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80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 6

Die Quizfragen:

  • Wie heißt der Autor?
  • Wie lautet der Titel seines 1914 veröffentlichten phantastischen Romans?
  • Wie heißt der Freund, der ihn 1933 im Kofferraum seines Autos über die Grenze nach Österreich bringt?

Antworten bitte an: Literaturblog Duftender Doppelpunkt

Der Elsinor Verlag stellt ein Exemplar eines Romans des gesuchten Autors zur Verfügung. Weiters können Sie diesmal Publikationen der Verlage Hörbuch Hamburg, Diogenes und Milena gewinnen.

Erinnerung: Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftenden Doppelpunkt.

Einsendeschluss: Dienstag, 23. 04. 2013 um 12:00 Uhr.

Das literarische Rätsel

Seine Freunde nennen ihn Amf. Kurz, nachdem er seinen ersten großen Bucherfolg feiert – der Roman wird im Münchner Delphin Verlag publiziert und ist heute ein Klassiker der frühen Phantastik – wird er 1915 eingezogen und kommt als Sanitäter an die Westfront.

Mit dem Gefreiten Adolf Hitler dient er während des 1. Weltkrieges gemeinsam in einer Kompanie. Hitlers Kontaktversuchen weiß er sich zu entziehen.

Der direkte Vorgesetzte der beiden, Feldwebel Max Amann, er wird später zum Präsidenten der Reichspressekammer aufsteigen, lässt den jungen Schriftsteller oft zu sich kommen, damit ihn dieser über das Pressewesen informiert.

Bald nach dem 1. Weltkrieg wird er von Amann eingeladen, das Feuilleton des „Völkischen Beobachters“ zu leiten. Er lehnt entschieden ab. Amann und Hitler werden in den nächsten Jahren noch mehrmals versuchen, den „Kameraden“ auf ihre Seite zu ziehen.

Endgültig wird ihnen ein Licht aufgehen, als der Autor 1929 sein Antikriegsroman „Die Pflasterkästen“ veröffentlicht. In einer glasklaren Sprache zeichnet er darin das Grauen des Krieges: „Das unbrauchbare Fleisch, vorgestern noch verwendbar als Gewehrträger, als Bajonettstich und Schuß, fällt in die Grube. Wenn es hier draußen etwas Würdiges, etwas Sinnvolles getan hat, so jetzt: Es düngt die Erde.“

Der Roman wird in seiner Bedeutung gerne mit Remarques „Im Westen nichts Neues“ verglichen. Die Pflasterkästen reihen sich in die Gruppe jener Romane ein, die von der Menschenverachtung des Krieges und einer „verlorenen Generation“ künden wie beispielsweise Ernst Glaesers „Jahrgang 1902″, Edlef Köppens „Heeresbericht“, Ludwig Renns „Krieg“ und Arnold Zweigs „Erziehung vor Verdun“.

In der Weimarer Republik macht er sich unter anderem im Bereich der phantastischen Literatur, als Erzähler und Satiriker einen Namen. Von Thomas Mann wird sein schriftstellerisches Werk hochgeschätzt und Kurt Tucholsky schreibt in der Weltbühne vom 07. 08. 1919 über den am Beginn dieses Beitrags erwähnten Klassiker: „Es geht alle an, die Spaß an barockem Humor haben. Ich sage absichtlich nicht: grotesk – das ist dieser Humor auch –, aber da ist doch noch ein Ton, der aufhorchen macht, und der nicht auf der Mohnwiese E. A. Poes gewachsen ist: ein schneidender, eiskalter Ton.“

Am 15. März 1933, nur wenige Wochen nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, wird ein Haftbefehl gegen den Autor erlassen und gleichzeitig verwüstet die SA seine Wohnung in München. Glücklicherweise befindet er sich zu diesem Zeitpunkt bei einem Freund und Kollegen auf Besuch. Dieser bringt ihn im Kofferraum seines Autos über die Grenze nach Österreich.

Sein Weg als „Schriftsteller unter Ausschluß der Öffentlichkeit“, wie er sich selbst bezeichnet, beginnt in Salzburg, in jener Stadt, in der 1938 die einzige nationalsozialistische Bücherverbrennung in Österreich, der damaligen „Ostmark“, stattfinden wird.

Weil er die in Moskau erscheinende Exilzeitung „Das Wort“ zugesandt erhält, in ihr publizieren Autoren wie Alfred Döblin, Thomas Mann, Anna Seghers und Stefan Zweig, wird er von der österreichischen Fremdenpolizei verdächtigt, Propagandamaterial aus Moskau zu besitzen.

Knapp vor dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht flüchtet er weiter nach Basel. Mittellos, wie er ist, heißen ihn die Schweizer Behörden keineswegs willkommen. Vielmehr konfrontieren sie ihn mit einem amtlichen Schreib- und Publikationsverbot. Er schreibt trotzdem. So entsteht in der Zeit des Schweizer Exils sein Roman „Hölle und Himmel“. In ihm geht es vordergründig um die Geheimnisse eines angeblichen Hieronymus Bosch Gemäldes, tatsächlich verarbeitet er in dem Buch die Erlebnisse seines Salzburger Exils. In Zeitungen und Zeitschriften kann er seine Beiträge anfänglich nur im Zusammenwirken mit ihm gut gesonnenen Redakteuren und unter schweizerisch klingenden Pseudonymen unterbringen. Thomas Mann, mit dem er befreundet ist, unterstützt ihn finanziell. So ist sein Überleben, wenn auch unter schwierigsten Bedingungen, gesichert.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges kann er sich nicht entschließen, nach Deutschland zurückzukehren und es ergeht ihm wie vielen EmigrantInnen. Während eine Reihe der 88 deutschen Schriftstellerinnen die 1933 ein Treuegelöbnis für Adolf Hitler ablegen, bald wieder gut im Geschäft sind, kann der einstmals hochgeschätzte Autor im Literaturbetrieb nicht mehr Fuß fassen.

Selbst die Einbürgerung in die Schweiz wird ihm bis kurz vor seinem Tod verwehrt. Man hält ihm vor, er sei zu wenig „assimiliert“ und bezichtigt ihn beispielsweise, er habe in einer Rezension „gewisse Eigenarten der schweizerischen Schriftsprache als Papierdeutsch herabgewürdigt“.
Er stirbt, verarmt und weitgehend vergessen 1957 an den Folgen eines Gehirnschlags.

Beiträge vor einem Jahr:
Weltwoche - Rassismus

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