„Entartete Kunst“ – Vortrag Werner Lang

Entartete Kunst - Vortrag Werner Lang

Im Rahmen der Vortragsreihe Vom Kitsch bis zur Elitekunst. Populäre Vorträge mit Beispielen und Diskussionen zu den Künsten wird Werner Lang vom Redaktionsteam "Duftender Doppelpunkt" zum Thema 80 Jahre ...

Weiterlesen ...

Sommer-Schreibwerkstatt „Zauberpflanzen und Märchengemüse“

Sommer-Schreibwerkstatt Zauberpflanzen und Märchengemüse

Zauberpflanzen und Märchengemüse Sommer-Schreibwerkstatt in Wien mit Petra Öllinger in Kooperation mit "Der Duft des Doppelpunktes" - Kultur- und Wissenschaftsinitiative. Datum und Uhrzeit: Donnerstag, 15. August 2013 (Feiertag) von 14.00 Uhr bis ...

Weiterlesen ...

Holocaust im Comic

Holocaust im Comic

Sach- und Geschichtscomics sind zunehmend Gegenstand der Feuilletons und akademischer Veranstaltungen, besonders wenn sie Ereignisse des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs sowie des Holocausts thematisieren. Dabei stellt sich ...

Weiterlesen ...

9. Lise-Meitner-Literaturpreis

9. Lise-Meitner-Literaturpreis

Texte zum Thema Technik und Geschlecht Bereits zum neunten Mal schreiben das Frauenreferat der HTU (Österreichische HochschülerInnenschaft an der Technischen Universität Wien) und die Kunstvereinigung Akunst den Lise-Meitner-Literaturpreis für deutsch schreibende ...

Weiterlesen ...

Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933

Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933

Hier werden die Fragen und Antworten bzw. die entsprechenden Links in Zusammenhang mit dem dreiundzwanzigteiligen Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933 gesammelt. Alle zwei Wochen gibt es neue Quizfragen, das in der vorhergehenden ...

Weiterlesen ...

80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 11

19. Juni 2013 von eag

Für das 11. literarische Rätsel des „Duftenden Doppelpunktes“ haben wir eine österreichische Schriftstellerin mit jüdischen Wurzeln gewählt. Sie gehört, soweit uns bekannt, nicht zu jenen AutorInnen, deren Werke auf den Scheiterhaufen landeten.

Ihre Bücher waren niemals Bestseller. Nach ihrem Tod geriet sie fast gänzlich in Vergessenheit. Unabhängig von Trends und Verkaufszahlen im Literaturbetrieb ist sie eine bedeutende Autorin des Exils. Ihre Werke stellen auch heute noch für all jene, die bereit sind sich darauf einzulassen, eine Quelle der Reflexion und ein Stück wunderbarer Literatur dar.

Wir hoffen mit unserem Quiz auch diesmal Ihr Interesse wecken zu können und freuen uns über Ihre Anregungen in Zusammenhang mit den zwölf noch vorzustellenden AutorInnen. Wie Sie anhand der aktuellen Runde sehen, muss es sich dabei trotz des Titels „80 Jahre Bücherverbrennung“ nicht zwangsläufig um SchriftstellerInnen handeln, deren Bücher verbrannt wurden.

Die Quizfragen:

  • Unter welchem Pseudonym veröffentlichte die Autorin ihre literarischen Arbeiten?
  • Wie lautet in dem Roman „Die Geschichte des reichen Jünglings“ der Vor- und Familienname eben jenes titelgebenden jungen Mannes?
  • Wessen literarisches Porträt zeichnet die Autorin in der Person des Revolutionärs Iwanow?

Antworten bitte an: Literaturblog Duftender Doppelpunkt
Einsendeschluss: Dienstag, 02. Juli. 2013 um 12:00 Uhr.

Unter allen richtigen Einsendungen werden einige Bücher verlost.

Erinnerung: Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftenden Doppelpunkt.

Alle bisherigen Fragen, Antworten und die das Quiz begleitenden Beiträge finden Sie auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933.

***

Das literarische Rätsel

Sie wird 1882 in Wien in liberal-großbürgerliche Verhältnisse hineingeboren und erhält die Vornamen Alexandrine Martina Augusta.

Um eine Verwechslung mit ihrer Mutter, der Schriftstellerin Jenny Schnabl, von vornherein auszuschließen, wählt sie bereits als Schülerin ein Pseudonym, das sie ein Leben lang beibehält.

Erste Gedichte publiziert sie in Zeitschriften wie „Simplicissimus“ oder „Jugend“, später auch in „Der Brenner“, der vom österreichischen Schriftsteller und Verleger Ludwig Ficker herausgegebenen Kulturzeitschrift.

Aus einer jüdischen Familie kommend, konvertiert sie zum Katholizismus. Sie absolviert die Lehramtsprüfung und studiert Kunstgeschichte und Philosophie in Wien. 1910 bricht sie ihr Studium kurz vor der Promotion ab und heiratet den Chemiker Sigmund Weisl. Das junge Paar zieht nach Lódz, wo ihr Mann in einem Textilunternehmen arbeitet. Ein Jahr später wird ihr Sohn Hanno geboren.

1919 erscheint unter dem Titel „Bewegung“ ihr erster Gedichtband. In den 20er und 30er Jahren publiziert sie in einer Vielzahl renommierter Zeitungen und Zeitschriften Rezensionen, Feuilletons, Erzählungen, Novellen …

1930 stirbt ihr Mann und sie muss sich und ihren Sohn allein durchbringen. Obwohl sich ihre finanzielle Situation schwierig gestaltet, weigert sie sich ein Angebot, für die nationalsozialistische Presse zu arbeiten, anzunehmen.

Sie bewegt sich in fortschrittlich katholischen Kreisen und setzt sich mit dem Marxismus auseinander. Mit Persönlichkeiten wie Karl Kraus, Ludwig von Ficker, Franz Theodor Csokor und Georg Lukács ist sie freundschaftlich verbunden.

1934 erscheint „Das Asyl zum obdachlosen Geist“ als Fortsetzungsroman in der „Wiener Zeitung“. Als erster Roman in Buchform folgt 1936 „Rauch über St. Florian“. Die Autorin führt in dem Werk „… in einem fiktiven österreichischen Idealdorf Dutzende Figuren zusammen, um zu zeigen, daß auch das von der Heimatliteratur so bedenkenlos mythisierte Dorf eine, wie es schon der Untertitel nennt, ‚Welt der Mißverständnisse‘ bildet.“ Aus dem von Karl-Markus Gauß verfassten Vorwort zu „Die Geschichte des reichen Jünglings“, Sisyphus Verlag, 2005.

1939 gelingt ihr, sie ist zu diesem Zeitpunkt bereits weit über fünfzig, die Flucht nach Großbritannien. Ihr Sohn kann sich ebenfalls retten, er erhält ein Visum für Brasilien. Bis die beiden einander wieder in die Arme schließen können, werden zehn Jahre vergehen.

Im englischen Exil arbeitet sie als Lehrerin an verschiedenen Schulen und Mädcheninternaten. In dieser Zeit entsteht auch der Roman „Das Krähennest“. Er ist einer der großen österreichischen Exilromane. 1951 veröffentlicht, spielt er in der Zeit des 2. Weltkrieges und berichtet von Kollaboration, Widerstand, Verrat und über die Not und Einsamkeit im Exil.

In den folgenden Versen, die Teil des Gedichtes „Die Insel“ sind, fasst die gesuchte Autorin ihre Erfahrungen und Gefühle aus der Zeit des Exils zusammen.

„Gott hat mich in ein fremdes Land geführt –
Nein, hingesandt, versiegelt und verschnürt –
Ganz willenlos. Und alles ist hier fremd:
Die Kost, der Trunk, die Luft, das Wort, die Tracht –
Und was ich trag‘, geborgt, nichts mein als nur das Hemd
Am Leib – und noch das Heimweh, das ich mitgebracht.“

1947 kehrt sie nach Wien zurück und erhält fünf Jahre später den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur. Sie ist damit die erste von lediglich sieben Frauen, die in der 2. Republik mit dieser Auszeichnung geehrt wurde.

Am 25. Jänner 1957 stirbt sie und hinterlässt mit „Die Geschichte des reichen Jünglings“ ihr Opus Magnum. 15 Jahre hat sie an den fast 800 Seiten des Romans gefeilt. Neun weitere Jahre hat es gedauert, bis der bereits 1943 vollendete Roman einen Verleger gefunden hat.
Sein Inhalt ist von umfangreichen philosophischen und gesellschaftspolitischen Debatten geprägt. Diese begleiten den Sohn eines polnischen Industriebarons auf seinem Weg der Irrungen, hin zu einem tätigen Christentum, das in einem radikal individualistischen Humanismus mündet. Bis es soweit ist, sucht der „reiche Jüngling“ die Bewältigung seiner Probleme bzw. einen neuen Anfang in nächtlicher Lasterhaftigkeit, später durch wissenschaftliche Arbeit, bis er Iwanow, einem sozialistischen Agitator mit großer Ausstrahlungskraft, folgt.

