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NATIONALFEIERTAG – 26. OKTOBER

Veranstaltungen zum Österreichischen Nationalfeiertag, 26.10.2013, in Wien.

Aus dem Archiv: Der folgende Beitrag wurde am 13. Oktober 2011 ins Netz gestellt.

Die ÖsterreicherInnen und ihr Nationalfeiertag

Es ist wahrscheinlich, daß auch 2011 bei Weitem nicht alle ÖsterreicherInnen über den geschichtlichen Ursprung dieses Tages Bescheid wissen.
Laut einer IMAS-Umfrage im Auftrag der „Presse“ konnten 2008 nur noch 44 Prozent der ÖsterreicherInnen genau sagen, welches Ereignis dem Nationalfeiertag zugrunde liegt. 42 Prozent waren „so ungefähr“ dazu in der Lage.

Der 26. Oktober könnte ein Tag sein, an dem man sich an ein denkwürdiges Ereignis erinnert, aus der Geschichte lernt und die Gegenwart reflektiert. Ja, aber an welches Ereignis sollen wir uns erinnern? Ja, aber wozu sollen wir aus der Geschichte lernen und die Gegenwart reflektieren? Bevor man sich mit diesen Fragen auseinandersetzt, frönt Herr und Frau ÖsterreicherIn an ihrem Nationalfeiertag lieber dem Wandern.

Alternativ dazu geht Papa mit den „lieben Kleinen“ am Heldenplatz Bundesheer schauen, inklusive ein bisserl Krieg spielen. Mit ein wenig Glück gibt es zum Abschluß aus der bundesheereigenen Gulaschkanone eine Portion Bohnengulasch. Dann kann man es für Mama zu Hause auch noch einmal knallen lassen.
Die hat in der Zwischenzeit nicht nur das Kochen erledigt, sondern zuvor einige „leibhaftige“ Abgeordnete im Parlament gesichtet und in der Hofburg Bundespräsident Heinz Fischer die Hand geschüttelt.
Wenn die „lieben Kleinen“ des Abends im Bett liegen, machen es sich Mama und Papa vor dem Fernseher bequem, trinken ein Glaserl Wein und knabbern ein paar Erdnüsse. Als gute StaatsbürgerInnen hören sie die Ansprache des Bundespräsidenten im TV. Wie jedes Jahr wird dieser seine Hand auf die schwärenden Wunden Österreichs legen und den Menschen ins Gewissen reden.
Am nächsten Tag hat man dann jedenfalls ArbeitskollegInnen und FreundInnen etwas zu erzählen, wie freundlich die PolitikerInnen gelächelt haben und welch geiles Gefühl es war, einmal in einem Panzer gesessen zu sein.

Die Neutralitätserklärung Österreichs

Den historischen Anlaß für den Nationalfeiertag bildet die Neutralitätserklärung Österreichs vom 26. Oktober 1955. Marco Schreuder bringt in dem Beitrag „Warum der 8. Mai und nicht der 26. Oktober Nationalfeiertag sein muss“ nicht nur die Chronologie der Ereignisse um diesen Tag in Erinnerung, er hinterfragt auch, warum nicht der 8. Mai 1945, die Befreiung vom Faschismus als nationales, identitätsstiftendes Ereignis gefeiert wird.

Ob nun 26. Oktober oder 8. Mai: Nehmen wir den Nationalfeiertag zum Anlaß, den durch den Nationalsozialismus Verfolgten und Ermordeten zu gedenken und uns auch jener Menschen zu erinnern, die ihr Leben im Kampf gegen den Nationalsozialismus und für ein freies Österreich eingesetzt haben.

Der Weg zum Nationalfeiertag

TAG DER BEFREIUNG

Hauptsächlich in Wien wurde von 1946 – 1954 der 13. April als „Tag der Befreiung“ gefeiert.
Plakat der Sowjetischen Armee zur Befreiung Wiens am 13. April 1945

WARUM DER 26. OKTOBER

Am 15. Mai 1955 wurde der Staatsvertrag im Marmorsaal des Schlosses Belvedere von den Außenministern Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow (Sowjetunion), John Foster Dulles (USA), Harold Macmillan (Großbritannien), Antoine Pinay (Frankreich) und Leopold Figl unterzeichnet. Dieser Vertrag bildet sozusagen den Ausgangspunkt für die Ermittlung des Nationalfeiertagsdatums.

Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 (B.G.Bl. 152/1955) betreffend die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich.

  • Staatsvertragsunterzeichnung 15. Mai 1955.
  • Am 27. Juli 1955 wurde die letzte Ratifikationsurkunde hinterlegt und der Staatsvertrag trat in Kraft.
  • Von diesem Datum an begann eine 90-Tage-Frist zu laufen (27. Juli + 90 Tage = 25. Oktober). Bis zu deren Ende musste der letzte Besatzungssoldat das Land verlassen haben.
  • Der erste Tag nach Ablauf dieser Frist war der 26. Oktober 1955. An diesem Tag erklärte Österreich in einem Verfassungsgesetz seine Neutralität.
  • Bundesverfassungsgesetz vom 26. Oktober 1955 über die Neutralität Österreichs:

    Artikel 1: Zum Zwecke der dauernden Behauptung seiner Unabhängigkeit nach außen und zum Zwecke der Unverletzlichkeit seines Gebietes erklärt Österreich aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität. Österreich wird diese mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrechterhalten und verteidigen.

    TAG DER FAHNE

    Von 1955 bis 1964 wurde der Tag der Fahne gefeiert. In einem Erlaß forderte der Bundesminister für Unterricht, Heinrich Drimmel (ÖVP) die LehrInnschaft auf, den SchülerInnen am 25. Oktober die Bedeutung dieses Tages zu vermitteln und ordnete aus diesem Anlaß die feierliche Hissung der Nationalflagge an.

    Radiobotschaft von Sektionschef Eduard Chaloupka zum Tag der Fahne.

    NATIONALFEIERTAG

    1965 wurde der 26. Oktober zum Österreichischen Nationalfeiertag erklärt. Seit dem Jahr 1967 gilt an diesem Tag die Feiertagsruhe.

    Links zu den Themen Nationalfeiertag – Staatsvertrag – Geschichtswahrnehmung – Österreichische Nation

    Politissche Bildung.at – Infos (Dossier) zum Staatsvertrag und Nationalfeiertag

    www.staatsvertrag.at – eine akustische Webausstellung

    Literatur zum Thema der immerwährenden Neutralität Österreichs

    Demokratiezentrum Wien: 26. Oktober 1975: Eine halbe Million Österreicher auf dem langen Weg – 20 Jahre neutrales Österreich. Austria Wochenschau 44/75.

    Erna Appelt, Österreichische Geschichtswahrnehmungen

    Gustav Spann: Zur Geschichte des österreichischen Nationalfeiertages

    Dr. Alfred Klahr, 1904 – 1944 – zum 100. Geburtstag und zum 60. Todestag – Theorie der „österreichischen Nation“

    Heidemarie Uhl: Der Staatsvertrag – Ein Gedächtnisort der Zweiten Republik

    Beiträge vor einem Jahr:
    "Die Sau", Klopfzeichen aus dem Cafe Amadeus

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