sondern eine 1872 in der Hauptstadt des Zarenreiches geborene Frau. Jahre später schreibt sie über diesen Moment Folgendes:

Das literarische Rätsel

„Am 19. März 1872 wurde in Sankt Petersburg, Sredna-Podjatscheskaja-Straße 5, im ersten Stock eines Privathauses der Familie des Militärintendanten Michail Alexejewitsch Domontowitsch ein Mädchen geboren, blauäugig wie ihre Mutter Alexandra Alexandrowna. Das Mädchen sollte den Namen Marija bekommen, dann überlegte man es sich jedoch anders und nannte es Schura. Dieses Mädchen bin ich.“

Sie wird von Gouvernanten und Hauslehrern erzogen und erhält eine umfassende Bildung. Mit 21 heiratete sie ihren Cousin. Ein Jahr später wird ihr Sohn geboren. Sie beginnt sich im Bereich der ArbeiterInnenbildung zu engagieren und nimmt Kontakt zu revolutionären Kräften auf.

1898 trennt sie sich von ihrem Mann. Über ihn schreibt sie: „Ich rebellierte gegen den ‚Tyrannen‘, wie ich meinen schönen und geliebten Mann nannte … Ich sagte jedermann, ich sei ‚furchtbar glücklich‘. Und doch war mir, als würde mich dieses ‚Glück‘ irgendwie einzwängen. Ich aber wollte frei sein.“

Nach einem Aufenthalt in Zürich, sie nutzt ihn zum Studium der Nationalökonomie und Soziologie an der dortigen Universität, kehrt sie bereits 1899 wieder nach Russland zurück. Sie engagiert sich politisch und setzt sich insbesondere für die Rechte der Frau ein. Einem drohenden Prozess bzw. der Verbannung nach Sibirien entzieht sie sich 1909 durch Flucht. Die ersten Jahre ihres bis 1917 dauernden Exils verbringt sie hauptsächlich im Deutschen Kaiserreich. Sie ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, hat Kontakt zu August Bebel und Karl Liebknecht und findet in Clara Zetkin, Luise Kautsky und Rosa Luxenburg Mitstreiterinnen für ihre frauenpolitische Positionen, die sie in dem Buch „Soziale Grundlagen der Frauenfrage“ entwickelt.

Im 3. August 1914, es ist der Tag an dem das Deutsche Reich der Französischen Republik den Krieg erklärt, wird sie in Berlin verhaftet. Einen Tag später befindet sie sich bereits wieder auf freiem Fuß. Bei der Durchsuchung ihres Zimmers war man auf ihr Mandat für die Internationale Sozialistsiche Frauenkonferenz gestoßen. Eine russische Revolutionärin kann schlechterdings eine zaristische Spionin sein. Man legte ihr allerdings nahe, das Land umgehend zu verlassen.

Ihr Weg führ sie ins neutrale Schweden. Ihre Agitation gegen den Krieg führt zu ihrer Verhaftung und Ausweisung. Sie wird mittels Polizeieskorte nach Kopenhagen abgeschoben. Auch Dänemark muss sie bald verlassen. Die nächsten drei Jahre findet sie im norwegischen Oslo Aufnahme.

Im Februar 1917 ist sie eine der ersten politischen EmigrantInnen, die nach Russland zurückkehren. Nach der Oktoberrevolution wird sie Volkskommissarin für das Wohlfahrtswesen und damit weltweit die erste Ministerin. Trotz Bürgerkrieg und der wirtschaftlich enorm angespannten Situation gelingt es ihr, eine Reihe von fortschrittlichen sozialpolitischen Maßnahmenchen zur Verbesserung der Lage der Frauen auf den Weg zu bringen. Denn „die wirklich befreite Frau muß materiell vom Mann unabhängig sein und von den mit der Mutterschaft verbundenen Pflichten entlastet werden”.

Sie ist der Auffasssung: „Nicht die sexuellen Beziehungen bestimmen das moralische Ansehen der Frau, sondern ihr Wert im Arbeitsleben, bei der gesellschaftlich nützlichen Arbeit.” Mit ihrer „neuen Sexualmoral” eckt sie an und stellt die patriarchalen gesellschaftlichen Strukturen infrage.

Ihr Buch „Wege der Liebe“ wird im Malik-Verlag erstmalig 1925 veröffentlicht und ist ein großer Erfolg. Daran ändert auch eine kritische Rezension Kurt Tucholskys unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel in „Die Weltbühne“ nichts. Bis zum Verbot des Buches durch die NationalsozialistInnen werden über 30.000 Exemplare verkauft.

In den Erzählungen greift sie aktuelle Probleme auf: zum Beispiel die Doppelbelastung durch Berufstätigkeit und Haushalt und die Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Sie zeichnet aber auch das Bild einer neuen unabhängigen Frau, die sich engagiert und ihre Rolle in der Gesellschaft definiert. Viele Frauen erkennen sich, ihren Alltag und ihre Sehnsüchte in dem Buch wieder.
„Wege der Liebe“ kann auch heute noch als eine Bereicherung beim Nachdenken über die Rolle der Frau in der Gesellschaft erlebt werden.

In ihrer 1926 veröffentlichten Autobiografie schreibt sie: „Die Frauen und ihr Schicksal beschäftigten mich ein Leben lang, und ihr Los war es auch, das mich zum Sozialismus führte.”

Bereits 1922 beginnt für sie mit den ersten Schritten am diplomatischen Parkett Norwegens ein neuer Lebensabschnitt. Danach arbeitet sie als Botschafterin in Mexiko und zwischen 1930 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges vertritt sie ihr Land in Schweden.

1944 hat sie großen Anteil am Waffenstillstandsabkommen zwischen Moskau und Helsinki, das Finnland den Ausstieg aus dem Zweiten Weltkrieg ermöglicht.

1945 zog sie sich von allen Ämtern zurück, war aber bis zu ihrem Tod 1952 als Beraterin des sowjetischen Außenministeriums tätig.

Gegen Ende ihres Lebens resümierte sie folgendermaßen: „Ich hatte immer ein Talent zu ‚leben’, und ich habe es heute noch. Ich habe viel erreicht, viel gekämpft, viel gearbeitet, aber ich konnte mich auch freuen am Leben, wie immer es aussah.”

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