„Unter einer Zugpende, deren grüner Papierschirm eine schwache Lampe beschattete, saß an einem Tisch mit schmutziger roter Wolldecke, worauf kreisrund wie ein nasser Fleck das Licht lag, der Genosse Iwanow. Bei meinem Eintritt schrieb er, ich hatte zuerst, über das Blatt gebeugt, seinen Kopf mit dünnem rötlichem Haar – seine schmalen Schultern in einer verschossenen Touristenjoppe, seine schmalen, blaugeäderten Hände vor mir, dann sah er auf. Ich blickte in ein mageres Gesicht mit tief eingeschnittenen Kerben, aber, obgleich Iwanow an die vierzig sein mußte, jung; in porzellanblaue, kühl und scharf blickende Augen, auf einen schmalen, unsinnlichen Mund. (…) Iwanow stand auf, er war größer, als er‘s sitzend erraten hatte lassen, aber nicht groß, sein schlechtsitzender, mißfarbener Sportanzug schien ihm zu weit geworden, seine Beine in grünen Wickelgamaschen waren außerordentlich mager, die Hand, die er mir reichte, fühlte sich kalt und trocken an, unkörperlich.“

Aus: „Die Geschichte des reichen Jünglings“, Sisyphus Verlag, 2005, Seite 326.

Es ist übrigens der Philosoph und Literaturhistoriker György Lukács, der sich nach der Niederschlagung der ungarischen Räterepublik einige Zeit in Wien aufhält und der durch die Figur des Iwanow in den Roman eingebunden wird. Die Frage, ob sich Lukács in dem Roman wiedererkannt hat, muss leider unbeantwortet bleiben.

Karl-Markus Gauß schreibt im Vorwort des 2005 im Sisyphus-Verlag neu aufgelegten Romans über die Autorin: „(…) sagt entschieden der Hoffnung ab, die Welt wäre auf politischem Wege und mit politischem Mitteln zum besseren zu verändern; stattdessen setzt sie auf die Läuterung des einzelnen – insbesondere des Mächtigen – und auf eine von Mitgefühl für alle Kreaturen durchtränkte Entsagungsphilosophie. Darin werden ihr die meisten heutigen Leser nicht folgen wollen, das ist aber auch nicht notwendig, um die Ernsthaftigkeit zu erkennen, mit der sie Verhältnisse kritisiert, die den Menschen schinden und das Ebenbild Gottes schänden, und um ihre schriftstellerische Leistung anzuerkennen.“

Bis auf „Die Geschichte des reichen Jünglings“ ist momentan keines ihrer Werke über den Buchhandel erhältlich. In manchen Bibliotheken und via Antiquariat bzw. das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher sind zum Glück auch heute noch viele ihrer Werke verfügbar.

Beiträge vor einem Jahr:
Literatur-Quiz – fünfter Teil

Walter Mehring

18. Juni 2013 von eag

Literaturquiz anlässlich 80 Jahre Bücherverbrennung

Die Antworten auf das 10. literarische Rätsel

In dieser Quizrunde wurde nach Walter Mehring gesucht.
Neben dem Namen des Schriftstellers wollten wir wissen, wie in dem Roman „Müller. Chronik einer deutschen Sippe von Tacitus bis Hitler“ der Vorname des Letzten dieser Sippe lautet. Abschließend fragten wir, wessen Gedichte beim Begräbnis von Walter Mehring rezitiert wurden.

  • Walter Mehring
  • Arminius
  • Mascha Kaléko

Erinnerung:
Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftender Doppelpunkt.

Falls die Informationen, die wir für Sie über Walter Mehring im literarischen Rätsel des „Duftenden Doppelpunktes“ zusammengetragen haben, nicht ausreichen, sind Sie eingeladen, in folgenden Sites zu blättern:

  • Walter Mehring: Wirkung, Interpretationen, Biografisches
  • Radio Bremen: Ein Portrait Walter Mehrings.
  • Alle bisherigen Fragen, Antworten und die das Quiz begleitenden Beiträge finden Sie auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933?.

    Die nächsten Quizfragen stellen wir am Mittwoch, dem 19. Juni 2013. Zu deren Beantwortung haben Sie bis Dienstag, dem 02. Juli 2013 um 12:00 Uhr Zeit.

    Die Preise und ihre GewinnerInnen

    Jeweils ein Exemplar von Walter Mehring: „Die verlorene Bibliothek. Autobiografie einer Kultur“ aus dem Elster Verlag geht an Werner C., Roswitha K. und Brigitte T.

    Walter Mehring, Die verlorene Bibliothek Für diese 2013 veröffentlichte Neuausgabe hat Martin Dreyfus dem Text ein Nachwort mit Informationen über das Leben Walter Mehrings und einen Abriss der Editionsgeschichte des Werkes beigefügt.

    „Walter Mehrings Werk „Die verlorene Bibliothek“, 1951 erstmals erschienen, ist ein ebenso brillantes wie trauriges Resümee von Nazi-Herrschaft und Zweitem Weltkrieg und zugleich eine scharfsinnige Analyse der Wirkungslosigkeit von Literatur und Kunst im Zeitalter kollektiver Gewalt. Mehring führt ein faszinierendes Panorama einer untergegangenen bürgerlichen Kultur vor. Ein eleganter Autor ist wiederzuentdecken.“

    Via Elster Verlag

    Walter Mehring: Paul Klee – Frühe Begegnung. (Und das ist der Fisch des Columbus) aus dem Piet Meyer Verlag geht an Michael B.

    Walter Mehring, Paul Klee - Frühe Begegnung „Walter Mehring (1896–1981), unbeirrbarer Menschenfreund, polemisch begabter Schriftsteller, anarchistischer Songschreiber und Poet, Weltenbummler ohne festen Wohnsitz, ist dem Schweizer Künstler Paul Klee (1879–1940) schon früh in Berlin begegnet. Er verliebte sich in dessen zartschöne, filigrane Traumkunst, erkannte aber auch gleich, und dies in markantem Gegensatz zu den meisten seiner Zeitgenossen, die politische Sprengkraft und Virulenz in den Bildern des großen Zeichners.
    Die beiden Texte, die wir hier, mit zahlreichen Abbildungen versehen, neu auflegen, hat Mehring 30 Jahre nach dem ersten Aufeinandertreffen verfasst. Sie wurden, weil so quer zu allem Bisherigen stehend, von der Klee-Literatur nie rezipiert. Das holt hier auf unvergleichliche Weise der große Klee-Kenner und -Liebhaber Laszlo Glozer nach. Mit stilistischer Verve und viel Einsicht erweist er einer frühen, heute gänzlich vergessenen Klee-Hommage die gebotene persönliche und in jeder Hinsicht gerechtfertigte Reverenz.“

    Via Piet Meyer Verlag

    Paul Graetz: Heimweh nach Berlin. Chansons und Texte von Paul Graetz, Walter Mehring, Friedrich Hollaender, Kurt Tucholsky u. a. CD2: …und wo hab ick Murmeln jespielt? Feature über Paul Graetz von Volker Kühn aus der Edition Mnemosyne geht an Allesandra B.

    Paul Graetz „In den zwanziger Jahren galt er als der komischste unter den Komikern, den die Berliner Theater- und Kabarettszene hervorgebracht hat. Und als der berlinischste unter all den populären Schauspielern, die man mit dem Etikett „Schnauze mit Herz“ versah. Paul Graetz (geb. 1890) war eine Berliner Institution. „Wenn du berlinisch brauchst – nimm Graetz!“, heißt es in einem Tucholsky-Gedicht über den Mann, der in seiner Heimatstadt bald so populär war, daß selbst seriöse Kritiker von ihm zuweilen nur als dem „Paule“ sprachen.
    1933 floh Paul Graetz nach England und von dort aus 1935 weiter in die USA. In Hollywood wollte er sein Glück versuchen. Aber er fand sich in der Neuen Welt nur schwer zurecht. Er spielte zwar kleine Rollen in sog. B-Pictures, aber an eine Fortsetzung seiner Berliner Karriere war nicht zu denken. Am 16. Februar 1937 starb er – ganze 46 Jahre alt – im ungeliebten Exil.“

    Via Edition Mnemosyne

    Und als Dankeschön für das „Anstiften“ des Walter Mehring gewidmeten literarischen Rätsels erhält Karin Z. aus der Schweiz das Buch: Walter Mehring: Paul Klee – Frühe Begegnung. (Und das ist der Fisch des Columbus) aus dem Piet Meyer Verlag.

Beiträge vor einem Jahr:
Brillis Wort zum Montag

Brillis Wort zum Montag

17. Juni 2013 von bp

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brilli mit grauer Baskenmütze

Kahlschlag

Es ist wieder soweit: Es fliegt das Achselhaar, es fliegt das Beinhaar. Es brummt und surrt in den Badezimmern. Es macht „Ratsch“ und „Aua“. Es fließen Blut und Tränen. Sommerzeit – Kahlschlagzeit. Viele Zweibeiner tun’s wieder: Sie machen sich nackig. Nicht nur unter der Achselhöhle oder an den Beinen … Sie kaufen Kaltwachs, Heißwachs, Rasierklingen, Enthaarungscremes und Epiliergeräte oder gehen in „Studios“, um sich in engen Kabinen von solargebräunten Damen das Fell über die Ohren ziehen zu lassen. Die Zweibeiner meinen, ohne störrisches Dickicht sähen sie besser aus. Hallo?! Es macht doch Sinn, über ein solches zu verfügen – außer es quillt aus Nase, Ohren oder wuchert am großen Zeh –, es schützt vor Kälte, Nässe, Hitze.

Wie es sich ohne Haarkleid lebt, sehe ich bei Dora. Die ist eine Nackthündin, nur am Kopf und am Schwanzende sprießen ein paar Fellbüschel. Sonst ähnelt ihre Haut einem gescheckten Putzfetzen, manchmal sogar einem gescheckten, ausgewrungener Putzfetzen. Sieht nicht so toll aus. Im Winter muss sie ein Manterl tragen, im Sommer trägt sie ein T-Shirt, um keinen Sonnenbrand zu bekommen. Ist jetzt auch nicht sooo schick. Aber Dora pfeift sich sowieso nix um ihr Aussehen und treibt ihre etepetete Zweibeiner gerne mal an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Ich sage nur: Kuhfladen und Quargelpapier. Kein Wunder, dass wir von gegenseitiger Sympathie erfüllt sind.

Felllos zu sein hat auch Vorteile: Der Dreck geht von nackter Haut leichter ab als von dichtem Gebüsch. Bei Dora trocknet das Zeug und fällt ab. Bei mir trocknet das Zeug – und bleibt picken. Da wäre mir dann statt der Badewanne ein Kahlschlag lieber.

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

Holocaust im Comic

15. Juni 2013 von eag

Holocaust im Comic Sach- und Geschichtscomics sind zunehmend Gegenstand der Feuilletons und akademischer Veranstaltungen, besonders wenn sie Ereignisse des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs sowie des Holocausts thematisieren. Dabei stellt sich fast zwangsläufig die Frage, ob durch das gewählte Medium nicht eine Verharmlosung des Themas stattfindet.

Der deutsche Kommunikationswissenschafter und Comicforscher Mag. Ralf Palandt hat eine Ausstellung zusammengestellt, die sich anhand von Beispielen differenziert mit Holocaust-Abbildungen in Comics auseinandersetzt und zum Nachdenken sowie zur reflektierenden Lektüre anregt.

Am 17. Juni 2013 wird die Wanderausstellung im Museum der Karl-Franzens-Universität Graz eröffnet und bis 5. Oktober dieses Jahres zu sehen sein.
Teil der Schau ist unter anderem die Graphik-Novelle „Der Himmel zwischen den Mauern“ der preisgekrönten steirischen Comiczeichnerin und Illustratorin Hannelore Greinecker-Morocutti.

Eröffnung der Sonderausstellung „Holocaust im Comic“

Zeit: Montag, 17. Juni 2013, 19 Uhr
Ort: Karl-Franzens-Universität Graz, Universitätsplatz 3, 1. Stock, Hörsaal 01.15

Ausstellungsdauer: 18. Juni bis 5. Oktober 2013
Ort:
UniGraz@Museum, Karl-Franzens-Universität Graz, Universitätsplatz 3, Kellergeschoß
Öffnungszeiten: Montag 10–15 Uhr, Mittwoch und Freitag 10–13 Uhr und nach Voranmeldung.

Nähere Infos über die Ausstellung Holocaust im Comic

Siehe auch den Beitrag „Warschauer Ghetto im Comic“.

Auf den Hund gekommen

14. Juni 2013 von eag

Redaktionshund Brilli Brilli, allen FreundInnen bzw. LeserInnen des „Duftenden Doppelpunktes“ als Redaktionshund bekannt, feiert diese Woche ein kleines Jubiläum.

Vergangenen Montag hat sie in ihrer Kolumne „Brillis Wort zum Montag“ – Ein Hund ein Wort“ den 52. Beitrag veröffentlicht.

In ihren Artikeln spiegeln sich die vielfältigen Interessen eines Hundes von Welt. Sie handeln vom Herumstromern in der Natur genauso wie über Oper und Horoskop oder Geschichte und Gletscherflöhe.

Nach so manchem intellektuellen Höhenflug scheut sie sich nicht, in die Niederungen von möglicherweise trivialen, aber um so schmackhafteren Hundekeksen und Kutteln abzutauchen. Leider hat sie es bisher verabsäumt, das Rezept einer schmackhafte Kuttelflecksuppe zu veröffentlichen.

Auf diesen Punkt angesprochen meint sie lediglich lakonisch, am besten seien Kutteln „au naturel“.

Kommen Sie gemeinsam mit den „Duftenden Doppelpunkten“ auf den Hund und lassen Sie sich durch die Gedanken unseres Redaktionshundes Brilli anregen.

Es grüßt herzlichst,

das Redaktionsteam des „Duftenden Doppelpunktes“

PS: Wenn wir Sie animieren konnten, uns das Rezept einer Kuttelflecksuppe zu senden, nur zu! Vielleicht wollen Sie auch nur die Literatur mit derKulinarik vermählen und schreiben ein Essay, in dem Sie ein Hohelied auf Kuttelflecksuppe und dem ringelnatzschen Seebären Kuttel Daddeldu anstimmen. Ein Platz für Ihren Beitrag ist bereits reserviert!

Beiträge vor einem Jahr:
Call for Papers: Alter und Tod in der Kinder- und Jugendliteratur

Rund um die Burg

12. Juni 2013 von eag

Rund um das Wiener Burgtheater wird seit 1992 jährlich das Literaturfestival „Rund um die Burg“ abgehalten. Bei freiem Eintritt lesen AutorInnen aus der heimischen Literaturszene.

DIE LESEZEITEN BEI RUND UM DIE BURG 2013:
Freitag von 16:00 – 00:00 Uhr & Samstag von 9:00 – 14:00 Uhr.

Die Kinderbuch-BIM – ein ULF der Wiener Linien – 2012 erstmals im Einsatz -umrundet am Samstag zwischen 9:00 und 12:00 Uhr im Halbstundentakt die Wiener Ringstraße.
Start und Ziel dieser Fahrt „rund um die Burg“ ist die Station unmittelbar vor dem Burgtheater – jeweils mit einem anderen Kinderbuchautor bzw. einer Kinderbuchautorin an Bord.

DREI BÜHNEN – EIN PROGRAMM!

Ö1-Bühne im BURGZELT:
FR: Nach der Eröfffnung um 16:00 Uhr mit Elfriede Ott – zu jeder halben Stunde ein Lesung.
SA: Programmbeginn um 10:00 Uhr – ENDE: 14:00 Uhr.

Radio Wien-Bühne im Theater Neue Tribüne Wien:
(Eingang durch das Cafe Landtmann)
FR: Programmstart: 17:00 Uhr – zu jeder vollen Stunde ein Lesung.
SA: Programmstart: 10:00 Uhr – ENDE: 13:30 Uhr.

Wiener Städtische-Sachbuchbühne in der Bel Etage:
(Zugang über Oppolzergasse 6 – neben dem Cafe Landtmann)
FR: Programmstart: 17:30 Uhr – danach Lesungen im Stundenrythmus.
SA: Programmstart: 10:30 Uhr – ENDE: 14:00 Uhr

Beiträge vor einem Jahr:
Literatur-Quiz – vierter Teil, Notizbücher, Lesezeichen und butterblau

Brillis Wort zum Montag

10. Juni 2013 von bp

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brilli mit grauer Baskenmütze
Sensenhund – Teil 2

„Ich möchte ein Hund sein, um ohne Schuld zu sein.”
Das hat einer geschrieben, der sich des Schmerzes über den Verlust seines Vierbeiners nicht geniert. Und der, da bin ich mir sicher, nie gesagt hätte: „Das ist ja nur ein Tier.“ Der Autor Joseph Zoderer hat seinem Wegbegleiter eine literarische Erinnerung gewidmet: „Hundstrauer“.

Apropos Tier, Literatur und Tod. Wussten Sie, dass es einen eigenen Sensen…, wie soll ich’s formulieren? Nun, einen Tod für Ratten gibt: nämlich den Rattentod? Der sieht fast genauso aus wie sein menschliches Pendant. Umhang, Sense, Sanduhr, alles da – halt ein paar Nummern kleiner –, passend für ein Rattenskelett. Das in Terry Pratchetts Scheibenweltromanen auftaucht. Übrigens, Werwölfe kommen darin auch vor. Was mich zu meinem Disput mit Brüno vor zwei Wochen führt – Doktor Doolittle. Zwetschke meinte, dass mir da ein Punkt abgezogen werden müsste. Wenn nur Haustiere vorkommen dürfen, hätte der von mir genannte Titel „Wolfsblut“ in unserem Wettstreit nix zu suchen und sie fügte hinzu: „Sagenkreise rund um Werwölfe als literarisches Beispiel für domestizierte Vierbeiner zählen ebenfalls nicht. Was deinen Vorsprung gegenüber Brüno um zwei Punkte reduziert.“
Verflixt.

Zurück zum Sterben. Egal, mit welchem Wort man die letzte von uns zurückzulegende Etappe bezeichnet – zugegeben einschläfern klingt nicht gar so drastisch wie verenden, schlachten, Extinktion –: Einfach wird’s nicht. Darum Lob für unsere Hauskaspars: Die haben sich auf den Besuch des Sensenhundes vorbereitet.

Und danach? Was bleibt? Lassen Sie mich mit einem Hauskaspar‘schen Haiku antworten:

Sie holten dich ab
in deiner Lieblingsdecke.
Schnurrhaar am Sessel.

Ende.

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 10

5. Juni 2013 von eag

Die Quizfragen:

  • Wie heißt der Autor?
  • Wie lautet in dem Roman „Müller. Chronik einer deutschen Sippe von Tacitus bis Hitler“ der Vorname des Letzten aus eben dieser Sippe?
  • Beim Begräbnis des Autors werden zwei Gedichte vorgetragen. Wer ist deren Autorin?

Antworten bitte an: Literaturblog Duftender Doppelpunkt

Unter allen richtigen Einsendungen werden einige Bücher verlost.

Erinnerung: Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftenden Doppelpunkt.

Einsendeschluss: Dienstag, 18. 06. 2013 um 12:00 Uhr.

Alle bisherigen Fragen, Antworten und die das Quiz begleitenden Beiträge finden Sie auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933.

***

Das literarische Rätsel

Seine Mutter, eine Opernsängerin am königlichen Landestheater Prag. Sein Vater, ein wegen Gotteslästerung und Majestätsbeleidigung mehrmals vorbestrafter Sozialdemokrat, Pazifist und leitender Redakteur der Satirezeitschrift „Ulk“.

Er publiziert seine ersten Gedichte 1916 in „Der Sturm“, eine der großen avantgardistischen Zeitschrift ihrer Zeit, die von Herwarth Walden zwischen 1910 und 1932 in Berlin herausgegeben wird.

Nach dem Ersten Weltkrieg ist er unter anderem gemeinsam mit George Grosz sowie den Brüdern Herzfelde und Raoul Hausmann an den Aktionen der Berliner Dadaisten beteiligt. Einige seiner Gedichte aus dieser Zeit können in seiner erster Buchpublikation „Das politische Cabaret. Chansons Songs Couplets“ nachgelesen werden.

Ab Beginn der 1920er Jahre veröffentlicht er seine Lyrik und satirische Prosa in einer Reihe von (Literatur-)Zeitschriften, beispielsweise in der von Siegfried Jacobsohn herausgegebenen „Weltbühne“. In seinen Veröffentlichungen positioniert er sich klar gegen Antisemitismus, Militarismus und Nationalsozialismus.

Er gehört zu den Gründervätern des politisch-literarischen Kabaretts in Berlin. Als solcher schreibt er Texte für Max Reinhardts Kabarett „Schall und Rauch“, für Rosa Valettis Café „Größenwahn“ und für Trude Hesterbergs „Wilde Bühne“.

George Grosz meinte über ihn: „Als ich ihn kennen lernte, stand er ein wenig unter dem Einfluss futuristischer Dichtung, doch hat er schon damals seine eigene Linie und sein eigenes Talent für Tempo und dramaturgische Bewegung. Er war eine gute Mischung: ein Francois Villon von der Spree, mit etwas Heinrich Heine versetzt. ‚Weisse mit Schuss‘, würde der Berliner sagen.“

1921 zieht er nach Paris, wo er bis 1928 als Korrespondent für deutsche Zeitungen tätig ist. Auch verfasst er in dieser Zeit den Roman „Paris in Brand“ und übersetzt die Revolutionslieder der Pariser Kommune.

1929 wird sein Theaterstück „Der Kaufmann von Berlin“, eine Persiflage auf die Inflationsgewinnler, von Erwin Piscator in Berlin uraufgeführt. In weiterer Folge marschiert die SA vor dem Theater auf und Joseph Goebbels veröffentlicht in der Gauzeitschrift der Berliner NSDAP „Der Angriff“ einen Hetzartikel gegen den Autor, dessen Überschrift lautet: „An den Galgen“.

Selbstredend landen seine Bücher 1933 auf dem Scheiterhaufen. Der Verhaftung und dem KZ entzieht er sich durch Flucht in letzter Minute: Es ist der 27. Februar 1933, ein Tag vor dem Reichstagsbrand, als er von einem Mitarbeiter des Außenministeriums den Rat erhält, Deutschland sofort zu verlassen. Er reagiert umgehend und fährt nach Prag, später übersiedelt er nach Wien. Seine Mutter, die in Berlin bleibt, stirbt 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt.

Unter dem Titel „Müller. Chronik einer deutschen Sippe“ veröffentlicht er 1935 im österreichischen Gsur Verlag den ersten satirischen Roman über das NS Regime.

„Der ‚Gsur Verlag‘ bzw. der ‚Verlag Gsur & Co.‘ nimmt in der österreichischen Verlagslandschaft der dreißiger Jahre eine Sonderstellung ein. Was diesen Verlag einzigartig machte, war u.a., daß er von einem aktiven österreichischen Politiker geführt wurde, daß er wie kein zweiter Verlag dieser Zeit in Österreich eine so kompromißlos antinationalsozialistische Linie einhielt, daß er unter bewußtem und völligem Verzicht auf den reichsdeutschen Markt produzierte und schließlich, daß er durch die österreichische Behörde gezwungen war, seine Geschäftstätigkeit einzustellen.“ Via Österreichische Verlagsgeschichte von 1918 – 1938 von Murray G. Hall.

Als die Deutsche Wehrmacht 1938 in Österreich einmaschiert, kann er gerade noch in die Schweiz entkommen. Von dort führt ihn sein Weg nach Paris. Im Juni 1940 besetzt die nationalsozialistische Kriegsmaschinerie große Teile Frankreichs und er flüchtet weiter nach Marseille, in den unbesetzten, vom Vichy Regime kontrollierten Teil Frankreichs.

In dieser Zeit schreibt er die Mitternachtsbriefe. Im 10. dieser Briefe, er entsteht in der Sylvesternacht 1940/41, gedenkt er seiner toten Freunde.

In memoriam

An meine Kammer, wo ich welk,
Pocht zwölfmal an das Neue Jahr,
Spricht zugig hohl: Es war … es war …
Hängt seinen Jahrkranz ans Gebälk,
Verblüht – von Lügenluft erstickt –
Erschlagen – von der Not geknickt:
Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben …

(….)

Es weht ein Blatt – kaum leserlich:
„Die Dummheit, die wir persifliert …
Die macht Geschichte. Die regiert …
Herzlichst Tucholsky … Ohne mich! …“
In Schweden, krank, doch unbekehrt
Hat er den Schierlingstrank geleert …
Der beste Jahrgang deutscher Reben
Ließ vor der Ernte so sein Leben …

Der Amerikaner Varian Fry, in Yad-Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt, organisiert ab August 1940 von Marseille aus die Flucht vieler MigrantInnen. Durch seine Unterstützung gelingt beispielsweise Hanna Arendt, Heinrich Mann, Franz Werfel und Marc Chagall die Flucht.
Auch der gesuchte Autor kann mithilfe des von Fry aufgebauten Netzwerkes in die USA entkommen.

1952 erscheinen seine Erinnerungen mit dem Titel „Die verlorene Bibliothek. Autobiographie einer Kultur“ bei Rowohlt. Sie vereinigen autobiografische, zeit- und literaturgeschichtliche sowie politisch-gesellschaftliche Reflexionen.

1953 kehrt er nach Europa zurück. Er hält sich vorübergehend in Berlin, München, Hamburg und in Ascona, später in Zürich auf.

Er lebt von den „tröpfelnden“ Tantiemen und einer Entschädigungsrente als politisch Verfolgter.

Über die letzten Jahre des Autors schreibt Jürgen Serke in „Die verbrannten Dichter“: „Ein Domizil – 16 Quadratmeter groß. Darin ein Bett, ein Nachttisch, ein Schrank, ein Stuhl, ein Brett als Schreibbord. Darauf Tablettenschachteln, ein Dutzend Zigarettenpackungen für den Kettenraucher, schmutzige Wäsche auf einem großen alten Koffer. So lebte er, der Freund des Satirikers Kurt Tucholsky, des Physikers Albert Einstein, des Schriftstellers Alfred Döblin, des Journalisten Carl von Ossietzky, der Dichterin Else Lasker-Schüler, des Romaciers Ilja Ehrenburg.“

1976 ereilt ihn laut eigener Aussage „Die schlimmste Katastrophe meines Lebens“. Sein Roman über das Leben im Exil, er umfasst 800 handgeschriebene Seiten – die Essenz vieler Jahre schöpferischer Arbeit, geht verloren.

Er stirbt am 3. Oktober 1981.

„An meinem Leichnam soll die Welt gesunden! / Ich habe stets nur alles halb gemacht! / Ich habe auch das Pulver nicht erfunden! / Ich habe keinen Weltkrieg je entfacht! / Das Morden ist die Kunst der großen Geister, / Die sterben, hochgeehrt vom Vaterland! / Kopf ab vor Euch! / Ihr seid die wahren Meister! / Mein letztes Wort: Ich war nur Dilettant!“

Bevor er wieder weitgehend der Vergessenheit anheimfällt, findet ein prachtvolles Begräbnis statt und er erhält ein Ehrengrab der Stadt Zürich. Seinem letzten Wunsch entsprechend werden an seinem Grab zwei Gedichte von Mascha Kaléko vorgetragen. Auf seinem Grabstein finden sich die Zeilen: „Ich bin weder rechts noch links. Ich bin vertikal.“

Beiträge vor einem Jahr:
Literatur-Quiz – dritter Teil, Die Mai-Highlights im "Duftenden Doppelpunkt"

Irmgard Keun

4. Juni 2013 von eag

Literaturquiz anlässlich 80 Jahre Bücherverbrennung

Die Antworten auf das 9. literarische Rätsel

In dieser Quizrunde wurde nach Irmgard Keun gesucht.

Neben dem Namen der Schriftstellerin und dem Titel ihres Debutromanes wollten wir wissen, wie die Protagonistin im zweiten Roman der gesuchten Autorin heißt.

  • Irmgard Keun
  • „Gilgi – eine von uns“
  • Doris

Erinnerung:
Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftender Doppelpunkt.

Falls die Informationen, die wir für Sie über Irmgard Keun im literarischen Rätsel vom „Duftenden Doppelpunkt“ zusammengetragen haben, nicht ausreichen, sind Sie eingeladen, in folgenden Sites zu blättern:

FemBio – Irmgard Keun
Linksammlung der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin

Alle bisherigen Fragen, Antworten und die das Quiz begleitenden Beiträge finden Sie auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933″.

Die nächsten Quizfragen stellen wir am Mittwoch, dem 05. Juni 2013. Zu deren Beantwortung haben Sie bis Dienstag, dem 18. Juni 2013 um 12:00 Uhr Zeit.

Die Preise und ihre GewinnerInnen

Brigitta Eisenreich: Celans Kreidestern aus dem Suhrkamp Verlag geht an Jutta D.

Celans Kreidestern„Als Paul Celan Brigitta Eisenreich kennenlernt, hat sie ihre österreichische Heimat und ihre katholische Umgebung verlassen und lebt als Au-pair-Mädchen und Studentin in Paris. Sie ist 25, Celan 33 Jahre alt. Die zehnjährige Beziehung beginnt kurz nachdem Celan Ende 1952 Gisèle de Lestrange geheiratet hat. Bei der Geliebten findet Celan, der im Alltag Französisch spricht, die Sprache seiner Mutter wieder. Sprach- und Liebesakt werden eins – in vieler Hinsicht ist Brigitta Celans deutsche Frau in Paris.

Diese Liebesbeziehung ist eine der längsten und verborgensten Celans: fast keine Briefe, in den Büchern Widmungssternchen, ein Kreidestern auf der Schiefertafel an der Tür, wenn Celan Brigitta nicht antrifft. Man liest zusammen oder findet sich zu einem festlichen Mahl. Celan schenkt Brigitta Bücher, ein Buch etwa über Erotik in der jüdischen Mystik, er möchte sie zu einer „Herzens-Jüdin“ machen.“

Via Suhrkamp Verlag

Erich Fried: Die Freiheit den Mund aufzumachen aus dem Wagenbach Verlag geht an Susanne W.

Die Freiheit den Mund aufzumachen„Erich Fried, geboren 1921 in Wien, floh 1938 nach London, wo er bis zu seinem Tod 1988 lebte. Wegen seines Gedichtbands ‚und Vietnam und‘ (1966) noch heftig umstritten, wurde er später mit den Liebesgedichten (1979) zum meistgelesenen deutschsprachigen Lyriker seit Bertolt Brecht. Das Gesamtwerk Erich Frieds erscheint im Verlag Klaus Wagenbach.

Erich Fried: Die Freiheit den Mund aufzumachen. Achtundvierzig Gedichte: Fragen nach den Bedingungen der Freiheit, nach den Reden und Taten derjenigen, die die Würde des Menschen zitieren und den Ermessensspielraum meinen.
Und Fragen an diejenigen, die immer schon alles gewusst haben.

‚Wir aber mögen uns stärken sogar an den Schwächen eines klugen, mutigen und integren Menschen, der unser Zeitgenosse ist.‘“ So Christa Wolf über Erich Fried.

Via Wagenbach Verlag

Oskar Panizza: Fränkische Erzählungen aus dem Kleebaum Verlag geht an Herbert H.

149_0„Oskar Panizza. Diesen Mann kennen heute nur noch ganz wenige, und auch seine Bücher sind größtenteils vergriffen, und er selbst lebt in Franken in einem Irrenhaus. Dahin brachte man im Jahre 1904 den Dr. Oskar Panizza, der wohl, als er noch bei Verstande war, der frechste und kühnste, der geistvollste und revolutionärste Prophet seines Landes gewesen ist. Einer, gegen den Heine eine matte Zitronenlimonade genannt werden kann und einer, der in seinem Kampf gegen Kirche und Staat, und vor allem gegen diese Kirche und gegen diesen Staat, bis zu Ende gegangen ist. (…) Für seine Komödie ‚Das Liebeskonzil‘ wanderte Oskar Panizza anderthalb Jahre wegen Gotteslästerung ins Gefängnis – und abgesehen davon, dass man den § 166 des deutschen Strafgesetzbuches, der da die Gotteslästerer verdammt, abschaffen sollte: dieses Urteil traf gewiß keinen Kleinen, denn er hatte die Faust zum Himmel hinauf geschüttelt und Gott wirklich gelästert –, weil der die Syphilis erfunden hatte. Es gibt keine Stelle in dem gesamten Schaffen Wedekinds, die an Kühnheit und Große an diese Szenen heranreicht.“ Kurt Tucholsky

Wolfgang Fritz: Die Geschichte von Hans und Hedi. Chronik zweier Hinrichtungen aus dem Milena Verlag geht an Waltraud P.

Die Geschichte von Hans und Hedi„Die Geschichte von Hans und Hedi dokumentiert die erschütternden Ausmaße der nationalsozialistischen Terrorjustiz am Beispiel des Lebens und Sterbens des Ehepaars Schneider.

Der arbeitslose Malergehilfe Hans und die Hausgehilfin Hedi leben ein sehr einfaches Leben in der Erwerbslosensiedlung Leopoldau. Sie züchten Hasen, halten Hühner, pflegen ihre Obstbäume und das selbst gezogene Gemüse, um über die Runden zu kommen.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Hans zur Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik im Harz verpflichtet und ein Jahr später aufgrund seiner schweren Vergiftungserscheinungen wieder nach Wien zurückgeschickt. Kaum angekommen, wird dem Ehepaar eine Bagatelle zum Verhängnis: Eine kaputte Abziehmaschine, die für widerständige KommunistInnen in ihrem Gartenhäuschen untergestellt war, kostet ihnen beiden das Leben.

Wolfgang Fritz gelingt es, die Lebensgeschichte des Ehepaars Schneider in den großen politischen und historischen Kontext einzuordnen und somit einen wichtigen und eindringlichen Beitrag in der Erinnerungsarbeit vorzulegen. Menschen, die sich abseits des politisch organisierten Widerstands gegen den Nationalsozialismus stellten, werden in der Erinnerungsarbeit oft ausgespart. Die mikrogeschichtliche Aufarbeitung des Schicksals Einzelner trägt dazu bei, die Grausamkeit dieses dunklen Kapitels der österreichischen Vergangenheit niemals zu vergessen.“

Via Milena Verlag

Jonny Moser: Nisko – Die ersten Judendeportationen aus der Edition Steinbauer geht an Cornelia R.

Nisko die ersten JudendeportationenVor der „Endlösung der Judenfrage“ durch die Nazis gab es neben dem Druck auf Auswanderung kurzfristig auch eine Aktion, bei der man eine Ansiedlung ins soeben eroberte Gebiet rund um die ostpolnische Stadt Nisko in Angriff nahm.
Im Oktober 1939 führte Eichmann als Auftakt zur geplanten systematischen Deportation mithilfe der Zentralstelle für jüdische Auswanderung erste Transporte jüdischer Männer aus Wien, Mährisch-Ostrau und Kattowitz nach Nisko durch. Es sollte ein Judenreservat und das Auffanglager Zarzecze entstehen. Das Vorhaben scheiterte jedoch bald. Ein Teil der Männer wurde gleich nach der Ankunft verjagt und über die deutsch-sowjetische Demarkationslinie getrieben. Im sowjetischen Gebiet verhaftet und in Zwangsarbeitslager überführt, kamen die meisten von ihnen ums Leben. Die restlichen Männer wurden im Frühjahr 1940 nach Wien zurückgeschickt – und später ins KZ verschleppt.
Jonny Moser, Pionier der Holocaust-Forschung, legt nach langjährigen Recherchen eine erste umfassende Darstellung der Nisko-Aktion vor.

Via Edition Steinbauer

Beiträge vor einem Jahr:
Brillis Wort zum Montag

Brillis Wort zum Montag

3. Juni 2013 von bp

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brilli mit grauer Baskenmütze

Sensenhund – Teil 1

„Elvis ist tot,“ stellt Hauskaspar 1 nüchtern fest. „Das ist ja etwas ganz Neues,“ antwortet trocken Hauskaspar 2. Hauskaspar 1 rollt mit den Augen. „Nicht der mit der Gitarre und der Haartolle. Der mit dem Fell und den vier Pfoten.“
Zwetschke und ich schauen einander erschrocken an. Jetzt hat auch ihn der Sensenhund geholt. Den King Charles Spaniel aus dem Haus gegenüber. Mit Entsetzen stellen wir fest, dass einige unserer Freunde, viel von ihnen waren in den besten Hundejahren, nicht mehr unter uns sind.

Begonnen hat es mit Maxi, dem Langhaardackel von Haus Nummer 3. Wie oft knarzte die Stimme seines betagten Frauchens um sechs Uhr morgens durch die Gasse. „Mach Gacki!“ Kein Wunder, dass Maxi unter Verdauungsproblemen litt. Man stelle sich vor, ein Zweibeiner würde einen anderen Zweibeiner dazu auf offender Straße „motivieren“ … Jetzt sind sie beide nicht mehr: der Dackel und sein Frauchen. Wir werfen einen Blick auf unsere beiden Hauskaspars. Sie wirken recht fidel. Aber war nicht auch Sunnys Herrchen quietschvergnügt und plötzlich – zack – aus. Kurz darauf war es auch mit Sunny vorbei. Wir werfen einen Blick auf unsere beiden Hauskaspars. Hoffentlich sind sie wirklich noch so fidel, wie sie tun.
Letzte Woche ist Sam, der Hund vom Postamt, verstorben. Sein Frauchen ist noch schwer angeschlagen, Lebensgefahr besteht jedoch nicht. Wir blicken auf unsere beiden Hauskaspars … Fidel?
Manchmal hören wir Zweibeiner darüber klagen, wie schrecklich es sein wird, wenn ihre Vierbeiner nicht mehr sind. Wie oft haben wir schon gehört: „Ich weiß ja, dass es blöd ist, so zu reagieren, es ist schließlich nur ein Tier.“
Wie bitte?!

Fortsetzung folgt.

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

9. Lise-Meitner-Literaturpreis

29. Mai 2013 von eag

Lise Meitner Literaturpreis

Texte zum Thema Technik und Geschlecht

Bereits zum neunten Mal schreiben das Frauenreferat der HTU (Österreichische HochschülerInnenschaft an der Technischen Universität Wien) und die Kunstvereinigung Akunst den Lise-Meitner-Literaturpreis für deutsch schreibende Frauen aus.

Gesucht werden Texte, „die sich erzählend mit der Geschichte der Technik und Naturwissenschaft, mit dem Studium an einer Technischen Universität, mit Gefahren, Alternativen und Visionen auseinandersetzen, oder sich mit den Lebens-und Arbeitsbedingungen einer Frau im naturwissenschaftlichen Arbeitsfeld befassen“.

Die Teilnahmebedingungen:
Teilnahmeberechtigt sind in deutscher Sprache schreibende Frauen mit unveröffentlichten, höchstens dreißigseitigen Prosatexten (Experimentelles einschließlich).
Pro Autorin dürfen bis zu drei Texte eingereicht werden. Erwartet werden Texte zum Thema Technik und Geschlecht.
Die Texte bitte ohne Angabe von Namen und Adresse bitte in vierfacher Ausführung auf Papier an uns, biographische Informationen und Adresse bzw. Erreichbarkeit zur Person nur einmal extra beilegen.

Die Texte sind zu senden an:
Frauenreferat der HTU
Kennwort: Lise Meitner Literaturpreis
Wiedner Hauptstraße 8-10
1040 Wien

Einsendeschluss:
31. August 2013

Für Fragen steht Helga Gartner zur Verfügung.
Mail an Helga Gartner

Beiträge vor einem Jahr:
Literatur-Quiz - zweiter Teil, Literaturpreise

Brillis Wort zum Montag

27. Mai 2013 von bp

Ein Hund ein Wort

Redaktionshund Brilli mit grauer Baskenmütze

Doktor Doolittle

Brüno spricht wieder mit mir. Aber nur, weil wir unseren kürzlich begonnenen Wettstreit rund um das Thema „Mehr Hunde oder mehr Katzen im Kulturbereich?“ fortsetzten. Sie erinnern sich, wir stritten über die Frage „Gibt es es mehr Sprichwörter mit Katzen oder mit Hunden?“ Er eröffnete nun die nächste Runde mit dem Schwerpunkt: Hund und Katz‘ in der Literatur. Hier eine Kurzfassung dieses Disputs:
Ich legte los: „‚Krambambuli‘, ‚Die Wand‘, die Krimireihe um Miss Murphy.“ „Das ist eine Katze!“, fauchte Brüno. „Aber ein Corgie spielt darin ebenfalls eine wichtige Rolle“, schnappte ich zurück und setzte forsch fort: „‚Faust I‘ – der mit dem Pudel.“ „Der kommt doch nur ganz kurz vor!“ „Na und? Eine Katze kommt in dem ganzen Stück nicht vor!“ Ich ließ mich also nicht beirren, in rasendem Tempo zählte ich weitere Titel auf: „‚Wolfsblut‘, ‚Herr und Hund‘, die Geschichten rund um Werwölfe …“ Brüno fuchtelte mit seiner linken Vorderpfote. „Alice! ‚Alice im Wunderland‘. Die Grinsekatze! Und, und ‚Das Dschungelbuch‘.“ „‚Das Dschungelbuch‘?“ „Ja, da gibt es diesen Tiger Shir Khan“ „Nein, nein. Wildkatzen! Das geht nicht. Es müssen Haustiere sein.“ „‚Doktor Doolittle‘?“, fragte Brüno. „Ich weiß nicht“, antwortete ich. „Behandelt der auch gewöhnliche Katzen und Hunde?“ „Lass uns nachschauen“, schlug Brüno vor. Zum Glück stand das Buch in der untersten Reihe des Regals und so konnten wir es bequem rausfischen. Fasziniert von den Abenteuern Doktor Doolittles hatten wir auf unseren Zweikampf völlig vergessen. Zumindest dieses Mal. Wie ich Brüno jedoch kenne, wird er unser Gefecht fortsetzen wollen. Obwohl doch eh klar ist, wer gewinnen wird …

Ein herzliches Wuff,
Ihre Brilli Paralia

Brillis Elektro Post

Bücherverbrennung – Exilliteratur und ein Buchpaket

26. Mai 2013 von eag

Bücherpaket des Literaturblogs Duftender DoppelpunktDie BesucherInnen des „Duftenden Doppelpunktes waren eingeladen, die Seite „Bücherverbrennung – Exilliteratur“, eine umfangreiche Zusammenstellung von über 200 AutorInnen, deren Bücher verbrannt wurden und / oder die in der Zeit des Nationalsozialismus ins Exil gehen mussten, durch ihre Expertise zu ergänzen.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die uns gemailt und ihr Wissen zur Verfügung gestellt haben.

Unter allen Einsendungen haben wir ein Bücherpaket verlost. Es geht nach Salzburg an Frau Hannelore G. und beinhaltet folgende Bücher bzw. eine CD:

Über weitere Ergänzungen der über 200 AutorInnen umfassenden Zusammenstellung „Bücherverbrennung – Exilliteratur“ durch Sie freuen wir uns auch nach der Verlosung des Bücherpakets.

Laika Verlag Alexandra KollontaiFür uns überraschend haben wir heute vom Laika Verlag zwei Exemplare des Buches „Barbara Kirchner zu Alexandra Kollontai. Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin“ zur Verfügung gestellt bekommen. Im 8. Teil des Literaturquizes wurde nach Alexandra Kollontai gesucht und bereits am Anfang der Woche unter anderem ein Exmplar des Buches verlost.

Das zweite Exemplar senden wir der Person, die uns als erste ihr Interesse an dem Buch via Mail mitteilt.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse! Wir haben bereits einige Mails erhalten. Das Buch „Barbara Kirchner zu Alexandra Kollontai. Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin“ geht an Tamara K.

80 Jahre Bücherverbrennung – Literaturquiz Teil 9

22. Mai 2013 von eag

Die Quizfragen:

  • Wie heißt die Autorin?
  • Wie lautet der Titel ihres Debutromanes?
  • Wie heißt die Protagonistin im zweiten Roman der gesuchten Autorin?

Antworten bitte an: Literaturblog Duftender Doppelpunkt

Unter allen richtigen Einsendungen werden einige Bücher verlost.

Erinnerung: Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftenden Doppelpunkt.

Einsendeschluss: Dienstag, 04. 06. 2013 um 12:00 Uhr.

Alle bisherigen Fragen, Antworten und die das Quiz begleitenden Beiträge finden Sie auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933.

***

Das literarische Rätsel

1928 soll es sich zugetragen haben, dass Alfred Döblin nach einer Lesung in Köln, die Schauspielelevin kennenlernt und sie mit folgenden Worten zum Schreiben motiviert: „Wenn Sie nur halb so gut schreiben, wie Sie sprechen, erzählen und beobachten, dann werden Sie die beste Schriftstellerin, die Deutschland je gehabt hat.“

Sie ist Mitte zwanzig, als ihr 1931 mit ihrem Romanerstling der literarische Durchbruch gelingt. Kurt Tucholsky schreibt in der „Weltbühne“: „Hier ist Talent. Wenn sie noch arbeitet, reist, eine große Liebe hinter sich und eine mittlere bei sich hat: Aus dieser Frau kannn einmal etwas werden.“

1932 heiratet sie den Theaterregisseur und Schriftsteller Johannes Tralow und ihr zweiter, ebenfalls sehr erfolgreicher Roman wird veröffentlicht. Die Hauptfiguren beider Romane sind autobiographisch angelegt. Die Protagonistinnen sind moderne, selbstbewusste Frauen. Sie entsprechen so gar nicht dem nationalsozialistischen Frauenbild, in dem Haushalt und Mutterschaft eine zentrale Rolle einnehmen.

Trotz alledem versucht man, die Autorin für die Sache des Nationalsozialismus zu gewinnen. Sie lehnt entschieden ab. Letztlich werden ihre beiden Bücher als Asphaltliteratur gebrandmarkt und gehen auf den Scheiterhaufen des Jahres 1933 in Flammen auf.

„Mich macht das gottverfluchte Regime krank -die Luft ist vergiftet, man wagt nicht mehr zu atmen, geschweige denn zu denken. – Soweit ich –wenig genug – helfen kann, will ich helfen.“

(Aus einem Brief der Autorin an den Schriftsteller Martin Beradt, 1. April 1933, dem Tag des sogenannten ersten Judenboykotts).

Wegen des Verbotes ihrer Bücher meldet sie Ende 1935 Schadenersatzansprüche beim Landgericht Berlin an. Die Antwort des NS-Staates wird ihr in Form von Verhaftung und Verhören präsentiert. Sie kommt frei und flieht. Ihr Mann bleibt und arrangiert sich mit dem Regime.

Über den Moment, als sie das Deutsche Reich Richtung Belgien verlässt, wird sie 1947 in „Bilder und Gedichte aus der Emigration“ Folgendes schreiben: „Ich verreiste nicht, ich wanderte aus, und ich war keineswegs sicher, daß ich noch einmal wiedersehen würde, was ich verließ. Gewiß eines Tages würde es keinen Nationalsozialismus mehr in Deutschland geben. Aber wie viele böse Jahre der Ewigkeit würden bis dahin vergehen?“

In Ostende trifft sie Egon Erwin Kisch, Ernst Toller, Stefan Zweig und Joseph Roth. Über Letzteren schreibt sie später: „Joseph Roth war der einzige Mann, der mich je gefesselt hat, so daß manches Wort von ihm in meiner Seele Wurzeln schlug.“ In den nächsten zwei Jahren reisen sie viel gemeinsam. Sie sitzen im Cafe, trinken und schreiben … „Roth und ich machen die reinste Schreibolympiade. Meistens hat er abends mehr Seiten als ich, Roth hetzt mich maßlos, aber er hat recht.“

1937 erscheint im holländischen Exilverlag Querido „Nach Mitternacht“ – eine sehr genaue Beobachtung der ersten Jahre der nationalsozialistischen Diktatur. In dem Roman erzählt Susanne Moder, ein 19-jähriges Mädchen, das gerade die letzten zwei Tage vor ihrer Flucht aus Deutschland verlebt, über die Zeit seit dem 30. Januar 1933:

„Wir leben nun mal in der Zeit der großen deutschen Denunziantenbewegung. Jeder hat jeden zu bewachen, jeder hat Macht über jeden. Jeder kann jeden einsperren lassen. Der Versuchung, die Macht auszuüben, können nur wenige widerstehen. Mütter zeigen ihre Schwiegertöchter an, Töchter ihre Schwiegerväter, Brüder ihre Schwestern, Schwestern ihre Brüder, Freunde ihre Freunde, Stammtischgenossen ihre Stammtischgenossen, Nachbar ihre Nachbarn.“

Ihr Mann besucht sie in Ostende und will sie zur Rückkehr bewegen. Sie lehnt ab und ersucht ihn um die Scheidung, die er seinerseits ablehnt. Roth schlägt ihr vor, ihm zu schreiben, sie schlafe mit Juden und Negern. Die Ehe wird 1937 geschieden.

1938 trennt sie sich von Roth und reist in die USA. Zurück in Europa erlebt sie 1940 den Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Amsterdam. Mit falschen Papieren kehrt sie ins Deutsche Reich zurück. Die Falschmeldung über ihren Selbstmord, der durch die internationale Presse geht, ist ihr bei diesem Unterfangen hilfreich. Sie erlebt das Ende des nationalsozialistischen Regimes im Deutschen Reich.

1950 veröffentlichte sie den Roman „Ferdinand, der Mann mit dem freundlichen Herzen“. Der Erfolg bleibt aus. Auch die Neuauflagen ihrer älteren Romane verkaufen sich schlecht.

Sie ist 46, als ihre Tochter Martina geboren wird. Den Vater ihres Kindes gibt sie nicht bekannt. Sie versteckt sich als Mutter eines unehelichen Kindes im Deutschland der 50er Jahre keineswegs. Vielmehr inseriert sie das freudige Ereignis im Kölner Stadt-Anzeiger.

Letztlich verzweifelt sie zusehends und trinkt immer mehr: „Ich will fort von hier. Ich hasse es, hier zu sein – so hoffnungslos vergiftet und verschlammt ist alles hier.“ In den 60er Jahren muss sie sich in psychiatrische Behandlung begeben, ihre Tochter wird in ein Heim gebracht.

In ihrem letzten, 1950 veröffentlichten Roman „Ferdinand, der Mann mit dem freundlichen Herzen“ schreibt sie 32 Jahre vor ihrem Tode: „Ich will erleben, daß ich nicht mehr erleben kann und will.“ Sie stirbt im Alter von 77 Jahren an Lungenkrebs.

Wenige Jahre vor ihrem Tod erlebt sie noch die Renaissance ihrer Bücher und wird 1981 mit dem Marieluise-Fleißer-Preis ausgezeichnet.

Alexandra Kollontai

21. Mai 2013 von eag

Literaturquiz anlässlich 80 Jahre Bücherverbrennung

Die Antworten auf das 8. literarische Rätsel des dreiundzwanzigteiligen Quizes

Diese Quizrunde war dem Gedenken an Alexandra Kollontai gewidmet. Sie war als Volkskommissarin für soziale Fürsorge weltweit die erste Ministerin und vertrat später die Sowjetunion als Botschafterin im Ausland.

Durch ihre praktische Arbeit als auch ihre theoretischen und belletristischen Schriften stellt sie die einzementierten patriachalen Strukturen ihrer Zeit infrage. Auch heute noch können ihre Gedanken und Überlegungen als Anregung im Diskurs der Frauenbewegung bzw. des Feminismus dienen.

Neben dem Namen der Schriftstellerin und dem Titel ihrer Autobiographie wollten wir wissen, in welchen Ländern Alexandra Kollontai die Sowjetunion diplomatisch vertrat:

  • Alexandra Kollontai
  • Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin
  • Norwegen, Mexiko, Schweden

Es heißt, das Glück ist ein Vogerl. In weiser Voraussicht definiert der Volksmund die Art des gefiederten Glücksbringers nicht näher. In den Augen vieler mag er ein Zugvogel sein. Manch glücklichem Menschen erscheint er als Brieftaube. Wir freuen uns, dass erstmalig eine TeilnehmerIn zum zweiten Mal einen Buchpreis gewinnt. Herzlichen Glückwunsch an Frau Eveline S. in die Schweiz.

Erinnerung:
Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftender Doppelpunkt.

Falls die Informationen, die wir für Sie über Alexandra Kollontai im „Duftenden Doppelpunkt“ zusammengetragen haben, nicht ausreichen, sind Sie eingeladen, in folgenden Sites zu blättern:

FemBio – Alexandra Kollontai

Zeitungsartikel über Alexandra Kollontai

Alexandra Kollontai und die Rote Liebe

Texte von Alexandra Kollontai in englischer Übersetzung

Neben „Brennende Ruhr“ von Karl Grünberg, hat uns der RuhrEcho Verlag eine Broschüre über die Bücherverbrennung am 09. Juni 1933 in Bochum zur Verfügung gestellt. Dem bzw. der ersten InteressentIn schicken wir diese Broschüre gerne zu. Senden Sie uns einfach ein Mail.

Die Preise und ihre GewinnerInnen

Barbara Kirchner zu Alexandra Kollontai: Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin (1926) aus dem Laika Verlag geht an Peter G.

Laika Verlag„‚Es gibt nichts Schwereres, als eine Selbstbiographie zu schreiben‘. So beginnt Alexandra Kollontais Autobiographie, die zu Recht als ein Urtext der Frauenbewegung gilt. Dabei meistert die russische Revolutionärin dieses Genre eindrucksvoll. In ihrem ebenso einfühlsamen wie aufrüttelnden Text demonstriert sie der heutigen Leserschaft, dass Feminismus viel mehr ist als Frauenquoten in Vorstandsetagen. (Auf die aber dennoch heute mitnichten zu verzichten ist.)
Barbara Kirchner, Professorin für Theoretische Chemie an der Universität Leipzig und (gemeinsam mit Dietmar Dath) Autorin des aufsehenerregenden Buches ‚Der Implex‘, führt die LeserInnen in das Werk ein und stellt dabei prägnant heraus, wie viele aktuelle Anknüpfungspunkte Kollontais Ausführungen heute noch haben. So ist die Liebe eben auch gegenwärtig keine rein ‚private‘ Angelegenheit – auch wenn sie im Kapitalismus gerne als ausschließlich persönlicher Glücksgarant verkauft wird, für den jeder und jede selbst verantwortlich ist.“

Via Laika Verlag

Karl Grünberg: Brennende Ruhr. Roman aus der Zeit des Kapp-Putches aus dem RuhrEcho Verlag geht an Niki I.

Brennende Ruhr-Umschlag-Zweite-Auflage„Als Karl Grünberg, mein Vater, in den harten Wintermonaten des Jahres 1927 seinen Erstlingsroman ‚Brennende Ruhr‘ schrieb, war ich noch keine drei Jahre alt. Wir bewohnten eine Bretterlaube in einer Berliner Kleingartenkolonie, denn Vater war arbeitslos, und Mutter hatte alle Mühe, uns von dem knappen Geld jeden Tag etwas zum Essen vorzusetzen. Aber in der wenigen Zeit, die dem Vater zwischen Arbeitssuche und politischer Betätigung blieb, arbeitete er unbeirrt an dem Buch, das ihm sehr am Herzen lag.
Das Interesse der Arbeiterpresse war groß, mehrere ihrer Zeitungen im Ruhrgebiet druckten den Roman in Fortsetzungen ab. 1928 erschien dann im Greifenverlag Rudolstadt die erste Buchausgabe mit einem Vorwort des Dichters Johannes R. Becher.
Natürlich erregte das Buch den Hass der Nazis. Sie verbrannten es im Mai 1933 in Berlin auf dem Scheiterhaufen und warfen meinen Vater ins Gefängnis. 1943 erlebte er als zwangsverpflichteter Feuerwehrmann in Essen noch eine ‚Brennende Ruhr‘ im allerwörtlichsten Sinne.
Nach dem Kriege, ab 1947, erschien der Roman von neuem – wiederum im Greifenverlag zu Rudolstadt. In der DDR erhielt Karl Grünberg für das Buch den Nationalpreis (1953), 1967 diente es als Vorlage für einen zweiteiligen Fernsehfilm, und 1980 fand es Aufnahme in eine sechsbändige Werkausgabe. Es ist in eine Reihe anderer Sprachen übersetzt worden.“

Aus dem Geleitwort von Hella Schermer-Grünberg via RuhrEcho Verlag.

Jeweils ein Exemplar von Erich Kästner: Über das Verbrennen von Büchern aus dem Atrium Verlag geht an Petra P. und Marlies M.

Erich Kästner„Vor 80 Jahren, am 10. Mai 1933, wurden in Berlin unter der Aufsicht von Joseph Goebbels die Werke von zahlreichen deutschen Autoren ins Feuer geworfen. Nur ein einziger dieser Autoren war dabei persönlich anwesend. Es war Erich Kästner.

Erich Kästner ist doppelter Kronzeuge der Schandtat des Bücherverbrennens: In der Nacht des 10. Mai 1933 hat er auf dem von Flammen und Scheinwerfern taghell erleuchteten Berliner Opernplatz mitansehen müssen, wie seine Bücher ins Feuer geworfen wurden – um 1965 zu erleben, dass in Düsseldorf der »Bund Entschiedener Christen« abermals seine Werke verbrannte, unter Aufsicht der Polizei und begleitet von der Presse.
Über das Verbrennen von Büchern versammelt erstmals vier Texte von Erich Kästner, in denen er erzählt, was 1933 – und danach wieder – geschah, wie es geschah und warum es geschah. Dieses Buch ist nicht nur ein erschütterndes Zeugnis, sondern eine Warnung und Mahnung für alle Zeit.“

Via Atrium Verlag

Joseph Berlinger: Hoffnung Havanna. Die Odyssee des Regensburger Kunstradfahrers Simon Oberdorfer aus dem LOHRBär Verlag geht an Liselotte M.

Hoffnung-Havanna-148„Joseph Berlinger zeichnet in seinem Feature die dramatische Lebensgeschichte des Regensburgers Simon Oberdorfer nach. Eine Geschichte, die tragisch endete: Oberdorfer wurde 1943 im Vernichtunglager Sobibor von den Nazis ermordet. Dabei begann alles so euphorisch: Der Velodromgründer, Kunstradfahrer und Varieté-Direktor verpasste seinem Regensburg eine Frischzellenkur. In Oberdorfers architektonisch reizvoller Stadthalle gab es Zirkus und Tanz, Politik und Propaganda, Kunst und Kommerz, Show und Geschäft.

Das staunende Publikum erlebte Pistolenkünstler und Blitzdichter, dressierte Wölfe und die Sängerin Lona mit ihrem lichtscheuen Schimmel. Sogar indische Elefanten wurden zu einem Auftritt nach Regensburg gekarrt. Dabei wurden einem der Tiere am Bahnhof, durch einen Aufprall eines Zugwaggons beim Rangieren, beide Stoßzähne aus der Wurzel gerissen.

Entwurzelt wurde im Jahre 1939 auch Simon Oberdorfer: von den Nazis aus seiner Heimatstadt vertrieben. Es gelang ihm noch, einen Platz auf dem luxuriösen Ozeandampfer „St. Louis“ zu bekommen. Reiseziel: Kuba. An Bord waren 906 deutsche Juden. Doch im Zielhafen Havanna durften die Passagiere nicht an Land. Und auch die amerikanischen Behörden in Florida wollten die Emigranten nicht aufnehmen. Eine Odyssee begann: mit Verzweiflungstaten und Drohungen der Passagiere, sie würden Massenselbstmord begehen. Auf der Rückfahrt nach Europa plante der mutige Kapitän schon eine vorgetäuschte Havarie in Südengland, da kam die Erlaubnis für eine Landung in Antwerpen. Dort wurden die Juden auf vier Staaten verteilt: Belgien, Holland, Frankreich und England. Die Hoffnung trog.“

Via LOHRBär Verlag

Volker Weidermann: Das Buch der verbrannten Bücher aus dem Verlag Kiepenheuer & Witsch geht an Eveline S.

Das Buch der verbrannten Bücher„Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933: Wie es dazu kam, welche Bücher verbrannt wurden und was mit den Autoren geschah.

Volker Weidermann erzählt, wie dieser Tag verlief, an dem es trotzig regnete, er erzählt von dem Bibliothekar Herrmann, der die Urliste aller Listen erstellte, nach denen dann die Scheiterhaufen bedient wurden, und er erzählt von den Werken und ihren Autoren – und davon, wie willfährige Buchhändler und Bibliothekare die Bücher aus ihren Regalen entfernten, so gründlich, dass viele Werke und Autoren danach nicht wieder zum Vorschein kamen.
Das Ergebnis sind über 100 Lebens- und Werkgeschichten von Schriftstellern, darunter neben Klassikern wie Kästner, Tucholsky, Zweig, Brecht und Remarque auch völlig vergessene wie Rudolf Braune, ausländische Autoren wie Ernest Hemingway, und sehr viele, wie z.B. Hermann Essig, die unbedingt wiedergelesen werden sollten. Ein Buch über Bücher, Schicksale und ein Land, in dem zuerst Bücher verbrannt wurden und dann Menschen.“

Via Kiepenheuer & Witsch

Beiträge vor einem Jahr:
Brillis Wort zum Montag, Literatur-Quiz